27.12.2015

Rezension: The Dingo Debate

The Dingo Debate
Origins, Behaviour and Conservation

Bradley Smith (Hrsg)

SCIRO Publishing, 2015
330 Seiten
ISBN 978-1486300297
AU $ 39,95 / US $ 31,95

Inhalt
„The Dingo Debate“ erforscht die relativ unbekannte Geschichte von Australiens umstrittenstem Tier: dem Dingo. Dessen Existen7 wurde von je her durch seine Interaktionen mit Menschen geformt. Das Buch verfolgt die Geschichte des Dingo von seinen Anfängen als halb-domestizierter wild lebender Hund im Südosten von Asien bis zu seinem heutigen Status als wild lebendes heimisches Tier Australiens unter der Bedrohung der Ausrottung.

 Rezension
„The Dingo Debate“ hat eine sehr hohe Bedeutung für Diskussionen über den Wolf in Deutschland. Eine Vielzahl der im Buch angesprochenen Aspekte, nicht nur im Bezug auf die mögliche Gefahr für Nutztierhaltung und Menschen, kann nahezu 1:1 auf die derzeit wogende Debatte in Deutschland übertragen werden. Autoren des Buches sind neben Bradley Smith eine Reihe zum Teil sehr renommierte. So ist der schwedische Genetiker Peter Savolainen Coautor eines Kapitels über die molekulargenetischen und archäologischen Aspekte der Dingoeinwanderung, der renommierte Ökologieprofessor Christopher Johnson schreibt über den Dingo als ökologischen Faktor und über die mögliche Konkurrenz zu einheimischen größeren und kleineren Beutegreifer.
An etlichen Stellen ist das Buch durch sehr übersichtliche Tabellen mit jeweils Vergleichsangaben von Wolf, Dingo und Haushund strukturiert, sodass körperbauliche, aber auch Verhaltensmerkmale immer wieder in direktem Vergleich zwischen den drei Formen zu sehen sind.
Die derzeit aktuelle zoologische Nomenklatur bezeichnet den Dingo offensichtlich nun als Canis dingo, Meyer 1793. Dies ist zweifellos noch nicht unumstritten, scheint aber derzeit von der Nomenklaturkommission so akzeptiert.
Jedes der Kapitel enthält eine ausführliche Literaturliste, oft über mehrere Seiten, die auch die aktuellen Literaturbeiträge über Haushunde und Wölfe auf anderen Kontinenten enthält.
Die Kapitelabfolge beginnt mit einer Charakteristik des Dingos, einschließlich der bereits genannten Unterscheidungen vom Haushund und Wolf, und der ausführlichen Darlegung der genannten zoologisch-systematischen Benennung.
Im nächsten Kapitel über Biologie und Verhalten sind einige Aspekte bereits von besonderem Interesse:
Die mögliche Hypridisierung des Dingos mit dem Haushund wird ausführlich, und auch als eine Gefahr für die Verbreitung der Art in Australien diskutiert. Es handelt sich in der Regel um Dingohündinnen und Haushundrüden, die gemeinsam Nachwuchs zeugen, und die Aufzucht erfolgt dementsprechend meistens im Freiland.
Im Gegensatz zu den bisherigen Angaben finden die von Smith und Coautoren zitierten Studien meistens stabile Dingorudel, die allerdings durch das Fusion- Fissionssystem, ähnlich wie beispielsweise bei verwilderten Haushunden, nicht sofort als solche erkennbar sind. Dingos jagen nämlich meistens allein, der Zusammenschluss zur Jagd auf Großtiere ist auch bei ihnen nicht die Regel. Die Zyklen der Dingohündinnen werden offensichtlich durch die Photoperiode ausgelöst, und Dingohündinnen können, wenn sie bei der ersten Läufigkeit im Jahr nicht erfolgreich belegt wurden, noch einen Zyklus nachschieben. Die Fortpflanzungsaktivitäten der Rüden werden wohl mehr durch die Temperatur gesteuert. Jedoch betont der Beitrag immer wieder die große Variationsbreite, die allgemeingültige Aussagen immer etwas erschwert.
Interessante Beobachtungen zur Entwicklung von nahezu dreißig Dingowelpen, die in mehreren Würfen ausführlich studiert wurden, sind als Originaldaten im Band zu entdecken. Eine bemerkenswerte Beobachtung ist das Regurgitieren von Wasser, das eine frei lebende Dingohündin für ihre Welpen gebracht hat. Auch die Lautgebung wird ausführlich mit Originaldaten, Sonagrammen etc. beschrieben.
Das nächste Kapitelbeschäftigt sich mit der Herkunft und der Abstammung des Dingos. Sowohl durch paläontologische Daten, durch die Auswertung der Traumerzählungen einheimischer Aborigines, die Auswertung der geografischen Verschiebungen und die Molekulargenetik ergibt sich, dass der Dingo vor ca. fünftausend Jahren nach Australien gekommen sein dürfte. Die Abstammung von Hunden (nicht etwa von Wölfen) aus Südostasien und die Einwanderung wohl über Borneo und Neuguinea sind gut belegbar. Die genetische Variabilität aller Dingos in Australien ist sehr niedrig, möglicherweise sind nur ganz wenige Individuen (man spricht sogar von nur einem Rüden und zwei Hündinnen) die Stammeltern der gesamten Population gewesen.
Ein weiteres Kapitel beschäftigt sich mit der Rolle des Dingos im Lebensstil der indigenen Bewohner, Dingos waren offenbar oftmals Familienmitglieder, die auch durchaus gefühlvoll integriert waren, Trauerzeremonien etc. werden beschrieben. Als Jagdgehilfen dagegen werden sie wohl nur kaum eingesetzt worden sein und ihre Hilfestellung dabei wird auch sehr eingeschränkt gesehen.
Die nächsten beiden Artikelbeschäftigen sich mit dem Konflikt zwischen Dingo und Mensch. Konflikte durch Angriffe auf Nutztiere, die ökonomischen Auswirkungen und die Möglichkeiten einer aversiven Konditionierung zur Vergraulung von Dingos werden hier ausführlich geschildert, die wirtschaftliche Debatte ist offensichtlich durchaus noch nicht entschieden. Die Auswirkungen des Dingos auf die Huftierbestände sind also noch umstritten.
Das nächste Kapitel über Angriffe auf Menschen beschäftigt sich hauptsächlich mit der Aufarbeitung zweier, auch bei uns in den Medien ausführlich behandelter Fälle. Während das Problem des im Uluru Nationalpark verschwundenen Babys nach wie vor offen ist, und die Diskussion dieses Falls auch mehr als juristischer als aus biologischer Sicht erfolgt, ist der Angriff auf einen neunjährigen Jungen in Queensland durch zwei Dingos wohl eindeutig belegbar.
Im Zusammenhang mit diesen Angriffen auf Kinder werden dann auch einige weitere Aspekte im Zusammenhang mit Abfolge Attraktion – Habituation – Interaktion – Aggression diskutiert, und der Unterschied zwischen Habituierung und einseitiger Futterkonditionierung wird als überwiegendes Problem erwähnt. Auch die möglichen Einflüsse des Scheu - Wagemutig – Persönlichkeitstyps, also des A und B Typs werden im Text erwähnt.
Das Kapitel Wissenschaft beim Dingostudium ist eine ausführliche Zusammenstellung aller möglichen Feldmethoden, mit denen man Dingos untersuchen kann, und kann durchaus auch wiederum als Überblick gelten für diejenigen, die sich speziell mit der Kanidenforschung in freier Natur oder auch in Gehegen beschäftigen möchten.
Im nachfolgenden Kapitel werden die ökologischen Aspekte des Dingos diskutiert. Hier ist vor allem seine Rolle als Spitzenbeutegreifer von großer Bedeutung. Einerseits schließt der Autor Christopher Johnson weitgehend aus, dass der Beutelteufel und/oder der Beutelwolf auf dem australischen Festland überwiegend durch den Einfluss des Dingos als überlegenem Nahrungskonkurrenten ausgerottet worden seien. Durch Modellierungen verschiedener biologischer und auch anthropologischer Aspekte wird vielmehr der plötzliche Populationsanstieg des Menschen vor ca. fünftausend Jahren mit dem Aussterben der beiden genannten großen marsupialen Beutegreifer in Verbindung gebracht.
Eine wichtige, durchaus für die einheimische Flora und Fauna positive Wirkung des Dingos wird dagegen herausgestellt:
Einerseits ist seine Auswirkung auf die einheimischen größeren Känguruarten durchaus nachweisbar, größere Känguruarten nehmen in ihren Beständen deutlich zu, wenn die Dingos abnehmen. Dies wiederum hat negative Auswirkungen auf die Vegetation, die Anwesenheit von Dingos in einem Gebiet kann also durchaus für die Pflanzenwelt eine positive Wirkung haben.
Zum Zweiten ist, wie übrigens auch auf vielen anderen Kontinenten, das Phänomen der sogenannten Mesoprädatoren-Freisetzung (Mesopredator Release) von Bedeutung. Dingos halten Füchse und Katzen, die beiden wichtigsten eingeschleppten Feinde kleiner und mittelgroßer einheimischer Säugetiere, ganz offensichtlich kurz, und in mehreren Fällen wurden Fuchsangriffe auf Bestände heimischer Beutetiere sehr schnell nach dem Verschwinden der Dingos in einem Gebiet dokumentiert. Die Auswirkungen auf das Ökosystem – und zwar offensichtlich egal ob Wald, Grasland oder Wüste – sind also durchaus eher positiv zu sehen.
Die nächsten beiden Kapitel sind besonders interessant auch für diejenigen, die sich mit dem Verhalten des Haushundes in Menschenhand beschäftigen. Das Kapitel über Intelligenzleistungen zeigt, dass Dingos in sehr vielen Fällen die in Budapest, Leipzig und anderen Instituten angewendeten Intelligenz – Kognitions- und Kommunikationstests mit dem Menschen ebenso bestehen. Auch der durch Internetfilme weitgehend bekannte Fall des Dingos, der sich einen Tisch heranzieht, um dann ein aufgehängtes Stück Fleisch von der Decke zu holen, wird in Bild und Schrift ausführlich beschrieben. Auch in anderen Fällen zeigen Dingos Problemlösefähigkeiten, die durchaus denen von Haushunden von Menschenaffen entsprechen können. Auch hier werden wieder die Vergleiche zwischen Wolf, Dingo und Haushund in einer Übersichtstabelle dargestellt.
Das nächstfolgende Kapitel beschäftigt sich mit der Persönlichkeit von Dingos, und speziell dabei auch mit ihrer Eignung oder Nichteignung als Haustiere. Der Autor selbst maßt sich kein Urteil an, er schreibt, dass Dingohaltung als Heimtier zwar für ihn selbst  nicht in Frage käme, er jedoch durchaus Respekt und Achtung vor denjenigen hat, die es schaffen, diese einmalige Tierart als Begleittier zu halten.
Im nächsten Kapitel wird speziell die Praxis und die Bedeutung privater Dingoparks, auch hier durchaus modellhaft zu sehen für die vielen, derzeit aus dem Boden schießenden privaten Wolfparks bei uns, diskutiert.
Der Ausblick, der die Zukunft des Dingos in Australien bespricht, hält nochmals fest, dass vor allem die Vermischung mit dem Haushund, und gegebenenfalls eben die starke Populationszunahme des Menschen als mögliche Gefahren darzustellen wären.
Ingesamt also ein sehr wichtiges und lesenswertes Buch, dass nicht nur den Liebhabern der australischen Fauna oder der frei lebenden Wildkaniden, sondern auch den am Haushund und seiner Vorfahrenreihe interessierten und nicht zuletzt eben den vielen, selbst ernannten oder auch wirklich aktiven WolfschützerInnen in unserem Land zur Lektüre empfohlen werden kann. (Udo Gansloßer)

26.12.2015

Rezension: Karte der Wildnis

Karte der Wildnis
Robert Macfarlane

Verlag Matthes & Seitz, 2015
303 Seiten
ISBN 978-3957571014
34,00 €

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Inhalt
Wo gibt es heute noch Wildnis?, fragt sich Robert Macfarlane, als er den Straßenatlas ausbreitet und beschließt, die letzten unberührten Flecken Natur zu finden, die sich hinter den Schraffuren und Linien, Farben und Symbolen fernab der Schnellstraßen verstecken: abgelegene Inseln und verborgene Gebirge, unwegsame Moore und undurchdringliche Wälder. Seine Suche führt ihn von den schroffen Klippen im Norden Schottlands zu den verwunschenen Hohlwegen Südenglands, von der kargen Kalksteinlandschaft Westirlands zu den stürmischen Stränden Norfolks. Macfarlane durchschwimmt brandende See und stehende Gewässer, erklimmt steile Hänge und windumtoste Gipfel, oft an den Grenzen der Belastbarkeit, um am eigenen Leibe zu erfahren, was Wildnis ist und liest die Berichte derjenigen, die diese Orte vor ihm aufsuchten: Pilger und Philosophen, Forscher und Literaten. Was als Reise zur ungezähmten Natur begann, wird zum lebendigen Streifzug durch Raum und Zeit, der geologische wie kulturhistorische Schichten gleichermaßen durchstößt und auch vor der Wildnis der Städte nicht die Augen verschließt. Am Ende entsteht tatsächlich eine Karte der Wildnis , eine sprachmächtige Einladung zum Staunen, wie nah das Ferne, Fremde, Wilde uns immer noch ist.

Rezension
In der Serie „Naturkunden“ erscheinen im Verlag Matthes & Seiz Bücher, die von der Natur erzählen. In dieser Reihe ist auch das Buch „Karte der Wildnis“ erschienen. Schon äußerlich besticht es in seiner Schönheit und verlockt zum Anfassen: in historischem Format gebunden, Leinenstruktur, fadengeheftet und mit rotem Kopfschnitt.
Das Buch ist unterteilt in verschiedene geografische Kapitel (Insel, Tal, Moor, Wald, Gipfel etc.), die jeweils mit einem schwarz-weiß Foto bebildert sind.
Wer bei diesem Buch auf eine Reisebeschreibung zu „wilden“ Orten hofft und auf eine Anleitung, wo er sie finden kann, der wird enttäuscht – es sei denn, er kennt sich gut in Großbritannien aus. Offensichtlich geht der Autor davon aus, dass seine Leser die beschriebenen Orte bereits kennen. Ebenso setzt er eine gewisse Fachkenntnis bei geologischen oder anderen Begriffen im Buch voraus. Das Buch hat sich also für mich zunächst nur schwer erschlossen.
Gleichwohl hat mich die Magie der Worte von Macfarlane verzaubert und tiefer in das Buch hinein gezogen.
Wer bisher glaubte, um Wildnis zu erleben, müsse er weit reisen und andere Kontinente besuchen, der wird hier eines Besseren belehrt. Der Autor nimmt uns mit auf seine Reisen nach England, Irland und Schottland. Dabei beschreibt er die Wildnis so bildlich und schildert seine Erlebnisse so detailliert, dass wir mit ihm frieren, nass werden oder den Nachthimmel bestaunen. Er hat die Fähigkeit, die Landschaft zu fühlen und durch die Poesie seiner Sprache diese Gefühle auf den Leser zu übertragen.
Mir hat das Buch Lust gemacht, aufzubrechen und die geheime Wildnis vor meiner eigenen Haustür zu erforschen.
Ausgezeichnete Übersetzung von Andreas Jandl und Frank Sievers. (ehr)

23.12.2015

Rezension: H wie Habicht

H wie Habicht
Helen Macdonald

Allegria Verlag, 2015
416 Seiten
ISBN 978-3793422983
20,00 €

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Inhalt
Der Tod ihres Vaters trifft Helen unerwartet. Erschüttert von der Wucht der Trauer wird der Kindheitstraum in ihr wach, ihren eigenen Habicht aufzuziehen und zu zähmen. Und so zieht das stolze Habichtweibchen Mabel bei ihr ein. Durch die intensive Beschäftigung mit dem Tier entwickelt sich eine konzentrierte Nähe zwischen den beiden, die tröstend und heilend wirkt. Doch Mabel ist nicht irgendein Tier. Mabel ist ein Greifvogel. Mabel tötet.
,Ein Buch über die Erinnerung, über Natur und Freiheit - und über das Glück, sich einer großen Aufgabe von ganzem Herzen zu widmen.



Rezension

„H wie Habicht“ ist eine Mischung aus deprimierender Biografie und dem Tagebuch einer Falknerin. Es ist fesselnd, tief berührend und in einer wunderschönen, poetischen Sprache geschrieben.
Dennoch fühlte ich mich bei der Lektüre hin und her gerissen. Emotional war es für mich teilweise äußerst quälend, zu lesen wie der Habicht abgerichtet wurde, und ich fragte mich immer wieder: Warum tut sie das dem Tier an? Helen leidet unter dem Tod ihres Vaters und beschließt daraufhin einen Greifvogel zu kaufen, einzusperren und zu zähmen, um sich ihre Kindheitsträume zu erfüllen und ihre persönlichen Bedürfnisse zu befriedigen. Als jemand, der wilde Wölfe beobachtet stelle ich mir vor, wie es wohl wäre, wenn ich das einem Wolf antue: Ich hole ihn als Jungtier zu mir ins Haus, zähme ihn, halte ihn in der Wohnung, nehme ihn dann mit auf die Jagd und helfe ihm dabei, Beutetiere zu reißen. Jeder der halbwegs bei Verstand ist, wird das für eine absurde Idee halten.
Mabel, der Habicht, wird zu einem Leben gezwungen, das nicht natürlich ist. Das erzeugt bei aller Faszination, mehr über Greifvögel und ihre Abrichtung zu erfahren, beim Leser ein schmerzhaftes Gefühl des Unbehagens und Mitgefühls. Der Autorin ist dies durchaus bewusst. Sie liegt selbst im Widerspruch zwischen dem Wunsch, Mabel frei zu sehen und dem Bedürfnis, sie zu verstehen, in sie einzutauchen und so von ihrem Verlust zu heilen.
Trauer und Heilung durch Eintauchen in die natürliche Welt habe ich selbst mehrfach erfahren. Gleichwohl bin ich der Meinung, dass ich dazu diese natürliche Welt nicht manipulieren muss, sondern dass es reicht, sie zu beobachten, um eins mit ihr zu werden.
Ich möchte ausdrücklich betonen, dass ich hier weder die Falknerei verurteilen noch über sie diskutieren möchte. Dazu kenne ich die Materie viel zu wenig.
Als Leser – und als Tierfreund – komme ich nicht umhin, durch die äußerst intensiven Beschreibungen der Autorin mit dem Habicht zu fühlen und zu leiden.
Helen Macdonald empfindet diesen Konflikt selbst und nutzt ihn, um über Leben und Tod zu philosophieren.
Auch wenn ich „H wie Habicht“ überwiegend mit quälendem, schmerzenden Mitgefühl für Mabel gelesen habe, so hat mich die Sprache der Autorin in all ihrer Schönheit und Poesie fasziniert und in ihren Bann gezogen.

Ein großes Kompliment auch an Ulrike Kretschmer für die sicher nicht leichte und sehr gelungene Übersetzung. (ehr)


21.12.2015

Rezension: Menschenspuren im Wald

Menschenspuren im Wald
Ein Waldführer der besonderen Art - erkennen, verstehen, einmischen
Peter Wohlleben

pala-verlag 2015
160 Seiten
ISBN 978-3895663529
18,00 €

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Inhalt
Wer geht denn da? Standardwerke zur Flora und Fauna spiegeln die Fülle des Lebens in der Natur wider. Aber viele Spuren, die wir im heimischen Wald finden können, sind menschlichen Ursprungs. Peter Wohlleben lädt deshalb mit seinem neuen Buch zum besonderen Waldspaziergang ein. Gewohnt unterhaltsam und leicht verständlich erklärt er, wie Wälder natürlicherweise aussehen. Aufschlussreiche Fakten und zahlreiche Farbfotos zeigen, wie Forstwirtschaft, Holzindustrie und Jagdverbände dem Wald ihre Stempel aufdrücken, aber auch, wie wir durch unsere Freizeitaktivitäten die Tier- und Pflanzenwelt beeinflussen. Mit diesem Waldführer wird jede Wanderung zu einer spannenden Entdeckungsreise. Markierungen oder Fahrspuren können so leichter »gelesen« werden. Totholz, Baumstümpfe oder Futterstellen verraten die Interessen der Waldbesitzer und Jagdpächter. Auf Schritt und Tritt wird dabei auch deutlich, was jeder Einzelne von uns tun kann, um diesem empfindlichen Ökosystem zu helfen. Für den Wanderrucksack ausdrücklich empfohlen!

Rezension
Ich bin ein hoffnungsloser Optimist und möchte an eine heile Welt glauben. Dass die Welt „da draußen“ leider nicht so ist, zeigt dieses Buch von Bestsellerautor Peter Wohlleben. Schonungslos, ehrlich und offen zeigt er die Spuren, die Menschen im Wald hinterlassen. Manipulation, Zerstörung, Missmanagement – es ist überall zu erkennen. Wie, das beschreibt der Autor und empfiehlt das Buch ausdrücklich für den Wanderrucksack. Aber ich muss ganz ehrlich sagen, ich packe lieber jedes andere Buch des Autors in den Rucksack. „Menschenspuren im Wald“ ist traurige Realität. Bleibt zu hoffen, dass wir Menschen endlich einmal umdenken und auf Nachhaltigkeit und Naturschutz setzen statt auf schnellen Kommerz. Wenn dies gelingt, trägt nicht zuletzt auch ein Buch wie dieses dazu bei. Hierbei hilft insbesondere auch das letzte Kapitel „Was bleibt zu tun“, das Ratschläge gibt, was jeder einzelne tun kann, um Einfluss auf die Waldwirtschaft zu nehmen. So frustrierend dieses Buch ist, so notwendig ist es leider auch. (ehr)

18.12.2015

Rezension: Unsere wilden Lieblinge (DVD)

Unsere wilden Lieblinge
Die geheimnisvolle Welt der Haustiere
John Downer (Regisseur)

DVD und Blue-ray
Polyband/WVG, 2015
Spieldauer: 100 Minuten
15,99 €

Hier können Sie die DVD und Blue-ray bestellen

Inhalt
Des Menschen bester Freund - sein Haustier. Klassische Kandidaten wie Katze oder Hund reihen sich neben Exoten. Und jedes Tier ist dank seines Charakters einzigartig. In zwei Folgen zeigt diese Dokumentationsreihe von John Downer wie unsere Haustiere trotz ihrer Domestizierung ihre Instinkte nicht vernachlässigen - sondern im Spiel ihrer wilden Seite treu bleiben. Beobachtet werden auch die geheimnisvollen Mittel tierischer Kommunikation in den Bereichen Jagd, Konflikt oder Freundschaft - die auch in unmittelbarer Umgebung mit Menschen und deren Zuhause zum Vorschein kommen.


Rezension
In zwei Mal 50 Minuten erleben wir einen Einblick in die geheimnisvolle Welt der Haustiere mit überraschenden Informationen. Oder wussten Sie, dass ein bellender Hund Luft mit einer Geschwindigkeit von über 160 km/h über seine Stimmbänder treibt und die Lautstärke 110 Dezibel erreichen kann, so viel wie ein vorbei fliegender Düsenjet?
Wunderschön die Zeitlupenaufnahmen, auch die unter Wasser oder die ungewöhnlichen Perspektiven, wenn der Hund eine Minikamera am Halsband trägt. Besonders faszinierend fand ich die Schlierenfotografie, mit der Luftströme sichtbar gemacht werden, die Gerüche transportieren. Sie zeigt, wie die Hundenase arbeitet.
Aber in diesem Film geht es nicht nur um Hunde, die mich als Wolfsforscherin natürlich besonders interessieren, sondern es werden zahlreiche mit uns im Haus lebenden Tierarten mit ihren ganz besonderen Fähigkeiten gezeigt. Ein faszinierender Film für die ganze Familie. (ehr)


17.12.2015

Niedersachsen: Kosten der Wolfspopulation im Raum Diepholz/Vechta

Der Niedersächsische Minister für Umwelt, Energie und Klimaschutz Stefan Wenzel hat namens der Landesregierung auf eine mündliche Anfrage der Abgeordneten Dr. Stephan Siemer und Ernst-Ingolf Angermann (CDU) geantwortet.

Vorbemerkung der Abgeordneten
Wie die Oldenburger Volkszeitung in ihrer Ausgabe vom 27. November 2015 berichtet, hat das Land bisher 16 Anträge auf Förderung wolfsabweisender Zäune mit einer Fördersumme von 77 000 Euro genehmigt. Antragsteller waren Tierhalter aus den Landkreisen Diepholz und Vechta. Darüber hinaus habe das Land 9 500 Euro als Ausgleichszahlungen für erlittene Wolfsschäden (Tierrisse) an Tierhalter aus diesen Landkreisen ausgezahlt.
Tierhaltern, die von einem Wolfsriss betroffen sind und die für ihre Herden wolfsabweisende Maßnahmen, wie z. B. Elektrozäune, Herdenschutzhunde und Herdenschutzesel, realisieren, entstehen zusätzliche Kosten, die auch in Bezug auf diese landwirtschaftliche Branche von volkswirtschaftlicher Bedeutung sind. Dazu sind folgende Beispiele zu nennen:
  • Schäfer, deren Herden von Rissen betroffen sind, treiben ihre Tiere von den Wiesen auf die Hofstelle. Dort müssen die Tierhalter dann unter hohen Kosten zufüttern.
  • Wolfsabweisende Zäune bedürfen, um ihre Funktionsfähigkeit zu erhalten, einer aufwendigeren Pflege und Unterhaltung.
  • Herdenschutzhunde und -esel verursachen erhebliche Anschaffungs-und dauerhafte Unterhaltungskosten. 
  • Verlieren überlebende Schafe nach einem Riss ihre Lämmer, bekommt der Tierhalter dies nicht als Billigkeitsleitung ersetzt. 
  • von Billigkeitsleistungen durch das Land sind auf 15 000 Euro pro Halter und für den Zeitraum von drei Jahrenbegrenzt (sogenannte De-Minimis-Regel). Tierhalter, die von Rissen stark und/oder mehrmals betroffen sind,müssen darüber hinausgehende Schäden selber tragen. 
  • Tierhaltungsbetriebe, insbesondere Schafzuchtbetriebe, die in durch den Wolf betroffenen Regionen liegen, sind kaum noch verkäuflich. Die Eigentümer stehen vor einem hohen Wertverlust. 

1.     Wie hoch beziffert das Land die bisher geleisteten Ausgleichszahlungen, die ursächlich auf die Tatsache zurückgehen, dass sich im Raum Diepholz/Vechta wieder eine Wolfspopulation gebildet hat?
Im Raum Diepholz-Vechta-Oldenburg kann erst von einer Wolfspopulation gesprochen werden, wenn sich eine Wolfsfamilie als Kernzelle einer Population bildet.
Es handelt sich dort um ein oder mehrere Einzeltier/e. Es ist noch nicht einmal von einem Rudel, also einer Wolfsfamilie die Rede, die die Kernzelle einer Population darstellen könnte. Ausgleichszahlungen im Sinne von freiwilligen Billigkeitsleistungen für durch einen bekannten oder gegebenenfalls mehrere unbekannte Wölfe verursachte Schäden an Nutztieren wurden im angesprochenen Raum im Zeitraum vom 04.11.2014 – 10.12.2015 bislang in Höhe von 9.500 Euro geleistet.

2. In welcher Höhe (Größenordnung, zu belastende Haushaltsstelle) wird das Land in 2016 nach eigener Planung Fördergelder und Ausgleichszahlungen aufgrund dieser Wolfspopulation leisten müssen?
Für 2016 sind 510.000 Euro für Kosten im Rahmen der Richtlinie Wolf (Billigkeitsleistungen und Präventionsmaßnahmen) veranschlagt. Für Erstattungen an die Landwirtschaftskammer für Beratungsfunktionen sind 30.000 Euro vorgesehen

3. Wie hoch schätzt das Land die im Zuge der Rückkehr des Wolfes entstehenden volkswirtschaftlichen Kosten, die bei den Tierhaltern anfallen und die den Tierhaltern nicht durch Zahlungen des Landes ausgeglichen werden?
Volkswirtschaftliche Kosten fallen nicht bei Einzelbetrieben an. Betriebswirtschaftliche Risiken und künftige Kostenentwicklungen einzuschätzen liegt in dem Aufgabenbereich der jeweiligen Betriebsleitungen, nicht in demjenigen der Landesregierung. Eine Einschätzung kann daher von hier aus nicht erfolgen.

Pressemitteilung Niedersächsisches Ministerium für Umwelt, Energie und Klimaschutz 17.12.2015

Versucht die niedersächsische Landesregierung, die Schafsrisse der Goldenstedter Wölfin kleinzureden?

Schriftliche Antwort des niedersächsischen Ministeriums für Umwelt, Energie und Klimaschutz

Der Niedersächsische Minister für Umwelt, Energie und Klimaschutz Stefan Wenzel hat namens der Landesregierung auf eine mündliche Anfrage der Abgeordneten Martin Bäumer, Dr. Stephan Siemer und Ernst-Ingolf Angermann (CDU) geantwortet.

Vorbemerkung der Abgeordneten
Durch die Pressemitteilung „Information über Nutztierrisse in den Kreisen Vechta und Diepholz“ des Wolfsbüros beim NLWKN (Niedersächsischer Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten-und Naturschutz) vom
16. November 2015 ist bei den betroffenen Schäfern der Eindruck entstanden, die Landesregierung wolle die Risse, die auf das Konto der Goldenstedter Wölfin gehen, relativieren.
Noch in der 43. Sitzung des Ausschusses für Ernährung, Landwirtschaft, Verbraucherschutz und Landesentwicklung am 28. Oktober 2015 hatte ein Vertreter des Ministeriums für Umwelt, Energie und Klimaschutz (MU) ausgeführt, dass nicht bei allen gerissenen Schafen bislang zu 100 % der Nachweis habe geführt werden können, ob die Schafe von dieser einen Wölfin gerissen worden seien. Die Wahrscheinlichkeit, dass die gerissenen Tiere der Wölfin zuzurechnen seien, sei allerdings relativ hoch. Nach Aussage des Ministeriumsvertreters seien 75 Tiere gerissen oder aber aufgrund der Verletzungen eingeschläfert worden. Verletzt worden seien 31 Tiere. Hinzu kämen die Risse aus dem aktuellen Fall, nämlich fünf verletzte Tiere, von denen drei eingeschläfert worden seien, und ein gerissenes Tier.
In der Pressemitteilung des NLWKN heißt es am 16. November 2015 hingegen: „Aus der vorgelegten Aufstellung ist ersichtlich, dass der in der Berichterstattung genannten Wölfin elf Fälle (mit 31 Tieren) eindeutig zugeordnet werden konnten (Stand: 14. November 2015).“
In der Aufstellung des NLWKN werden die Risse unterteilt in die 11 Fälle, die der Fähe eindeutig zugeordnet werden können. Bei weiteren 19 Fällen erfolgte keine genetische Individualisierung. In den Erläuterungen zu den 19 Fällen, bei denen nicht klar ist, welcher Wolf sie verursacht hat, steht: „Wolf festgestellt, aber keine genetische Individualisierung möglich, in 16 Fällen wurde der Haplotyp HW02 nachgewiesen (in Niedersachsen vorkommende Haplotypen: HW01/HW02: Der Haplotyp HW02 ist relativ selten, aber typisch für die Nachkommen des Gartower Rudels, aus dem die Barnstorfer Fähe stammt)“.
Wenn also der in 16 Fällen gefundene Haplotyp HW02 in Niedersachsen selten, aber ein eindeutiges Merkmal der Goldenstedter (Barnstorfer) Wölfin ist, liegt nach Meinung von Fachleuten der Schluss nahe, dass auch diese 16 Risse sehr wahrscheinlich von ihr verursacht wurden. Es wird vermutet, dass sich die vorherige Aussage des MU ebenfalls auf den gefundenen Haplotyp HW02 bezieht.

Vorbemerkung der Landesregierung
In der 43. Sitzung des Ausschusses für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz am 28.10.2015 hat ein Vertreter des Ministeriums für Umwelt, Energie und Klimaschutz mitgeteilt, dass die Wahrscheinlichkeit, dass auch die anderen Risse, bei denen die Tierart Wolf als Verursacher amtlich festgestellt wurde, auf das Konto der besagten Wölfin gingen, hoch sei. Diese Aussage wurde aufgrund des vorhandenen Kenntnisstandes getroffen, dass es in der betreffenden Region keine anderen Wölfe aktuell gab. Da es mittlerweile verschiedene Hinweise aus der Region auf die Existenz eines oder sogar mehrerer weiterer Tiere gibt, muss die Anzahl der Wölfe neu festgestellt werden. Die Frage, welche Risse eindeutig der Barnstorfer Fähe zuzuordnen sind, konnte daher nicht anders beantwortet werden als in der o.g. Pressemitteilung.

1. Ist die Wahrscheinlichkeit relativ hoch, dass mindestens 16 der 19 Risse „ohne genetische Individualisierung“ in der Aufstellung des NLWKN der Goldenstedter Wölfin zugerechnet werden müssen?
 Bei 16 Fällen wurde der Haplotyp HW02 festgestellt, der von einem oder mehreren Individuen aus der gleichen mütterlichen Linie stammen kann, aber auch bei anderen Wölfen in Deutschland verbreitet ist. Ein mitochondrialer Haplotyp erlaubt keine individuelle Zuordnung. Die Landesregierung kann über Wahrscheinlichkeiten keine Aussage machen, da dieses reine Spekulation wäre.

2. Wie viele der Risse in der Region werden von den betroffenen Schäfern der Goldenstedter Wölfin zugerechnet? 
Es gibt in Schäferkreisen in der Region sehr unterschiedliche Angaben hinsichtlich der Zurechnung der Nutztierrisse zu der Barnstorfer Fähe. Die der Öffentlichkeit bekannt werdenden Einschätzungen geben somit nicht die tatsächliche Situation wieder. Erst die amtliche Feststellung der Verursacherschaft durch den NLWKN kann weitere Klarheit bringen.

3. Wie erklärt die Landesregierung die unterschiedlichen Einschätzungen zu den tatsächlichen Risszahlen der Goldenstedter Wölfin vonseiten des NLWKN und vonseiten der Schäfer?

siehe Antwort zu Frage 2

(Pressemitteilung vom 17.12.2015)


16.12.2015

Rezension: Streuner!

Streuner!
Straßenhunde in Europa

Stefan Kirchhoff

Kynos, 2014
208 Seiten
ISBN 978-3954640256
29,95 €

Hier können Sie das Buch bestellen


Inhalt
Drei Monate lang war Stefan Kirchhoff mit seinem VW-Bus und seiner Kameraausrüstung über 8000 km weit in Süd- und Südosteuropa unterwegs, um das Leben der Straßenhunde zu dokumentieren. Den gelernten Tierpfleger und Tierheimleiter, der beruflich stets sehr viel mit Auslandshunden zu tun hatte, interessierte dabei vor allem, wie die Streuner jenseits reißerischer Negativ- und Mitleidsberichte tatsächlich leben, wie sie sich verhalten und sozial organisieren, wie sie Probleme lösen und Überlebensstrategien entwickeln. Damit eröffnen sie uns neue Erkenntnisse darüber, was ein Hund eigentlich den ganzen Tag lang so tun dürfte, wenn er sein eigenes Leben führen dürfte – ein hochinteressanter Punkt, der von der Verhaltensforschung bisher kaum berücksichtigt wurde. Kirchhoffs Beobachtungen helfen Besitzern von aus dem Ausland vermittelten Tierschutzhunden außerdem, die mögliche Vergangenheit ihrer Tiere kennenzulernen und damit ihr Wesen besser zu verstehen. Der Hund, wie er in dieser Form noch nie beobachtet und fotografiert wurde –entdecken Sie mit diesem Buch die noch eher unbekannten Seiten von Canis familiaris!

Rezension
Das Buch zeigt ein eindrucksvolles Bild der Straßenhunde in unterschiedlichen Ländern. Dabei beschönigt der Autor weder etwas, noch dramatisiert er. Er beleuchtet das Leben der Hunde, ihre Kommunikation, die Probleme aber auch Vorzüge ihres Lebens, analysiert die Berührungs- und zuweilen auch Reibungs-Punkte zum Menschen und die vielschichtige Arbeit des Tierschutzes. Warum neither and release (also kastrieren und wieder freilassen) auf Dauer sinnvoller und auch tiergerechter ist, als Tierheime und Vermittlungen. Welche Konflikte Hunde in engen Tierheimzwingern bewältigen müssen, die ihnen auf der Straße erspart bleiben. Wo die Unterschiede zwischen einem Rudel und dem losen Verband von Straßenhunden besteht. Warum nicht alle Hunde mit einem Herrchen und Frauchen unbedingt glücklicher sein müssen. Immer wieder zeigt der Autor auch deutlich die unterschiedliche Mentalität der Streuner-Länder auf, sowie die Tatsache, dass das oftmals recht entspannte Zusammenleben der Menschen mit den Straßenhunden in Deutschland kaum denkbar wäre. Streuner ist viel mehr als ein Bildband. Das Buch will kein Mitleid erregen, sondern liefert Fakten, die uns das Leben der Straßenhunde in all seine Facetten – mit Vorzügen, Problemen und Gefahren – näherbringen kann. (Tanya Carpenter)


15.12.2015

Rezension: Hund auf Rezept

Hund auf Rezept
Warum Hunde gesund für uns sind

Dr. Milena Penkowa

Kynos, 2014
188 Seiten
ISBN 978-3954640287
24,95 €

Hier können Sie das Buch bestellen


Inhalt
Hunde sind gut für die Gesundheit – das ist schon länger bekannt. Aber wussten Sie, dass sie auch ganz konkret Krebs, Herzinfarkten und Demenz vorbeugen können? Dass Kinder, die mit Hunden aufwachsen, weniger unter Allergien und Asthma leiden oder Hunde selbst schwere Erkrankungen wie Parkinson, Alzheimer oder bösartige Tumore bessern können? Die Neurologin Prof. Dr. Milena Penkowa legt detailliert dar, wie, warum und wann Hunde der kürzeste Weg zu besserer Gesundheit und Widerstandskraft und damit zu einem stress- und krankheitsfreien Leben sind. Auch wenn sie sich dabei auf streng wissenschaftliche Fakten stützt, ist das Buch ein echter Lesegenuss: Die aktuellen und zum Teil revolutionären Forschungsergebnisse führen uns deutlich vor Augen, wie eng miteinander verbunden Hund und Mensch nicht nur auf kulturhistorischer oder emotionaler, sondern auch auf biologischer Ebene sind. Hunde tun gut – wissenschaftlich erwiesen!

Rezension
Hunde tun der Seele gut. Das wissen wir schon lange. Ihre hohe Sozialkompetenz, ihr Familiensinn, ihre Ergebenheit und ihre bedingungslose Liebe und Zuneigung sind etwas, das in der heutigen Menschenwelt immer seltener und daher umso kostbarer wird.
Darüber hinaus können Hunde jedoch auch Krankheiten erschnüffeln. Sie nehmen Veränderungen des Blutzuckers wahr oder der Hormone. Sie fühlen nahende Krampfanfälle und sind sogar in der Lage, kranke Zellen – wie etwa Krebs – früher zu finde als jedes Diagnosegerät.
Einen Hund zu streicheln, kann den Blutdruck senken, entspannt, wirkt stimmungsaufhellend, tröstend. Ein Hund bringt uns dazu, uns mehr zu bewegen, um sein natürliches Bedürfnis zu befriedigen, was auch uns gut tut. Menschen, die mit Hunden zusammenleben, haben nachweislich ein stärkeres Immunsystem und mehr psychische Stabilität. Menschen mit geistig-psychischem Handicap, zu denen andere Therapeuten kaum Zugang finden, reagieren oft sehr positiv sensibel auf einen sanften, geduldigen Therapiehund. Vielleicht, weil wir instinktiv wissen, dass wir von den Hunden nicht nach den erdrückenden menschlichen Wertemaßstäben bemessen werden, sondern sie uns völlig unvoreingenommen begegnen – also keinen Druck auf uns ausüben.
Dies sind nur einige wenige Beispiele, die die Autorin letztlich noch viel tiefgehender aufgreift und beleuchtet. So auch das Thema Alzheimer/Demenz, Epilepsie, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Behinderungen und psychische Auffälligkeiten. Objektiv beschreibt sie die möglichen, positiven Einflüsse, aber auch die Risiken und Kehrseiten. Sie erklärt die Wurzeln der Mensch-Hunde-Beziehung, die vielfältigen Sinne und sensorischen Fähigkeiten der Hunde und wie sich diese auf das Zusammenleben mit dem Menschen auswirken. So hat mich zum Beispiel beeindruckt, dass Hunde sogar helfen, Kinder mit einer Leseschwäche zu fördern.
Klar wird: Das breite Feld der Einsatzmöglichkeiten von Hunden für unsere körperliche, geistige und seelische Gesundheit ist noch längst nicht vollständig erforscht. Ebenso wenig wie die Fähigkeiten und Wahrnehmungen der Hunde selbst, die nicht nur unsere eigenen, sondern auch unsere Vorstellungen davon, bei weitem zu übersteigen scheinen. (Tanya Carpenter)

14.12.2015

Rezension: Leinenrambo

Leinenrambo
Positiv trainieren – entspannt spazieren

Sabrina Reichel

Kynos, 2014
88 Seiten
ISBN 978-3954640270
14,95 €

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Inhalt
Hunde, die sich bei Begegnungen mit anderen Hunden in wahlweise tobende Rambos oder zitternde Nervenbündel verwandeln, sobald sie an der Leine sind, sind ein häufiges Phänomen und strapazieren die Geduld ihrer Besitzer auf Äußerste. Dieses Buch erklärt, welche Mechanismen diesem Verhalten zugrunde liegen und bietet konkrete Trainingsanleitungen, damit Hund und Mensch die Spaziergänge an der Leine wieder genießen können.



Rezension
Das Buch beschäftigt sich zwar vorrangig mit dem Thema Leinenführigkeit, geht aber erfreulicherweise auch noch einen Schritt weiter, indem es analysiert, welche Gründe ursächlich für das An-der-Leine-ziehen sein können und wie man sie jeweils umlenkt. Dabei erfolgt die Korrektur gewaltlos durch positive Konditionierung und Stärkung der Mensch-Hunde-Bindung. Auch die vielen Ausführungen und Zeichnungen/Bilder, die das Verhalten und die Kommunikation des Hundes erklären, die Situationen aus Sicht des Hundes beleuchten und so für den Hundehalter verständlich machen, sind gut nachvollziehbar und nützlich. Mit Geduld und konsequenter Übung sollte so jeder seinen Leinenrambo zu einem freudig-führigen Hund erziehen können. (Tanya Carpenter)

13.12.2015

Rezension: Der Diabetikerwarnhund

Der Diabetikerwarnhund
Das Praxishandbuch zur Ausbildung

Nina Grosser und Viktoria Körner

Kynos, 2014
192 Seiten
ISBN 978-3954640263
29,95 €

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Inhalt
Diabetes Mellitus in all seinen Formen gilt mittlerweile als die Jahrhundert-Epidemie: Im Jahr 2011 zählten bereits 7% der Weltbevölkerung, das heißt 366 Millionen Menschen, als Diabetiker – Tendenz stark steigend. Der Diabetikerwarnhund, der den sinkenden Blutzuckerspiegel seines Besitzers wahrnimmt und ihn darauf aufmerksam macht, gewinnt als erwiesenermaßen sinnvolles Hilfsmittel heute zunehmend an Bedeutung und erhält immer größere mediale Aufmerksamkeit. Das Zusammenspiel zwischen Ausbildung der Hunde, Hunde- und Menschenverhalten und Diabeteserkrankung ist äußerst facettenreich. Die Autorinnen bringen diese komplexe Konstellation auf verständliche, anwenderfreundliche und dennoch professionelle Art und Weise dem Leser nahe. Das Buch richtet sich sowohl an Hundetrainer als auch an Diabetiker mit oder (noch) ohne Hund. Ausflüge in die Geruchslehre, das Ausdrucksverhalten des Hundes und die Grundlagen des Hundetrainings runden das Gesamtbild ab.

Rezension
Anfangs war ich etwas skeptisch, denn die Ausbildung eines Diabetikerwarnhundes ist sicher
keine Sache, die man in Eigenregie autodidakt vornehmen sollte. Wie auch bei Blindenhunden, Behindertenhunden oder Therapiehunden liegt eine große Verantwortung in der richtigen Auswahl und der liebevollen, konsequenten Ausbildung eines Diabetikerwarnhundes. Aber trotz allem bleibt der Hund ein Hund, und gerade das ist die große Stärke dieses Buches.
Neben der Erläuterung der Ausbildung, die schon bei der Auswahl der Rasse und des richtigen Hundewelpen ansetzt, wird auch deutlich der normale Alltag und die Phasen der Entspannung für die Hunde beschrieben. Wie wichtig es ist, dass sie Pausen haben, spielen und toben dürfen, ihre natürlichen Bedürfnisse befriedigen müssen und ausreichend Ruhephasen haben, in denen der Mensch selbst für seine Zuckerwerte verantwortlich ist. Ein Diabetikerwarnhund ist keine 24-Stunden-Alarmanlage, sondern ein Lebewesen, das nur „funktionieren“ kann, wenn auch seine eigenen Bedürfnisse gestillt sind und es sich immer wieder ausreichend regenerieren kann.
Das Buch ist aus meiner Sicht für Betroffene wie für Ausbilder gleichermaßen wichtig und wertvoll, besonders für das Wesen Hund. (Tanya Carpenter)

03.12.2015

Für die Klimakonferenz in Paris ...

Diese Rede von Severn Suzuki vor den Vereinten Nationen ist heute aktueller denn je. Severn ist Tochter des berühmten Umweltaktivisten und Naturfilmers David Suzuki. Anlässlich der Klimakonferenz 2015 stelle ich das Video hier noch einmal ein.