27.12.2015

Rezension: The Dingo Debate

The Dingo Debate
Origins, Behaviour and Conservation

Bradley Smith (Hrsg)

SCIRO Publishing, 2015
330 Seiten
ISBN 978-1486300297
AU $ 39,95 / US $ 31,95

Inhalt
„The Dingo Debate“ erforscht die relativ unbekannte Geschichte von Australiens umstrittenstem Tier: dem Dingo. Dessen Existen7 wurde von je her durch seine Interaktionen mit Menschen geformt. Das Buch verfolgt die Geschichte des Dingo von seinen Anfängen als halb-domestizierter wild lebender Hund im Südosten von Asien bis zu seinem heutigen Status als wild lebendes heimisches Tier Australiens unter der Bedrohung der Ausrottung.

 Rezension
„The Dingo Debate“ hat eine sehr hohe Bedeutung für Diskussionen über den Wolf in Deutschland. Eine Vielzahl der im Buch angesprochenen Aspekte, nicht nur im Bezug auf die mögliche Gefahr für Nutztierhaltung und Menschen, kann nahezu 1:1 auf die derzeit wogende Debatte in Deutschland übertragen werden. Autoren des Buches sind neben Bradley Smith eine Reihe zum Teil sehr renommierte. So ist der schwedische Genetiker Peter Savolainen Coautor eines Kapitels über die molekulargenetischen und archäologischen Aspekte der Dingoeinwanderung, der renommierte Ökologieprofessor Christopher Johnson schreibt über den Dingo als ökologischen Faktor und über die mögliche Konkurrenz zu einheimischen größeren und kleineren Beutegreifer.
An etlichen Stellen ist das Buch durch sehr übersichtliche Tabellen mit jeweils Vergleichsangaben von Wolf, Dingo und Haushund strukturiert, sodass körperbauliche, aber auch Verhaltensmerkmale immer wieder in direktem Vergleich zwischen den drei Formen zu sehen sind.
Die derzeit aktuelle zoologische Nomenklatur bezeichnet den Dingo offensichtlich nun als Canis dingo, Meyer 1793. Dies ist zweifellos noch nicht unumstritten, scheint aber derzeit von der Nomenklaturkommission so akzeptiert.
Jedes der Kapitel enthält eine ausführliche Literaturliste, oft über mehrere Seiten, die auch die aktuellen Literaturbeiträge über Haushunde und Wölfe auf anderen Kontinenten enthält.
Die Kapitelabfolge beginnt mit einer Charakteristik des Dingos, einschließlich der bereits genannten Unterscheidungen vom Haushund und Wolf, und der ausführlichen Darlegung der genannten zoologisch-systematischen Benennung.
Im nächsten Kapitel über Biologie und Verhalten sind einige Aspekte bereits von besonderem Interesse:
Die mögliche Hypridisierung des Dingos mit dem Haushund wird ausführlich, und auch als eine Gefahr für die Verbreitung der Art in Australien diskutiert. Es handelt sich in der Regel um Dingohündinnen und Haushundrüden, die gemeinsam Nachwuchs zeugen, und die Aufzucht erfolgt dementsprechend meistens im Freiland.
Im Gegensatz zu den bisherigen Angaben finden die von Smith und Coautoren zitierten Studien meistens stabile Dingorudel, die allerdings durch das Fusion- Fissionssystem, ähnlich wie beispielsweise bei verwilderten Haushunden, nicht sofort als solche erkennbar sind. Dingos jagen nämlich meistens allein, der Zusammenschluss zur Jagd auf Großtiere ist auch bei ihnen nicht die Regel. Die Zyklen der Dingohündinnen werden offensichtlich durch die Photoperiode ausgelöst, und Dingohündinnen können, wenn sie bei der ersten Läufigkeit im Jahr nicht erfolgreich belegt wurden, noch einen Zyklus nachschieben. Die Fortpflanzungsaktivitäten der Rüden werden wohl mehr durch die Temperatur gesteuert. Jedoch betont der Beitrag immer wieder die große Variationsbreite, die allgemeingültige Aussagen immer etwas erschwert.
Interessante Beobachtungen zur Entwicklung von nahezu dreißig Dingowelpen, die in mehreren Würfen ausführlich studiert wurden, sind als Originaldaten im Band zu entdecken. Eine bemerkenswerte Beobachtung ist das Regurgitieren von Wasser, das eine frei lebende Dingohündin für ihre Welpen gebracht hat. Auch die Lautgebung wird ausführlich mit Originaldaten, Sonagrammen etc. beschrieben.
Das nächste Kapitelbeschäftigt sich mit der Herkunft und der Abstammung des Dingos. Sowohl durch paläontologische Daten, durch die Auswertung der Traumerzählungen einheimischer Aborigines, die Auswertung der geografischen Verschiebungen und die Molekulargenetik ergibt sich, dass der Dingo vor ca. fünftausend Jahren nach Australien gekommen sein dürfte. Die Abstammung von Hunden (nicht etwa von Wölfen) aus Südostasien und die Einwanderung wohl über Borneo und Neuguinea sind gut belegbar. Die genetische Variabilität aller Dingos in Australien ist sehr niedrig, möglicherweise sind nur ganz wenige Individuen (man spricht sogar von nur einem Rüden und zwei Hündinnen) die Stammeltern der gesamten Population gewesen.
Ein weiteres Kapitel beschäftigt sich mit der Rolle des Dingos im Lebensstil der indigenen Bewohner, Dingos waren offenbar oftmals Familienmitglieder, die auch durchaus gefühlvoll integriert waren, Trauerzeremonien etc. werden beschrieben. Als Jagdgehilfen dagegen werden sie wohl nur kaum eingesetzt worden sein und ihre Hilfestellung dabei wird auch sehr eingeschränkt gesehen.
Die nächsten beiden Artikelbeschäftigen sich mit dem Konflikt zwischen Dingo und Mensch. Konflikte durch Angriffe auf Nutztiere, die ökonomischen Auswirkungen und die Möglichkeiten einer aversiven Konditionierung zur Vergraulung von Dingos werden hier ausführlich geschildert, die wirtschaftliche Debatte ist offensichtlich durchaus noch nicht entschieden. Die Auswirkungen des Dingos auf die Huftierbestände sind also noch umstritten.
Das nächste Kapitel über Angriffe auf Menschen beschäftigt sich hauptsächlich mit der Aufarbeitung zweier, auch bei uns in den Medien ausführlich behandelter Fälle. Während das Problem des im Uluru Nationalpark verschwundenen Babys nach wie vor offen ist, und die Diskussion dieses Falls auch mehr als juristischer als aus biologischer Sicht erfolgt, ist der Angriff auf einen neunjährigen Jungen in Queensland durch zwei Dingos wohl eindeutig belegbar.
Im Zusammenhang mit diesen Angriffen auf Kinder werden dann auch einige weitere Aspekte im Zusammenhang mit Abfolge Attraktion – Habituation – Interaktion – Aggression diskutiert, und der Unterschied zwischen Habituierung und einseitiger Futterkonditionierung wird als überwiegendes Problem erwähnt. Auch die möglichen Einflüsse des Scheu - Wagemutig – Persönlichkeitstyps, also des A und B Typs werden im Text erwähnt.
Das Kapitel Wissenschaft beim Dingostudium ist eine ausführliche Zusammenstellung aller möglichen Feldmethoden, mit denen man Dingos untersuchen kann, und kann durchaus auch wiederum als Überblick gelten für diejenigen, die sich speziell mit der Kanidenforschung in freier Natur oder auch in Gehegen beschäftigen möchten.
Im nachfolgenden Kapitel werden die ökologischen Aspekte des Dingos diskutiert. Hier ist vor allem seine Rolle als Spitzenbeutegreifer von großer Bedeutung. Einerseits schließt der Autor Christopher Johnson weitgehend aus, dass der Beutelteufel und/oder der Beutelwolf auf dem australischen Festland überwiegend durch den Einfluss des Dingos als überlegenem Nahrungskonkurrenten ausgerottet worden seien. Durch Modellierungen verschiedener biologischer und auch anthropologischer Aspekte wird vielmehr der plötzliche Populationsanstieg des Menschen vor ca. fünftausend Jahren mit dem Aussterben der beiden genannten großen marsupialen Beutegreifer in Verbindung gebracht.
Eine wichtige, durchaus für die einheimische Flora und Fauna positive Wirkung des Dingos wird dagegen herausgestellt:
Einerseits ist seine Auswirkung auf die einheimischen größeren Känguruarten durchaus nachweisbar, größere Känguruarten nehmen in ihren Beständen deutlich zu, wenn die Dingos abnehmen. Dies wiederum hat negative Auswirkungen auf die Vegetation, die Anwesenheit von Dingos in einem Gebiet kann also durchaus für die Pflanzenwelt eine positive Wirkung haben.
Zum Zweiten ist, wie übrigens auch auf vielen anderen Kontinenten, das Phänomen der sogenannten Mesoprädatoren-Freisetzung (Mesopredator Release) von Bedeutung. Dingos halten Füchse und Katzen, die beiden wichtigsten eingeschleppten Feinde kleiner und mittelgroßer einheimischer Säugetiere, ganz offensichtlich kurz, und in mehreren Fällen wurden Fuchsangriffe auf Bestände heimischer Beutetiere sehr schnell nach dem Verschwinden der Dingos in einem Gebiet dokumentiert. Die Auswirkungen auf das Ökosystem – und zwar offensichtlich egal ob Wald, Grasland oder Wüste – sind also durchaus eher positiv zu sehen.
Die nächsten beiden Kapitel sind besonders interessant auch für diejenigen, die sich mit dem Verhalten des Haushundes in Menschenhand beschäftigen. Das Kapitel über Intelligenzleistungen zeigt, dass Dingos in sehr vielen Fällen die in Budapest, Leipzig und anderen Instituten angewendeten Intelligenz – Kognitions- und Kommunikationstests mit dem Menschen ebenso bestehen. Auch der durch Internetfilme weitgehend bekannte Fall des Dingos, der sich einen Tisch heranzieht, um dann ein aufgehängtes Stück Fleisch von der Decke zu holen, wird in Bild und Schrift ausführlich beschrieben. Auch in anderen Fällen zeigen Dingos Problemlösefähigkeiten, die durchaus denen von Haushunden von Menschenaffen entsprechen können. Auch hier werden wieder die Vergleiche zwischen Wolf, Dingo und Haushund in einer Übersichtstabelle dargestellt.
Das nächstfolgende Kapitel beschäftigt sich mit der Persönlichkeit von Dingos, und speziell dabei auch mit ihrer Eignung oder Nichteignung als Haustiere. Der Autor selbst maßt sich kein Urteil an, er schreibt, dass Dingohaltung als Heimtier zwar für ihn selbst  nicht in Frage käme, er jedoch durchaus Respekt und Achtung vor denjenigen hat, die es schaffen, diese einmalige Tierart als Begleittier zu halten.
Im nächsten Kapitel wird speziell die Praxis und die Bedeutung privater Dingoparks, auch hier durchaus modellhaft zu sehen für die vielen, derzeit aus dem Boden schießenden privaten Wolfparks bei uns, diskutiert.
Der Ausblick, der die Zukunft des Dingos in Australien bespricht, hält nochmals fest, dass vor allem die Vermischung mit dem Haushund, und gegebenenfalls eben die starke Populationszunahme des Menschen als mögliche Gefahren darzustellen wären.
Ingesamt also ein sehr wichtiges und lesenswertes Buch, dass nicht nur den Liebhabern der australischen Fauna oder der frei lebenden Wildkaniden, sondern auch den am Haushund und seiner Vorfahrenreihe interessierten und nicht zuletzt eben den vielen, selbst ernannten oder auch wirklich aktiven WolfschützerInnen in unserem Land zur Lektüre empfohlen werden kann. (Udo Gansloßer)

26.12.2015

Rezension: Karte der Wildnis

Karte der Wildnis
Robert Macfarlane

Verlag Matthes & Seitz, 2015
303 Seiten
ISBN 978-3957571014
34,00 €

Bestellen Sie das Buch hier

Inhalt
Wo gibt es heute noch Wildnis?, fragt sich Robert Macfarlane, als er den Straßenatlas ausbreitet und beschließt, die letzten unberührten Flecken Natur zu finden, die sich hinter den Schraffuren und Linien, Farben und Symbolen fernab der Schnellstraßen verstecken: abgelegene Inseln und verborgene Gebirge, unwegsame Moore und undurchdringliche Wälder. Seine Suche führt ihn von den schroffen Klippen im Norden Schottlands zu den verwunschenen Hohlwegen Südenglands, von der kargen Kalksteinlandschaft Westirlands zu den stürmischen Stränden Norfolks. Macfarlane durchschwimmt brandende See und stehende Gewässer, erklimmt steile Hänge und windumtoste Gipfel, oft an den Grenzen der Belastbarkeit, um am eigenen Leibe zu erfahren, was Wildnis ist und liest die Berichte derjenigen, die diese Orte vor ihm aufsuchten: Pilger und Philosophen, Forscher und Literaten. Was als Reise zur ungezähmten Natur begann, wird zum lebendigen Streifzug durch Raum und Zeit, der geologische wie kulturhistorische Schichten gleichermaßen durchstößt und auch vor der Wildnis der Städte nicht die Augen verschließt. Am Ende entsteht tatsächlich eine Karte der Wildnis , eine sprachmächtige Einladung zum Staunen, wie nah das Ferne, Fremde, Wilde uns immer noch ist.

Rezension
In der Serie „Naturkunden“ erscheinen im Verlag Matthes & Seiz Bücher, die von der Natur erzählen. In dieser Reihe ist auch das Buch „Karte der Wildnis“ erschienen. Schon äußerlich besticht es in seiner Schönheit und verlockt zum Anfassen: in historischem Format gebunden, Leinenstruktur, fadengeheftet und mit rotem Kopfschnitt.
Das Buch ist unterteilt in verschiedene geografische Kapitel (Insel, Tal, Moor, Wald, Gipfel etc.), die jeweils mit einem schwarz-weiß Foto bebildert sind.
Wer bei diesem Buch auf eine Reisebeschreibung zu „wilden“ Orten hofft und auf eine Anleitung, wo er sie finden kann, der wird enttäuscht – es sei denn, er kennt sich gut in Großbritannien aus. Offensichtlich geht der Autor davon aus, dass seine Leser die beschriebenen Orte bereits kennen. Ebenso setzt er eine gewisse Fachkenntnis bei geologischen oder anderen Begriffen im Buch voraus. Das Buch hat sich also für mich zunächst nur schwer erschlossen.
Gleichwohl hat mich die Magie der Worte von Macfarlane verzaubert und tiefer in das Buch hinein gezogen.
Wer bisher glaubte, um Wildnis zu erleben, müsse er weit reisen und andere Kontinente besuchen, der wird hier eines Besseren belehrt. Der Autor nimmt uns mit auf seine Reisen nach England, Irland und Schottland. Dabei beschreibt er die Wildnis so bildlich und schildert seine Erlebnisse so detailliert, dass wir mit ihm frieren, nass werden oder den Nachthimmel bestaunen. Er hat die Fähigkeit, die Landschaft zu fühlen und durch die Poesie seiner Sprache diese Gefühle auf den Leser zu übertragen.
Mir hat das Buch Lust gemacht, aufzubrechen und die geheime Wildnis vor meiner eigenen Haustür zu erforschen.
Ausgezeichnete Übersetzung von Andreas Jandl und Frank Sievers. (ehr)

23.12.2015

Rezension: H wie Habicht

H wie Habicht
Helen Macdonald

Allegria Verlag, 2015
416 Seiten
ISBN 978-3793422983
20,00 €

Bestellen Sie das Buch hier

Inhalt
Der Tod ihres Vaters trifft Helen unerwartet. Erschüttert von der Wucht der Trauer wird der Kindheitstraum in ihr wach, ihren eigenen Habicht aufzuziehen und zu zähmen. Und so zieht das stolze Habichtweibchen Mabel bei ihr ein. Durch die intensive Beschäftigung mit dem Tier entwickelt sich eine konzentrierte Nähe zwischen den beiden, die tröstend und heilend wirkt. Doch Mabel ist nicht irgendein Tier. Mabel ist ein Greifvogel. Mabel tötet.
,Ein Buch über die Erinnerung, über Natur und Freiheit - und über das Glück, sich einer großen Aufgabe von ganzem Herzen zu widmen.



Rezension

„H wie Habicht“ ist eine Mischung aus deprimierender Biografie und dem Tagebuch einer Falknerin. Es ist fesselnd, tief berührend und in einer wunderschönen, poetischen Sprache geschrieben.
Dennoch fühlte ich mich bei der Lektüre hin und her gerissen. Emotional war es für mich teilweise äußerst quälend, zu lesen wie der Habicht abgerichtet wurde, und ich fragte mich immer wieder: Warum tut sie das dem Tier an? Helen leidet unter dem Tod ihres Vaters und beschließt daraufhin einen Greifvogel zu kaufen, einzusperren und zu zähmen, um sich ihre Kindheitsträume zu erfüllen und ihre persönlichen Bedürfnisse zu befriedigen. Als jemand, der wilde Wölfe beobachtet stelle ich mir vor, wie es wohl wäre, wenn ich das einem Wolf antue: Ich hole ihn als Jungtier zu mir ins Haus, zähme ihn, halte ihn in der Wohnung, nehme ihn dann mit auf die Jagd und helfe ihm dabei, Beutetiere zu reißen. Jeder der halbwegs bei Verstand ist, wird das für eine absurde Idee halten.
Mabel, der Habicht, wird zu einem Leben gezwungen, das nicht natürlich ist. Das erzeugt bei aller Faszination, mehr über Greifvögel und ihre Abrichtung zu erfahren, beim Leser ein schmerzhaftes Gefühl des Unbehagens und Mitgefühls. Der Autorin ist dies durchaus bewusst. Sie liegt selbst im Widerspruch zwischen dem Wunsch, Mabel frei zu sehen und dem Bedürfnis, sie zu verstehen, in sie einzutauchen und so von ihrem Verlust zu heilen.
Trauer und Heilung durch Eintauchen in die natürliche Welt habe ich selbst mehrfach erfahren. Gleichwohl bin ich der Meinung, dass ich dazu diese natürliche Welt nicht manipulieren muss, sondern dass es reicht, sie zu beobachten, um eins mit ihr zu werden.
Ich möchte ausdrücklich betonen, dass ich hier weder die Falknerei verurteilen noch über sie diskutieren möchte. Dazu kenne ich die Materie viel zu wenig.
Als Leser – und als Tierfreund – komme ich nicht umhin, durch die äußerst intensiven Beschreibungen der Autorin mit dem Habicht zu fühlen und zu leiden.
Helen Macdonald empfindet diesen Konflikt selbst und nutzt ihn, um über Leben und Tod zu philosophieren.
Auch wenn ich „H wie Habicht“ überwiegend mit quälendem, schmerzenden Mitgefühl für Mabel gelesen habe, so hat mich die Sprache der Autorin in all ihrer Schönheit und Poesie fasziniert und in ihren Bann gezogen.

Ein großes Kompliment auch an Ulrike Kretschmer für die sicher nicht leichte und sehr gelungene Übersetzung. (ehr)


21.12.2015

Rezension: Menschenspuren im Wald

Menschenspuren im Wald
Ein Waldführer der besonderen Art - erkennen, verstehen, einmischen
Peter Wohlleben

pala-verlag 2015
160 Seiten
ISBN 978-3895663529
18,00 €

Hier können Sie das Buch bestellen

Inhalt
Wer geht denn da? Standardwerke zur Flora und Fauna spiegeln die Fülle des Lebens in der Natur wider. Aber viele Spuren, die wir im heimischen Wald finden können, sind menschlichen Ursprungs. Peter Wohlleben lädt deshalb mit seinem neuen Buch zum besonderen Waldspaziergang ein. Gewohnt unterhaltsam und leicht verständlich erklärt er, wie Wälder natürlicherweise aussehen. Aufschlussreiche Fakten und zahlreiche Farbfotos zeigen, wie Forstwirtschaft, Holzindustrie und Jagdverbände dem Wald ihre Stempel aufdrücken, aber auch, wie wir durch unsere Freizeitaktivitäten die Tier- und Pflanzenwelt beeinflussen. Mit diesem Waldführer wird jede Wanderung zu einer spannenden Entdeckungsreise. Markierungen oder Fahrspuren können so leichter »gelesen« werden. Totholz, Baumstümpfe oder Futterstellen verraten die Interessen der Waldbesitzer und Jagdpächter. Auf Schritt und Tritt wird dabei auch deutlich, was jeder Einzelne von uns tun kann, um diesem empfindlichen Ökosystem zu helfen. Für den Wanderrucksack ausdrücklich empfohlen!

Rezension
Ich bin ein hoffnungsloser Optimist und möchte an eine heile Welt glauben. Dass die Welt „da draußen“ leider nicht so ist, zeigt dieses Buch von Bestsellerautor Peter Wohlleben. Schonungslos, ehrlich und offen zeigt er die Spuren, die Menschen im Wald hinterlassen. Manipulation, Zerstörung, Missmanagement – es ist überall zu erkennen. Wie, das beschreibt der Autor und empfiehlt das Buch ausdrücklich für den Wanderrucksack. Aber ich muss ganz ehrlich sagen, ich packe lieber jedes andere Buch des Autors in den Rucksack. „Menschenspuren im Wald“ ist traurige Realität. Bleibt zu hoffen, dass wir Menschen endlich einmal umdenken und auf Nachhaltigkeit und Naturschutz setzen statt auf schnellen Kommerz. Wenn dies gelingt, trägt nicht zuletzt auch ein Buch wie dieses dazu bei. Hierbei hilft insbesondere auch das letzte Kapitel „Was bleibt zu tun“, das Ratschläge gibt, was jeder einzelne tun kann, um Einfluss auf die Waldwirtschaft zu nehmen. So frustrierend dieses Buch ist, so notwendig ist es leider auch. (ehr)

18.12.2015

Rezension: Unsere wilden Lieblinge (DVD)

Unsere wilden Lieblinge
Die geheimnisvolle Welt der Haustiere
John Downer (Regisseur)

DVD und Blue-ray
Polyband/WVG, 2015
Spieldauer: 100 Minuten
15,99 €

Hier können Sie die DVD und Blue-ray bestellen

Inhalt
Des Menschen bester Freund - sein Haustier. Klassische Kandidaten wie Katze oder Hund reihen sich neben Exoten. Und jedes Tier ist dank seines Charakters einzigartig. In zwei Folgen zeigt diese Dokumentationsreihe von John Downer wie unsere Haustiere trotz ihrer Domestizierung ihre Instinkte nicht vernachlässigen - sondern im Spiel ihrer wilden Seite treu bleiben. Beobachtet werden auch die geheimnisvollen Mittel tierischer Kommunikation in den Bereichen Jagd, Konflikt oder Freundschaft - die auch in unmittelbarer Umgebung mit Menschen und deren Zuhause zum Vorschein kommen.


Rezension
In zwei Mal 50 Minuten erleben wir einen Einblick in die geheimnisvolle Welt der Haustiere mit überraschenden Informationen. Oder wussten Sie, dass ein bellender Hund Luft mit einer Geschwindigkeit von über 160 km/h über seine Stimmbänder treibt und die Lautstärke 110 Dezibel erreichen kann, so viel wie ein vorbei fliegender Düsenjet?
Wunderschön die Zeitlupenaufnahmen, auch die unter Wasser oder die ungewöhnlichen Perspektiven, wenn der Hund eine Minikamera am Halsband trägt. Besonders faszinierend fand ich die Schlierenfotografie, mit der Luftströme sichtbar gemacht werden, die Gerüche transportieren. Sie zeigt, wie die Hundenase arbeitet.
Aber in diesem Film geht es nicht nur um Hunde, die mich als Wolfsforscherin natürlich besonders interessieren, sondern es werden zahlreiche mit uns im Haus lebenden Tierarten mit ihren ganz besonderen Fähigkeiten gezeigt. Ein faszinierender Film für die ganze Familie. (ehr)


17.12.2015

Niedersachsen: Kosten der Wolfspopulation im Raum Diepholz/Vechta

Der Niedersächsische Minister für Umwelt, Energie und Klimaschutz Stefan Wenzel hat namens der Landesregierung auf eine mündliche Anfrage der Abgeordneten Dr. Stephan Siemer und Ernst-Ingolf Angermann (CDU) geantwortet.

Vorbemerkung der Abgeordneten
Wie die Oldenburger Volkszeitung in ihrer Ausgabe vom 27. November 2015 berichtet, hat das Land bisher 16 Anträge auf Förderung wolfsabweisender Zäune mit einer Fördersumme von 77 000 Euro genehmigt. Antragsteller waren Tierhalter aus den Landkreisen Diepholz und Vechta. Darüber hinaus habe das Land 9 500 Euro als Ausgleichszahlungen für erlittene Wolfsschäden (Tierrisse) an Tierhalter aus diesen Landkreisen ausgezahlt.
Tierhaltern, die von einem Wolfsriss betroffen sind und die für ihre Herden wolfsabweisende Maßnahmen, wie z. B. Elektrozäune, Herdenschutzhunde und Herdenschutzesel, realisieren, entstehen zusätzliche Kosten, die auch in Bezug auf diese landwirtschaftliche Branche von volkswirtschaftlicher Bedeutung sind. Dazu sind folgende Beispiele zu nennen:
  • Schäfer, deren Herden von Rissen betroffen sind, treiben ihre Tiere von den Wiesen auf die Hofstelle. Dort müssen die Tierhalter dann unter hohen Kosten zufüttern.
  • Wolfsabweisende Zäune bedürfen, um ihre Funktionsfähigkeit zu erhalten, einer aufwendigeren Pflege und Unterhaltung.
  • Herdenschutzhunde und -esel verursachen erhebliche Anschaffungs-und dauerhafte Unterhaltungskosten. 
  • Verlieren überlebende Schafe nach einem Riss ihre Lämmer, bekommt der Tierhalter dies nicht als Billigkeitsleitung ersetzt. 
  • von Billigkeitsleistungen durch das Land sind auf 15 000 Euro pro Halter und für den Zeitraum von drei Jahrenbegrenzt (sogenannte De-Minimis-Regel). Tierhalter, die von Rissen stark und/oder mehrmals betroffen sind,müssen darüber hinausgehende Schäden selber tragen. 
  • Tierhaltungsbetriebe, insbesondere Schafzuchtbetriebe, die in durch den Wolf betroffenen Regionen liegen, sind kaum noch verkäuflich. Die Eigentümer stehen vor einem hohen Wertverlust. 

1.     Wie hoch beziffert das Land die bisher geleisteten Ausgleichszahlungen, die ursächlich auf die Tatsache zurückgehen, dass sich im Raum Diepholz/Vechta wieder eine Wolfspopulation gebildet hat?
Im Raum Diepholz-Vechta-Oldenburg kann erst von einer Wolfspopulation gesprochen werden, wenn sich eine Wolfsfamilie als Kernzelle einer Population bildet.
Es handelt sich dort um ein oder mehrere Einzeltier/e. Es ist noch nicht einmal von einem Rudel, also einer Wolfsfamilie die Rede, die die Kernzelle einer Population darstellen könnte. Ausgleichszahlungen im Sinne von freiwilligen Billigkeitsleistungen für durch einen bekannten oder gegebenenfalls mehrere unbekannte Wölfe verursachte Schäden an Nutztieren wurden im angesprochenen Raum im Zeitraum vom 04.11.2014 – 10.12.2015 bislang in Höhe von 9.500 Euro geleistet.

2. In welcher Höhe (Größenordnung, zu belastende Haushaltsstelle) wird das Land in 2016 nach eigener Planung Fördergelder und Ausgleichszahlungen aufgrund dieser Wolfspopulation leisten müssen?
Für 2016 sind 510.000 Euro für Kosten im Rahmen der Richtlinie Wolf (Billigkeitsleistungen und Präventionsmaßnahmen) veranschlagt. Für Erstattungen an die Landwirtschaftskammer für Beratungsfunktionen sind 30.000 Euro vorgesehen

3. Wie hoch schätzt das Land die im Zuge der Rückkehr des Wolfes entstehenden volkswirtschaftlichen Kosten, die bei den Tierhaltern anfallen und die den Tierhaltern nicht durch Zahlungen des Landes ausgeglichen werden?
Volkswirtschaftliche Kosten fallen nicht bei Einzelbetrieben an. Betriebswirtschaftliche Risiken und künftige Kostenentwicklungen einzuschätzen liegt in dem Aufgabenbereich der jeweiligen Betriebsleitungen, nicht in demjenigen der Landesregierung. Eine Einschätzung kann daher von hier aus nicht erfolgen.

Pressemitteilung Niedersächsisches Ministerium für Umwelt, Energie und Klimaschutz 17.12.2015

Versucht die niedersächsische Landesregierung, die Schafsrisse der Goldenstedter Wölfin kleinzureden?

Schriftliche Antwort des niedersächsischen Ministeriums für Umwelt, Energie und Klimaschutz

Der Niedersächsische Minister für Umwelt, Energie und Klimaschutz Stefan Wenzel hat namens der Landesregierung auf eine mündliche Anfrage der Abgeordneten Martin Bäumer, Dr. Stephan Siemer und Ernst-Ingolf Angermann (CDU) geantwortet.

Vorbemerkung der Abgeordneten
Durch die Pressemitteilung „Information über Nutztierrisse in den Kreisen Vechta und Diepholz“ des Wolfsbüros beim NLWKN (Niedersächsischer Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten-und Naturschutz) vom
16. November 2015 ist bei den betroffenen Schäfern der Eindruck entstanden, die Landesregierung wolle die Risse, die auf das Konto der Goldenstedter Wölfin gehen, relativieren.
Noch in der 43. Sitzung des Ausschusses für Ernährung, Landwirtschaft, Verbraucherschutz und Landesentwicklung am 28. Oktober 2015 hatte ein Vertreter des Ministeriums für Umwelt, Energie und Klimaschutz (MU) ausgeführt, dass nicht bei allen gerissenen Schafen bislang zu 100 % der Nachweis habe geführt werden können, ob die Schafe von dieser einen Wölfin gerissen worden seien. Die Wahrscheinlichkeit, dass die gerissenen Tiere der Wölfin zuzurechnen seien, sei allerdings relativ hoch. Nach Aussage des Ministeriumsvertreters seien 75 Tiere gerissen oder aber aufgrund der Verletzungen eingeschläfert worden. Verletzt worden seien 31 Tiere. Hinzu kämen die Risse aus dem aktuellen Fall, nämlich fünf verletzte Tiere, von denen drei eingeschläfert worden seien, und ein gerissenes Tier.
In der Pressemitteilung des NLWKN heißt es am 16. November 2015 hingegen: „Aus der vorgelegten Aufstellung ist ersichtlich, dass der in der Berichterstattung genannten Wölfin elf Fälle (mit 31 Tieren) eindeutig zugeordnet werden konnten (Stand: 14. November 2015).“
In der Aufstellung des NLWKN werden die Risse unterteilt in die 11 Fälle, die der Fähe eindeutig zugeordnet werden können. Bei weiteren 19 Fällen erfolgte keine genetische Individualisierung. In den Erläuterungen zu den 19 Fällen, bei denen nicht klar ist, welcher Wolf sie verursacht hat, steht: „Wolf festgestellt, aber keine genetische Individualisierung möglich, in 16 Fällen wurde der Haplotyp HW02 nachgewiesen (in Niedersachsen vorkommende Haplotypen: HW01/HW02: Der Haplotyp HW02 ist relativ selten, aber typisch für die Nachkommen des Gartower Rudels, aus dem die Barnstorfer Fähe stammt)“.
Wenn also der in 16 Fällen gefundene Haplotyp HW02 in Niedersachsen selten, aber ein eindeutiges Merkmal der Goldenstedter (Barnstorfer) Wölfin ist, liegt nach Meinung von Fachleuten der Schluss nahe, dass auch diese 16 Risse sehr wahrscheinlich von ihr verursacht wurden. Es wird vermutet, dass sich die vorherige Aussage des MU ebenfalls auf den gefundenen Haplotyp HW02 bezieht.

Vorbemerkung der Landesregierung
In der 43. Sitzung des Ausschusses für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz am 28.10.2015 hat ein Vertreter des Ministeriums für Umwelt, Energie und Klimaschutz mitgeteilt, dass die Wahrscheinlichkeit, dass auch die anderen Risse, bei denen die Tierart Wolf als Verursacher amtlich festgestellt wurde, auf das Konto der besagten Wölfin gingen, hoch sei. Diese Aussage wurde aufgrund des vorhandenen Kenntnisstandes getroffen, dass es in der betreffenden Region keine anderen Wölfe aktuell gab. Da es mittlerweile verschiedene Hinweise aus der Region auf die Existenz eines oder sogar mehrerer weiterer Tiere gibt, muss die Anzahl der Wölfe neu festgestellt werden. Die Frage, welche Risse eindeutig der Barnstorfer Fähe zuzuordnen sind, konnte daher nicht anders beantwortet werden als in der o.g. Pressemitteilung.

1. Ist die Wahrscheinlichkeit relativ hoch, dass mindestens 16 der 19 Risse „ohne genetische Individualisierung“ in der Aufstellung des NLWKN der Goldenstedter Wölfin zugerechnet werden müssen?
 Bei 16 Fällen wurde der Haplotyp HW02 festgestellt, der von einem oder mehreren Individuen aus der gleichen mütterlichen Linie stammen kann, aber auch bei anderen Wölfen in Deutschland verbreitet ist. Ein mitochondrialer Haplotyp erlaubt keine individuelle Zuordnung. Die Landesregierung kann über Wahrscheinlichkeiten keine Aussage machen, da dieses reine Spekulation wäre.

2. Wie viele der Risse in der Region werden von den betroffenen Schäfern der Goldenstedter Wölfin zugerechnet? 
Es gibt in Schäferkreisen in der Region sehr unterschiedliche Angaben hinsichtlich der Zurechnung der Nutztierrisse zu der Barnstorfer Fähe. Die der Öffentlichkeit bekannt werdenden Einschätzungen geben somit nicht die tatsächliche Situation wieder. Erst die amtliche Feststellung der Verursacherschaft durch den NLWKN kann weitere Klarheit bringen.

3. Wie erklärt die Landesregierung die unterschiedlichen Einschätzungen zu den tatsächlichen Risszahlen der Goldenstedter Wölfin vonseiten des NLWKN und vonseiten der Schäfer?

siehe Antwort zu Frage 2

(Pressemitteilung vom 17.12.2015)


16.12.2015

Rezension: Streuner!

Streuner!
Straßenhunde in Europa

Stefan Kirchhoff

Kynos, 2014
208 Seiten
ISBN 978-3954640256
29,95 €

Hier können Sie das Buch bestellen


Inhalt
Drei Monate lang war Stefan Kirchhoff mit seinem VW-Bus und seiner Kameraausrüstung über 8000 km weit in Süd- und Südosteuropa unterwegs, um das Leben der Straßenhunde zu dokumentieren. Den gelernten Tierpfleger und Tierheimleiter, der beruflich stets sehr viel mit Auslandshunden zu tun hatte, interessierte dabei vor allem, wie die Streuner jenseits reißerischer Negativ- und Mitleidsberichte tatsächlich leben, wie sie sich verhalten und sozial organisieren, wie sie Probleme lösen und Überlebensstrategien entwickeln. Damit eröffnen sie uns neue Erkenntnisse darüber, was ein Hund eigentlich den ganzen Tag lang so tun dürfte, wenn er sein eigenes Leben führen dürfte – ein hochinteressanter Punkt, der von der Verhaltensforschung bisher kaum berücksichtigt wurde. Kirchhoffs Beobachtungen helfen Besitzern von aus dem Ausland vermittelten Tierschutzhunden außerdem, die mögliche Vergangenheit ihrer Tiere kennenzulernen und damit ihr Wesen besser zu verstehen. Der Hund, wie er in dieser Form noch nie beobachtet und fotografiert wurde –entdecken Sie mit diesem Buch die noch eher unbekannten Seiten von Canis familiaris!

Rezension
Das Buch zeigt ein eindrucksvolles Bild der Straßenhunde in unterschiedlichen Ländern. Dabei beschönigt der Autor weder etwas, noch dramatisiert er. Er beleuchtet das Leben der Hunde, ihre Kommunikation, die Probleme aber auch Vorzüge ihres Lebens, analysiert die Berührungs- und zuweilen auch Reibungs-Punkte zum Menschen und die vielschichtige Arbeit des Tierschutzes. Warum neither and release (also kastrieren und wieder freilassen) auf Dauer sinnvoller und auch tiergerechter ist, als Tierheime und Vermittlungen. Welche Konflikte Hunde in engen Tierheimzwingern bewältigen müssen, die ihnen auf der Straße erspart bleiben. Wo die Unterschiede zwischen einem Rudel und dem losen Verband von Straßenhunden besteht. Warum nicht alle Hunde mit einem Herrchen und Frauchen unbedingt glücklicher sein müssen. Immer wieder zeigt der Autor auch deutlich die unterschiedliche Mentalität der Streuner-Länder auf, sowie die Tatsache, dass das oftmals recht entspannte Zusammenleben der Menschen mit den Straßenhunden in Deutschland kaum denkbar wäre. Streuner ist viel mehr als ein Bildband. Das Buch will kein Mitleid erregen, sondern liefert Fakten, die uns das Leben der Straßenhunde in all seine Facetten – mit Vorzügen, Problemen und Gefahren – näherbringen kann. (Tanya Carpenter)


15.12.2015

Rezension: Hund auf Rezept

Hund auf Rezept
Warum Hunde gesund für uns sind

Dr. Milena Penkowa

Kynos, 2014
188 Seiten
ISBN 978-3954640287
24,95 €

Hier können Sie das Buch bestellen


Inhalt
Hunde sind gut für die Gesundheit – das ist schon länger bekannt. Aber wussten Sie, dass sie auch ganz konkret Krebs, Herzinfarkten und Demenz vorbeugen können? Dass Kinder, die mit Hunden aufwachsen, weniger unter Allergien und Asthma leiden oder Hunde selbst schwere Erkrankungen wie Parkinson, Alzheimer oder bösartige Tumore bessern können? Die Neurologin Prof. Dr. Milena Penkowa legt detailliert dar, wie, warum und wann Hunde der kürzeste Weg zu besserer Gesundheit und Widerstandskraft und damit zu einem stress- und krankheitsfreien Leben sind. Auch wenn sie sich dabei auf streng wissenschaftliche Fakten stützt, ist das Buch ein echter Lesegenuss: Die aktuellen und zum Teil revolutionären Forschungsergebnisse führen uns deutlich vor Augen, wie eng miteinander verbunden Hund und Mensch nicht nur auf kulturhistorischer oder emotionaler, sondern auch auf biologischer Ebene sind. Hunde tun gut – wissenschaftlich erwiesen!

Rezension
Hunde tun der Seele gut. Das wissen wir schon lange. Ihre hohe Sozialkompetenz, ihr Familiensinn, ihre Ergebenheit und ihre bedingungslose Liebe und Zuneigung sind etwas, das in der heutigen Menschenwelt immer seltener und daher umso kostbarer wird.
Darüber hinaus können Hunde jedoch auch Krankheiten erschnüffeln. Sie nehmen Veränderungen des Blutzuckers wahr oder der Hormone. Sie fühlen nahende Krampfanfälle und sind sogar in der Lage, kranke Zellen – wie etwa Krebs – früher zu finde als jedes Diagnosegerät.
Einen Hund zu streicheln, kann den Blutdruck senken, entspannt, wirkt stimmungsaufhellend, tröstend. Ein Hund bringt uns dazu, uns mehr zu bewegen, um sein natürliches Bedürfnis zu befriedigen, was auch uns gut tut. Menschen, die mit Hunden zusammenleben, haben nachweislich ein stärkeres Immunsystem und mehr psychische Stabilität. Menschen mit geistig-psychischem Handicap, zu denen andere Therapeuten kaum Zugang finden, reagieren oft sehr positiv sensibel auf einen sanften, geduldigen Therapiehund. Vielleicht, weil wir instinktiv wissen, dass wir von den Hunden nicht nach den erdrückenden menschlichen Wertemaßstäben bemessen werden, sondern sie uns völlig unvoreingenommen begegnen – also keinen Druck auf uns ausüben.
Dies sind nur einige wenige Beispiele, die die Autorin letztlich noch viel tiefgehender aufgreift und beleuchtet. So auch das Thema Alzheimer/Demenz, Epilepsie, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Behinderungen und psychische Auffälligkeiten. Objektiv beschreibt sie die möglichen, positiven Einflüsse, aber auch die Risiken und Kehrseiten. Sie erklärt die Wurzeln der Mensch-Hunde-Beziehung, die vielfältigen Sinne und sensorischen Fähigkeiten der Hunde und wie sich diese auf das Zusammenleben mit dem Menschen auswirken. So hat mich zum Beispiel beeindruckt, dass Hunde sogar helfen, Kinder mit einer Leseschwäche zu fördern.
Klar wird: Das breite Feld der Einsatzmöglichkeiten von Hunden für unsere körperliche, geistige und seelische Gesundheit ist noch längst nicht vollständig erforscht. Ebenso wenig wie die Fähigkeiten und Wahrnehmungen der Hunde selbst, die nicht nur unsere eigenen, sondern auch unsere Vorstellungen davon, bei weitem zu übersteigen scheinen. (Tanya Carpenter)

14.12.2015

Rezension: Leinenrambo

Leinenrambo
Positiv trainieren – entspannt spazieren

Sabrina Reichel

Kynos, 2014
88 Seiten
ISBN 978-3954640270
14,95 €

Hier können Sie das Buch bestellen


Inhalt
Hunde, die sich bei Begegnungen mit anderen Hunden in wahlweise tobende Rambos oder zitternde Nervenbündel verwandeln, sobald sie an der Leine sind, sind ein häufiges Phänomen und strapazieren die Geduld ihrer Besitzer auf Äußerste. Dieses Buch erklärt, welche Mechanismen diesem Verhalten zugrunde liegen und bietet konkrete Trainingsanleitungen, damit Hund und Mensch die Spaziergänge an der Leine wieder genießen können.



Rezension
Das Buch beschäftigt sich zwar vorrangig mit dem Thema Leinenführigkeit, geht aber erfreulicherweise auch noch einen Schritt weiter, indem es analysiert, welche Gründe ursächlich für das An-der-Leine-ziehen sein können und wie man sie jeweils umlenkt. Dabei erfolgt die Korrektur gewaltlos durch positive Konditionierung und Stärkung der Mensch-Hunde-Bindung. Auch die vielen Ausführungen und Zeichnungen/Bilder, die das Verhalten und die Kommunikation des Hundes erklären, die Situationen aus Sicht des Hundes beleuchten und so für den Hundehalter verständlich machen, sind gut nachvollziehbar und nützlich. Mit Geduld und konsequenter Übung sollte so jeder seinen Leinenrambo zu einem freudig-führigen Hund erziehen können. (Tanya Carpenter)

13.12.2015

Rezension: Der Diabetikerwarnhund

Der Diabetikerwarnhund
Das Praxishandbuch zur Ausbildung

Nina Grosser und Viktoria Körner

Kynos, 2014
192 Seiten
ISBN 978-3954640263
29,95 €

Hier können Sie das Buch bestellen


Inhalt
Diabetes Mellitus in all seinen Formen gilt mittlerweile als die Jahrhundert-Epidemie: Im Jahr 2011 zählten bereits 7% der Weltbevölkerung, das heißt 366 Millionen Menschen, als Diabetiker – Tendenz stark steigend. Der Diabetikerwarnhund, der den sinkenden Blutzuckerspiegel seines Besitzers wahrnimmt und ihn darauf aufmerksam macht, gewinnt als erwiesenermaßen sinnvolles Hilfsmittel heute zunehmend an Bedeutung und erhält immer größere mediale Aufmerksamkeit. Das Zusammenspiel zwischen Ausbildung der Hunde, Hunde- und Menschenverhalten und Diabeteserkrankung ist äußerst facettenreich. Die Autorinnen bringen diese komplexe Konstellation auf verständliche, anwenderfreundliche und dennoch professionelle Art und Weise dem Leser nahe. Das Buch richtet sich sowohl an Hundetrainer als auch an Diabetiker mit oder (noch) ohne Hund. Ausflüge in die Geruchslehre, das Ausdrucksverhalten des Hundes und die Grundlagen des Hundetrainings runden das Gesamtbild ab.

Rezension
Anfangs war ich etwas skeptisch, denn die Ausbildung eines Diabetikerwarnhundes ist sicher
keine Sache, die man in Eigenregie autodidakt vornehmen sollte. Wie auch bei Blindenhunden, Behindertenhunden oder Therapiehunden liegt eine große Verantwortung in der richtigen Auswahl und der liebevollen, konsequenten Ausbildung eines Diabetikerwarnhundes. Aber trotz allem bleibt der Hund ein Hund, und gerade das ist die große Stärke dieses Buches.
Neben der Erläuterung der Ausbildung, die schon bei der Auswahl der Rasse und des richtigen Hundewelpen ansetzt, wird auch deutlich der normale Alltag und die Phasen der Entspannung für die Hunde beschrieben. Wie wichtig es ist, dass sie Pausen haben, spielen und toben dürfen, ihre natürlichen Bedürfnisse befriedigen müssen und ausreichend Ruhephasen haben, in denen der Mensch selbst für seine Zuckerwerte verantwortlich ist. Ein Diabetikerwarnhund ist keine 24-Stunden-Alarmanlage, sondern ein Lebewesen, das nur „funktionieren“ kann, wenn auch seine eigenen Bedürfnisse gestillt sind und es sich immer wieder ausreichend regenerieren kann.
Das Buch ist aus meiner Sicht für Betroffene wie für Ausbilder gleichermaßen wichtig und wertvoll, besonders für das Wesen Hund. (Tanya Carpenter)

03.12.2015

Für die Klimakonferenz in Paris ...

Diese Rede von Severn Suzuki vor den Vereinten Nationen ist heute aktueller denn je. Severn ist Tochter des berühmten Umweltaktivisten und Naturfilmers David Suzuki. Anlässlich der Klimakonferenz 2015 stelle ich das Video hier noch einmal ein.


23.11.2015

Fachgespräch Wolf im Bundestag

Wie Landwirte und Jäger den Wolf sehen 


Nachdem sich der Umweltausschuss in einem Fachgespräch bereits mit dem Wolf befasst hat, steht das Tier am Mittwoch, 25. November 2015, auch im Mittelpunkt eines öffentlichen Fachgesprächs des Ausschusses für Ernährung und Landwirtschaft. Geht es im Umweltausschuss um Artenschutz und Management, so richtet der Agrarausschuss seinen Fokus unter dem Titel „Der Wolf im Spannungsfeld von Land- und Forstwirtschaft und Jagd“ auf den Herdenschutz. Die Sitzung unter Vorsitz von Alois Gerig (CDU/CSU) beginnt um 8 Uhr im Sitzungssaal 1.302 des Jakob-Kaiser-Hauses in Berlin und dauert eineinhalb Stunden. (Foto: Gunther Kopp)

Die Sitzung wird live im Internet auf www.bundestag.de und auf mobilen Endgeräten übertragen.

„Erhebliches Konflikt- und Gefährdungspotenzial“
Der Deutsche Bauernverband sieht in der Rückkehr des Wolfes ein erhebliches Konflikt- und Gefährdungspotenzial. Nicht akzeptabel seien Forderungen, nach denen sich die Nutztierhaltung auf der Weide den neuen Gegebenheiten anzupassen habe. Dies werde dem Ernst der Lage nicht gerecht und verkenne, dass die Rückkehr des Wolfes die Weidehaltung von Schafen, Ziegen, Pferden und Kühen im Grundsatz infrage stellen könne.

Statt sich weiterhin nur auf die Wiederansiedlung des Wolfes zu fokussieren, müssten die Belange der Weidetierhaltung und der Landwirte stärker in den Blickpunkt rücken, so der Bauernverband. Die Bedürfnisse und Sorgen der Landwirte und Grundeigentümer sowie der Bevölkerung im ländlichen Raum dürften nicht weiter ignoriert werden. Es sei dringend erforderlich, auf Bundesebene durch Schaffung eines Kompetenzzentrums unter “ausgewogener Beteiligung von Landwirten und Weidetierhaltern“ ein koordiniertes und zwischen den Bundesländern abgestimmtes Vorgehen beim Umgang mit dem Wolf zu gewährleisten.

„Berechtigte Anliegen der Jägerschaft“
Auch der Deutsche Jagdverband fordert, die Argumente der ländlichen Bevölkerung ernst zu nehmen. Dies gelte auch für die „berechtigten Anliegen der Jägerschaft“, natürliche Ressourcen nachhaltig nutzen zu wollen. Der Jagdverband fordert einen nationalen Wolf-Managementplan, der auch die Bestände der Beutetiere des Wolfes mit einbezieht und Handlungsempfehlungen für bekannte Konfliktszenarien einschließlich Seuchenprophylaxe enthält. Wissensdefizite zur Raumnutzung des Wolfes in der Kulturlandschaft müssten abgebaut werden, um möglichst realitätsnahe Habitatmodelle entwickeln zu können.

Der Jagdverband fordert Bund und Länder auf, sich damit auseinanderzusetzen, wie die zunehmende Wolfspopulation auf einem stabilen, den Lebensraumbedingungen angepassten Niveau gehalten werden kann. (vom/20.10.2015)

Zeit: Mittwoch, 25. November 2015, 8 bis 9.30 Uhr
Ort:  Berlin, Jakob-Kaiser-Haus, Sitzungssaal 1.302

Interessierte Besucher, die an der Sitzung teilnehmen möchten, können sich beim Sekretariat des Ausschusses (Telefon: 030/227-37986, Fax: 030/227-36022, E-Mail: elv-ausschuss@bundestag.de) unter Angabe des Vor- und Zunamens sowie des Geburtsdatums anmelden. Zum Einlass muss ein Personaldokument mitgebracht werden.
 
Liste der geladenen Sachverständigen


  •     Dr. Norman Stier, Technische Universität Dresden - Forstzoologie
  •     Frank Faß, Wolfcenter GbR
  •     Gesa Kluth, LUPUS Institut für Wolfsmonitoring und -forschung
  •     Jürgen Körner, Arbeitsgemeinschaft Herdenschutzhunde e.V.
  •     Markus Bathen, NABU - Naturschutzbund Deutschland e.V.
  •     Projektbüro Wolf


  • 22.11.2015

    Rezension: Der Biophilia-Effekt

    Der Biophilia-Effekt
    Heilung aus dem Wald

    Clemens G. Arvay

    edition a, 3. Aufl., 2015
    253 Seiten
    ISBN 978-3990011133
    21,90 €

    Hier können Sie das Buch bestellen

    Inhalt
    Der Wald tut uns gut, das spüren wir intuitiv. Doch was bisher mehr ein Gefühl war, belegt jetzt die Wissenschaft. Sie erforscht das heilende Band zwischen Mensch und Natur, das einen viel stärkeren Effekt auf uns hat, als wir bisher dachten. So kommunizieren Pflanzen mit unserem Immunsystem, ohne dass es uns bewusst wird, und stärken dabei unsere Widerstandskräfte. Bäume sondern unsichtbare Substanzen ab, die gegen Krebs wirken. Der Anblick unterschiedlicher Landschaften trägt zur Heilung unterschiedlicher Krankheiten bei, und wenn ein Spaziergang im Grünen die Stimmung aufhellt, hat das auch einen Grund. Clemens G. Arvay zeigt diesen Biophilia-Effekt nicht nur, er sagt auch, wie wir ihn mit Übungen besonders gut für uns nützen können. Im Wald oder auch im eigenen Garten.

    Rezension
    Biophilia ist die Liebe des Menschen zur Natur, zum Lebendigen. Der Biophilia Effekt bedeutet Naturerfahrung und Wildnis. Darum geht es in diesem Buch.
    Michael Jackson holte sich Inspiration für seine Songs, indem er in die Krone eines hohen Baumes kletterte. Tierfreunde senken ihren Blutdruck beim Kuscheln mit ihrem Hund oder dem Streicheln ihrer Katze. Ich selbst finde Frieden, Trost und Kreativität auf einem Berg in Yellowstone, wo ich auf rauchende Quellen und ausbrechende Geysire blicke, die mich dem Inneren der Erde so nah sein lassen.
    So schön, zu erfahren, dass es ausreicht, in den Wald zu gehen, um gesund zu sein oder zu bleiben. Wir müssen weder joggen noch Rad fahren. Es reicht, wenn wir uns drei Tage unter Bäume mit ausladenden Kronen setzen und schon ist die Anzahl der natürlichen Killerzellen drei Wochen lang erhöht.
    Dass die Natur heilt, ist nichts Neues. Unser „evolutionär geschultes Reptiliengehirn sucht instinktiv immer die Orte auf, die uns gut tun. In seinem Buch legt der Autor verständlich und nachvollziehbar dar (und belegt dies auch mit Studien), dass der Erhalt von Naturgebieten und Wildnis nicht nur einen ökologischen Nutzen hat, sondern dass auch die Gesundheit der Menschen davon profitiert.
    Die Natur, die Tiere, die Pflanzen, sie alle beurteilen uns nicht. In der Natur zu sein, fernab der modernen Zivilisation, weit weg von den Erwartungen der Gesellschaft bedeutet für uns Menschen angenommen zu sein, wie wir sind. Hier ist jeder von uns ein Lebewesen mit unzähligen Lebensformen. Es gibt Reize in der Natur, nach denen wir uns bewusst sehnen und die dem Stressabbau dienen wie beispielsweise stehende, glitzernde Gewässer wie Seen oder ruhige Fließgewässer wie Bäche und das Meer. Der Autor schlägt praktische Entspannungs- und Meditationsübungen vor, die jeder im Wald durchführen kann und die helfen sollen, das Immunsystem zu stärken.
    In diesem Buch spürt man mit jeder Zeile die große Liebe von Clemens G. Arvay zur Natur. Es ist ein wunderschönes, heilendes Buch, das die Sehnsucht nach einem Waldspaziergang weckt. (ehr)

    21.11.2015

    Rezension: Artgerechte Menschenhaltung

    Artgerechte Menschenhaltung
    Tipps zu Anschaffung, Erziehung und Pflege

    Tucki Kaiser

    Kynos, 2015
    120 Seiten
    ISBN 978-3954640461
    16,95 €

    Hier können Sie das Buch bestellen

    Inhalt
    Haben Menschen ein Bewusstsein? Wie vermeidet man ihre Verhundlichung? Worauf ist bei Anschaffung, Erziehung und Beschäftigung besonders zu achten? Sollen Menschen ein eigenes Körbchen haben? Ganz souverän im Stile eines Loriot dreht der Autor – Verzeihung, der Hund des Autors – hier den Spieß einmal um und gibt sehr ernsthafte und gut fundierte Tipps, wie hund sich seinen Menschen erzieht, damit das Zusammenleben mit ihm ein wahres Vergnügen wird.

    Rezension
    Ein Rat, den manche Verleger Autoren geben, lautet, niemals ein Buch aus Sicht eines Hundes zu schreiben. „Geht gar nicht!“, heißt es da. Dass es doch geht, beweist Tucki, der „Autor“ dieses Buches, ein fünfjähriger Kleinspitz – und er macht das genial. „Artgerechte Menschenhaltung“ stellt die üblichen Hunderatgeber auf den Kopf und hält uns einen Spiegel vor. Wie er das macht, ist manchmal schon arg beschämend für uns Zweibeiner. So also sieht mich mein Hund? Und so höre ich mich an: „Menschen bellen zwar leise, dafür ungemein viel.“ Da möchte man sich am liebsten vor seinen Hund setzen, ihm in tief die Augen schauen und sagen: „Okay. Jetzt hör ich dir zu. Sprich mit mir!“
    Wie erzieht man nun also seinen Menschen? Tucki weiß es: „Ihr zweibeiniger Liebling braucht eine starke Pfote!“
    Meine Meinung: Dieses Buch trägt mehr zum Verständnis des Hundes bei als die meisten Ratgeber, die von Zweibeinern geschrieben wurde.
    Nicht unerwähnt bleiben dürfen die großartigen Grafiken von Heinz Grundel.
    Fazit: Ein köstliches, unterhaltendes und mit einem Augenzwinkern auch sehr lehrreiches Buch. (ehr)

    20.11.2015

    Rezension: Ein Napf, ein Teller

    Ein Napf, ein Teller
    Kombinierte Rezepte für Hund und Mensch

    Martina Schöps

    Kynos, 2015
    88 Seiten
    ISBN 978-3954640492
    12,95 €

    Hier können Sie das Buch bestellen

    Inhalt
    Einmal kochen, zweimal genießen: Das ist die Idee dieses Kochbuchs, in dem für Mensch und Hund gemeinsam gekocht wird. Das Hundegericht ergibt sich als Beiprodukt des Menschengerichts und wird während des Kochens von ihm „abgezweigt“. So entstehen leckere, gesunde Mahlzeiten, die zwar nicht den Anspruch auf eine langfristige vollwertige Allein-Ernährung des Hundes erheben, aber für gesunde Abwechslung im Napf und leuchtende Hundeaugen sorgen!

    Rezension
    Es gibt Kochbücher für Menschen, und es gibt Kochbücher für Hunde. In diesem Buch kombiniert die Autorin beides. Sie bietet Rezepte für Mensch und Hund.
    Die Autorin ist ausgebildete Konditorin und Patissière. Die Rezepte sind so entwickelt, dass das „Grundrezept“ für Mensch und Hund gleich ist, dann aber getrennt weitergearbeitet werden kann. Die Rezepte sollen den Speiseplan des Hundes abwechslungsreich gestalten, nicht jedoch seine ausschließliche Ernährung sein.
    Ich probiere es aus. Heute wird also keine Dose aufgemacht und mit frischem Gemüse in den Napf gegeben, sondern es wird gekocht. Ich entscheide mich für Hühnerfrikassee mit Reis, verzichte jedoch darauf, für meine Hündin ein Herz aus Möhren zu schnitzen und – wie auf dem Farbfoto – damit ihr Essen zu dekorieren. Das ist ihr ziemlich egal.
    Auch wenn das Essen uns beiden schmeckt – am Ende bleibt ein merkwürdiges Gefühl, wenn ich daran denke, dass, während ich exklusive Menüs für meinen Hund koche, sich zahlreiche Menschen auf der Welt von Dosenhundefutter ernähren müssen, weil das Geld für eine normale Mahlzeit nicht reicht … (ehr)


    18.11.2015

    Rezension: Das Jahr des Straßenhundes

    Das Jahr des Straßenhundes
    Für alle Streuner dieser Welt

    Heinz Grundel

    Kynos, 2015
    200 Seiten
    ISBN 978-3954640478
    19,95 €

    Hier können Sie das Buch bestellen


    Inhalt
    So ein Hundeleben auf der Straße ist hart – aber auch niemals langweilig. Kult-Cartoonist Heinz Grundel bearbeitet auch dieses Thema mit viel Witz und Fantasie – und trifft dabei wie immer die genau richtige Mischung aus „nur ein bisschen böse,“ scharfsinniger Beobachtung und fantasievoller Anspielung. Grundel-Fans werden es lieben!

    Rezension
    Cartoonist Heinz Grundel hat schon das Buch „Artgerechte Menschenerziehung“ mit seinen Zeichnungen so wunderbar bebildert. „Das Jahr des Straßenhundes“ ist nun ein Buch für alle Fans von Hundecartoons. Wunderbare Bilder erzählen Alltagsgeschichten.
    Großer Lesespaß und ein ideales Geschenk für Hundefreunde. (ehr)

    16.11.2015

    Rezension: 101 Top Dogs

    101 Top Dogs
    Von verkannten Hunden bekannter Menschen und umgekehrt

    Dana Horáková

    Kynos, 2015
    450 Seiten
    ISBN: 978-3954640508
    19,95 €

    Hier können Sie das Buch bestellen

    Inhalt
    Wussten Sie, dass Charles Schulz’ weltberühmter Peanuts-Hund Snoopy ein ganz reales Vorbild hatte? Dass Mozart, wenn er auf Konzertreisen weilte, seinem daheimgebliebenen Foxterrier „Bimberl“ schriftlich Grüße ausrichten ließ? Dass ein kleiner Hund fast Isaac Newtons Karriere ruiniert hätte und Pablo Picasso seinen Dackel Lump geradezu vergötterte? Dieses unterhaltsame Buch stellt – augenzwinkernd! – 101 Hunde vor, die zwar nicht die Welt, aber ganz sicher ihre Menschen veränderten und deren Verdienste um die Entstehung der Erfindungen, Heldentaten, Kunstwerke ihrer „Halter“ immer noch verkannt werden. Einige dieser genügsamen Bodyguards unserer Seelen kennt man bereits, die meisten jedoch sind bislang anonym geblieben.

    Rezension
    Dies ist ein Fleißwerk, das man nicht einfach als Bettlektüre von vorn bis hinten liest. Aber es ist ein Buch, das man immer wieder zur Hand nehmen kann, um etwas über interessante Mensch-Hund-Gespanne zu erfahren. Es erzählt die Beziehung von berühmten Menschen und ihren Hunden. So liest man unter anderem über die Hunde von Tutanchamun, Thomas Mann, Jack London, Abraham Lincoln, Steve Jobs oder Martin Luther.
    In jedem Kapitel erfahren wir etwas über den Hund, seinen Menschen und deren gemeinsame Geschichte und findet am Ende Tipps zum Weiterlesen oder Anschauen (YouTube). Der Hinweis „Übrigens“ bietet darüber hinaus interessante Kurzinformationen.
    Das Buch bietet lustige, erstaunliche und emotionale Geschichten und ist eine gigantische Fleißarbeit, die leicht drei Bände hätte umfassen können. Darum hat man es wohl auch in kaum lesbarer Winzigschrift gedruckt, und als Ersatz dafür zu große Absätze gemacht. Das Layout und der Satz sind daher meine einzige Kritik, die zu einem Punkteabzug führen. (ehr)

    15.11.2015

    12.11.2015

    Niedersachsen: Goldenstedter Wölfin wird NICHT zum Abschuss freigegeben

    Die Goldenstedter Wölfin wird nicht zum Abschuss freigegeben. Das hat Umweltminister Stefan Wenzel (Grüne) am 11. November vor dem niedersächsischen Landtag klar gestellt.

    Rede zur Aktuellen Stunde „Was muss noch passieren? Wann handelt die Landesregierung beim Goldenstedter Wolf“; Antrag der CDU-Fraktion (11.11.15)

    Anrede,
    lassen Sie mich mit einem Zitat beginnen: „Eine erfolgreiche Rückkehr des Wolfes, eine der seltensten Tierarten Mitteleuropas, wäre nicht nur ein großartiger Beitrag zum Erhalt der natürlichen biologischen Vielfalt in Deutschland; sie wäre auch ein Beweis dafür, dass Mensch und Natur auch in einer hoch zivilisierten Gesellschaft kein Gegensatz sind," so mein Vor-Vorgänger Hans-Heinrich Sander vor fünf Jahren in seinem Vorwort zum Niedersächsischen Wolfskonzept.

    Anrede,
    so schön dieses Bekenntnis zum Wolf klingt, so unzureichend war das System der Maßnahmen und Richtlinien, das uns CDU und FDP für den Umgang mit dem Wolf zurück gelassen haben. Wir haben das Wolfsmanagement neu aufstellen müssen. Das ist die Wahrheit. Während Sie, Herr Angermann, in Ihrer Phantasie auf Safari gehen, sorgen wir für die Sicherheit der Menschen und für den Ausgleich der Interessen zwischen Artenschutz und Nutztierhaltung.

    Anrede,
    Anlass unserer heutigen Erörterung ist eine Wölfin, der eine Reihe von Nutztierrissen zugeordnet werden kann. Das Gros dieser Risse betrifft ungeschützte Tiere und stellt unter Beweis, dass der Wolf gewissermaßen ein Opportunist ist, der einfache Angebote - und das sind ungeschützte Schafe auf der Weide im Vergleich mit Wildtieren - bevorzugt.
    Allerdings wurden deutlich weniger Tiere gerissen als öffentlich behauptet.
    Zudem muss immer die richtige Ursache geklärt werden. Ich erinnere nur an manchen Fehlalarm. In knapp vierzig Prozent aller Vorfälle haben wir es nicht mit Wölfen als Verursacher zu tun, sondern beispielsweise mit Hunden.

    Anrede,
    das Washingtoner Artenschutzabkommen, die Europäische Richtlinie und das Bundesnaturschutzgesetz stellen seltene wildlebende Tiere unter besonders strengen Schutz.
    Um die finanziellen Verluste, die der Wolf verursacht, aufzufangen, wurden jedoch Möglichkeiten zum finanziellen Ausgleich geschaffen. Nutztierhalter sollen auch in Zukunft ihrem Beruf nachgehen können. Seit unsere Richtlinie in Kraft getreten ist werden nicht nur finanzielle Verluste ausgeglichen.
    Für diese Billigkeitsleistungen wurden mit der „Richtlinie Wolf" klare Regeln geschaffen und auch Fördermöglichkeiten für individuelle Präventionsmaßnahmen eingeführt.
    Beides wird seitdem regelmäßig in Anspruch genommen - von 175 Anträgen kommen insgesamt 19 aus dem Raum Diepholz/Vechta. Das sind bei der dortigen Nutztierhalterdichte allerdings noch ziemlich wenige.
    Die Tiere von Herrn Barth waren besser geschützt. Trotzdem wurden die Zäune wahrscheinlich zweimal von einem Tier überwunden. Meine Staatssekretärin Almut Kottwitz war auch zweimal vor Ort und hat mit Herrn Barth besprochen, wie der Grundschutz noch verbessert werden kann. Derzeit wird geklärt, wie sichergestellt werden kann, dass der Halter auch über Herdenschutzhunde bzw. eine entsprechende Förderung und die notwendige Ausbildung verfügt. Außerdem hatte der Halter Esel angeschafft. Wo die Esel auf der Weide, standen, ist der Wolf nicht eingedrungen.

    Anrede,
    Lassen Sie mich nun auf das Anliegen der CDU eingehen: Sie fordern den sofortigen Abschuss. Überschrift BILD vom 06.11. „CDU will Problem-Wolf erschießen lassen"
    Da stellt sich - bei allem Verständnis für geschädigte Nutztierhalter und solche, die Schäden befürchten - zunächst die Frage, ob dieser Forderung unter Beachtung der rechtlichen Voraussetzungen überhaupt nachgekommen werden kann.
    Nach derzeitigem Stand ist ihre Forderung der Aufruf zum Rechtsbruch.
    Das Artenschutzrecht sieht für besonders geschützte Tiere nur in Ausnahmefällen die Möglichkeit einer Entnahme einzelner, individuell bekannter Tiere aus der Natur vor. Beim Wolf heißt das, er muss entweder eine konkrete Gefahr für Menschen darstellen, oder er muss sich darauf spezialisiert haben, regelmäßig Nutztiere zu reißen, die hinreichend gegen Wolfsangriffe geschützt sind. Dabei müssen aber auch alle verfügbaren Mittel - beispielsweise auch Herdenschutzhunde - zum Schutz genutzt werden und die Arbeiten müssen sachgerecht ausgeführt sein.

    Anrede,
    Eine Entnahme ist im Artenschutzrecht das letzte Mittel zur Problemlösung. Sie ist nur zulässig, wenn es dazu keine Alternativen gibt.
    Vorsorglich habe ich aber angeordnet, dass dieses Tier besendert werden soll.
    Sollte das Tier dann wiederholt einen als hinreichend erachteten Schutz überwinden, kann man seiner mit Hilfe des Senders relativ schnell habhaft werden.
    Nach Artenschutzrecht ist es zwingend erforderlich, nur das Tier zu entnehmen, das auch gemeint ist. Und das geht nicht, wenn man irgendwo in der Zielgegend einen Wolf sieht oder meint zu sehen, sondern nur, wenn dieser Wolf - dank genetischer Analysen - genau bestimmt ist. Würde man das falsche Tier treffen, hätte das erhebliche strafrechtliche Konsequenzen für die betreffende Person.

    Anrede,
    übrigens ist vor allem Sachsen hier dank der viel längeren Wolfserfahrung ein wichtiger Vorreiter. Schon vor rund acht Jahren gab es dort einen ähnlichen Vorgang. Das Tier dort ließ das Springen seit in den Zäunen grimmige Hunde auf ihn warteten.
    Auch in Sachsen haben in letzter Zeit Mitglieder des sogenannten Rosentaler Rudels mehrere Male Elektrozäune übersprungen und dann Schafe gerissen. Das hörte auf, als in richtiger Höhe über dem Zaun Flatterbänder angebracht worden sind.
    Vor Ort wird zwar - wie hier - die Entnahme gefordert, die sächsische Regierung aber fordert schlicht und einfach eine Verstärkung der Schutzmaßnahmen.

    Anrede,
    insgesamt haben wir es mit einer rechtlich komplizierten Lage zu tun Man muss sich angesichts ihrer hiesigen Forderungen ja auch fragen, warum ihre Partei fortwährend auf Landesebene Alarm ruft und nicht auf Bundesebene aktiv geworden ist, um bei der EU eine Änderung der Richtlinie zu beantragen.
    Vielleicht hat ja die Kommission Herrn McAllister und Herrn Dammann-Tamke die Aussichtslosigkeit ihrer Wünsche so deutlich klar dargestellt, dass sie das Unterfangen aufgegeben haben.
    Nutztierrisse durch Prädatoren sind kein neues Phänomen. Das Thema ist so alt wie der Beruf des Bauern. Jahrtausende lang haben Mensch und Tier in Koexistenz gelebt - sogar ohne Richtlinie Wolf.
    Heute haben wir ein wachsendes Bewusstsein vom Wert des Artenschutzes - gerade auch für die Rolle der großen Prädatoren bei der Balance unserer Ökosysteme. Das gebietet ein sorgfältiges Abwägen, die Achtung der rechtlichen Rahmenbedingungen, die sorgfältige Ausführung präventiver Schutzmaßnahmen und die Kooperation aller Beteiligten.
    Lebensrisiken und Gefährdungen können wir nie ganz ausschließen. Denken Sie etwa an die Zahl der Personen, die versehentlich bei der Jagd zu Schaden kommen. Oder denken wir an die Tausenden von Wildunfällen oder die Vorfälle mit Hunden.
    Auch im CDU regierten Sachsen - dreimal kleiner als Niedersachsen - sind in diesem Jahr (Stand 21.10.2015) schon rund 130 getötete Nutztiere gemeldet wurden. Und trotzdem heißt es im Managementplan Wolf der von ihrem Parteifreund Tillich geführten dortigen Landesregierung "der Freistaat Sachsen begrüßt, dass mit der Rückkehr der Tierart Wolf nach Sachsen in Deutschland die europäischen Bemühungen zum Erhalt der biologischen Vielfalt Früchte tragen"

    Anm. d. Red.:
    Eine Bemerkung kann ich mir hier nicht verkneifen. Leider wird immer noch der Begriff des Tötens verschönt bzw. neutralisiert. Ich wehre mich strikt dagegen, wenn von einer "Entnahme" gesprochen wird.  Wenn ein Wolf "entnommen" wird, wird er getötet. Wenn ein Mörder einen Menschen umbringt, hat er ihn auch nicht "entnommen". Wölfe sollen getötet werden, das wollen Teile der Regierung und Interessengruppen. Nennen wir das Kind endlich beim Namen.



    01.11.2015

    Wer war’s? Vermeintliche Wolfsrisse in den Medien

    Diese "Wolfsrisse" schaffen es nicht in unseren Newsletter

    Jeden Tag überschwemmen die Mails mit Meldungen zu Wolfsrissen mein Postfach. Aber war es wirklich der Wolf?
    Ich habe mir die Meldungen eines einzigen Tages herausgepickt. Bei nur einer einzigen Meldung wurde der Wolf mittels DNA-Untersuchung. Bitte beachten Sie sehr genau die Sprache der Meldungen: "Hätte, könnte ... sein, ist vermutlich, es ist davon auszuehen, dass ..., ist sich sicher." Vermutungen sind Stimmungmache. In unserem kostenlosen monatlichen Newsletter Wolf & Co berichten wir nur über bestätigte Wolfsangriffe.

    Sachsen-Anhalt: Wolf greift Fohlen an. Herde wehrt Angriff ab
     - DNA-Auswertung bestätigt

    Niedersachsen: Rückkehr des Wolfes nicht ohne Konflikte. Züchter melden Wolfsrisse.
    - Keine DNA-Bestätigung

    Niedersachsen: Experte: Wolf hat Reh in Sudweyhe getötet. Der "Experte" ist der "Überzeugung".
    - Keine DNA-Bestätigung

    Niedersachsen: Wolf mehrfach in Hellingst gesichtet. Ein Wolfsbeauftragter bestätigt die Sichtung und Jäger haben ein "offenbar" gerissenes Reh entdeckt.
    - Keine DNA-Bestätigung

    Niedersachsen: Wolfsriss mitten in Cornau. Die auffälligen Bissspuren legten den Verdacht nahe, dass es ein Wolf gewesen sein muss. „Es sieht ziemlich danach aus“, erklärt der Wolfsberater.
    - Keine DNA-Bestätigung

    30.10.2015

    Schleswig-Holstein: Guter Wolf? Böser Wolf?

    BUND veröffentlicht Standpunkt zur Rückkehr des Wolfes

    Anlässlich des 21. Naturschutztages Schleswig-Holstein unter dem Motto „Wildnis in der Kulturlandschaft“ in Rendsburg hat der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) Schleswig-Holstein ein Standpunkte-Papier zur Rückkehr des Wolfes nach Schleswig-Holstein veröffentlicht.

    „Durch mehr Naturnähe können wir die biologischen Prozesse in unseren heimischen Ökosystemen stabilisieren und diese so fit für die Zukunft machen. Dazu gehört auch, dass wir Prädatoren wie dem Wolf sein Existenzrecht zugestehen“, fasst Dr. Claudia Bielfeldt, BUND-Landesvorsitzende, die Position zusammen. „Angesichts der anhaltenden Ausbreitung ist Deutschland ganz offensichtlich wieder ein akzeptabler Lebensraum für Wölfe. Ob der Wolf in unser Land passt, ist vor allem eine ‚Abstimmung mit der Pfote‘ und keine, die wir Menschen uns anmaßen dürfen. Seine Wiederansiedlung muss weder aktiv gefördert werden, noch sollte sie das. Es geht vor allem darum, einem Heimkehrer nicht unnötig Steine in den Weg zu legen“, so Bielfeldt weiter.

    Seit wenigen Jahrzehnten kehrt der Wolf, Ursprung aller Haushunde, wieder in seine Heimat Deutschland zurück. In Schleswig-Holstein wurde durch ein überfahrenes Jungtier in Ostholstein im April 2007 erstmals wieder ein Wolf seit der Ausrottung im 19. Jahrhundert nachgewiesen. Seitdem hat sich der Wolf auch in Schleswig-Holstein zum Politikum entwickelt. Mit dem vorliegenden Standpunkte-Papier möchte nun auch der BUND zu einer sachgerechten Diskussion beitragen.

    „Es gibt in anderen Teilen der Bundesrepublik schon seit Jahren gute Erfahrungen mit dem Management und Monitoring von Wölfen. Insbesondere Sachsen hat einen sehr guten Plan aufgestellt. Es ist unverständlich, weshalb jedes Bundesland glaubt, das Rad neu erfinden zu müssen. Besser wäre es, das Monitoring und Management einer hochmobilen Tierart wie dem Wolf bundesweit zu vereinheitlichen“, stellt Tobias Langguth, BUND-Naturschutzreferent, fest. „Um Konflikte zu vermeiden, müssen wilde Wölfe auch wild bleiben. Es braucht deshalb eine klare Vorgabe, wie verhaltensauffällige Tiere beobachtet und vergrämt werden können, damit sie ihre Verhaltensmuster nicht an Artgenossen weitergeben. Dass auch eine Entnahme von Einzeltieren kein Tabu ist, wenn dies fachlich angebracht ist, sagen die Naturschutzverbände seit langem. Wenn nun noch Nutztierhaltern sowohl beim präventiven Schutz sowie bei Entschädigungen für Risse, schnell und unbürokratisch geholfen wird, dann steht einem respektvollen Miteinander von Mensch und Wolf nicht mehr viel im Wege“, so Langguth abschließend. (www.bund-sh.de)



    28.10.2015

    Der Wolf im Bundestag

    Öffentliches Fachgespräch zum Thema "Wolf - Artenschutz und Management"

    Öffentliche Sitzung des Ausschusses für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit

    Mittwoch, 04. November 2015, 11.30 Uhr
    Paul-Löbe-Haus, Sitzungssaal E 700

    Die Sachverständigen:
    - Dr. Britta Habbe, Landesjägerschaft Niedersachsen e. V.
    - Ilka Reinhardt, LUPUS Institut für Wolfsmonitoring und -forschung in Deutschland
    - Knut Kucznik, Arbeitsgemeinschaft Herdenschutzhunde e. V. (AG HSH)
    - Markus Bathen, Naturschutzbund Deutschland e. V.

    Gäste der Anhörung werden gebeten, sich vorab beim Ausschusssekretariat mit vollständigem Namen und Geburtsdatum unter umweltausschuss@bundestag.de anzumelden.

    Die Sitzung wird live im Internet unter www.bundestag.de und auf mobilen Endgeräten übertragen. Am Folgetag ist sie unter www.bundestag.de/mediathek abrufbar.


    27.10.2015

    Mecklenburg-Vorpommern: Erstmals Wolf mit GPS-Halsband bestückt

    Erstmals konnte in MV ein Wolf mit einem GPS-GSM-Halsbandsender bestückt werden.
    Wolf hat keinen messbaren Einfluss auf Jagdstrecke



    Männlicher Wolfswelpe mit GPS-GSM-Halsbandsender (Foto © N. Stier & V. Meißner-Hylanová)

    „Das ist ein toller Erfolg für alle Beteiligten. Nun können wir hoffentlich bald ganz genau nachvollziehen, wo sich dieser Wolfswelpe aufhält und wie groß sein Bewegungsradius ist. Damit können wir wertvolle Daten sammeln, mit denen wir die Diskussion rund um den Wolf weiter versachlichen können. Fest steht jedenfalls, dass trotz der Vermehrung des Wolfes in unserem Land, diese Tierart bisher keinerlei Auswirkungen auf die Jagdstrecke hatte“, so Dr. Till Backhaus, Minister für Landwirtschaft, Umwelt und Verbraucherschutz.

    Im Jahre 2011 startete eine aus Mitteln der obersten Jagdbehörde des Landes Mecklenburg-Vorpommern finanzierte Pilotstudie zur Telemetrie von Wölfen mittels. Diese sollte das Monitoring unterstützen und wichtige Daten zum Raum-Zeit-System der Art, insbesondere zu Aktionsraumgrößen, Habitatnutzung, Schlafplätzen und Nahrungsspektrum von freilebenden Wölfen ermitteln. In diesem Forschungsprojekt bringen sich vor allem die Jäger des Landes Mecklenburg-Vorpommern intensiv ein.

    Die ersten Fangversuche von 2011 bis 2013 in der Lübtheener Heide blieben erfolglos. Zu jener Zeit lebte dort nur ein einzelner Rüde. Nachdem sich im Jahr 2014 ein Wolfspaar erfolgreich reproduziert hat, wurden 2015 die Fangbemühungen wieder aufgenommen und waren jetzt erfolgreich. Am 20.10.2015 konnte ein männlicher Welpe (34 kg) aus dem Lübtheener Rudel erfolgreich besendert werden. Der Sender wird wichtige Daten zur Raumnutzung des Rudels liefern und damit das Wolfsmonitoring des Landes unterstützen. Über die Ergebnisse wird in regelmäßigen Abständen informiert werden. Die Pilotstudie wird in enger Abstimmung zwischen dem Landesjagdverband Mecklenburg-Vorpommern, dem Bundesforstbetrieb Trave der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben und dem Land Mecklenburg-Vorpommern durch die TU Dresden, Professur für Forstzoologie durchgeführt.

    In MV wurden im Jagdjahr 2014/15 insgesamt 129.797 Stück Schalenwild erlegt. Das Streckenergebnis entspricht ziemlich genau dem Durchschnitt der Ergebnisse der vergangenen 10 Jahre (130.970 Stück Schalenwild). „Im Vergleich zum Vorjahr wurde sogar deutlich mehr Schalenwild – die Hauptnahrungsquelle der Wölfe – durch die Jägerschaft erlegt: Über 10.400 Stück mehr! Dafür danke ich allen Jägerinnen und Jägern recht herzlich. Sie leisten einen enorm wichtigen Beitrag für den Erhalt einer gesunden Flora und Fauna – und dies meist in ihrer Freizeit. Die Zahlen widersprechen allerdings auch der weit verbreiteten Mär, dass Wölfe ein ernstzunehmender Konkurrent der Jäger sind“, sagte der Minister.

    Seit dem Jahr 2000 treten dauerhafte wildlebende Wölfe in Deutschland ausschließlich durch natürliche Zuwanderung wieder auf. Gegenwärtig leben in Deutschland (Sachsen, Brandenburg, Sachsen-Anhalt, Niedersachsen, Mecklenburg-Vorpommern) mindestens 30 Wolfsrudel, 4 Wolfspaare und 5 territoriale Einzelwölfe, davon 2 Rudel und bis zu 2 territoriale Einzelwölfe in MV.

    Weitere Informationen finden Sie auf www.wolf-mv.de

    22.10.2015

    Neue Lesungen und Vorträge über Wölfe im November und Dezember

    Ich möchte euch auf neue Lesungen und Vorträge von mir zum Thema Wolf aufmerksam machen.

    "Wölfische Weihnachten"
    Unter diesem Motto finden zwei ganz Weihnachts-Events statt. 
    Ich werde u.a. aus meinen Weihnachtsbüchern lesen und über das Leben in Wolfsgebieten sprechen. Darüber hinaus haben wir besonders viel Zeit für weitere persönliche Gespräche und Fragen:



    29. November, 16 Uhr in Bayern
    Café Schloss Erching
    85399 Hallbergmoos


    3. Dezember, 19:30 Uhr in Ruppichteroth
    Angelikas Büchergarten
    Brölstr. 8
    53809 Ruppichteroth



    Außerdem:

    5. November, 20 Uhr in Egelsbach
    "Mein Leben mit Wölfen"
    Gemeindebücherei
    Rheinstr. 72
    63329 Egelsbach

    14. November,  15 Uhr in Stuttgart
    "Wolfsküsse. Mein Leben unter Wölfen"
    ICS Gebäude, Messe ANIMAL




    18. November, 19:30 in Weilmünster
    "Wolfsküsse. Mein Leben unter Wölfen"
    Lesung mit Buffet
    Café Bretonne
    Place le Cheylard, Hauptstr. 14
    35789 Weilmünster



    Und für Wolfsfans in der SCHWEIZ gibt es das "Komplettpaket":
    "Wölfisch für Anfänger und Fortgeschrittene"
    7. November, 17 Uhr in Hünenberg
    Zentrum für Hund- und Menschausbildung
    Böschweg 3
    CH-6331 Hünenberg







    Ich freue mich, wenn ihr zu meinen Vorträgen kommt und ich euch auch meine Bücher signieren kann. Bitte meldet euch rechtzeitig an.

    Weitere Informationen und Anmeldungen hier.



    20.10.2015

    TASSO e.V. kritisiert fragwürdige Gesellschaftsjagd des hessischen Ministerpräsidenten aufs Schärfste

    Teures Lobbyistentreffen auf Kosten der Tiere – TASSO fordert sofortige Abschaffung

    Sulzbach/Ts., 20. Oktober 2015 – Am 4. November lädt der hessische Ministerpräsident Volker Bouffier einen ausgesuchten und nicht näher benannten Personenkreis zur Gesellschaftsjagd ein. Die Tierschutzorganisation TASSO e.V. kritisiert dies und fordert die Abschaffung der Gesellschaftsjagd des Ministerpräsidenten.

    Auf dem Programm der diesjährigen Veranstaltung im Hessen-Forst, Forstamt Groß-Gerau, stehen eine Drückjagd mit anschließender Streckenlegung, eine Gesprächsrunde mit dem Ministerpräsidenten im Schlosshotel Kronberg und Abendessen. Das Ganze wird von Steuergeldern bezahlt und kostet rund 22.000 Euro.

    „Die Jagd allein ist aus Tierschutzgründen gesellschaftlich schon höchst umstritten“, sagt Mike Ruckelshaus, Leiter Tierschutz Inland bei TASSO e.V. Gerade bei einer Drück-/Treibjagd ist die Anzahl der nicht tödlich getroffenen Tiere im Gegensatz zu einer Ansitzjagd überdurchschnittlich hoch. Darüber hinaus verurteilen die Tierschützer das Töten von Tieren im Rahmen eines Unterhaltungsprogramms für Lobbyisten.

    „Solche Staatsjagden stehen in der Tradition der Feudalherrschaft und passen weder in unsere Zeit, noch sind sie mit einem modernen, demokratischen Politikverständnis vereinbar. Andere Bundesländer wie Hamburg und Niedersachsen haben ihre Staatsjagden deshalb auch schon abgeschafft“, erläutert Mike Ruckelshaus. „Eine Abschaffung der Gesellschaftsjagd des Ministerpräsidenten fordert auch der Hessische Tierschutzbeirat, dem TASSO als Mitglied angehört.“

    Ferner ist es nach Ansicht der Tierschützer sehr unpassend, dass der Ministerpräsident ausgerechnet zum Zeitpunkt der Novellierung der hessischen Jagdverordnung, die derzeit öffentlich äußerst kontrovers diskutiert wird, diese Art der Lobbyarbeit mit Jägern betreibt. Mike Ruckelshaus abschließend: „Dies lässt unserer Ansicht nach auf eine fehlende Wahrung politischer Neutralität während eines laufenden Gesetzgebungsverfahrens schließen.“ (Tasso)


    15.10.2015

    "Der Winterwolf" jetzt auch bei Amazon erhältlich


    Ab sofort ist das Weihnachtsbuch vom Wolf Magazin nicht nur im Buchhandel, sondern auch bei Amazon erhältlich. Momentan steht dort auf der Webseite noch ein "derzeit nicht auf Lager". Sobald das Buch bestellt wird - und je mehr es bestellt wird - umso schneller wird es erhältlich sein.

    Der Winterwolf
    Die wölfische Weihnachtsanthologie ist hier erhältlich.
    Hier findet ihr auch Informationen, wie ihr ein signiertes Exemplar bestellen können. Denkt dran: Es ist nicht mehr allzu lange bis Weihnachten!
    Und natürlich freuen wir uns auch über schöne Rezensionen bei Amazon.

    12.10.2015

    Guter Wolf? Böser Wolf? BUND veröffentlicht Standpunkt zur Rückkehr des Wolfes

    Anlässlich des 21. Naturschutztages Schleswig-Holstein unter dem Motto „Wildnis in der Kulturlandschaft“ in Rendsburg hat der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) Schleswig-Holstein ein Standpunkte-Papier zur Rückkehr des Wolfes nach Schleswig-Holstein veröffentlicht.

    „Durch mehr Naturnähe können wir die biologischen Prozesse in unseren heimischen Ökosystemen stabilisieren und diese so fit für die Zukunft machen. Dazu gehört auch, dass wir Prädatoren wie dem Wolf sein Existenzrecht zugestehen“, fasst Dr. Claudia Bielfeldt, BUND-Landesvorsitzende, die Position zusammen. „Angesichts der anhaltenden Ausbreitung ist Deutschland ganz offensichtlich wieder ein akzeptabler Lebensraum für Wölfe. Ob der Wolf in unser Land passt, ist vor allem eine ‚Abstimmung mit der Pfote‘ und keine, die wir Menschen uns anmaßen dürfen. Seine Wiederansiedlung muss weder aktiv gefördert werden, noch sollte sie das. Es geht vor allem darum, einem Heimkehrer nicht unnötig Steine in den Weg zu legen“, so Bielfeldt weiter.

    Seit wenigen Jahrzehnten kehrt der Wolf, Ursprung aller Haushunde, wieder in seine Heimat Deutschland zurück. In Schleswig-Holstein wurde durch ein überfahrenes Jungtier in Ostholstein im April 2007 erstmals wieder ein Wolf seit der Ausrottung im 19. Jahrhundert nachgewiesen. Seitdem hat sich der Wolf auch in Schleswig-Holstein zum Politikum entwickelt. Mit dem vorliegenden Standpunkte-Papier möchte nun auch der BUND zu einer sachgerechten Diskussion beitragen.

    „Es gibt in anderen Teilen der Bundesrepublik schon seit Jahren gute Erfahrungen mit dem Management und Monitoring von Wölfen. Insbesondere Sachsen hat einen sehr guten Plan aufgestellt. Es ist unverständlich, weshalb jedes Bundesland glaubt, das Rad neu erfinden zu müssen. Besser wäre es, das Monitoring und Management einer hochmobilen Tierart wie dem Wolf bundesweit zu vereinheitlichen“, stellt Tobias Langguth, BUND-Naturschutzreferent, fest. „Um Konflikte zu vermeiden, müssen wilde Wölfe auch wild bleiben. Es braucht deshalb eine klare Vorgabe, wie verhaltensauffällige Tiere beobachtet und vergrämt werden können, damit sie ihre Verhaltensmuster nicht an Artgenossen weitergeben. Dass auch eine Entnahme von Einzeltieren kein Tabu ist, wenn dies fachlich angebracht ist, sagen die Naturschutzverbände seit langem. Wenn nun noch Nutztierhaltern sowohl beim präventiven Schutz sowie bei Entschädigungen für Risse, schnell und unbürokratisch geholfen wird, dann steht einem respektvollen Miteinander von Mensch und Wolf nicht mehr viel im Wege“, so Langguth abschließend. (BUND)




    09.10.2015

    Der Veggie-Wolf

    "Seltene Videoaufnahme: Dieser Wolf frisst Äpfel ..." schreibt das Online-Magazin Mopo24 und zeigt eine wackelige, aber schöne Filmaufnahme von einem Äpfel fressenden Wolf. Herrlich, dass der Kleine sich vom Jäger nicht stören lässt. Danke für die tolle Aufnahme, Herr Nevries.

    Dass Wölfe Äpfel, Melonen, Beeren und anderes Obst essen (sowie diverse "Merkwürdigkeiten"), sehe ich in Montana öfter. Ich habe darüber auch in meinem Buch "Was würden Wölfe kaufen?" geschrieben.


    30.09.2015

    Welttierschutztag am 4. Oktober: TASSO e.V. fordert Verbot des Abschusses von Hunden und Katzen durch Jäger

    Foto: Gunther Kopp

    Zehntausende Hunde und Katzen werden jedes Jahr von Jägern erschossen oder in Fallen gefangen und getötet. Genaue Statistiken existieren nicht, da lediglich in fünf Bundesländern die Zahlen erfasst werden. Zum Welttierschutztag am 4. Oktober 2015 fordert die Tierschutzorganisation TASSO e.V. ein bundesweites Abschussverbot von Haustieren durch Jäger. Hunde und Katzen sind zwar keine jagdbaren Tiere im Sinne des Jagdrechtes, dürfen aber im Rahmen des sogenannten Jagdschutzes getötet werden.
    „Die derzeit gültigen Regelungen zum Haustierabschuss sind unverhältnismäßig, willkürlich und gehen weit über das hinaus, was zum Schutz von Wildtieren erforderlich ist“, sagt Mike Ruckelshaus, Leiter Tierschutz Inland bei TASSO. „So ist es erlaubt, Hunde, die in einem Jagdbezirk ohne ihren Halter oder außerhalb seines Einwirkungsbereichs wildernd angetroffen werden, zu erschießen. Katzen dürfen, je nach Bundesland und Jahreszeit im Abstand von 200 bis 500 Meter zur letzten Ansiedlung getötet werden. Dabei spielt es keine Rolle, ob sie Wildtiere gefährden oder nicht.“

    Vor dem Hintergrund der aktuell anstehenden Jagdrechtsnovellierungen weisen die Tierschützer darauf hin, dass weitaus mildere Maßnahmen als die Tötung wildernder Hunde und freilaufender Katzen angewendet werden können. Bereits jetzt kann mit geltendem Ordnungs- und Polizeirecht gegen wildernde Hunde und deren Halter vorgegangen werden. Darüber hinaus ist die Haltung von Hunden, die andere Tiere hetzen oder reißen, gemäß der Hundeverordnungen und -gesetze der Länder an zahlreiche Auflagen wie Wesenstest, Sachkundenachweis oder polizeiliches Führungszeugnis gebunden. „In diesem Zusammenhang bekräftigen wir unsere Forderung nach einer Kennzeichnungs- und Registrierungspflicht für Hunde sowie nach einer Einführung eines Sachkundenachweises für Hundehalter“, betont Mike Ruckelshaus.

    Ebenfalls lehnen die Tierschützer das Töten freilaufender Katzen ab und verweisen auf die Einführung einer Kastrationspflicht als nachhaltigen Lösungsansatz. „Der Gesetzgeber hat hier mit der Einfügung des § 13b in das Tierschutzgesetz den Kommunen die rechtliche Grundlage geschaffen, Verordnungen zur Kastration, Kennzeichnung und Registrierung von Hauskatzen mit Freigang zu erlassen, um so die unkontrollierte Fortpflanzung von Katzen einzudämmen. Mit dieser Maßnahme wird mittelfristig die Population der Streunerkatzen drastisch gesenkt werden“, erläutert Mike Ruckelshaus.

    „In der Beziehung zwischen Mensch und Haustier hat sich in den vergangenen Jahren ein gesellschaftlicher Wandel vollzogen, der sich endlich auch in der Jagdgesetzgebung niederschlagen muss. Wissenschaftliche Studien belegen, dass Menschen ihre Hunde und Katzen als vollwertige Familienmitglieder empfinden. Der Abschuss eines geliebten Haustieres bedeutet auch immer unendliches Leid für die Besitzer und ihre Familien“, erklärt Mike Ruckelshaus abschließend.


    25.09.2015

    TV-Tipp: Brauchen wir noch Jäger?

    WDR 29. 9. und 3. Okt. (Wdh.)

    Warum Menschen auf Tiere schießen

    Quarks & Co beschäftigt sich am 29.9.15 mit Jägern und in dem Zusammenhang
    natürlich auch mit Wölfen und Luchsen aber auch mit der Jagdhundausbildung.


    Zur Sendungsübersicht hier ...



    22.09.2015

    Rheinland-Pfalz: DNA-Spur weist auf Wolf im Pfälzerwald hin

    Die Überprüfung von DNA-Spuren an einem gerissenen Reh im Pfälzerwald hat ergeben, dass die DNA von einem Wolf stammt. „Damit steht fest, dass der Wolf erneut nach Rheinland-Pfalz zurück gekehrt ist“, teilte Umweltministerin Ulrike Höfken am Montag mit. Das gerissene Reh habe eine Forstwirtin bereits am 28. August im Wald von Ludwigswinkel bei Pirmasens aufgefunden. Die Wolfsexperten von der Forschungsanstalt für Waldökologie und Forstwirtschaft in Trippstadt (FAWF) ließen eine DNA-Probe vom Senckenberg Institut für Wildtiergenetik überprüfen, die das Ergebnis heute mitteilte. Nach derzeitigem Stand sei davon auszugehen, dass das Tier aus der nordosteuropäischen genetischen Linie stammt. Zur weiteren Identifizierung und Zuordnung des Wolfes werde das Senckenberg Institut genauere Analysen durchführen.
    Ministerin Höfken rief in Anbetracht der Wolfsmeldung zur Besonnenheit auf: „Es besteht kein Grund zur Panik, denn der Wolf ist ein sehr vorsichtiges Tier, das Menschen aus dem Weg geht.“ Erfreulich sei, dass sich die Natur im Pfälzerwald so entwickelt habe, dass ehemals heimische Tiere wie der Wolf wieder hier leben können. 2012 war im Westerwald der erste Wolf nach über 100 Jahren nachgewiesen und später illegal erschossen worden. „Inzwischen haben wir uns in Rheinland-Pfalz auf die Rückkehr des Wolfes vorbereitet“, erklärte die Ministerin. Gemeinsam mit Schäfern, Tierhaltern, Jägern und Naturschützern sei ein Wolfsmanagementplan erarbeitet worden. Das Land stelle Ansprechpartner und unterstütze Landwirtschaft und Schafshalter. So würden Vorsorgemaßnahmen gefördert und im Schadensfall entschädigt.
    Das Ministerium wird den Wolfsnachweis im Pfälzerwald aufmerksam verfolgen und weitere mögliche Hinweise aufnehmen, so Höfken. Sollte sich das Risiko für Nutztiere erhöhen, könne das Land Präventionsgebiete ausweisen. Dort können Tierhalter finanzielle Unterstützung zum Beispiel für Zäune erhalten, die von den Wölfen nicht überwunden werden.

    Für alle Fälle im Umgang mit Wölfen hat das Umweltministerium eine zentrale Hotline eingerichtet: Unter der Telefonnummer 06306 911 199 oder der E-Mail wolf@snu.rlp.de<mailto:wolf@snu.rlp.de> erhält man Beratung bei Präventionsmaßnahmen, bei einem Schaden an Nutztieren, Jagd- oder Hütehunden - oder kann Hinweise melden, informierte Ministerin Höfken.

    16.09.2015

    Schweden: Wolf von Schweinen angegriffen

    Dieser Wolf hat eine Schweine-Angst!

    Nicht gerade ruhmreich ging ein Wolf in Schweden auf Beutezug. Die vermeintlichen Opfer wussten sich nämlich zu verteidigen und jagten dem Raubtier eine Schweineangst ein.

    Mehr ...



    14.09.2015

    Sachsen: Übergriffe auf Schafe im Rosenthaler Raum

    In den letzten vier Wochen gab es im Raum Königswartha, Puschwitz und Wittichenau (Landkreis Bautzen) 16 gemeldete Übergriffe von Wölfen auf Schafe. Die Übergriffe fanden im Territorium des Rosenthaler Rudels statt. Es handelte sich dabei sowohl um nicht oder unzureichend geschützte Schafe, als auch um Schafe die nach den geforderten Mindestschutzstandards gesichert waren. In einigen dieser Fälle wird davon ausgegangen, dass der oder die Wölfe den Elektrozaun übersprungen haben.
    Im Territorium des Rosenthaler Rudels (siehe Karte) ist es daher nun erforderlich Elektrozäune durch die Anbringung eines „Flatterbandes“ (Breitbandlitze), welches ca. 20 - 30 cm über den Zaun gespannt wird, zusätzlich zu sichern. Das benötigte Material (Breitbandlitze, Weidepfähle) kann kostenfrei bei der Biosphärenreservatsverwaltung ausgeliehen werden. Kontakt: Herr Klingenberger, Tel. 035932/36531, E-Mail: andre.klingenberger@smul.sachsen.de
    Diese zusätzliche Schutzmaßnahme ist voraussichtlich für die Dauer eines Jahres notwendig.

    Wenn Wölfe wiederholt erfolgreich unzureichend geschützte Nutztiere töten können, lernen sie, dass diese deutlich einfacher zu erbeuten sind, als ihre natürlichen Beutetiere Rehe, Hirsche oder Wildschweine. Im Ergebnis dieses Lernprozesses kann es dazu kommen, dass Wölfe gezielt versuchen geschützte Schafe zu töten. Deshalb ist es wichtig, dass möglichst alle Schafe und Ziegen im Wolfsgebiet ausreichend geschützt werden.
    Bereits vor einigen Jahren gab es im Freistaat Sachsen im Norden des Landkreises Bautzen die Situation, dass Elektrozäune von einem Wolf wiederholt übersprungen wurden. Nach dem Spannen von „Flatterband“ bei den betroffenen Tierhaltern und dem Einsatz von Herdenschutzhunden in einem größeren Schäfereibetrieb hörte die Serie an Übergriffen auf.

    Das Sächsische Wolfsmanagement appelliert an alle Schaf- und Ziegenhalter, der Verantwortung für ihre Tiere gerecht zu werden und diese entsprechend zu schützen. Die Schutzmaßnahmen sollten den geforderten Mindestschutzstandards entsprechen. Dazu gehören die Verwendung von mind. 90 cm hohen stromführenden Zäunen oder Festkoppeln von mind. 120 cm Höhe. Dies empfiehlt sich schon aus Gründen der Weidesicherheit und sollte gute fachliche Praxis bei der Weidetierhaltung sein. Bei kleinen Tierbeständen kann auch die Unterbringung in einem festen Stall über Nacht eine Alternative sein.
    Tierhalter sollten ihre Zäune regelmäßig auf Schwachstellen prüfen und diese zeitnah beseitigen. Die Umzäunung darf keine Durchschlupfmöglichkeiten am Boden bieten. Wichtig ist auch, dass alle Seiten der Koppel geschlossen sind – über offene Gräben können Wölfe leicht eindringen. Bei stromführenden Zäunen sollte ausreichend Spannung (mind. 2.500 V) anliegen. Außerdem sollte die Koppel nicht zu klein sein, damit die Tiere selbst bei einem versuchten Übergriff durch einen Wolf genügend Platz zum Ausweichen haben und nicht aus der Koppel ausbrechen. Einen hundertprozentigen Schutz gibt es allerdings nicht.

    Wenn Tierhalter bei der täglichen Kontrolle ihre Nutztiere tot vorfinden und die Vermutung besteht, dass ein Wolf der Verursacher sein könnte, dann ist zeitnah  (innerhalb von 24 h) das zuständige Landratsamt zu informieren, damit eine Begutachtung vor Ort organisiert werden kann.

    Zum präventiven Schutz haben Schaf- und Ziegenhalter sowie Betreiber von Wildgattern im Freistaat Sachsen die Möglichkeit, sich Herdenschutzmaßnahmen fördern zu lassen.

    Territorium Rosenthal; Copyright LUPUS