24.08.2015

Schweiz: Wolf in Isenthal: Abschussbewilligung wird nicht verlängert

Im Juni 2015 hat ein Wolf auf verschiedenen Alpen in der Gemeinde Isenthal mehr als 30 Schafe gerissen und auch in der Gemeinde Emmetten im Kanton Nidwalden wurden in dieser Zeit 10 Schafe durch einen Wolf getötet.
Die Schadenschwelle gemäß Wolfkonzept Schweiz wurde damit deutlich überschritten. Zur Vermeidung von weiteren Schäden wurde im Amtsblatt vom 26. Juni 2015 eine entsprechende Abschussverfügung publiziert. Der Abschussperimeter umfasste das vermutete Streifgebiet des schadenstiftenden Wolfes. Sie umfasste die Gemeinden Seelisberg, Bauen, Isenthal, Seedorf, Attinghausen und Erstfeld West (bis Reuss).
Die Abschussbewilligung wurde gemäß Wolfkonzept Schweiz auf 60 Tage befristet. Diese Frist läuft nun aus. Die Frist kann nur maximal 30 Tage verlängert werden wenn während der 60 Tage Abschussbewilligung weitere Wolfrisse zu verzeichnen sind.
Seit Ende Juni 2015 gibt es keinerlei Anhaltspunkte dafür, dass sich der Wolf noch im Gebiet des Abschussperimeters aufhält: Es gab weder Meldungen bezüglich Sichtbeobachtungen, Spuren oder Rissen von Wild- oder Nutztieren noch fand die Wildhut, die eine intensive Präsenz im Gebiet ausübte, entsprechende Anzeichen. Wir gehen daher davon aus, dass der Wolf Ende Juni das Gebiet des Abschussperimeters verlassen hat und weiter gezogen ist. Daher wird die Abschussbewilligung nicht verlängert.
Wie im Wolfkonzept Schweiz vorgesehen, wird nun versucht, einen technisch möglichen, praktikablen und finanzierbaren Herdenschutz im Gebiet aufzubauen, um solche Wolfschäden in Zukunft möglichst zu vermeiden. (News des Kantons Uri, 24.08.2015)


21.08.2015

Noch Plätze frei bei den Wolfswinkeler Hundetagen

Obwohl das Thema eine Reihe von Hundehaltern, Trainern und Züchtern auf den Nägel brennt, haben sich bisher deutlich weniger Teilnehmer zu den Wolfswinkeler Hundetagen angemeldet als in den Jahren zuvor. Es sind daher noch Plätze frei und Anmeldungen sind noch bis kurz vor dem Seminar möglich. Bei der Veranstaltung, die vom 11. bis 13. September in Wissen stattfinden geht es schwerpunktmäßig um Probleme bei der Haltung eines Zweithundes oder einer Hundegruppe.

Auf den Hundeplätzen findet der Umstand, dass es in einigen Haushalten oftmals mehr als einen Hund gibt, oftmals wenig Berücksichtigung. Das klassische Training geht eigentlich immer von dem einen Hundehalter im Umgang mit seinem einzigen Hund aus. So etwas wie eine Gebrauchshundprüfung mit mehreren Hunden gleichzeitig, gibt es gar nicht. Viele Halter haben mit ihrem Hund ein harmonisches Auskommen, kommt dann aber noch ein Hund dazu, oder leben vielleicht mehrere Hunde im Haushalt, fangen oft die Probleme an. Auch Inhaber von Hundepensionen, haben nicht selten Probleme, Gruppen zusammenzustellen und die Schar ihrer Gäste zu managen. Auf dem Büchermarkt gibt es eine Flut von Büchern zu Hundeerziehung, aber herzlich wenig, wenn es um Mehrhundehaltung geht.

Für die Gesellschaft für Haustierforschung (GfH) war das der Grund, sich mit diesem Thema zu beschäftigen. In dem Seminar sollen verschiedene Fragen aus wissenschaftlicher Sicht beleuchtet und Missverständnisse aus dem Weg geräumt werden. Diese beginnen bereits schon mit irreführenden Begrifflichkeiten. Was ist eigentlich ein echtes Rudel, was ist eine Gruppe und ist die Beziehung zwischen Mensch und Hund mit dem Rudelbegriff überhaupt zu erklären? Gibt es vererbte Veranlagungen, die die Rolle der Gruppenmitglieder auf ewig festlegen? Was ist erlernt und trainiert und was ist genetisch bedingt?

Aktueller Anlass für das Thema war ursprünglich der große Rummel um die sogenannte „vererbte Rudelstellung“, der insbesondere bei Haltern mehrerer Tiere grassierte. Die soziale Stellung sei dieser These zu Folge bereits schon unmittelbar nach der Geburt bei jedem Welpen erkennbar, wobei es verschiedene immer wiederkehrende Grundtypen gebe. Die vererbte Rudelstellung“ hat auch in den Medien eine breite Resonanz gefunden und wurde von einigen Redaktionen völlig unkritisch transportiert. Zudem wurde ein lukratives Geschäftsmodell aufgebaut, das auf dieser Pseudowissenschaft beruhte.

Mittlerweile haben namhafte Wissenschaftler kritisch Stellung bezogen. Die Gesellschaft für Haustierforschung möchte es in ihrer Veranstaltung nicht bei einem kritischen Resümee belassen, sondern das Thema weiterentwickeln. Dabei soll der Kernpunkt, nämlich die Probleme bei der Mehrhundehaltung, in den Mittelpunkt rücken. Es sollen das soziale Miteinander in Rudeln und Hundegruppen auf der Basis gesicherter wissenschaftlicher Erkenntnisse beleuchtet werden. Die Teilnehmer bekommen in den Referaten einen kompakten Überblick über den derzeitigen Stand der Wissenschaft. Dazu hat die Gesellschaft für Haustierforschung wieder Fachreferenten aus Forschung und Praxis mit spannenden Beiträgen eingeladen. Als Referenten werden kommen:

Der Biologe Dr. Udo Gansloßer. Er ist Privatdozent für Zoologie an der Universität Greifswald und  Lehrbeauftragter am Phylogenetischen Museum und Institut für Spezielle Zoologie der Universität Jena. Seit mehreren Jahren betreut er zunehmend mehr Forschungsprojekte über Hunde, seien es Haus- oder Wildhundeartige. Sein Thema: "Wissenschaftliche Anmerkungen zum Thema der angeblich angeborenen Rudelstellung"

Die Genetikerin Dr. Karin Nicodem. Neben ihrer wissenschaftlichen Tätigkeit gründete sie 1990 ein Tierheim, später kam ein großer Hundetreff dazu. Sie ist Inhaberin einer Tierpension sowie einer Hundeschule, ist seit langer Zeit im Tierschutz tätig und züchtet Magyar Vizsla. Besonders beschäftigt sie sich mit der Genetik und der Verhaltenskunde von Hunden und Wölfen. Ihre Themen: „Der Hund und sein Verhalten - alles ererbt?" und "Ein Hund ist gut - sind zwei oder mehr Hunde besser? Vor und Nachteile der Mehrhundehaltung.“

Die Diplombiologin Kerstin Raupach. Ihr Schwerpunkt ist die Neurobiologie und sie ist als Hundeerziehungsberaterin tätig. Gemeinsam mit Johanna Lentz wird sie ein Doppelreferat halten zum Thema "Beziehungsstrukturen und Kommunikation in Hundegruppen genetisch fixiert oder erlernt?". Johanna Lentz ist B.A. Pädagogin und Hundeerziehungsberaterin. Sie ist Fachkraft für Tiergestützte Therapie, Beratung und Pädagogik.

Die Biologin Dr. Silke Plagmann. Sie hat in der Haustierkunde des Zoologischen Instituts der Universität Kiel eine Dissertation zum Thema „Kooperation bei Wölfen und Haushunden“ abgeschlossen. Dabei war ein Schwerpunkt der Einfluss des Sozialverhaltens auf die Bereitschaft zur Zusammenarbeit. Sie arbeitet heute als Zoobiologin im Tierpark Gettdorf. Ihr Thema: "Soziale Strukturen beim Hund"

Buchautor Stephan Kirchhoff. Er ist staatlich anerkannten Tierpfleger mit langjähriger Berufserfahrung, der auch lange Zeit in der Leitung eines Tierheims tätig war. Er arbeitete für eineinhalb Jahre in Italien am Tuscany Dog Projekt als stellvertretender Projektleiter gemeinsam mit Günther Bloch. Als Fotograf und Buchautor hat er das Leben der Straßenhunde in Europa fotografisch dokumentiert. Heute betreibt er eine Hundeschule in Achim. Sein Thema: „Straßenhunde und ihr System"
 
Der Biologe Dr. Frank G. Wörner.
Er war mehrere Jahre lang wissenschaftlicher Leiter der "Trumler-Station". Er ist aktives Mitglied der "Gesellschaft zum Schutz der Wölfe" und publizierte zahlreiche Artikel über verschiedene zoologische Themen, insbesondere über Hunde, Wölfe und deren wilde Verwandte. Sein Thema: "Wolfsmanagement in Rheinland-Pfalz". Wörner ist auch Moderator der gesamten Veranstaltung.

Das Seminar kostet 120 Euro, Für Rentner, Studenten Azubis und Arbeitslose gibt es einen ermäßigten Preis von 80 Euro. Weitere Ermäßigungen gibt es für Mitglieder der Gesellschaft für Haustierforschung. Um den Veranstaltern eine Vorbereitung und Planung zu ermöglichen, ist es notwendig, sich frühzeitig anzumelden. Veranstaltungsort ist das Katholische Jugendheim in Wissen (Kirchweg 9).

Für alle Hundefreunde gibt es am Sonntag, 13. September, um 10 Uhr wieder eine Hundewanderung oder eine Besichtigung der Eberhard-Trumler-Station. Treffpunkt für die Besichtigung: Eberhard Trumler-Station, Wolfswinkel 1 in Birken-Honigsessen. Treffpunkt für die Hundewanderung: Parkplatz am Hotel zur alten Mühle, Mühlenthal 1, in Birken-Honigsessen.

Alle aktuellen Informationen zum Seminar, ein Anmeldeformular und Kontaktinformationen findet man auf der Internetseite der GfH: www.gfh-wolfswinkel.de


20.08.2015

Wolfsnachwuchs in der Lübtheener Heide größer als angenommen

In Anlehnung an die Pressemitteilung Nr. 255/15 vom 14.08.2015 teilt das Ministerium für Landwirtschaft, Umwelt und Verbraucherschutz mit, dass nach Auswertung von weiterem Bildmaterial zwei zusätzliche Wolfswelpen in der Lübtheener Heide nachgewiesen werden konnten.

Damit erhöht sich die Gesamtzahl der Welpen in der Lübtheener Heide auf mindestens sechs.(Pressemeldung Nr. 261/15-20.08.2015)

18.08.2015

Rezension: Meine kleine Farm

Meine kleine Farm
Anleitung für Selbstversorger

Miriam und Peter Wohlleben

Verlag Eugen Ulmer, 2015
272 Seiten
ISBN 978-3800183944
29,90 €

Hier können Sie das Buch bestellen

Inhalt
Seit 25 Jahren lebt die Familie Wohlleben in einem Forsthaus in der Eifel. Von Anfang an war das Ziel, sich weitestgehend selbst zu versorgen. Was sich bewährte, wurde weiter angebaut, anderes wurde nach etlichen Versuchen verworfen. Der Leser profitiert von diesem Langzeitversuch. Vom eigenen Gemüse über Getreide bis hin zu Honig, Käse und Fleisch wird gezeigt, was man auf der eigenen Scholle produzieren kann. Selbst die Versorgung mit Futter für die Tiere, Wasser oder Strom wird dargestellt. Besonderer Wert wird auf die Produkte gelegt, die einen echten Beitrag zur Selbstversorgung leisten, ohne zu viel Aufwand zu erfordern.


Rezension
Wir alle schimpfen über Billigfleisch, genmodifizierte Lebensmittel und Gemüse, das nicht mehr „wie früher“ schmeckt. Also kaufen wir vielleicht auf dem Markt ein, beim Bauern oder in teuren Bio-Supermärkten und träumen dabei, wie toll es wäre, alles selbst herzustellen. Die Autoren haben sich diesen Traum verwirklicht.
Peter Wohlleben ist vielen von uns durch seine wunderbaren Baum-Bücher bekannt. Dass dieser Mann auch das lebt, wovon er spricht, war zu erwarten. Zusammen mit seiner Frau Miriam lebt er in seinem Forsthaus fast vollständig autark. Nun haben die beiden eine „Anleitung für Selbstversorger“ geschrieben. Dieses große Buch ist mit seinen zahlreichen Farbfotos, den Tipps und Hinweise zum Gärtnern und zur Tierhaltung nicht nur optisch ein Genuss, sondern auch für die Geschmacksnerven eine Herausforderung, wenn die leckeren Rezepte das Wasser im Mund zusammenlaufen lassen.
Das Buch beginnt mit den wichtigsten Fragen, die sich alle stellen sollten, die vor solch einer Mammutaufgabe stehen: Schaffen wir das überhaupt? Wie viel Zeit und Platz brauchen wir? Welche Werkzeuge, Kleidung? Tiere, ja oder nein?
Da mag mancher Leser schon verzagen. Aber bevor Sie jetzt schon aufgeben, vertrauen Sie den Autoren, die Sie an die Hand nehmen und Ihnen helfen, sich Stück für Stück dem Traum von der eigenen Scholle zu nähern.
Die Autoren leben autark – und das bis zur letzten Konsequenz. Das bedeutet auch, dass sie die Tiere, die sie essen, selbst schlachten. In meinen Augen ist das ehrlicher als mancher Möchtegern-Veganer, der von etwas predigt, wovon er keine Ahnung hat. Das Leben ist ein Kreislauf, von der Geburt bis zum Tod, und die Wohllebens leben dieses komplette Leben. Das dies möglich ist, zeigen Sie in ihrem Buch. Als ich Peter Wohlleben für ein Interview besuchte, konnte ich mich übrigens selbst davon überzeugen, dass sie alles, was sie schreiben, auch leben.
Ich gestehe, auch ich habe kurz darüber nachgedacht, es den Autoren gleichzutun, bin aber schon an den Anfangsfragen gescheitert. Ich gehöre eher zu den „faulen“ Gärtnern. Ich habe einen kleinen Garten, in dem ein nicht genutztes Gewächshaus steht, und ich habe ein Hochbeet mit Salat und Radieschen. Meine eigene „kleine Farm“ ist also minimalistisch. Jedoch hat mich das Buch dazu inspiriert, ein paar Dinge zu ändern, sodass ich mit wenig Aufwand dennoch gesunde Lebensmittel genießen kann. Es muss also nicht immer die große Farm sein. Im Buch finden wir zahlreiche Tipps für den kleinen Garten, für natürliche Schädlingsbekämpfung, Haltbarmachung von Lebensmitteln und Schutz der Natur.
Wenn Sie glauben, dass ein einziges Buch das alles nicht abdecken kann, dann irren Sie sich. Und genau das ist es, was „Meine kleine Farm“ so einzigartig macht.
Wenn Sie Ihren Salat selbst ziehen wollen – ob im Großgarten oder auf der Fensterbank – wenn Sie natürlich essen und leben möchten, dann kommen Sie an diesem Buch nicht vorbei.
Wenn Sie sich aus allen Garte- und Selbstversorgerratgebern einen einzigen aussuchen müssten, dann wählen Sie „Meine kleine Farm“. (ehr)

17.08.2015

Baden-Württemberg: Herkunft des überfahrenen Wolfes bei Lahr ist bekannt

Wolfsrüde aus Ostschweiz zugewandert

Der im Juni auf der Autobahn A5 nahe Lahr überfahrene Wolfsrüde ist aus der Ostschweiz zugewandert. Dies ergaben die Analysen des Laboratoriums für Naturschutzbiologie der Universität Lausanne, Schweiz, die von der Forstlichen Versuchs- und Forschungsanstalt Baden-Württemberg (FVA) in Auftrag gegeben worden waren.
Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der FVA sind durch das Ministerium für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz Baden-Württemberg (MLR) landesweit mit dem Wolfsmonitoring beauftragt. Mit Unterstützung durch die Wildtierbeauftragten der Landkreise werden von ihnen Beobachtungen aus der Bevölkerung gesammelt und überprüft. Nachdem aufmerksame Mitarbeiter der Straßenbauverwaltung bei Lahr Ende Juni ein überfahrenes wolfsähnliches Tier gemeldet hatten, wurde dieses von den Expertinnen und Experten der FVA untersucht und als Wolf angesprochen. Um einen Wolf-Hund-Mischling auszuschließen und die Herkunft anhand von Referenzproben aus benachbarten Wolfspopulationen zu klären, wurden genetische Proben des Tieres an verschiedene Laboratorien in Deutschland und der Schweiz geschickt.
Die Ergebnisse der Senckenberger Gesellschaft für Naturforschung aus Gelnhausen bestätigten, dass es sich um reinrassigen Wolf der "Alpinen Wolfspopulation" handelt. Mit einer weitergehenden Analyse wurde das Laboratorium für Naturschutzbiologie der Universität Lausanne beauftragt. Dort konnte anhand von vorliegenden Referenzproben die Herkunft des Tieres exakt bestimmt werden. Demnach handelt es sich bei dem überfahrenen Wolf um das im Frühjahr 2014 geborene Tier M53 aus dem schweizerischen Wolfsrudel im Calandagebiet bei Chur. Die direkte Entfernung zwischen Geburtsort und Unfallort beträgt etwas über 200 Kilometer, die tatsächlich zurückgelegte Wegstrecke ist vermutlich wesentlich größer.
Neben den genetischen Untersuchungen wurde der Kadaver am Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung in Berlin auf Krankheiten und die körperliche Verfassung untersucht. Bei dem knapp 30 Kilogramm schweren Rüden konnten keine Krankheiten nachgewiesen werden. Die Verletzungen der Rippen und der inneren Organe bestätigten den Tod durch ein Trauma in Folge des Zusammenstoßes mit einem Kraftfahrzeug.
(Pressemitteilung der Forstlichen Versuchs- und Forschungsanstalt Baden-Württemberg, 17. August 2015)

14.08.2015

Wolfsnachwuchs in Mecklenburg-Vorpommern

Die beiden Wolfspaare in Mecklenburg-Vorpommern haben sich erneut vermehrt: aktuelle Bilder einer Wildkamera der Umweltschutzorganisation WWF zeigen Welpen in der Ueckermünder und der Lübtheener Heide.
„Dies ist ein wichtiger Beleg für unsere Arbeit für die Artenvielfalt. Wir müssen uns auf eine langfristige Koexistenz mit dem Wolf einrichten. Dafür sind eine sachliche Diskussion und Präventionsmaßnahmen zum Schutz von Nutztieren unabdingbar“, unterstrich Dr. Till Backhaus, Minister für Landwirtschaft, Umwelt und Verbraucherschutz, heute in Schwerin.
In der Ueckermünder Heide konnte durch mehrere Bilder mindestens 5 Welpen nachgewiesen. Das Lübtheener Rudel hat mindestens 4 neue Mitglieder. „Ich bin sehr froh darüber, dass das langjährigen Engagement des amtlichen und ehrenamtlichen Naturschutzes und die Zusammenarbeit mit den Förstern und Jägern und den weiteren Landnutzern in Mecklenburg-Vorpommern wie immer gut funktioniert hat und wir nun diese neuen Bilder präsentieren können“, so der Minister.
Die nun vorliegenden Nachweise sind ein Ergebnis des kontinuierlich laufenden Wolfsmonitorings, das in beiden Flächen in enger Abstimmung zwischen den Bundesforstbetrieben Trave und Vorpommern-Strelitz der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben, dem WWF Deutschland und dem Land Mecklenburg-Vorpommern durchgeführt wird.
Derzeit liegt der Schwerpunkt des Monitorings darin, möglichst die Anzahl der Welpen und ihre Aufenthaltsbereiche zu ermitteln. Dazu werden flächig Spuren gesucht, gezielt Wildkameras ausgebracht und kontrolliert wie auch Hinweise von Forstmitarbeitern ausgewertet. Die Bundesforstbetriebe arbeiten gemeinsam mit geschulten Wolfsbetreuern des Landes vor Ort, der WWF unterstützt das Monitoring durch Fotofallen. Nach WWF-Einschätzung zeigt der Fotonachweis, wie wichtig es ist, die deutschen Wolfsvorkommen genau zu untersuchen. Nur so könne ein realistisches Bild von der Populationsentwicklung gelingen und ein optimiertes Management sowie eine bestmögliche Konfliktvermeidung entwickelt werden. „Außerdem müssen wir alles daran setzen, falsche Vorurteile weiter abzubauen und das Zusammenleben zu ermöglichen. In diesem Zusammenhabg weise ich nochmals ausdrücklich darauf hin, dass es in den Wäldern Mecklenburg-Vorpommerns eine gesetzliche Anleinpflicht für Hunde gibt. Befolgen Sie diese, um gegebenenfalls Zwischenfälle mit Wölfen aber auch die Beunruhigung von Wild zu verhindern“, hob Dr. Backhaus hervor.
Hinweise zu Wolfsbeobachtungen - auch aus anderen Regionen Mecklenburg-Vorpommerns - können an die Kontaktadressen gegeben werden, welche im Faltblatt „Wolfsmonitoring – Ihre Mitarbeit ist entscheidend“ veröffentlicht sind (abrufbar im hinterlegtem Link oder auf www.lu.mv-regierung.de). In das passive Monitoring sind vor allem im Freiland tätige, interessierte Personen, wie z.B. Säugetierkundler, Förster, Jäger und Naturschutzmitarbeiter eingebunden. Bisher wurden 45 ehrenamtliche „Wolfsbetreuer“ in Mecklenburg-Vorpommern geschult, diese nehmen alle zufällig gefundenen Hinweise auf die Tierart, wie Spuren, Losung aber auch Sichtungen auf. Zusätzlich wird seit 2008 ein aktives Monitoringdurchgeführt. Hierbei kommen digitale Infrarot-Fotofallen zur Anwendung.
Das Ministerium für Landwirtschaft, Umwelt und Verbraucherschutz M-V bittet die Tierhalter aus gegebenem Anlass, ihre Haltungsbedingungen zu überprüfen. Empfohlen werden dabei entweder mind. 90 cm hohe stromführende Zäune mit einem Bodenabstand <20 cm bzw. Maschendrahtzäune mit mind. 120 cm Höhe. Die Zäune müssen allseitig geschlossen sein. Weitere Informationen zur Thematik sind abrufbar unter: http://www.lung.mv-regierung.de oder auch auf der Seite www.wolf-mv.de. (PM v. 14.8.15)

Altwolf mit Welpen in der Ueckermünder Heide © WWF + Frank Jüttner

13.08.2015

Schweiz: Abschuss eines Wolfes angeordnet

Staatsrat Jacques Melly ordnet den Abschuss eines Wolfes an, der im Vallon de Rechy und im Val d’Anniviers zwischen dem 19 Juni und dem 8. August insgesamt 38 Schafe auf den dortigen Alpen angegriffen hat. Diese Abschussbewilligung stützt sich auf die Bestimmungen der eidgenössischen Jagdgesetzgesetzgebung und deren Verordnung.
Damit eine Abschussbewilligung für einen Wolf erteilt werden kann, müssen mindestens 25 Schafe innerhalb eines Monats oder 35 Schafe innert der Frist von 4 Monaten angegriffen und getötet werden. Für den Wolf, der im Vallon de Rechy und im Val d’Anniviers zwischen Juni und August 38 Schafe getötet hat, ist diese Voraussetzung erfüllt. Jacques Melly, Chef des Departements für Verkehr, Bau und Umwelt hat deshalb eine Abschussbewilligung erteilt.
Gemäß der Richtlinie zum Herdenschutz sowie dem Monitoring der Dienststelle für Jagd, Fischerei und Wildtiere betreffend Wolfsschäden, befinden sich diese Alpen nicht in einem Herdenschutzschwerpunktgebiet. Diese Alpen wurden deshalb für die Umsetzung der zumutbaren Herdenschutzmaßnahmen als nicht prioritäre Alpen eingestuft. Der Abschussperimeter wird demzufolge auf die Alpen Tzan, Orzival, La Lé, Singlinaz und Ar Pittetaz beschränkt. Im Falle von Angriffen auf den Alpen des rechten Ufers der Borgne (Val d’Hérens) wird die Situation beurteilt und der Perimeter unter bestimmten Voraussetzungen erweitert. Ab dem kommenden Jahr werden diese Regionen in einem Herdenschutzschwerpunktgebiet liegen, was die Umsetzung von Schutzmaßnahmen zur Abwehr von Großraubtier-Angriffen erfordert. Die geltende Bundesgesetzgebung fordert diese Maßnahmen.
Die Dienststelle für Landwirtschaft hat nach den ersten Angriffen sofort alle Alpbewirtschafter in der Region Anniviers und Vallon de Réchy über das Vorgehen im Falle eines Wolfsangriffes informiert. Die Bewirtschafter wurden individuell über mögliche Sofortmaßnahmen und kurz und mittelfristig anwendbare Herdenschutzmaßnahmen auf den betroffenen Alpen beraten, sofern diese schützbar sind. Mehrere Nutztierhalter haben entschieden, ihre Nutztiere von der Alpe zu nehmen. Auf den Alpen, auf denen die Nutztiere noch anwesend sind, wurden die für die jeweilige Alpe möglichen Sofortmaßnahmen umgesetzt (z. B. Nachtpark, Hirten, Blinklichter).
Die laufenden Diskussionen mit den Bewirtschaftern werden fortgesetzt und erlauben es auf der Basis des 2014 erstellten und validierten Alpplanes die zumutbaren Herdenschutzmaßnahmen festzulegen. Dieses Vorgehen ermöglicht den Nutztierhaltern, sich bestmöglich gegen künftige Wolfsangriffe zu schützen. Die Dienststelle für Landwirtschaft berät und unterstützt die Alpeigentümer bei der Umsetzung dieser Schutzmaßnahmen.
(Medienmitteilung des Kantons Wallis, 13.08.2015)

 

07.08.2015

Rezension: Wake up!

Wake up!
Aufbruch in eine ausgeschlafene Gesellschaft

Peter Spork

Carl Hanser Verlag, 2014
248 Seiten
ISBN 978-3446440517
18,90 €

Hier können Sie das Buch bestellen


Inhalt
Von der Sommerzeit bis zur Schichtarbeit: Wir treiben routinemäßig Schindluder mit unserer inneren Uhr – und ruinieren damit unsere Gesundheit. Der Neurobiologe Peter Spork hat wissenschaftliche Erkenntnisse aus Biologie und Medizin auf unseren Alltag übertragen – und einen 8-Punkte-Plan entworfen, wie wir wieder im Einklang mit dem Rhythmus der Natur leben können. So gehört nicht nur die Sommerzeit abgeschafft, wir brauchen auch mehr Licht bei der Arbeit, und der Präsentismus im Büro muss einer Berücksichtigung von Chronotypen weichen. "Wake up" ist ein Plädoyer für eine ausgeschlafene Gesellschaft – mit weniger Burn-out und Depressionen, weniger Schlafmangel und Gereiztheit, weniger Übergewicht und Diabetes.

Rezension
Ein geregelter Tagesablauf, morgens ohne Sonnenbrille ins Helle schauen, abends mit Sonnenbrille lesen, und bei Kerzenlicht die Zähne putzen. Ungewöhnliche Tipps für einen guten und gesunden Schlaf – aber sie wirken. Ich betrachte mich als "zeitgeschädigt". Jahrelange Schichtarbeit und unzählige Transatlantikflüge monatlich haben meine innere Uhr aus dem Takt gebracht. Heute – als Freiberufler – folge ich meiner inneren Uhr. Als extreme Lerche bin ich zwischen vier und fünf Uhr morgens wach, und abendliche Veranstaltungen sind ab 22 Uhr für mich gelaufen. Meine Eulen-Freunde treffe ich am liebsten zum Brunch, da haben wir alle was davon.
Sind wir Frühaufsteher produktiver, und sind Langschläfer wirklich fett, faul und dumm? Mit diesen Vorurteilen räumt Peter Spork in seinem Buch "Wake up!" auf und gesteht jedem seinen persönlichen Zeitrhythmus zu. Weil dies in unserer Arbeitswelt nicht so einfach ist, plädiert er für die Abschaffung der Sommerzeit, einen flexibleren Arbeitsalltag und einen späteren Schulbeginn und gibt auch gleich die passenden Tipps dazu.
Persönlich können die Leser von seinem "Wake-up-Masterplan" profitieren, der in acht Punkten zu einer ausgeschlafeneren – und damit auch produktiveren und gesünderen – Gesellschaft führen soll. Instinktiv habe ich schon viele dieser Punkte befolgt. Jetzt habe ich auch noch meine Glühlampen ausgetauscht: abends 130 Lux und 2000 Kelvin und tagsüber 500 Lux und 5000 Kelvin. (Nein, der Autor wird nicht von Leuchtmittelfirmen gesponsort.)
Dieses Buch ist ein Genuss. Unterhaltend, bereichernd und äußerst informativ mit vielen Aha-Effekten.
Seien Sie versichert: Nach der Lektüre dieses Buches – und dem Austausch Ihrer Glühbirnen – werden Sie garantiert wieder gut schlafen. (ehr)


04.08.2015

Aktuelle Informationen Wölfe in Sachsen Juli 2015

Aktuell sind in Sachsen zehn Wolfsrudel und ein sesshafter Wolf bestätigt. Neun Wolfsterritorien liegen ganz im Freistaat Sachsen: Daubitz, Dauban, Königsbrück, Milkel, Niesky, Nochten, Seenland, Rosenthal und Laußnitzer Heide. Darüber hinaus sind zwei Wolfsterritorien grenzübergreifend: Das Spremberger Rudel, dessen Revier teilweise in Brandenburg liegt, und die sesshafte Wölfin im Hohwald, deren Revier sich zum Teil auf die Tschechische Republik erstreckt. Drei weitere Wolfsterritorien haben nur zu einem kleinen Teil ihr Gebiet auf sächsischer Seite. Um Doppelzählungen zu vermeiden werden diese in Sachsen nicht mitgezählt: Das polnische Ruszow-Rudel, das brandenburgische Zschornoer Wolfspaar und das zum Großteil in Sachsen-Anhalt liegenden Annaburger Heide Rudel (Abb. 1).

Abb. 1:  Wolfsvorbreitung in Sachsen im Monitoringjahr 2014/2015 (Stand 30.04.2015). Die Darstellung der Territorien ist nur schematisch. Tatsächlich grenzen die einzelnen Territorien überall aneinander oder überlappen sich teilweise. Angrenzend an das sächsische Wolfsgebiet gibt es auch in Brandenburg und Polen flächendeckend Wolfspräsenz.(Foto © LUPUS)
 
Im letzten Monitoringjahr 2014/2015 ist ein Rudel (Kollm) komplett verschwunden. Das Gebiet wurde von den angrenzenden Wolfsrudeln wieder in Anspruch genommen. Auch das ehemalige Hohwald Rudel existiert als solches nicht mehr. Bei der im Hohwald nachgewiesenen Wölfin handelt es sich um eine Tochter dieses ehemaligen Rudels. Ob die Wölfin sich dort alleine aufhält oder mit Partner wird im Rahmen des Monitorings weiter untersucht.

In den vergangenen Monaten wurden auch außerhalb der etablierten Rudelterritorien bestätigte Hinweise auf bzw. Nachweise von einzelnen Wölfen erbracht: In der Gohrisch Heide (Landkreis Meißen), sowie im Raum Löbau und Bernstadt auf dem Eigen (beides Landkreis Görlitz).  Anhand von zwei Losungsproben, die östlich von Löbau eingesammelt wurden, konnte genetisch nachgewiesen werden, dass ein Welpe des Rosenthaler Rudels im Frühjahr 2015 in südlichen Landkreis Görlitz unterwegs war. Im Rahmen des Monitorings wird weiter geklärt ob sich Wölfe in diesen Gebieten inzwischen dauerhaft aufhalten.
Ende Mai gab es bei Markkleeberg südlich von Leipzig (Landkreis Leipziger Land) einen einzelnen Fotonachweis eines Wolfes. Bislang ist unklar, ob der Wolf sich aktuell noch in dem Bereich aufhält oder bereits weitergewandert ist.

Bisher konnte in sechs sächsischen Rudeln Reproduktion nachgewiesen werden. Im Daubaner Rudel zeigen Fotofallenaufnahmen die Wolfsfähe mit deutlichem Gesäuge. Im Daubitzer-, Milkeler-, Nieskyer-, Nochtener- und Spremberger Rudel gibt es bereits Film- und Fotoaufnahmen von Welpen (Abb. 2). 
In den Sommer- und Herbstmonaten liegt der Schwerpunkt des Wolfsmonitorings auf der Suche nach Welpenhinweisen. In dieser Zeit wird versucht, auch in den übrigen Territorien Welpen über dokumentierte Spuren, Fotos oder Filmaufnahmen zu bestätigen.

Abb. 2:  Die Aufnahme einer Fotofalle zeigt vier Welpen und einen Jährling des Nieskyer Rudels Mitte Juli 2015. (Foto © LUPUS)

Der Totfund eines 7 Wochen alten Welpen (Todesursache Magen-Darm-Erkrankung) im Bereich der Königshainer Berge (LK Görlitz) gibt bislang Rätsel auf. Das Gebiet der Königshainer Berge gehört zum Territorium des Nieskyer Rudels. Die diesjährigen Welpen der Nieskyer Wolfsfähe sind allerdings an einem anderen Ort im Territorium nachgewiesen worden, weshalb anzunehmen ist, dass dieser Welpe zu einer anderen Mutter gehört. Derzeit wird die genetische Zugehörigkeit des Welpen untersucht. Ein intensiveres Monitoring im Bereich der Königshainer Berge sowie der angrenzenden Gebiete, soll Informationen liefern, ob sich südlich der Autobahn 4 ein neues Rudel etabliert hat.

Im vergangenen Jahr wurden im Daubaner Rudel insgesamt 13 Welpen nachgewiesen (das Kontaktbüro berichtete). Dies war eine kleine Sensation, da in Sachsen bisher meist 4 bis 8 Welpen je Wurf nachgewiesen wurden. Das intensivierte genetische Monitoring in diesem Gebiet im letzten Monitoringjahr sollte die Elternschaft der 13 Welpen klären. Vermutet wurde eine Doppelreproduktion, das heißt, dass neben der Daubaner Fähe eventuell noch eine weitere Wölfin Welpen bekommen hatte. Dies konnte genetisch jedoch weder bestätigt noch sicher ausgeschlossen werden. Insgesamt konnten sechs Welpen genetisch beprobt werden. Diese haben alle die Daubaner Fähe als Mutter. Allerdings kamen sieben der 13 Welpen nicht in den gesammelten Genetikproben vor. Die Aussagekraft der Ergebnisse ist daher zu gering, um zu schlussfolgern, dass tatsächlich alle 13 Welpen von nur einer Mutter stammen. Möglicherweise liefern die genetischen Analysen des laufenden Monitoringjahres noch weitere Aufschlüsse.

Herdenschutz:
Im Jahr 2015 (Stand: 27.07.2015) gingen bislang insgesamt 31 Meldungen zu Nutztierschäden beim sächsischen Wolfsmanagement ein. Davon konnte in 21 Fällen der Wolf als Verursacher festgestellt bzw. nicht ausgeschlossen werden. Dabei wurden 52 Nutztiere getötet und 6 Tiere verletzt.
In Sachsen haben Schaf- und Ziegenhalter, sowie Betreiber von Wildgattern die Möglichkeit sich Herdenschutzmaßnahmen fördern zu lassen. Für Fragen zu Schutzmaßnahmen und zu Fördermöglichkeiten stehen die Unteren Naturschutzbehörden der Landkreise bzw. die zuständige Außenstelle des Sächsischen Landesamts für Umwelt Landwirtschaft und Geologie (LfULG) zur Verfügung.

Tote Wölfe:
Im Freistaat Sachsen wurden 2015 bislang sieben tote Wölfe gefunden. Vier Wölfe starben bei Verkehrsunfällen: eine Jährlingsfähe auf der B96 im Landkreis Bautzen, ein junger männlicher Wolf bei Driewitz (Landkreis Bautzen), ein erwachsener Rüde bei Lodenau (Landkreis Görlitz) und eine Jährlingsfähe im Daubaner Wald (Landkreis Görlitz). Zwei Wölfe starben an natürlichen Todesursachen: der Rüde des Spremberger Rudels (MT2, „Karl“) und ein Welpe im Bereich der Königshainer Berge (Landkreis Görlitz).
Ein Wolf wurde Ende Juli 2015 illegal geschossen (das Kontaktbüro berichtete).

Bitte melden Sie Wolfshinweise (Spuren, Kot, Sichtungen, Risse) an das Landratsamt Ihres Landkreises, an das Kontaktbüro „Wolfsregion Lausitz“ (Tel. 035772/ 46762, kontaktbuero@wolfsregion-lausitz.de) oder an das LUPUS Institut für Wolfsmonitoring und –forschung in Deutschland (Tel. 035727/ 57762, kontakt@buero-lupus.de).


03.08.2015

Rezension: Das 6. Sterben

Das 6. Sterben
Wie der Mensch Naturgeschichte schreibt
Elizabeth Kolbert

Suhrkamp Verlag, 2015
312 Seiten
ISBN 978-3518424810
24,95 €

Hier können Sie das Buch bestellen

 Inhalt
Sie haben noch nie etwas vom Stummelfußfrosch gehört? Oder dem Sumatra-Nashorn? Gut möglich, dass Sie auch nie von ihnen hören werden, denn sie sind dabei auszusterben. Wir erleben derzeit das sechste sogenannte Massenaussterbeereignis: In einem relativ kurzen Zeitraum verschwinden ungewöhnlich viele Arten. Experten gehen davon aus, dass es das verheerendste sein wird, seit vor etwa 65 Millionen Jahren ein Asteroid auf der Erde einschlug, mit den bekannten Folgen für die Dinosaurier. Doch dieses Mal kommt die Bedrohung nicht aus dem All, sondern wir tragen die Verantwortung.
Wie keine andere Gattung zuvor haben wir Menschen das Leben auf der Erde verändert. In ihrem New York Times-Bestseller erklärt uns Elizabeth Kolbert, wie das geschehen konnte: Sie spricht mit Geologen, die verschwundene Ozeane erforschen, begleitet Botaniker, die der Waldgrenze in den Anden folgen, und begibt sich gemeinsam mit Tierschützern auf die Suche nach den letzten Exemplaren gefährdeter Arten. Sie zeigt, wie ernst die Lage ist, und macht uns zu unmittelbaren Zeugen der dramatischen Ereignisse auf unserem Planeten.

Rezension
Es gab fünf Massenaussterbeereignisse, seit sich vor 500 Mio. Jahren komplexe Tiere entwickelt haben. Verantwortlich dafür waren der globale Klimawandel und andere Ursachen (Asteroiden u. Ä.). Gegenwärtig befinden wir uns mitten im 6. Aussterben, diesmal verursacht durch die Transformation der ökologischen Landschaft durch die Menschheit. Fünf bis neun Millionen Tierarten gibt es derzeit weltweit, und jedes Jahr verschwinden 11.000 bis 58.000 von ihnen. Schon jetzt gelten zwischen 23 und 36 Prozent der vom Menschen als Nahrung genutzten Vögel, Säugetiere und Amphibien als bedroht. Gewiss, schon immer sind Arten ausgestorben, jedoch ist die Geschwindigkeit, mit der das Sterben heute geschieht, erschreckend. Das zeigt die Autorin in diesem lesenswerten Buch.

Sie begibt sich auf eine Reise um die Welt auf den Spuren der Artenvernichtung und präsentiert die Forschung und Ansichten verschiedener Wissenschaftler aus Vergangenheit und Gegenwart.
„Das 6. Sterben“ ist ein faszinierendes Buch, das aufgrund der Fakten deprimiert und traurig macht. Traurig, dass die meisten Arten durch menschliches Zutun verschwinden und deprimierend, dass Menschen oft so gedankenlos und manchmal einfach nur aus Spaß Arten vernichten. Die Ignoranz von Homo sapiens ist erschreckend. Haben Sie sich schon einmal Gedanken darüber gemacht, dass Sie vielleicht gerade mit einem achtlosen Fußtritt die letzte seltene Käferart von diesem Planeten auslöschen? Und wenn, würde es Sie kümmern? Wozu sind Käfer schon gut? Wir betonen immer wieder, wie wichtig uns die Natur ist, stellen aber den Wohlstand über alles und sind nicht bereit, zugunsten des Planeten auf Autos, Flugreisen, Fleisch aus Massentierhaltungen etc. zu verzichten. Solange Gier und Wachstum die Welt beherrscht, wird das Massensterben nicht aufhören.
Aber zum Glück gibt es ja Einrichtungen wie den „Gefrorenen Zoo“ in San Diego. Hier lagern die DNA von 2.600 Tierarten in großen Gefrierschränken. Eine Stickstoffpumpe kühlt sie auf Minus 196 Grad Celsius. Das macht die Zellen für die Ewigkeit haltbar. Jurassic Park lässt grüßen und heutige Zoos werden ad absurdum geführt.
Die Autorin stellt die Frage, die sich wohl jeder stellt, der sich mit dem Thema des Buches beschäftigt: „Muss es so enden? Liegt die letzte Hoffnung für die prachtvollsten Kreaturen der Erde tatsächlich in Behältern mit Flüssigstickstoff? Können wir nicht etwas zum Schutz anderer Spezies unternehmen und unseren Kurs ändern, um Gefahren zu vermeiden?“
Kolbert macht aber auch Hoffnung. Viele Menschen haben schon bewiesen, dass sie etwas ändern können. Sie zeigt Beispiele von Einzelpersonen wie Adolph Murie oder Rachel Carson, aber auch von Millionen Menschen, die sich durch ihre Mitgliedschaft in den großen Naturschutzorganisationen der Welt indirekt an einer Veränderung beteiligen.
Am Ende des Buches begreift der Leser, dass unser eigenes Artensterben mehr ist, als eine entfernte Möglichkeit. Werden wir es aufhalten können?

„Das 6. Sterben“ ist ausgezeichnet recherchiert von einer begnadeten Journalistin, der es gelingt, wissenschaftlich komplexe Fakten interessant und lesbar aufzubereiten, eine Gabe, die nur wenige deutsche Journalisten beherrschen, die uns aus den USA aber sehr wohl bekannt ist.
Zu Recht hat Elizabeth Kolbert für dieses Buch den Pulitzerpreis Sachbuch erhalten.

Ein besonderes Kompliment geht auch an Ulrike Bischoff, die das Buch großartig übersetzt hat.
Sehr hilfreich ist das ausführliche Literaturverzeichnis zum Weiterlesen. (ehr)