26.12.2016

Erfreulicher Wolfsstatus Dezember 2016: 63 Rudel

Zum Jahresende eine erfreuliche Nachricht von Ulrich Wotschikowsky, dessen Recherchen zur Entwicklung der Wolfspopulation zum Jahresende 63 Rudel ergeben haben. Das ist ein deutlicher Anstieg zum letzten Jahr und macht nach allen Katastrophenmeldungen über gewilderte Wölfe und Abschussquoten Mut. Mehr hier.

Ich danke allen, die sich in diesem Jahr für den Wolf eingesetzt haben, für eure Arbeit, euren Mut und euer Durchhaltevermögen. Lasst uns nicht aufgeben und weiterhin für das Tier kämpfen, das uns Menschen am ähnlichsten ist.

Ich wünsche euch allen ein friedliches, gesegnetes und wölfisches 2017.

Eure
Elli

P.S. Ein längerer Neujahrsbrief ist an die Newsletter-Abonnenten unterwegs .



20.12.2016

UPDATE Wolf Mecklenburg-Vorpommern: Offizielle Bestätigung: Wolf „Arno“ wurde erschossen

Zu dem am vergangenen Wochenende im Umfeld der Lübtheener Heide tot aufgefundenen Wolf liegen weitere Erkenntnisse vor. Die Untersuchungen im Leibnitz-Institut für Zoo- und Wildtierkunde Berlin (IZW) haben bestätigt, dass es sich bei dem nahe Woosmer gefundenen Wolf um „Arno“ handelt. Das Tier wurde durch einen gezielten Blattschuss getötet, der Halsbandsender wurde entfernt und vermutlich zerstört, denn er liefert keine Peildaten mehr.

„Der Täter ist offenbar mit großer krimineller Energie vorgegangen: Wölfe sind bekanntermaßen streng geschützt und nicht jagdbar. Alle Fakten und Befunde werden jetzt den Ermittlungsbehörden übergeben. Wir werden alles daransetzen, diese Straftat aufzuklären“, sagte Umweltminister Dr. Till Backhaus.

„Arno“ war im Oktober 2015 als Welpe besendert worden, um Daten zur Raumnutzung des Lübtheener Wolfsrudels und zum Einfluss der Wölfe auf das Schalenwild zu sammeln. Mit Hilfe der Peildaten konnten zum Beispiel gezielt Informationen zu den gejagten Beutetieren gesammelt werden, diese sind eine wichtige Quelle für die angepasste Abschussplanung in Wolfslebensräumen. In die aufwendigen Arbeiten sind Jäger, Förster und Naturschützer aus der Region sehr eng eingebunden.

„Diese wichtige wildbiologische Forschung hat nunmehr einen herben Rückschlag erlitten“, so der Minister. „Auch ist die Wolfsbesenderung ein wichtiger Bestandteil unserer Strategie, auf Basis wissenschaftlicher Erkenntnisse, ein möglichst konfliktarmes Miteinander von Mensch und Wildtieren in unserer Kulturlandschaft zu gestalten. Dieses Ziel wurde durch scheinbar mutwilliges illegales Vorgehen konterkariert – dafür habe ich keinerlei Verständnis.“ (PM Nr. 391/16, Ministerium für Landwirtschaft und Umwelt)

Aktuelle Meldungen WOLF

Passend zur aktuellen Stimmung hier noch ein paar Meldungen.

Wolf/Brandenburg:
Abschuss des Rathenower Wolfs genehmigt

Nachrichten über Wolfssichtungen oder Angriffe auf Vieh gibt es regelmäßig. Gefahr für Menschen bestehe aber nicht, hieß es. Bis jetzt. Nun soll sich ein Wolf in Rathenow im Garten einer Kita rumgetrieben und sogar einem Kind genähert haben. Das geht zu weit, sagt das Ministerium. Wenn sich das Tier nicht bald nach Sachsen-Anhalt absetzt, sieht es schlecht aus für den „Problemwolf“.
Der Wolf streift derzeit durch die Straßen und Vorgärten in der Rathenower Innenstadt – er ist zum Abschuss freigegeben.
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Wolf/Mecklenburg-Vorpommern:
Dömitz: Wurde gechipter Wolf erschossen?
Nach dem Fund des toten Wolfs bei Dömitz (Landkreis Ludwigslust-Parchim) will Landwirtschaftsminister Till Backhaus (SPD) heute Untersuchungsergebnisse bekanntgegeben. Ein Mann hatte den Kadaver am Sonnabend in der Nähe der Gemeinde Woosmer am Straßenrand entdeckt. Nach Angaben eines Gutachters hat das Tier eine Wunde, die auf eine Schussverletzungen deuten könnte.
Mehr ...

Luchs/Bayern:
Bayern: Wilderer identifiziert, der Luchse erschossen haben soll

Im Bayerischen Wald wurden in letzter Zeit viele Luchse erschossen und die Staatsanwaltschaft Regensburg hat nun wohl den Mann identifziert, der dafür verantwortlich sein soll.
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Die Redaktion des Wolf Magazins muss sich danach erst einmal von der Wolfshetze erholen und ist erst wieder ab 6. Januar 2017 erreichbar. Ich wünsche allen, dass das neue Jahr besser anfängt, als es aufgehört hat.

14.12.2016

Niedersachsen: Antwort auf Dringliche Anfrage Herdenschutzmaßnahmen

Rede Umweltminister Stefan Wenzel - Antwort auf die Dringliche Anfrage (LT-Drs. 17/7085): 

„Was passiert, wenn Herdenschutzmaßnahmen den Wolf nicht mehr abhalten?               

Anrede,
ich danke herzlich für ihre Anfrage!
Wolf und Hund haben seit Jahrtausenden mit Menschen zusammen gelebt. Allerdings ist der Wolf in den letzten 100-150 Jahren in Mitteleuropa ausgerottet worden. Hier ist viel Erfahrungswissen verloren gegangen. Das betrifft die Nutztierhalter ebenso wie Menschen, die sich in Natur und Landschaft bewegen. In sehr vielen Ländern Europas ist der Wolf immer heimisch geblieben, in einigen Bundesländern ist er bereits vor ca. 15 Jahren aus dem Osten kommend wieder zugewandert. Der Wolf ist wie die Giraffe, der Elefant und der Löwe durch das Washingtoner Artenschutzabkommen und durch nationales Recht geschützt. Zu Recht erwarten andere Länder, dass wir genauso sorgfältig mit unserer Tier- und Pflanzenwelt – unserem gemeinsamen Weltnaturerbe - umgehen, wie andere Länder auch. Dennoch ist die Entnahme einzelner Tiere unter Anlegung strenger Kriterien und im Ausnahmefall möglich. Diese Kriterien besagen unter anderem, dass vor einer Entnahme alle milderen Alternativen tatsächlich erfolglos geblieben sind.

Der Fragesteller zitiert eine Zwischenauswertung der dokumentierten Nutztierrisse. In der Tat gibt es nach dieser Auswertung eine leichte Entspannung bei den Risszahlen, die zeigt, dass Herdenschutzmaßnahmen greifen. Diese Beobachtung wurde auch in Regionen gemacht, wo der Wolf schon länger zurückgekehrt ist. Die Risszahlen gehen zurück, wenn die Nutztierhalter ihren Herdenschutz verbessert haben.

Grundsätzlich hat sich gezeigt, dass ein wirksamer Herdenschutz gegen den Wolf möglich ist. Am wirksamsten sind dabei Herdenschutzmaßnahmen, die den Wolf von vornherein davon abhalten, mit der Erbeutung von Nutztieren positive Erfahrungen zu machen. Jede Verzögerung in der Umsetzung von Herdenschutzmaßnahmen durch die Nutztierhalter führt dazu, dass die verschiedensten Wolfsindividuen Nutztiere als Beute schätzen lernen können. Die Analyse von mehr als 4.000 Losungsproben hat jedoch gezeigt, dass sich Wölfe in Deutschland zu 92,2% von Schalenwild ernähren. Nur 0,8% entfallen auf Nutztiere. Präventionsmaßnahmen können die Wölfe in der überwiegenden Zahl der Fälle davon abhalten, Nutztiere zu reißen. Die Jagd auf Schalenwild wiederum verringert den Wildverbiss und auch die Zahl der Wildunfälle. Diese beiden Aspekte sind volkswirtschaftlich durchaus von Bedeutung, da derzeit allein in Nieder-sachsen etwa 15.000 km Zaun zum Schutz vor Wildverbiss errichtet wurden. Der finanzielle Aufwand übersteigt die Kosten des Wolfsmanagements um ein Vielfaches. Zudem wird die Resilienz der Ökosysteme gestärkt. Dabei ist der Wolf genauso geschützt, wie viele andere heimische Säugetiere, Vögel, Reptilien und Insekten. Im Alltag weniger diskutiert, aber von ungleich höherer Relevanz ist der massive Artenverlust unserer Naturräume. So haben wir beispielsweise bei der Lerche einen Rückgang von fast 70% zu verzeichnen. 47 Indikatorarten der Vögel weisen einen Rückgang von gut einem Drittel auf. Auch unsere eigene menschliche Ernährung basiert auf den Ökosystemdienstleistungen der Natur. Sauberes Wasser, klare Atemluft und fruchtbare Böden lassen sich nicht künstlich herstellen. Allein die Bienen und Wildbienen sind von unschätzbarem Wert für die Bestäubung unserer Nahrungspflanzen. Es gibt also sehr gute Gründe für den bestmöglichen Schutz unserer Natur.

Wölfe sind nicht in der Lage, zwischen Wildtieren und Nutztieren eine grundsätzliche Unterscheidung vorzunehmen, beide sind potenzielle Beutetiere. Die Erbeutung wird bei Wildtieren durch deren Feindvermeidungsverhalten erschwert, bei Nutztieren u. a. durch Präventionsmaßnahmen des Menschen. Zu diesen Präventionsmaßnahmen gehören in erster Linie entsprechende Zäune – als wirksam haben sich vor allem elektrifizierte Zäune erwiesen, die auch in Bodennähe stromführend sind, so dass ein Wolf bei dem Versuch, diesen Zaun zu untergraben, zwangsläufig Stromschläge erhalten muss. Ebenfalls wirksam sind feste Zäune, die tief genug in den Boden eingelassen sind, um ein Untergraben wirksam zu verhindern und bei denen auch ein Darüberklettern unmöglich gemacht wird.

Erheblich erhöht wird die Wirksamkeit von Zaunanlagen durch die Anwesenheit von Herden-schutztieren - hinreichend erprobt sind Herdenschutzhunde, die jedoch nach Möglichkeit mindestens als Zweierteam eingesetzt werden sollen. Für größere Herden auch mehr Hunde. Haben Wölfe gelernt, Elektrozäune zu überspringen, hat es sich als wirksam erwiesen, in ca. 20 cm Abstand direkt über dem Elektrozaun ein Flatterband zu spannen. Einer Meldung des Kontaktbüros Wolfsregion Lausitz zufolge, gab es auch in Sachsen keinen einzigen Fall, bei dem es zu einer Überwindung eines Zauns mit ordnungsgemäß angebrachtem Flatterband kam.

Nutztiere, für die der Mensch keine entsprechenden Präventionsmaßnahmen umgesetzt hat, sind für Wölfe eine leichte Beute. Wölfe sind in der Lage, Schwachstellen der vom Menschen installierten Präventionsmaßnahmen herauszufinden und zu deren Überwindung auszunutzen. Dabei ist es nicht von Bedeutung, ob diese Schwachstellen durch fehlerhaftes Aufstellen oder durch höhere Gewalt entstanden sind. Auch die nächtliche Stallhaltung trägt wirksam zum Schutz bei. Moderne Stallhaltungsysteme wie Boxenlaufställe haben u. a. dazu beigetragen, dass die Weidehaltung insgesamt zurückgegangen ist. Der Erhalt der Weidehaltung und des Grünlandes liegt jedoch zugleich im landwirtschaftlichen, wie auch im naturschutzfachlichen Interesse. Deshalb muss eine wirksame Beratung und Unterstützung der Weidetierhaltung geleistet werden. Gerade Weidetierhalter haben oft geringere Einkommenserwartungen als Ackerbau- oder Veredelungsbetriebe.

Alle Maßnahmen des Wolfsmanagements unterliegen einem kontinuierlichen Verbesserungs-prozess, einem Erfahrungsaustausch mit anderen Bundesländern und im internationalen Kontext. Derzeit wird das Wolfskonzept in Zusammenarbeit mit dem Arbeitskreis Wolf fortgeschrieben, weil viele Ansätze von 2010 nicht mehr zeitgemäß waren. Der Bund leistet zudem wertvolle Unterstützung mit der Dokumentations- und Beratungsstelle DBBW. Ich will auch betonen, dass die Sicherheit des Menschen immer an erster Stelle steht. Deshalb war auch die Entnahme¬entscheidung richtig, die wir getroffen haben. Die letzte Umweltministerkonferenz hat die Maßnah¬men der Länder einmütig begrüßt und den Bund zudem gebeten regelmäßig zum Erhaltungszustand zu berichten.

Dies vorausgeschickt beantworte ich die Fragen wie folgt:

1.       Ab welchem Zeitpunkt sieht die Landesregierung die Notwendigkeit, Wölfe, die Nutztiere gerissen haben, zu vergrämen, und wann betrachtet sie eine Vergrämung als erfolgreich?
Beim Schutz vor Wolfsangriffen dienen die Herdenschutzmaßnahmen wie geeignete Zäune, stromführende Drähte und Herdenschutztiere der Vergrämung. Herdenschutzmaßnahmen sind erfolgreich, wenn sie dazu führen, dass auf der betreffenden Fläche keine Nutztiere mehr gerissen werden.

2.      Wie viele Kilometer Zaun müssten nach Auffassung der Landesregierung mit welchen Kosten pro Weidetierhalter in Niedersachsen verbaut werden, damit alle Berufs- und Hobbyweidetierhalter ihre Tiere wolfssicher einzäunen können?
Siehe auch Antwort auf Frage Nr. 46 der Großen Anfrage zum Wolf, LT-Drucksache 17/5112.
Nach jahrelangem Rückgang, ist seit 2013 die Zahl der Schafe und schafhaltenden Betriebe in Niedersachsen – anders als im Bundestrend – wieder deutlich (+7,8% von 2013 auf 2015) gestiegen. Hauptursache dafür war die Entscheidung der Landesregierung, die Heide- und Deichflächen in Niedersachsen in die Agrarförderung neu aufzunehmen. Das Landwirtschaftsministerium hat 2013 entschieden, dass die von Schafen oder Ziegen beweideten Flächen die vollen Agrarprämien bekommen sollen. Unter der Vorgängerregierung bis 2013 galten diese Flächen nicht als landwirtschaftliche Nutzflächen und bekamen keine EU-Agrarförderungen. Seit 2014 mit Beginn der Förderperiode sind zur Unterstützung der Schafhalter großflächig bewirtschaftete Flächen – sog. Dauerweiden in der Lüneburger Heide und auf Deichen – in die Förderung der EU in Niedersachsen neu aufgenommen worden. Es handelt sich um etwa 10.000 ha. Die Höhe der Subvention ist abhängig von der landwirt¬schaftlichen Fläche, die ein Betriebsleiter bewirtschaftet. Im Durchschnitt erhält ein Empfänger von Direktzahlungen in Niedersachsen 16.000 Euro pro Jahr. Daneben kann er bzw. sie bei Vorliegen der Voraussetzungen an verschiedenen Agrarumweltmaßnahmen teilnehmen, die unterschiedliche Fördersätze aufweisen. 

Gemäß Nutztierhalterverordnung sind Tiere soweit erforderlich und möglich vor widrigen Witterungsverhältnissen und vor Beutegreifern zu schützen. Zur Unterstützung erhalten Tierhalter zudem Zuwendungen nach der Richtlinie Wolf. Diese Zahlungen umfassen im Jahr 2016 ca. 260.000 Euro und fallen bislang noch unter die de-minimis Regel. Bislang konnten alle Anträge bedient werden. Die Länge der Zäune hängt von verschiedensten Faktoren und Entwicklungen ab und ist von Region zu Region sehr verschieden. Statistiken liegen dazu nicht vor.

Das Umweltministerium prüft derzeit, ob die Förderung auch auf Hobbyhalter ausgedehnt werden kann und ob eine erneute Förderung nach Ablauf einer Abschreibungsfrist möglich und sinnvoll ist.

3.      Welche konkreten Maßnahmen ergreift die Landesregierung in dem Fall, in dem vermutlich ein Wolf in Südergellersen innerhalb einer Woche dreimal eine Schafsherde angegriffen hat, obwohl diese durch einen wolfssichereren Zaun, einen Esel sowie beim letzten Angriff durch einen Herdenschutzhund geschützt war?
Zur Abwehr von Wölfen werden in der Regel Zäune eingesetzt, die bestimmte Mindestanforderungen hinsichtlich ihrer Beschaffenheit erfüllen müssen (siehe Definition „wolfsabweisender Grundschutz“ in der Anlage 1 zur Richtlinie Wolf). Zäune, die diesen Anforderungen genügen, sind in der Regel ausreichend zur Vermeidung von Wolfsübergriffen. Einen 100-Prozent wolfsicheren Schutz der Nutztiere vor Wolfsübergriffen bieten aber solche Zäune nicht. Verschiedene Umstände können dazu führen, dass die Zäune Schwachstellen aufweisen, insbesondere wenn sie durch Einwirkung äußerer Kräfte – Wind, Äste oder Ähnliches –  in ihrer Form beeinträchtigt wurden. In seltenen Fällen können Wölfe lernen, auch intakte Schutzmaßnahmen zu überwinden. 

Sowohl der örtliche Wolfsberater, als auch eine Mitarbeiterin des Wolfsbüros des NLWKN waren bei Südergellersen vor Ort, um die Risse und auch die Gesamtsituation zu dokumentieren. Die Auswertung der Spurenlage ist noch nicht abgeschlossen. Zum Beispiel fehlt auch noch das Ergebnis der genetischen Analyse.

Mit dem Tierhalter wurde über Möglichkeiten zur Verstärkung des Herdenschutzes gesprochen und Material wie Lappenzaun und Flatterband inklusive höherer Zaunstäbe zur Verfügung gestellt.

Der beim dritten der inzwischen vier Übergriffe anwesende Herdenschutzhund befand sich ganz frisch in der Herde, um diese an die Anwesenheit von Herdenschutzhunden zu gewöhnen. Eine tatsächliche Schutzfunktion hatte dieser einzelne Hund in der siebenhundertköpfigen Herde noch nicht.

Beim letzten Rissvorfall befanden sich zwei Herdenschutzhunde in der Herde. Diese haben anscheinend auch größere Schäden erfolgreich verhindert, denn nicht einmal das einzige gerissene Tier wurde vom Wolf genutzt. Allerdings war auch hier dem Wolf das Eindringen nicht auf ganzer Zaunlänge effizient erschwert worden, da teilweise das Flatterband mit bis zu 40 cm Abstand außen vor dem Zaun und noch dazu in viel zu großer Höhe angebracht war und nicht, wie empfohlen in 20 cm Abstand direkt über dem Elektrozaun. Einen ähnlichen Fall gab es bereits im Raum Goldenstedt, in dem das zu hoch über dem Zaun angebrachte Flatterband vom Wolf – für Fachleute erwartungsgemäß – ignoriert und beim Überspringen des Elektro-Netzzaunes untersprungen wurde. Ein Flatterband, das vom Wolf schon bei der Annäherung an den Zaun unterquert werden kann, wird von diesem gar nicht mehr als Hindernis wahrgenommen.

In Sachsen, wo das Rosenthaler Rudel gelernt hatte, reguläre Elektrozäune von 90 cm Höhe zu überspringen, ist nach – ordnungsgemäßem – Anbringen von Flatterband kein Fall eingetreten, bei dem diese bereits „spezialisierten“ Wölfe diesen verbesserten Grundschutz überwunden hätten.

Die Erfahrungen mit Südergellersen haben gezeigt, dass die schnelle Bereitstellung eines verbesserten Grundschutzes essentiell ist. Das Meldesystem wird daher verändert. Meldungen der Wolfsberater gehen künftig direkt an das Wolfsbüro und in Kopie an Jägerschaft und untere Naturschutzbehörde. Das Verfahren zur Feststellung der Rissursachen wurde beschleunigt, wird aber noch weiter verbessert.

Künftig soll den Tierhaltern noch schneller Beratung und praktische Unterstützung zukommen. Dabei wird geprüft, wie verstärkt konkrete Soforthilfe vor Ort geleistet werden kann. Dass kann die Bereitstellung von Zaunmaterial sein, dass kann tatkräftige Unter-stützung sein, dass kann gegebenenfalls auch die temporäre Unterstützung mit Herden-schutzhunden und erfahrenen Hirten sein.

Fakt ist aber auch, dass eine rechtzeitige Vorsorge der Weidehalter unabdingbar ist. Das ist von entscheidender Bedeutung.
(Umweltministerium Niedersachsen, 15.12.16, Hervorhebungen von der Redaktion Wolf Magazin)

 

13.12.2016

Niedersachsen: Umweltminister Stefan Wenzel zum Wolfsmanagement

Weitere Maßnahmen für effektiveren Herdenschutz und konkrete Hilfsangebote vor Ort

Das Umweltministerium hat zusätzliche Maßnahmen zur Weiterentwicklung des Wolfsmanagements in Niedersachsen veranlasst, um die Sicherheit der Menschen, den Ausgleich der Interessen von Artenschutz und Nutztierschutz sowie die Beratung und Betreuung der Nutztierhalter weiter zu stärken. Darüber hat Umweltminister Stefan Wenzel am Mittwoch (heute) in Hannover informiert. „Die Unterstützungsangebote des Landes sollen noch schneller und konkreter vor Ort für Information und Hilfe sorgen, wenn mit der Rückkehr des Wolfes in einzelnen Regionen neue Aufgabenstellungen verbunden sind.“

Als konkrete Maßnahmen nannte Wenzel:
  • Das Umweltministerium prüft, ob die Förderung für präventiven Herdenschutz auch auf Hobbytierhalter bzw. Halter von Kleinstherden ausgedehnt werden kann und ob eine erneute Förderung nach Ablauf einer Abschreibungsfrist möglich ist.  Die Erfahrungen haben gezeigt, dass die schnelle Bereitstellung eines verbesserten Grundschutzes essentiell ist. Das Meldesystem wurde daher verändert. Meldungen der Wolfsberater zu Nutztierrissen gehen künftig direkt an das Wolfsbüro und in Kopie an die Jägerschaft. Das Wolfsbüro informiert darüber hinaus die untere Naturschutzbehörde.
  • Das Verfahren zur Feststellung der Rissursachen wird weiter verbessert.
  • Künftig soll den Tierhaltern noch schneller Beratung und praktische Unterstützung zukommen. Dabei wird geprüft, wie verstärkt konkrete Soforthilfe vor Ort geleistet werden kann. Das kann, über die Bereitstellung von Zaunmaterial hinaus, auch die konkrete Unterstützung mit Herdenschutzhunden und erfahrenen Hirten sein.
Weitere denkbare Maßnahmen sollen gemeinsam mit den Wolfsberatern, der Landesjäger-schaft, dem Wolfsbüro und dem Arbeitskreis Wolf erörtert werden.
Von entscheidender Bedeutung bleibe es, dass eine rechtzeitige Vorsorge der Weidetier¬halter unabdingbar sei, sagte der Minister. Maßnahmen zur Unterstützung der Weidetier¬halter auch in der Deich- und Landschaftspflege werden auch mit den Umweltministern und den Agrarministern der Länder erörtert.

Minister Wenzel: „Alle am Wolfsmanagement in Niedersachsen beteiligten Akteure und Institutionen sind mit großem Engagement dabei, die durch die Rückkehr des artenschutz-rechtlich streng geschützten Wildtieres Wolf entstehenden neuen Herausforderungen konstruktiv zu bearbeiten. Diese Arbeit muss aus der gesamten Gesellschaft unterstützt werden. Wir erneuern unseren Appell, dass das Thema Artenschutz und Rückkehr des Wolfs nicht politisch funktionalisiert werden sollte!“
(PI 226: Umweltministerium Niedersachsen)

08.12.2016

Letzte wölfische Geschenktipps!

Langsam beginnt der Endspurt für Weihnachten.
Darum hier noch einmal ein paar wölfische Tipps für allerletzte Geschenke:

Lesung: Wölfische Weihnachten
Wenn Sie im Raum Bielefeld/Osnabrück wohnen, dann schenken Sie sich selbst eine wölfische Weihnachtslesung. In weihnachtlicher Stimmung werde ich am Sonntag (11. Dezember) aus meinen Büchern lesen, von meinem "wilden" Leben erzählen und über die Wölfe berichten. Es wird einen NABU-Stand bei der Veranstaltung geben und eine leckere Suppe und Brot.

Sonntag, 11. Dezember 2016
Beginn: 19 Uhr
Ort: Bielefeld / Osnabrück
Brüngers Landwirtschaft
Westkilverstr. 27
32289 Rödingshausen

Melden Sie sich noch an bei Ulrike Schmitt
Tel: 05226-593349
E-Mail: docndog@web.de

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Signierte Weihnachtsbücher - Aktion endet am 18. Dezember

Unsere große Aktion für signierte Weihnachtsbücher endet am 18. Dezember. Wenn Sie bis dahin bestellen, schaffen wir noch die Zusendung vor Weihnachten.

Sie erhalten diese beiden Bücher mit einer "weihnachtlichen" Signatur von mir und einem besonders schönen Lesezeichen.


Informationen zur Weihnachtsaktion hier

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Das "Wolfsbuch des Jahres 2016" als Weihnachtsgeschenk

In meiner Rezension von "Deutschlands wilde Wölfe" hatte ich Axel Gomilles Buch als "Wolfsbuch des Jahres 2016" empfohlen.














Begeisterte Stimmen zum Buch finden Sie auch hier: 

Spiegel online (Interview und Bildergalerie)

National Geographic (Interview und Bildergalerie)

Frankfurter Rundschau (Artikel und Bildergalerie)

Bookster Frankfurt (Portrait über Axel Gomille und seine Arbeit)

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Und immer wieder Peter Wohlleben ...

Mein Lieblingsförster hat in diesem Jahr Furore gemacht, als seine beiden Sachbücher über lange Zeit auf der Spiegel-Bestsellerliste standen.
Ich kann nicht anders. Ich finde die Bücher so fantastisch, dass ich sie immer wieder empfehlen muss. Das perfekte Weihnachtsgeschenk für Naturmenschen.

Rezension "Das geheime Leben der Bäume"

Rezension "Das Seelenleben der Tiere"

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Ihr Neujahrswunsch für die Wölfe

Was wünschen Sie sich für die Wölfe für 2017? Schicken Sie mir Ihren Neujahrswunsch. Die schönsten Wünsche werde ich in einem im neuen Jahr in einer Videolesung vorstellen.

Alle Informationen hier

Ich wünsche Ihnen wölfische Weihnachten!

Ihre
Elli Radinger

07.12.2016

Niedersachsen: Umweltminister Stefan Wenzel bei Schafhaltern

Herdenschutz weiter verbessern - Aktuell keine gestiegenen Risszahlen trotz wachsender Wolfspopulation

Der Niedersächsische Umweltminister Stefan Wenzel hat heute (Donnerstag) bei einem Besuch in Südergellersen (Landkreis Lüneburg) mit einem Schafhalter die aktuelle Situation der Herdenschutzmaßnahmen gegen Wolfsübergriffe erörtert. "Wir nehmen die Sorgen der Nutztierhalter ernst", sagte der Minister. Das Land berät und unterstützt Nutztierhalter im Rahmen der Richtlinie Wolf mit konkreten Maßnahmen des Herdenschutzes. In der Regel werden achtzig Prozent der Materialkosten übernommen. Zudem werden Tierverluste durch Risse im Rahmen einer freiwilligen Leistung im Jahr 2016 mit bislang ca. 22.000 Euro unterstützt. Die Leistungen werden unabhängig von den Flächenprämien bezahlt, die für Schafhalter zudem erweitert wurden. Auch die Anschaffung von Herdenschutzhunden wird finanziell unterstützt.

Das Wolfsbüro berät die Halter und leistet vor Ort Unterstützung; vor allem auch dann, wenn der Grundschutz durch zusätzliche Maßnahmen erweitert werden muss. Erfahrungen aus Ländern, die immer oder schon länger mit Wölfen leben, zeigen, dass Herdenschutzmaßnahmen unerlässlich sind, um Schäden vorzubeugen und Wölfe nicht an Nutztiere als Nahrungsquelle zu gewöhnen. ‎Deshalb müssen die Tierhalter hier auch ihrer Verantwortung gerecht werden.

Das Land ist mit großem Einsatz dabei, das Wolfsmanagement im Interesse von Artenschutz und Nutztierschutz stetig weiterzuentwickeln. Wir sind überzeugt, dass es gelingt, gemeinsam mit der Landesjägerschaft, den Wolfsberatern und den Umwelt- und den Tierhalterverbänden für einen Interessenausgleich zu sorgen. Wir wollen, dass die Rückkehr des streng artengeschützten Wildtieres Wolf ein Erfolg für alle Beteiligten wird. Bei allen Maßnahmen steht die Sicherheit der Menschen an oberster Stelle."

Ob die jüngsten Fälle von Schafrissen in der Region auf den Wolf als Verursacher zurückzuführen sind, wird derzeit anhand von DNA-Analysen noch untersucht. Schon zu Beginn der Woche hatte das Wolfsbüro beim NLWKN (Niedersächsischer Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz) mit dem Schäfer über Ergänzungen der bestehenden Herdenschutzmaßnahmen beraten. In Niedersachsen wird bei Bedarf auch die Aufstockung des Grundschutzes finanziell gefördert.

Im Anschluss an den Besuch in Südergellersen nahm der Minister an der dritten Veranstaltung im Rahmen einer Reihe von Nutztierhalterstammtischen in Visselhövede (Landkreis Rothenburg) teil. Im Gespräch mit den Vertretern der Nutztierhalterverbände geht es um die Themen Arten- und Nutztierschutz, Maßnahmen des Wolfsmanagements, Zaunbau, weiterer Herdenschutz und Billigkeitsleistungen. (www.umwelt.niedersachsen.de)



Österreich: Naturschutzbund ernennt den Wolf zum Tier des Jahres 2017

Der Wolf ist es: das Tier des Jahres 2017 für Österreich. 
Wolfssichtungen, -risse und sogar eine Wolfsfamilie haben in den letzten Monaten die Diskussion um die mögliche dauerhafte Rückkehr des Wolfes nach Österreich angeheizt. Der Naturschutzbund will nun mit der Kür des Wolfs zum Tier des Jahres sachliche Diskussionen ermöglichen und so gemeinsam mit allen Betroffenen zu einer für alle akzeptablen Lösung kommen.

Der Wolf polarisiert. Schon in frühester Jugend wird uns vom „bösen Wolf“ erzählt, der nicht nur Geißlein, sondern auch ganze Menschen verschlingt. Die dabei erzeugte Angst ist in vielen Personen bis ins hohe Alter tief verankert. Doch gleichzeitig strahlt der Wolf für viele eine große Faszination aus – auch das mag oft auf die frühkindlichen Erfahrungen zurückzuführen sein.

Faktum ist, dass Wölfe eine große Scheu vor Menschen haben und sie daher möglichst meiden. Auf ihrer Speisekarte stehen vorzugsweise Wildtiere, allen voran Hirsche, Rehe oder Wildschweine. Haustiere wie Schafe oder Ziegen machen einen vergleichsweise geringen Anteil an der Nahrung aus.

Die Lebensbedingungen für Wölfe im Alpenraum haben sich seit Jahrzehnten spürbar verbessert. Die Waldfläche ist in den meisten Ländern gewachsen und die heutigen Bestände der primären Beutetiere sind so hoch wie in den letzten Jahrhunderten noch nie. Große Beutegreifer spielen eine ökologische Schlüsselrolle an der Spitze der Nahrungspyramide, da sie als „Gesundheitspolizei“ für die Fitness der Wildbestände sorgen. Die Rückkehr des Wolfs nach Mitteleuropa schließt demnach die Lücke, die in natürlichen Ökosystemen den Großraubtieren zukommt.

Schutzstatus
Der Wolf ist in der FFH-Richtlinie in den Anhängen II und IV aufgeführt. Erklärtes Ziel der Richtlinie ist die Erhaltung bzw. die Erreichung eines günstigen Erhaltungszustandes für die betreffenden Arten und Lebensräume. Davon sind wir in Österreich, was den Wolf betrifft, noch weit entfernt. Er gilt lt. der österreichischen Roten Liste gefährdeter Tierarten als ausgestorben, ausgerottet oder verschollen. Für den Wolf besteht die Gefahr, dass die Art ein zweites Mal verloren geht. Daher setzt sich der Naturschutzbund dafür ein, dass bei Erhaltung der aktuellen land- und forstwirtschaftlichen Nutzung auch die Bildung einer lokalen Wolfspopulation möglich ist. In der Berner Konvention ist der Wolf in Anhang II (streng geschützte Tierarten) angeführt. Diese Tierarten dürfen weder gestört, noch gefangen, getötet oder gehandelt werden.

„Der Wolf gehört zum natürlichen Arteninventar Österreichs, dementsprechend positiv sehen wir vom Naturschutzbund seine selbstständige Rückkehr. Es ist uns aber auch bewusst, dass damit Herausforderungen verbunden sind. Mit der Kür zum Tier des Jahres 2017 wollen wir dazu aufrufen, an einer akzeptablen Lösung für alle zu arbeiten“, appelliert Naturschutzbund-Präsident Roman Türk.
(Quelle)

Hier gehts zur Position des Naturschutzbundes zum Wolf

Anm. der Wolf Magazin Redaktion: Glückwunsch, Österreich! Nicht nur zu dieser Wahl sondern auch zum neuen Präsidenten!

28.11.2016

Schweiz: Wolfsrudel im Augstbordgebiet fotografisch nachgewiesen

In einem abgelegenen Teil des Augstbordgebietes abseits von Siedlungen, Wanderwegen und Infrastrukturen ist es der Gruppe Wolf Schweiz (GWS) gelungen, das dortige Wolfsrudel mehrfach mittels Fotofallen und Direktbeobachtungen nachzuweisen. Das Rudel umfasst aktuell mindestens vier Wölfe, darunter auch diesjährige Jungtiere. Die Fachstellen von Bund und Kanton wurden über die Nachweise informiert.

Im November wurden mehrfach adulte Wölfe und diesjährige Jungwölfe von Fotofallen aufgenommen, welche an Wildwechseln im vermuteten Einstandsgebiet der Wölfe platziert wurden. Auf einzelnen Bilder sind bis zu vier Wölfe gemeinsam zu sehen. Auch fotografisch dokumentierte Direktbeobachtungen von vier Wölfen belegen die Präsenz eines Wolfsrudels. Damit hat sich die Reproduktion der Wölfe im Augstbordgebiet, welche sich bereits im Frühling abzeichnete und im August erstmals nachgewiesen werden konnte, erneut bestätigt. Zur Anzahl der Jungwölfe kann die GWS anhand ihrer Grundlagen noch keine definitive Aussage machen.

Die Fachstellen von Bund und Kanton wurden kürzlich im Detail über die Nachweise informiert. Gegenüber Medien und Dritten werden keine weiteren Einzelheiten zu Zeiten und Örtlichkeiten gemacht. Da die Jungwölfe mit einem Alter von mittlerweile sechs Monaten bereits in der mobilen Phase sind und ihren Eltern auf den Streifzügen folgen, darf im gesamten Augstbordgebiet jederzeit mit der Anwesenheit des Rudels gerechnet werden. (Gruppe Wolf CH)

Hier zwei Aufnahmen der Wölfe im Augstbordgebiet (Fotos: Gruppe Wolf Schweiz)




22.11.2016

Der Wolf in Sachsen: Fragen zur aktuellen Lage

In den letzten Monaten häufen sich kritische Medienberichte zum Thema Wolf, in denen auf Probleme durch Wölfe hingewiesen und deren Regulierung gefordert wird. Die Intensität dieser Forderungen fällt zeitlich zusammen mit einer Häufung von Nutztierschäden durch Wölfe, vor allem im Territorium des Rosenthaler Wolfsrudels. Die Übergriffe auf Nutztiere und die dazu veröffentlichten Beiträgen mit unterschiedlichen Äußerungen und Wertungen durch verschiedene Akteure und Interessensvertreter haben in der Öffentlichkeit Fragen aufgeworfen, auf die hier eingegangen werden soll.

1. Fressen die Wölfe in Sachsen immer mehr Nutztiere?

Anhand der Losungsuntersuchungen im Senckenberg Museum für Naturkunde ist nachgewiesen, dass sich die Wölfe in Sachsen zu ca. 95 % (Anteil Biomasse) von wildlebenden Huftieren ernähren.  Dieser Anteil blieb seit Beginn der Untersuchungen im Jahr 2001 nahezu unverändert. Nutztiere – fast ausschließlich Schafe - kommen immer wieder in der Wolfsnahrung vor, machen jedoch nur einen sehr geringen Teil an der verzehrten Biomasse aus (ca. 1,0 %). 
Die Anzahl der Übergriffe auf Nutztiere ist von Jahr zu Jahr unterschiedlich. 2016 gab es bislang in Sachsen 40 Übergriffe durch Wölfe auf Nutztiere. Dabei gibt es eine Häufung der Übergriffe im Territorium des Rosenthaler Wolfsrudels. Dies hat den Eindruck erweckt, dass die Wölfe in Sachsen generell immer mehr Schäden verursachen. Dem ist nicht so. Grundsätzlich steigt mit Ausbreitung des Wolfsvorkommens und Vergrößerung des Wolfsgebietes zwar tendenziell auch die Anzahl der Nutztierschäden, es handelt sich dabei allerdings nicht um einen flächendeckenden Trend. Auf die Anzahl der Territorien bezogen sind die Schäden in diesem Jahr (Stand 21.11.2016) im Vergleich zu den beiden Vorjahren von ca. 3 auf ca. 2 Übergriffe/Territorium sogar gesunken. Aktuell sind in Sachsen  19 Wolfsterritorien nachgewiesen (Rudel, Paare, Einzeltiere). In den meisten Sächsischen Wolfsterritorien gibt es nur sehr wenige oder gar keine Übergriffe auf Nutztiere.

2. Sind die als sicher eingestuften Zäune inzwischen nicht mehr sicher?

Die empfohlenen Herdenschutzmaßnahmen garantieren keinen 100%-igen Schutz, da dieser nur mit sehr hohen materiellen und praktischen Aufwendungen für die Tierhalter zu erreichen wäre. Vielmehr handelt es sich bei den empfohlenen Schutzmaßnahmen um solche, die gemäß den hiesigen und internationalen Erfahrungen in vielen Fällen geeignet sind Wölfe davon abzuhalten in die Koppel einzudringen. Demnach bieten Elektrozäune mit einer Höhe von 100 cm -120 cm einen wirksamen Schutz. Die Wirksamkeit von Elektrozäunen kann noch erhöht werden, in dem ein "Flatterband" (Breitbandlitze) 20 - 30cm über dem Zaun befestigt wird. Der Einsatz von „Flatterband“ wird insbesondere in Gebieten empfohlen, in denen Elektrozäune wiederholt von Wölfen übersprungen wurden. Elektrozäune mit „Flatterband“ wurden bislang in Sachsen noch nie von Wölfen überwunden.
Festzäune aus Maschendraht, Knotengeflecht oder ähnlichem Material stellen eine rein physische Barriere dar, da sie anders als Elektrozäune, über keine aktive, abschreckende Wirkung verfügen. Erfahrungsgemäß können sie von Wölfen leicht untergraben oder übersprungen bzw. überklettert werden, weshalb sie seitens des Wolfsmanagements nicht empfohlen werden.
Unabhängig von diesen Empfehlungen werden auch Festzäune mit einer Höhe von mind. 120 cm und Elektrozäune ab 90 cm Höhe als Mindestschutz akzeptiert, der als Voraussetzung für einen Schadensausgleich bei Nutztierrissen gilt, da sie in vielen Fällen als Schutz ausreichen. Die Wahrscheinlichkeit, dass der Mindestschutz überwunden wird, steigt allerdings je öfter Wölfe die Erfahrung gemacht haben, dass Nutztiere eine leicht zugängliche Beute darstellen. Diese Erfahrung machen die Tiere meist an unzureichend geschützten Schafen. Wölfe lernen rasch. Bereits ein einmaliger Erfolg kann dazu führen, dass sie gezielt versuchen Schafe zu töten. Je häufiger sie Erfolg hatten, desto mehr Aufwand nehmen sie auf sich, um diesen Erfolg zu wiederholen. Dieser Lernprozess kann dazu führen, dass auch empfohlene Schutzmaßnahmen überwunden werden.  

3. Werden die Anforderungen an die Tierhalter immer weiter erhöht?

Nein, die Mindestschutzkriterien, die ein Tierhalter mindestens vorweisen muss, damit dieser im Falle eines Schadens durch Wölfe  Anspruch auf Schadensausgleich hat, sind seit Einführung der Förderrichtlinie 2008 unverändert. Demnach kann ein Tierhalter Anspruch auf Schadensausgleich geltend machen,  wenn sein Elektrozaun mind. 90 cm hoch ist bzw. sein Festzaun eine Höhe von mind. 120 cm aufweist. Die Koppel muss außerdem an allen Seiten – auch zum Wasserlauf – geschlossen sein und die Zäune müssen einen festen Bodenabschluss haben. 
Bei der Beratung von Tierhaltern bzgl. der Neuanschaffung von Herdenschutzmaßnahmen werden meist höhere Zäune (106 oder 110 cm hohe Elektrozäune bzw. 140 cm hohe Festzäune) empfohlen. Diese Höhen beziehen sich auf internationale Erfahrungen im Herdenschutz.

4. Ist langfristig eine Weidetierhaltung in Wolfsgebieten überhaupt noch möglich?

Erfahrungen aus europäischen Ländern, aus denen der Wolf nie verschwunden war zeigen, dass eine Weidetierhaltung auch in Wolfsgebieten möglich ist. Dort haben sich die Nutztierhalter an die Anwesenheit von Wölfen angepasst und entsprechende Schutzmaßnahmen gehören zum Standard der Weidetierhaltung. In Gebieten, in die Wölfe nach längerer Zeit der Abwesenheit wieder einwandern, dauert es meist eine Zeit, bis die Nutztierhalter sich auch hier an die für sie zunächst neue Situation angepasst haben. Die Erfahrungen aus Sachsen zeigen jedoch, dass auch hier Nutztierschäden minimiert werden können, wenn die Halter die empfohlenen Schutzmaßnahmen umsetzen. Der Staat fördert diese Maßnahmen, wie Elektrozäune und Herdenschutzhunde mit 80% des Nettopreises. Komplett vermeiden lassen sich Nutztierverluste durch den Wolf jedoch nicht. 

5. Werden die Tierhalter nicht mehr 100%-ig entschädigt?

Bislang wurden alle Tierhalter mit Anspruch auf Schadensausgleich zu 100% des Marktwertes der gerissenen Nutztiere entschädigt. Anspruch auf Schadensausgleich haben Tierhalter deren Tiere, wie gesetzlich vorgeschrieben, bei der Tierseuchenkasse gemeldet sind und deren Schutzmaßnahmen zumindest dem Mindeststandard entsprechen. Die Schadenshöhe wird vom Landesamte für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie (LfULG) auf Basis von aktuellen Richtlinien ermittelt. Diese sind mit den Nutztierhalterverbänden abgestimmt. Bei gewerblichen Tierhaltern können auch Folgekosten z.B. für zerstörte Zäune, Tierarztbehandlung oder Entsorgung des Kadavers berücksichtigt werden.  
Der Schadensausgleich ist bei gewerblichen Tierhaltern aus beihilferechtlichen Gründen derzeit europaweit beschränkt. Schäden können deshalb nur auf Grundlage der landwirtschaftlichen Deminimis-Verordnung mit öffentlichen Mitteln ausgeglichen werden. Zahlungen sind danach bis zu einer Grenze von 15.000,- Euro in drei aufeinander folgenden Jahren zulässig. Falls ein Nutztierhalter innerhalb von 3 Jahren mehr als 15.000 Euro staatliche Beihilfen im Sinne dieser Verordnung erhalten hat, ist eine Schadenausgleichzahlung durch den Freistaat nur noch zu 80 % möglich. In diesem Fall hat sich die Gesellschaft zum Schutz der Wölfe für die Zahlung der übrigen 20 % bereit erklärt. 
Dem Tierhalter können also, bei Einhaltung der geforderten Voraussetzungen, alle Sachschäden durch den Wolf, unabhängig von der Schadenshöhe, vollständig ersetzt werden. Dies gilt für alle Nutztierarten. Bisher ist ein solcher Fall aber noch nicht eingetreten.

6. Leistet der Freistaat insgesamt zu wenig Unterstützung für die Tierhalter?

Der Freistaat gewährt sowohl Hobbyhaltern als auch Tierhaltern im Neben- und Haupterwerb eine finanzielle Unterstützung in Höhe von 80 % der Nettokosten zur Anschaffung von Herdenschutzmaßnahmen (Elektrozäune, Herdenschutzhunde und für Wildgatter ein Untergrabungsschutz). Die gilt für Halter von Schafe und Ziegen sowie von Gatterwild. Für Pferde und Rinder gibt es keinen vorgeschriebenen Mindestschutz, da Übergriffe auf diese Tiere nur selten vorkommen. Daher gibt es für Pferde und Rinder auch keine pauschale Förderung von Schutzmaßnahmen. Sollte es im Einzelfall doch einmal zu Übergriffen auf diese Tiere kommen, können jedoch auch hier Schutzmaßnahmen gefördert werden. 
 In Fällen in denen Wölfe, an nach Mindestschutz gesicherten Nutztieren Schäden verursachen, ist ein 100 %-iger Schadensausgleich geregelt. Zwei Tierhalterberater sichern ein umfangreiches Beratungs- und Unterstützungsangebot vor Ort ab. Sie informieren Tierhalter zu allen Fragen des Herdenschutzes und der Förderung und leisten praktische Unterstützung bei der Planung und Umsetzung von Herdenschutzmaßnahmen (z.B. Austeilung von „Flatterband“ und Elektrozaun). Zudem hält der Freistaat eine „Herdenschutzhunde-Einsatzgruppe“ vor, die in größeren Herden unmittelbar nach einem Übergriff einen guten Schutz gewährleistet, bis eine langfristige Schutzmaßnahme eingerichtet wird. Der Freistaat investiert zudem in ein Forschungs- und Entwicklungsprogramm zum Herdenschutz welches an der Weiterentwicklung effizienter Herdenschutzmethoden forscht. Damit hat der Freistaat insbesondere im Vergleich zu den meisten anderen Bundesländern bereits effiziente Maßnahmen zur Unterstützung von Tierhaltern ergriffen. Deren Evaluierung und ggf. Weiterentwicklung ist gemäß des dynamischen Ansatzes des Managementplanes, welcher  entsprechend den praktischen Erfordernissen fortgeschrieben und ergänzt wird, vorgesehen. Dazu dient auch eine vom Freistaat dauerhaft eingerichtete Arbeitsgruppe Wolf-Nutztiere, in der speziell Vertreter von Nutztierhalterverbänden an der Lösung aktueller Probleme mitwirken beziehungsweise auf neue Schwerpunkte hinweisen.

7. Sind die Rosenthaler Wölfe verhaltensauffällig? Warum wird noch keine Genehmigung zur Entnahme (Tötung) erteilt?

Tötet ein Wolf Nutztiere ist das kein auffälliges Verhalten. Er verhält sich normal indem er günstige Gelegenheiten nutzt, um an Nahrung zu gelangen. Wölfe die gehäuft ungeschützte oder nicht ausreichend geschützte Tiere vorfinden und erbeuteten, lernen, dass  Nutztiere deutlich einfacher zu erbeuten sind, als wildlebende Beutetiere. Im Ergebnis dieses Lernprozesses kann es dazu kommen, dass Wölfe gezielt versuchen, Nutztiere zu reißen und dabei auch empfohlene Schutzmaßnahmen überwinden.
Dies ist im Rosenthal Rudel der Fall. Seit der Etablierung des Rosenthaler Wolfspaars im Sommer 2013 im Raum Rosenthal kam es immer wieder zu Übergriffen auf Schafe. 2014 waren es insgesamt 18 Übergriffe, 2015 16 Übergriffe und in diesem Jahr bisher 11 Übergriffe. Anfangs wurden vermehrt ungeschützte bzw. nicht ausreichend geschützte Tiere angegriffen. Mit der Zeit waren auch solche, die nach den Anforderungen zur Gewährung von Schadenausgleichzahlungen (Mindestschutz) geschützt waren, betroffen. In letzteren Fällen wurden in den beiden Vorjahren vor allem Elektrozäune überwunden. Zehn der 11 Übergriffe 2016 fanden auf Schafe statt, die hinter Festzäunen gehalten wurden. Empfohlene Schutzmaßnahmen, wie Elektrozäune, die zusätzlich mit „Flatterband“ überspannt waren, wurden bisher nicht überwunden. 
Gemäß dem Managementplan für den Wolf in Sachsen ist in Fällen, in denen Wölfe wiederholt geschützte Nutztiere töten, zunächst die Suche nach sicheren Schutzmethoden vorgesehen. Das Wolfsmanagement zielt in der gegenwärtigen Situation daher darauf ab, die Schutzsituation im Rosenthaler Rudel flächendeckend zu verbessern. Neben Informationen zum Herdenschutz und den Fördermöglichkeiten, unter anderem durch Pressemitteilungen, wurde 2015 und 2016 im Territorium des Rosenthaler Rudels kostenlos „Flatterband“ an Schaf – und Ziegenhalter verteilt. Zusätzlich können sich Tierhalter individuell über Schutzmaßnahmen informieren lassen. Dies wird insbesondere Tierhaltern empfohlen, die ihre Schafe hinter einem Festzaun halten. Sollten auch die empfohlenen Schutzmaßnahmen  keine Wirkung zeigen, kann die Entfernung eines Wolfes oder mehrerer Wölfe als letztes Mittel ergriffen werden.

8. Können Nutztierschäden durch eine Bejagung des Wolfsbestandes verhindert werden?

Internationale Erkenntnisse aus Wolfsgebieten zeigen, dass Nutztierschäden durch Wölfe am wirksamsten durch Herdenschutzmaßnahmen minimiert werden können. Die Höhe der Schäden korreliert nicht mit der Anzahl von Wölfen die in einem Gebiet leben, sondern mit dem Ausmaß des Schutzes der Nutztiere. Dort wo Nutztiere nicht oder unzureichend geschützt sind, kann bereits ein einzelner Wolf viele Schäden verursachen. Nutztierschäden konzentrieren sich oft in Gebieten, in denen Wölfe neu einwandern, da die Tierhalter dort häufig noch nicht auf Wölfe vorbereitet sind. 
Das Töten von Wölfen kann kurzfristig zu einer Reduzierung von Nutztierschäden führen. Durch die Besetzung des freigewordenen Gebietes durch andere Wölfe, ist jedoch von einer Fortsetzung der Nutztierübergriffe auszugehen.
Langfristig kann in Wolfsgebieten daher nur über die Etablierung von effektiven Herdenschutzmaßnahmen eine Minimierung von Nutztierverlusten erzielt werden.

9. Warum töten die Wölfe bei manchen Übergriffen viel mehr Schafe als sie fressen können?

Das Phänomen von Mehrfachtötungen (surplus killing), ohne dass alle getöteten Tiere gefressen werden, ist von Wölfen und anderen Beutegreifern, wie z.B. Marder oder Fuchs im Hühnerstall bzw. auch von Hunden, bekannt. Mehrfachtötungen treten fast ausschließlich unter „künstlichen“ Bedingungen auf. Bei der Jagd auf freilebende Beutetiere haben Beutegreifer kaum Gelegenheit mehr als ein Tier zu töten, da die übrigen Beutetiere die Flucht ergreifen. Bei Übergriffen auf Nutztiere, welche meist in hoher Dichte auf begrenztem Raum stehen, und bei welchen das Fluchtverhalten durch die Domestikation deutlich abgeschwächt ist, bietet sich den Beutegreifern ein Überangebot von verfügbarer Nahrung. Diese günstige Gelegenheit veranlasst dazu, mehr Tiere zu töten, als sogleich verzehrt werden können. Die Beutegreifer würden ggf. zu einem späteren Zeitpunkt zum angelegten „Vorrat“ zurückkehren.

10. Wölfe töten Nutztiere auch direkt in Ortsnähe oder im Ort. Zeigt das, dass sie ihre Scheu verlieren und somit zu einer Gefahr für Menschen werden?

Nein, wenn Wölfe gelegentlich nachts und selten auch mal am Tage in Siedlungsbereichen Nutz- oder Wildtiere reißen, ist dies nicht als gefährliches Verhalten gegenüber Menschen zu bewerten. Begegnungen mit Menschen vermeiden Wölfe in der Regel, weshalb die Übergriffe auf Nutztiere in Abwesenheit von Menschen stattfinden. Grundsätzlich können Wölfe, die in Kulturlandschaften leben - auch wenn dies selten ist - durchaus mal am Tage in Ortsnähe gesehen werden, ähnlich wie dies von Füchsen, Rehen oder Wildschweinen bekannt ist. Dies gehört zum Repertoire des normalen Wildverhaltens.

11. Muss die Wolfsdichte in Grenzen gehalten werden?

Weltweit sind Wolfsdichten von 0,1 -9 Wölfe/100 km beschrieben. Dort wo wenige Beutetiere leben, benötigen Wölfe größere Territorien als in beutetierreichen Gebieten. In Regionen mit spärlicher Vegetation und kurzen Vegetationszeiten sind daher geringere Wolfsdichten zu finden, als z.B. in den produktiven Wald-Feld Gebieten Mitteleuropas. In vielen Teilen Sachsen ist die Schalenwilddichte vergleichsweise hoch, wie sich auch anhand der Jagdstrecken widerspiegelt. Im vergangenen Jagdjahr wurde mit einer Jagdstrecke von mehr als  75 000 Rehen, Hirschen und Wildschweinen, soviel Schalenwild erlegt wie seit 1991 nicht mehr.  Aus ökologischer / biologischer Sicht besteht keine Notwendigkeit zur Bejagung von Wölfen. Wölfe zählen zu den sogenannten Spitzenprädatoren - das heißt sie stehen am Ende der Nahrungskette, ihre Zahl wird nicht durch natürliche Feinde, sondern weitgehend durch die Häufigkeit und Verfügbarkeit ihrer Beutetiere reguliert. Durch die Lebensweise des Wolfes (Leben in Rudeln mit ausgesprochener Territorialität) ist der Anzahl der Wölfe in einem Gebiet stets eine natürliche Grenze gesetzt. 
Kommt es im Einzelfall zu ernsten Problemen mit Wölfen, etwa, wenn Einzeltiere ein Verhalten entwickeln, das für den Menschen sicherheitsrelevant ist oder wenn Wölfe wiederholt empfohlene Schutzmaßnahmen überwinden, kann der Abschuss eines oder mehrere Tiere erforderlich werden. Dies hat jedoch nichts mit einer generellen Bejagung zu tun, sondern ist eine Managementmaßnahme, die darauf abzielt Konflikte gezielt zu minimieren. Eine solche Maßnahme ist auch möglich, solange der Wolf nicht dem Jagdrecht, sondern ausschließlich dem Naturschutzrecht unterliegt. 

12. Wer ist in Sachsen im Wolfsmanagement für was zuständig?

Die Koordinierung des Managements der streng geschützten Tierart Wolf obliegt dem Sächsischen Staatsministerium für Umwelt und Landwirtschaft (SMUL). Die Landratsämter und kreisfreien Städte sichern im Rahmen ihrer Zuständigkeiten die Realisierung des Wolfsmanagements durch ihre geschulten Mitarbeiter in den Kreisgebieten ab. Dabei arbeiten sie mit der Kernkompetenz in Sachen Wolf zusammen. Die Landratsämter sind unter anderem für die Begutachtung von durch Wölfe getötete Nutztiere, für die Aufnahme von Hinweisen zu Wölfen und die Öffentlichkeitsarbeit zum Wolf zuständig. Unterstütz und betreut werden Sie hierzu durch die Kernkompetenz der jeweiligen Bereiche. Die Erteilung einer Ausnahmegenehmigung für die Entnahme eines Wolfes obliegt ebenfalls den Landratsämtern, in Abstimmung mit dem SMUL. 
Die Kernkompetenz für Wolfsmonitoring und -forschung stellen das Senckenberg Museum Görlitz und das  LUPUS Institut dar. Das LUPUS Institut ermittelt auf Basis der Monitoringdaten alljährlich den Stand des Wolfsvorkommens und dessen Verbreitungsgebiet und gibt den Landratsämtern Einschätzungen und Handlungsempfehlungen bei eventuell auftretenden Problemen mit Wölfen. Die Senckenberg Gesellschaft ergänzt das Wolfsmonitoring durch wissenschaftliche Untersuchungen wie Genetische Analysen und Losungsanalysen. Die Kernkompetenz für den Bereich Herdenschutz, Prävention und Kompensation verkörpert der Sachbearbeiter Wolfsmanagement. Zu seinen Aufgaben gehört die Dokumentation und Bewertung der Nutztierschäden in Sachsen, Anleitung der  Landkreisbeauftragten zu Nutztierrissbegutachtungen, und Beratung der Tierhalter zum Thema Herdenschutz und Förderung. Das Kontaktbüro Wolfsregion Lausitz ist die Kernkompetenz im Bereich Öffentlichkeitsarbeit. Es ist vom SMUL und dem Landkreis Görlitz beauftragt alle aktuellen Informationen über Wölfe in Sachsen zu bündeln und der Öffentlichkeit in geeigneter Weise zugänglich zu machen bzw. aktiv bekannt zu geben. Dabei wird es durch die geschulten Mitarbeiter in den Kreisgebieten unterstützt. 
(Pressemitteilung Kontaktbüro Wolfsregion Lausitz, 22.11.16)


16.11.2016

Wolf/Mecklenburg-Vorpommern: Weiblicher Wolfswelpe mit Peilsender bestückt

In Mecklenburg-Vorpommern konnte erneut ein Wolfswelpe erfolgreich besendert werden. Nachdem es im Oktober 2015 erstmals gelang, einen männlichen Welpen („Arno“) aus dem Rudel in der Lübtheener Heide mit einem Peilsender auszustatten, wurde nun ein weiblicher Welpe („Naya“) aus dem gleichen Rudel mit einem Peilsender versehen.

„Das ist ein toller Erfolg für alle Beteiligten, denn nur auf diesem Wege können wir das Wanderverhalten und die Gewohnheiten der Tiere verfolgen, um daraus nützliche Erkenntnisse für den weiteren Umgang mit ihm zu ziehen. Das ist dringend geboten: Erst kürzlich haben Fotofallenbilder sieben neue Wolfswelpen im Land bestätigt. Sie belegen, dass sich die Wolfsvorkommen weiterentwickeln und es die richtige Entscheidung war, das ganze Land mit Ausnahme der Inseln zum Wolfsgebiet zu erklären“, kommentierte Umweltminister Dr. Till Backhaus.

Der Übergriff auf eine Rinderherde bei Niendorf habe deutlich gemacht, dass sich Bund und Länder der Debatte um einen günstigen Erhaltungszustand der Wolfspopulation stellen müssen, so Backhaus. Mecklenburg-Vorpommern habe mit der Wolfstagung im Juni bereits einen wichtigen Grundstein für einen sachlichen Austausch gelegt. Auch auf der Umweltministerkonferenz Ende Juni in Berlin werde M-V den Wolf auf die Themenagenda heben, kündigte er an. Grundlage seien auch Erkenntnisse aus der Telemetrie.

Der GPS-Sender des Wolfswelpen „Arno“ hat im Verlauf der letzten 12 Monate planmäßig Daten geliefert. Als nicht geschlechtsreifer „Jährling“ ist er noch immer Teil des Lübtheener Wolfsrudels und hilft bei der Aufzucht der diesjährigen Welpen. Es ist davon auszugehen, dass er mit Erreichen der Geschlechtsreife seine Familie verlässt und sich sein eigenes Territorium sucht. Bisher ist nicht bekannt, dass sich ein Welpe aus den beiden bekannten Rudeln des Landes innerhalb von M-V angesiedelt hat.

Das Telemetrie-Projekt wird seit 2011 vom Ministerium für Landwirtschaft, Umwelt und Verbraucherschutz in enger Abstimmung mit dem Landesjagdverband MV, dem Bundesforstbetrieb Trave der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben und der TU Dresden durchgeführt. Für 2016 standen zwei Peilsender zur Verfügung, von denen der erste jetzt zum Einsatz kam. Künftig wird versucht, weitere Wölfe im Land zu markieren.

Hintergrund
Die ersten Fangversuche von Wölfen zwischen 2011 und 2013 in der Lübtheener Heide blieben erfolglos. Zu jener Zeit lebte dort nur ein einzelner Rüde. Nachdem sich im Jahr 2014 ein Wolfspaar erfolgreich reproduziert hat, wurden 2015 die Fangbemühungen wieder aufgenommen und waren erfolgreich. Im Oktober 2015 konnte ein männlicher Welpe aus dem Lübtheener Rudel erfolgreich besendert werden. Die Sender liefern wichtige Daten zur Raumnutzung des Rudels und unterstützen damit das Wolfsmonitoring des Landes. Über die Ergebnisse wird in regelmäßigen Abständen informiert. (Quelle)

Rezension: Halten Sie Ihr Huhn fest!

Halten Sie Ihr Huhn fest!
Hundeleben auf dem Land

Katharina von der Leyen
Franckh Kosmos Verlag, 2016
224 Seiten
ISBN 978-3440149515
16,99 €

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Inhalt
Locker, sehr komisch und pointiert erzählt Katharina von der Leyen vom Leben ihrer Hunde auf dem Land. Sie genießt Wald und Wild so weit das Auge reicht. Aber sie muss feststellen, dass das Hundeleben zwischen Schafskötteln als Delikatesse und nervösem Federvieh beim Bauern nebenan so manche Herausforderung zu bieten hat.

Rezensionen
„Halten Sie Ihr Huhn fest“ ist ein amüsantes, kurzweiliges und unterhaltendes Buch über den Alltag mit Hunden auf dem Land. Nach „Dogs in the city“, wo wir die Stadthunde kennengelernt haben, erfahren die Leser nun, wie aufregend das Leben auf dem Land sein kann – nicht nur für Hunde. Besonders berührt war ich jedes Mal, wenn die Autorin den Abschied von einem Hund schilderte. Haben wir das nicht alle schon erlebt?

Gut gelungen auch die Beschreibungen der Hunde und ihrer Eigenarten. Wie schön, dass man sich auch anhand der Farbfotos im Innenteil ein Bild von dem jeweiligen Vierbeinern machen kann. Das Buch ist sehr liebevoll und warmherzig geschrieben, und der Spaßfaktor ist garantiert.

Völlig überflüssig fand ich die ganzseitige Werbung für die Hundefutterfirma der Autorin am Schluss des Buches (S. 221).

Zur Wolfsbegegnung (Kapitel 19): Sehr schön beschrieben hat die Autorin, wie sie mit ihren Hunden einen wilden Wolf trifft. Glückwunsch zu dieser Begegnung. Das baut hoffentlich Ängste ab. Allerdings gibt es hier einen entscheidenden Fehler, was die geschilderte Anzahl der Wölfe in Deutschland angeht. Frau von der Leyen schreibt: „Ich wusste von verschiedenen Jägern, dass es bis 2014 in Deutschland 94 Wolfsrudel gab“ (Seite 76).
Diese Aussage ist schlichtweg FALSCH! Es gab in Deutschland noch NIE 94 WolfsRUDEL. Vielleicht hat ihre Quelle 94 Wölfe gemeint? Der aktuelle, offiziell bestätigte Stand der Wolfspopulation beträgt jetzt im November 2016: 46 Rudel, 15 Paare und 4 Einzeltiere, das entspricht je nach Rudelgröße einer durchschnittlichen Gesamtzahl von ca. 350 Wölfen.
Man sollte sich gerade bei einem so sensiblen Thema wie dem Wolf niemals auf die Aussagen von Interessengruppen (Jägern) verlassen, sondern stets die objektiven Fakten checken. Dem Verlag empfehle ich, die Zahl bei der nächsten Auflage zu korrigieren. (ehr)



13.11.2016

Rezension: Wölfe

Wölfe: Ein Portrait
Petra Ahne
Matthes & Seitz Berlin, 2016
ISBN 978-3957573339
18,00 €

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Inhalt
Der Wolf ist zurück in unseren Breiten, und mit ihm eine jahrhundertealte Obsession zwischen Angst und Anziehung. Petra Ahne nimmt die kultur- und naturgeschichtlich Fährte des bernsteinäugigen Wanderers auf, durchstreift die Motivgeschichte von Rotkäppchen bis zum Werwolf, erkundet die ambivalente Beziehung zu seinem domestizierten Nachfahren, dem Hund, und der Spezies, die ihm entweder verklärend huldigt oder noch immer nach dem Leben trachtet: dem Menschen.




Rezension
Ich gestehe, ich bin zunächst skeptisch an das Buch herangegangen, als ich den ersten Satz vom Text auf der Buchrückseite las: „Manchmal töten Wölfe Menschen.“
Auch wenn es stimmt, so halte ich diesen Satz an einer derart wichtigen Stelle nicht gerade als verkaufsfördernd für Wolfsfreunde, mag er doch viele abschrecken. Ich war jedoch schnell wieder „versöhnt“, als ich begann, das Buch zu lesen.

Das Büchlein gehört zur Naturkunde-Reihe von Matthes & Seitz, die bewusst keine bloße Wissenschaft betreiben will, sondern die leidenschaftliche Erforschung der Welt. Und so hebt sich auch dieses Buch wohltuend anders von den üblichen Wolfsbüchern ab, die heute auf dem Markt sind.

Schon äußerlich sticht es hervor mit seinem ungewöhnlichen Einband und der farbigen Prägung. Das Tier auf dem Cover ist sehr dunkel und erst auf den zweiten Blick als Wolf zu erkennen, zumal der Holzschnitt aus dem Jahr 1891 wie ein Kojote aussieht.
Die Autorin Petra Ahne ist Redakteurin bei der Berliner Zeitung, also keine „Wolfsfachfrau“, was sie ja auch nicht sein muss. Aber Wölfe geküsst hat sie allemal, wenn es auch nur Tanja Askanis weiße Gehegewölfe waren (wie Fotos aus dem Internet zeigen). Gut recherchiert hat sie auf jeden Fall. So gesehen halten alle Aussagen im Buch meinem kritischen Expertenurteil stand. „Wölfe: Ein Portrait“ ist aktuell, wölfisch korrekt, aufklärend und ohne die sonst so typischen Klischees, die wir leider noch allzu oft lesen können.

Mir hat besonders das Kapitel „Vom Ruf einer unbekannten und ursprünglichen Kraft“ gefallen, über dessen Thema wir sonst nur wenig lesen: „Vom Drang zum wilden Tier.“ Hier beschreibt die Autorin Menschen, die mit Wölfen beziehungsweise Wolfsmischlingen leben, weil sie „etwas Unverfälschtes, Wildes besitzen wollen“. Den Irrglauben, sich durch die Haltung von Gehegewölfen (die Pianistin Hélène Grimaud) oder von Wolfsmischlingen (der Philosoph Mark Rowland) selbst bestätigen zu müssen. Bei aller Kritik bleibt Ahne stets respektvoll und verständnisvoll.

Im Kapitel „Mit Anfa im Garten (Der Wolf und die Wissenschaft)“ klärt die Autorin erneut über den Mythos Alpha auf (Danke!) und fragt: „Ob sich die Idee vom Leitwolf auch deswegen so lange gehalten hat, weil sie reichlich Identifizierungsmöglichkeiten für ein viriles Selbstbild bietet?“ (Seite 51) Denn „Die Geschichte der Wolfsforschung ist auch die Geschichte einer überschaubaren Zahl von Männern, die ihr Leben diesem einen Tier verschrieben haben.“

In „Wölfe“ wird der Wolf aus verschiedenen Blickwinkeln betrachtet, u.a. historisch, kulturell, wissenschaftlich. Auch die Bilder im Buch sind ungewöhnlich: historische Bilder, Zeichnungen, Holzschnitte, Skizzen. Das letzte Kapitel „Portraits“ listet Wolfsarten und –unterarten auf mit farbigen Abbildungen und Beschreibungen.

„Wölfe: Ein Portrait“ ist für mich ein wunderschönes Buch, das deutlich aus den meisten Wolfsbüchern heraussticht. Es ist interessant, klug und empathisch geschrieben. Wem der Preis für 144 Seiten zu hoch scheint, dem sei versichert: Es lohnt sich!
Ein wunderbares Geschenk für jeden Wolfsfreund. (ehr)

Übrigens: Der Artikel „Tierschau“ von Petra Ahne über Zoos war 2014 für den bekanntesten Journalistenpreis, den Theodor-Wolff-Preis, nominiert. Hier geht es zum lesenswerten Artikel ...


08.11.2016

Sachsen: Tote Schafe bei Cunnewitz

Am 06.11.2016 wurden in Cunnewitz (Landkreis Bautzen), im Territorium des Rosenthaler Rudels, 7 Schafe getötet und 1 Schaf verletzt. Der betroffene Schafhalter hatte bereits am 05.10. und 06.10.2016 insgesamt 32 Schafe bei Wolfsübergriffen verloren. In den beiden vorhergehen Fällen überwand der Wolf ca. 1,40 m hohe Festzäune, im aktuellen Fall wurde ein 1,35-1,50 m hoher Festzaun aus Knotengeflecht überwunden. Über diesen war an einer Seite des Zaunes, auf dem obersten Draht aufliegend, eine Breitbandlitze gespannt. Unklar ist, auf welcher Seite der Zaun überwunden worden ist.

E-Zaun mit Breitbandlistze ("Flatterband") (c) A. Klingenberg
Da Festzäune aus Maschendraht, Knotengeflecht oder ähnlichem Material im Gegensatz zu stromführenden Zäunen, die bei Berührung Schmerz verursachen, über keine aktive, abschreckende Wirkung verfügen, ist der Effekt eines „Flatterbandes“ (Breitbandlitze) in Verbindung mit einem Festzaun fraglich und wird daher nicht empfohlen. Das „Flatterband“ ist eine als optische Barriere wirkende Breitbandlitze, die sich in Kombination mit einem Elektrozaun als effektive Maßnahme gegen das Überspringen bewährt hat und daher empfohlen werden kann. Dazu wird die Breitbandlitze ca. 20 - 30 cm über dem Elektrozaun angebracht, so dass sie frei in der Luft hängt und dem Wolf erschwert, die Höhe des Hindernisses abzuschätzen.
Dem betroffenen Tierhalter wurden von Seiten des Wolfsmanagementes geeignete, förderfähige Herdenschutzmöglichkeiten angeboten. Das sind der Einsatz von Elektrozäunen mit Flatterband, Herdenschutzhunde oder die Nachrüstung des vorhandenen Festzaunes mit Untergrabungs- und Übersprungschutz (stromführende Drahtlitze).

Im Bereich des Rosenthaler Wolfsrudels wurden im Jahr 2016 bislang 11 Übergriffe gemeldet, davon wurden in 8 Fällen Festkoppeln überwunden. Elektrozäune, die mit „Flatterband“ überspannt waren, wurden bisher nicht überwunden. Um weiteren Nutztierschäden im Raum Rosenthal vorzubeugen, werden Schaf- und Ziegenhalter im Bereich des Rosenthaler Wolfsrudels, wie auch im letzten Jahr, dazu aufgerufen, ein „Flatterband“ (Breitbandlitze) ca. 20 – 30 cm über ihren Elektrozaun zu spannen. Sollte das Flatterband des letzten Jahres nicht mehr einsetzbar sein oder nicht ausreichen, kann das benötigte Material (Breitbandlitze, Weidepfähle) auch in diesem Jahr wieder kostenfrei bei der Biosphärenreservatsverwaltung ausgeliehen werden (Kontakt: siehe unten). Diese zusätzliche Schutzmaßnahme ist im gekennzeichneten Gebiet (siehe Karte) voraussichtlich bis Ende Dezember 2017 notwendig.
Schaf- und Ziegenhalter sowie Betreiber von Wildgattern im Freistaat Sachsen haben die Möglichkeit, sich Herdenschutzmaßnahmen (mobile Elektrozäune, Herdenschutzhunde, „Flatterband“, Unterwühlschutz) zu 80% der Nettokosten fördern zu lassen.

Beratung zur Verbesserung des Herdenschutzes und zu Fördermöglichkeiten sowie die Möglichkeit zur Ausleihe von „Flatterband“ erhalten Sie unter folgendem Kontakt: Herr Klingenberger von der Biosphärenreservatsverwaltung in 02694 Malschwitz OT Wartha, Warthaer Dorfstraße 29 (Tel.: 0172 / 3757 602, E-Mail: andre.klingenberger@smul.sachsen.de).




01.11.2016

Rezension: Das geheime Leben der Bäume - der Bildband

Das geheime Leben der Bäume: Was sie fühlen, wie sie kommunizieren. Der Bildband
Peter Wohlleben
Ludwig Verlag, 2016
336 Seiten
ISBN 978-3453280885
29,99 €

Hier können Sie das Buch bestellen

Inhalt
Das Buch, das 2015 für Furore gesorgt hat, erzählt von den ungeahnten Welten, die sich in unseren Wäldern verbergen und bislang unseren Blicken entzogen haben. Jetzt erscheint der Bestseller in Großformat, reich bebildert und durchgehend vierfarbig. Er enthält den vollständigen Originaltext und lässt den Leser auch visuell in diesen faszinierenden Kosmos eintauchen. Die wunderbaren Geschichten von Peter Wohlleben und die stimmungsvollen Fotos bilden zusammen eine perfekte Liaison. (Verlagstext)

Rezension
Immer, wenn ich denke, mehr geht nicht, belehrt mich Peter Wohlleben eines Besseren. So wie mit diesem wunderschönen Bildband.

Aufwendige Bilder von den weltweit besten Fotografen gepaart mit berührenden Texten eines Bestsellerautors und Baumverstehers. Ich musste mein Synonymwörterbuch durchforsten, um andere Worte zu finden als die ewig gleichen Adjektive von grandios, atemberaubend, fantastisch etc. Fündig geworden bin ich mit diesen zutreffenden Begriffen: das Nonplusultra, die Krönung, der Höhepunkt, die Vollendung, der Glanzpunkt, die Kulmination, der Gipfel, eine Sternstunde, das Höchste/Schönste/Beste, das Maximum, Optimum, die Glanzleistung, Spitzenleistung, der Clou, das Tüpfelchen auf dem i. Jede Beschreibung spricht mir aus dem Herzen.

Im Bildband „Das geheime Leben der Bäume“ ergänzen sich Text und Fotos in perfekter Symbiose. Die Fotos sprechen noch mehr die Gefühle der Leser/Betrachter an, als es eh der Text schon tut. Beim Betrachten der Bilder gibt es wohl niemanden, der nicht eine tiefe Ehrfurcht vor der Natur, ein Staunen über die Schönheit des Waldes und große Dankbarkeit für unseren Planeten und für den Autor empfindet, der dies alles sichtbar und durch seine Beschreibungen erlebbar macht.

Daneben bekommen wir auch Einblicke in das persönliche Leben des Autors, sehen Fotos vom Forsthaus und vom Ehepaar Wohlleben mit ihren Tieren, und schauen, wie es ist, an einem Blockhüttenbau-Wochende teilzunehmen.

Das Buch ist vieles: Das klassische Coffee Table Book, das immer griffbereit liegen sollte, um es beispielsweise in einem Augenblick, in dem wir gestresst sind, zur Hand zu nehmen, tief durchzuatmen und uns visuell auf einen Waldspaziergang zu begeben. Es ist ein Lehrbuch über Wälder und Natur, wie ich es für jeden Schulunterricht zur Pflicht machen würde. Aber es ist auch eine kritische Streitschrift gegen die moderne Forstwirtschaft. Dass der Autor mit seiner berechtigten Kritik oft aneckt, zeigt sich an den negativen und teilweise sogar persönlich angreifenden Rezensionen seiner Bücher. Hier scheinen die betroffenen Hunde (Förster) zu bellen. Vor allem aber ist es ein Herzensbuch. Es drückt die tiefe Liebe aus, die Wohlleben für seinen Wald und die Natur empfindet.

Ich habe lange überlegt, welche Fotos mich am meisten berühren. Traurig macht mich besonders das Foto auf Seite 261 (Burn-out). Arme Bäume! Verzaubert hat mich der krumme Baum auf Doppelseite 62/63: Ein kleiner Baum, der gerade wachsen will, aber mehrfach aus der Bahn geworfen wird, um dann doch weiterzuwachsen. Geht es uns allen nicht ebenso?

Der Bildband „Das geheime Leben der Bäume“ weckt Sehnsüchte. Es ist ein Fest für die Augen und die Sinne, ein Farbenrausch und das perfekte Geschenk für die, die wir lieben.


Wolfsnachwuchs in Niedersachsen durch Monitoring bestätigt

Bei zwei Wolfsrudeln in Niedersachsen konnte die Reproduktion mit Hilfe von Fotofallen auf dem Truppenübungsplatz Bergen und im Raum Wietzendorf nachgewiesen werden.

Bei dem Wolfsrudel auf dem Truppenübungsplatz Bergen sowie bei dem Wolfsrudel im Raum Wietzendorf konnte Nachwuchs nachgewiesen werden. Beide Nachweise gelangten über Fotofallenaufnahmen des Bundesforstbetriebes Lüneburger Heide in das Monitoring. Auf dem Truppenübungsplatz Bergen konnten vier, bei dem Wietzendorfer Rudel drei Welpen nachgewiesen werden. Letzteres Rudel scheint zudem sein Territorium in Richtung des Truppenübungsplatzes Munster-Süd verlagert zu haben – in diesem Bereich entstanden die Fotofallenbilder. Die  Bestätigung, dass es sich bei den dort fotografierten Welpen um diejenigen
des Wietzendorfer Rudels handelt, konnte mittels eines genetischen  Nachweises geführt werden.

Eine Statusänderung ist für das Rudel auf dem Schießplatz Rheinmetall erfolgt: Da dort seit dem Monitoringjahr 2014/2015 keine Reproduktion mehr nachgewiesen werden konnte – weiterhin aber adulte Einzeltiere auf dem Gebiet nachgewiesen worden sind – wurde der Status dieses Rudels in „unklar“ eingestuft.

Neben diesem unklaren Status auf dem Schießplatz Rheinmetall sind damit aktuell acht Wolfsrudel und zwei territoriale Fähen in Niedersachsen nachgewiesen. „Für alle acht Rudel in Niedersachsen ist damit nun diesjährige Reproduktion nachgewiesen“, so Raoul Reding, Wolfsbeauftragter der Landesjägerschaft Niedersachsen e.V. Aktuelle  Informationen zum Wolfsmonitoring in Niedersachsen finden Sie auf unserer Internetseite www.wildtiermanagement.com/.

Die Ausbreitung der Wölfe in Niedersachsen wird wissenschaftlich dokumentiert. Das Umweltministerium hat mit dem Wolfsmonitoring die Landesjägerschaft Niedersachsen e.V. beauftragt, die diese Aufgabe in enger Zusammenarbeit mit dem NLWKN (Niedersächsischer Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz) und den rund 100  Wolfsberatern wahrnimmt. Wer Spuren, Losungen oder Risse findet, die auf einen Wolf hinweisen, oder einen Wolf sieht, sollte seinen Fund dem  örtlichen Wolfsberater oder der Landesjägerschaft Niedersachsen (wolf@ljn.de) melden. (Quelle)

28.10.2016

Sachsen: Herdenschutz im Bereich des Rosenthaler Wolfsrudels

Im Bereich des Rosenthaler Wolfsrudels kam es vermehrt zu Übergriffen auf Schafe. Neben ungeschützten bzw. nicht ausreichend geschützten Tieren, waren auch solche, die nach den Anforderungen zur Gewährung von Schadenausgleichzahlungen (Mindestschutz) geschützt waren, betroffen. In letzteren Fällen wurden in den beiden Vorjahren vor allem Elektrozäune aber auch Festzäune überwunden. Um dieser Entwicklung entgegen zu wirken, wurden im letzten Jahr die Schaf – und Ziegenhalter in der Region des Rosenthaler Rudels darauf hingewiesen, ihre Zäune zu kontrollieren und gegebenenfalls an den empfohlenen Herdenschutz anzupassen. Zugleich wurde „Flatterband“ (Breitbandlitze), welches ca. 20 - 30 cm über den Zaun gespannt wird, an die Tierhalter ausgegeben (PM vom 14.09.2015). 
Im Jahr 2016 gab es bislang 10 gemeldete Übergriffe im Raum Rosenthal. In zwei Fällen war der Mindestschutz nicht erfüllt gewesen, in einem Fall wurde ein 90 cm hoher Elektrozaun und in weiteren sieben Fällen Festkoppeln überwunden. Zäune, die zusätzlich mit Flatterband überspannt waren wurden nicht überwunden. 

Laut dem Managementplan für den Wolf in Sachsen ist in Fällen, in denen Wölfe wiederholt sachgerecht geschützte Nutztiere töten, zunächst die Suche nach sicheren Schutzmethoden vorgesehen. Das Wolfsmanagement zielt in der gegenwärtigen Situation daher darauf ab, die Schutzsituation im Rosenthaler Rudel flächendeckend zu verbessern (s. unten). Sollte trotz der zusätzlichen Schutzmaßnahmen Erfolg ausbleiben, kann die Entfernung eines Wolfes oder mehrerer Wölfe als letztes Mittel ergriffen werden.

Alle Schaf- und Ziegenhalter im Bereich des Rosenthaler Territoriums (siehe Karte) werden in der gegenwärtigen Situation dazu angehalten, zusätzlich zu den als Mindestschutz definierten Schutzstandards, das im letzten Jahr erhaltene „Flatterband“ (Breitbandlitze), welches 20 – 30 cm über dem Zaun gespannt wird, weiterhin einzusetzen. Sollte das Flatterband nicht mehr einsetzbar sein oder nicht ausreichen, kann das benötigte Material (Breitbandlitze, Weidepfähle) auch in diesem Jahr wieder kostenfrei bei der Biosphärenreservatsverwaltung ausgeliehen werden. Kontakt: Herr Klingenberger, Tel. 035932/36531, E-Mail: andre.klingenberger@smul.sachsen.de
Diese zusätzliche Schutzmaßnahme ist im gekennzeichneten Gebiet voraussichtlich bis Ende Dezember 2017 notwendig.

Zusätzlich sollten Tierhalter ihre Zäune regelmäßig auf Schwachstellen prüfen und diese zeitnah beseitigen. Die Umzäunung darf keine Durchschlupfmöglichkeiten am Boden bieten und alle Seiten der Koppel müssen geschlossen sein – über offene Gräben oder Gewässer können Wölfe leicht eindringen. Bei stromführenden Zäunen sollte ausreichend Spannung (mind. 2.500 V) anliegen. Außerdem sollte die Koppel nicht zu klein sein, damit die Tiere selbst bei einem versuchten Übergriff durch einen Wolf genügend Platz zum Ausweichen haben und nicht aus der Koppel ausbrechen.

Festzäune aus Maschendraht, Knotengeflecht oder ähnlichem Material verfügen über keine aktive, abschreckende Wirkung, wie stromführende Zäune dies tun, sondern sind eine rein physische Barriere. Erfahrungsgemäß bieten sie daher einen geringeren Schutz gegenüber stromführenden Zäunen, weil sie von Wölfen leicht untergraben oder bis zu einer bestimmten Höhe auch übersprungen bzw. überklettert werden können. Ein fester Bodenabschluss bzw. Unterwühlschutz des Zaunes ist besonders wichtig. Für eine individuelle Beratung zu weiteren Maßnahmen für Festzäune wenden Sie sich bitte an die unten aufgeführten Ansprechpartner. 
Einen wesentlich besseren Schutz bieten Elektrozäune, deren Anschaffung bereits seit 2008 vom Freistaat Sachsen gefördert wird. Um dem Mindestschutz zu entsprechen müssen  Elektrozäune mindestens 90 cm hoch sein. Empfohlen werden Elektrozäune mit 100 cm – 120 cm, welche auch gefördert werden.
Schaf- und Ziegenhalter sowie Betreiber von Wildgattern im gesamten Freistaat Sachsen haben weiterhin die Möglichkeit, sich Herdenschutzmaßnahmen (mobile Elektrozäune, Herdenschutzhunde, „Flatterband“, Unterwühlschutz bei Wildgattern) zu 80% der Nettokosten fördern zu lassen.

Bei Fragen zu Herdenschutzmaßnahmen oder zur Förderung solcher wenden Sie sich als Tierhalter bitte an die Landratsämter der Landkreise, die Außenstellen des Sächsischen Landesamtes für Umwelt Landwirtschaft und Geologie (LfULG) in Kamenz, Mockrehna und Zwickau oder an einen der folgenden Mitarbeiter:

Zuständig für die Landkreise Görlitz, Bautzen, Meißen und Sächsische Schweiz – Osterzgebirge, sowie die Stadt Dresden ist Herr Klingenberger von der Biosphärenreservatsverwaltung in 02694 Malschwitz OT Wartha, Warthaer Dorfstraße 29 (Tel.: 0172 / 3757 602, E-Mail: andre.klingenberger@smul.sachsen.de).

Zuständig für die Landkreise Nordsachsen, Leipzig, Mittelsachsen, Zwickau, Erzgebirge und Vogtland, sowie die Städte Leipzig und Chemnitz ist Herr Klausnitzer vom Fachbüro für Naturschutz und Landschaftsökologie in 04741 Roßwein, OT Haßlau, Nr. 29a (Tel.: 0151 / 5055 1465, E-Mail: herdenschutz@klausnitzer.org). (Kontaktbüro Wolfsregion Lausitz)  

25.10.2016

Rezension: Blattgeflüster

Blattgeflüster
Die wunderbare Welt der Pflanzen. Aus dem Leben einer leidenschaftlichen Forscherin
Hope Jahren
Ludwig Verlag, 2016
416 Seiten
ISBN 978-3453280694
22,90 €

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Inhalt
Eine hinreißende Geschichte über Pflanzen, Liebe und die Wissenschaft.
Hope Jahren hat das, wovon viele Menschen träumen: einen Beruf, der ihr Herz und ihr Leben erfüllt. Seit sie denken kann, ist die Geo-Biologin fasziniert von der Natur – von Pflanzen, Bäumen, Blättern, Samenkörnern und den unglaublichen Geschichten, die sie uns erzählen, sogar noch in fossiler Form. Wie ist es beispielsweise möglich, dass ein Kirschkern hundert Jahre lang geduldig warten kann, bis er sich auf einmal dazu entscheidet zu keimen? Hope Jahrens Werdegang von der kindlichen Forscherin zur angesehenen Wissenschaftlerin, die sich trotz zahlreicher Hindernisse in einer Männerwelt behauptet, ist eine inspirierende und mitreißende Geschichte voller Leidenschaft, Durchhaltevermögen und ewiger Neugierde. Ein wunderbares Gleichnis über die Kraft der Natur und die Freude des Entdeckens, das einen ganz neuen Blick auf die Pflanzenwelt eröffnet. Seite für Seite. Blatt für Blatt.

Rezension
Die obige Inhaltsangabe des Verlags gibt nicht annähernd die Tiefe und den Facettenreichtum des Buches wider, das mich in seinen Bann geschlagen hat. Darum wird diese Rezension auch wohl etwas länger ausfallen als meine üblichen Buchbesprechungen.
Der Ludwig Verlag hat sich mit unterhaltenden Sachbüchern über Natur und insbesondere Pflanzen und Bäume einen Namen gemacht. (Bespiel: die großartigen Bücher von Peter Wohlleben.) Mit „Blattgeflüster“ ist ein weiteres Buch mit „grünem“ Inhalt erschienen. Und was für ein Buch! In den USA steht es auf den vorderen Plätzen der Bestsellerlisten und wurde von verschiedenen Medien (TIME, Entertainment Weekly) zum „besten Buch des Jahres 2016“ gelistet. Das TIME Magazin nannte die Autorin Hope Jahren sogar eine der „100 einflussreichsten Menschen“. Das ist ein hoher Anspruch. Schauen wir, ob das Buch ihn erfüllen kann.
„Blattgeflüster“ erschließt sich dem Leser nicht so leicht wie die Bücher von Wohlleben. Es ist von einer Wissenschaftlerin geschrieben, und das merkt man ihm an. Dennoch ist es leicht verständlich – soweit das bei den Beschreibungen von detaillierten Laborexperimenten möglich ist. Interessant und spannend wird es besonders, wenn die Autorin aus ihrem Leben erzählt. Im Grunde besteht das Buch aus zwei Teilen: dem biologischen Sachbuch und der Biografie der Autorin. Beide sind miteinander verwoben und wechseln sich kapitelweise ab.
Für mich ist „Blattgeflüster“ weniger ein Pflanzenbuch als die Biografie einer leidenschaftlichen Wissenschaftlerin. Darum trifft meiner Meinung nach der englische Titel auch sehr viel besser zu: „Lab Girl“ (Labormädchen).

Die Autorin
Im Prolog ahnt der Leser schon, was auf ihn zu kommt: Hope Jahren kommuniziert mit uns direkt – „von Wissenschaftler zu Wissenschaftler“ – und nimmt uns mit in ihre Welt.
Die ersten Zeilen sind irritierend und und ungewöhnlich. Die Autorin beschreibt die Perfektion eines Rechenschiebers. Ein Rechenschieber(mit „Degen“ und „Läufer“)! Wissen Sie überhaupt noch, wie so was aussieht? Die Jüngeren unter uns werden sicherlich googeln müssen. Hope spielte als Kind im Labor ihres Vaters mit Rechenschiebern. Mit diesem Buchanfang hat die Autorin meine Neugier geweckt und lässt mich nicht mehr los.
Jahren wuchs in Minnesota auf, einem US-Staat, in dem fast jeder Bürger skandinavische Wurzeln hat. Es ist eine traditionelle Welt, in der Familie und Heimat eine wichtige Rolle spielen. Aber Skandinavier gehören auch nicht gerade zu den redseligen Menschen. Sie sprechen selten miteinander. Und so herrscht auch in der Familie von Hope Schweigen und Kälte – wie in ihrer späteren Laborwelt. Wärme und Zuneigung erfährt sie erst, als sie ihr Elternhaus verlässt.
Ein Kind, das im Labor des Vaters zwischen Betonwänden und Reagenzgläsern aufwächst. (Den Vater erwähnt sie übrigens später im Buch überhaupt nicht mehr.) Was sollte anderes aus ihm werden als ein Wissenschaftler – wenn das Kind nicht ein Mädchen wäre. Frauen hatten in der Zeit, in der die Autorin aufwuchs, keine Chance als Wissenschaftler. Hopes intelligente Mutter brach ihr Chemiestudium ab, weil es nur auf Männer ausgerichtet war. Hope strebte danach, das Leben ihrer Mutter zu vollenden. Sie studierte zunächst Literatur, fühlte sich aber von Anfang an zu Naturwissenschaften hingezogen, unter anderem, weil sie ihr ein Zuhause boten, einen „sicheren Ort“. Und so baute sie ihre eigenen Labore (insgesamt drei) entsprechend ihrer persönlichen Bedürfnisse und Wünsche, um den Räumen Leben einzuhauchen. Wenn die Autorin ihre Labore beschreibt, spüren wir eine außergewöhnliche Wärme und Liebe zur Einrichtung, so wie unsereins vielleicht unser Wohnzimmer schildert. Eine Wärme, die sie offensichtlich nicht Menschen gegenüber empfingen kann – im Gegensatz zu ihrer Arbeit, über die sie mit großer Leidenschaft schreibt und die den Leser erkennen lässt: Diese Frau ist einzig und allein für die Wissenschaft geboren und bestimmt.
„Blattgeflüster“ gibt uns einen Einblick in die Welt der Forscher und das Schaffen von Wissenschaftlern an Universitäten: harte Arbeit, lange Arbeitszeiten, den Druck, Erfolge zu präsentieren, das ständige Betteln um Gelder für Materialen, für Löhne der Mitarbeiter und für Fördergelder. Das eigentliche Forschen nimmt da nur einen geringen Teil ein, was für eine Frau, die nichts anderes kennt (und will) extrem frustrierend sein muss.
Wie besessen Hope von ihrer Arbeit ist, merkt man, wenn sie eine Begebenheit schildert, bei der sie als erste eine wissenschaftliche Entdeckung macht, die sie einzigartig macht. Ein bedeutendes Ereignis, das sie zum Weinen bringt: „Kurz ein kleines Geheimnis zu besitzen, das vom Universum nur für mich gedacht war ...“
Aber nach und nach entdecken wir mehr verwirrende Anzeichen im Charakter der Autorin und ahnen, dass sie psychisch gestört ist: Sie kaut an ihrem Handrücken, bis er blutet, hat manchmal Erinnerungslücken und Angststörungen, und wir erfahren später im Text, dass sie manisch-depressiv ist. An einer Stelle schildert sie einen solchen Zusammenbruch brutal und erschreckend ehrlich. Danach verstehen wir besser, warum sich die Forscherin immer wieder in ihr Labor zurückzieht, den einzigen sicheren Ort, den sie kennt.
Jahrens Kommentare über Sexismus im akademischen Umfeld sind detailliert und machen mich wütend. Der Leser erkennt, wie Wissenschaft in der Realität praktiziert wird und wie unglaublich hart jemand (der noch dazu unter einer mentalen Krankheit leidet) kämpfen muss, um seine Forschung zu finanzieren

Bill
Bill ist Hopes Mitarbeiter und ihr Seelengefährte. Die beiden verbindet eine einzigartige Freundschaft, die Jahren mit so großer Zärtlichkeit schildert, dass man immer wieder geneigt ist, auf eine Liebesbeziehung zu hoffen. Aber Hope liebt und heiratet einen anderen Mann, mit dem sie auch einen Sohn bekommt. Dieser Mann taucht im Buch kaum auf, scheint aber verständnisvoll und vermutlich auch leidensfähig genug zu sein, um die enge Beziehung zu Bill zu dulden.
Hope und Bill arbeiten zusammen, bauen gemeinsam neue Labore auf und erforschen Pflanzen, Bäume, Samen und Erde in aller Welt. Beide arbeiten durchschnittlich 16 Stunden täglich – genauer gesagt nachts. Bill ist ihr Angestellter, wird jedoch kaum oder nur schlecht von ihr bezahlt. Darum muss er in seinem alten VW-Bus leben. Es hat mich irritiert, dass die Wissenschaftlerin ihren Partner, der ihr eine so große Hilfe ist, nicht besser bezahlen kann. Ebenso Jahrens schlechte Behandlung und Herabwürdigung ihrer Studenten. Gerade sie, die aus eigener Erfahrung wissen muss, wie man sich als Student in der Forschung fühlt, geht ohne Rücksicht auf die Gefühle anderer ihren Weg. Beim Lesen habe ich mich gefragt, ob am Ende der Preis der Forschung und der Wissenschaft die Menschlichkeit ist. Vielleicht muss jeder, der absolut besessen von seiner „Sache“ ist, auch bereit sein, diesen Preis zu bezahlen?

Die Pflanzen
„Blattgeflüster“ ist auch ein Pflanzenlehrbuch. Wir erhalten faszinierende Einblicke in die Welt der Pflanzen, Bäume und Moose, verständlich geschrieben und poetisch zugleich. Jahren beschreibt diese Lebewesen, die uralten Bewohner unseres Planeten, voller Schönheit und Wertschätzung. Seit Wohllebens Baumbüchern wissen wir, wie interessant Bäume sein können. Hier können wir dies auch über andere Pflanzen erfahren. Die Autorin verbindet biologische Lektionen mit interessanten und humorvollen Geschichten. Dabei definiert sie auch ehrlich ihre Daten und deckt ihre Quellen auf, was in der Welt der Wissenschaft sehr ungewöhnlich ist.

Fazit
„Blattgeflüster“ ist eine eloquente Demonstration, was geschehen kann, wenn jemand die Ausdauer, Leidenschaft und den Willen zur Aufopferung findet, um sein Leben dem zu widmen, was er wirklich liebt und im Laufe dieser Arbeit den Menschen zu entdecken, der er zu sein bestimmt ist.
Hope Jahren schreibt brillant und drückt die Erfahrungen und Gefühle ihres Lebens als Wissenschaftlerin erstaunlich klar aus. Das Buch verknüpft botanische Informationen mit Einblicken in die Arbeit und das Denken der wissenschaftlichen Welt, die Rolle von Frauen in der Forschung und das Leben eines bipolaren Menschen.
Allen jungen Frauen da draußen, die sich für eine wissenschaftliche Karriere interessieren, sei dieses Buch besonders ans Herz gelegt – und dazu als „Warnung“ die Erkenntnis der Autorin: „Wissenschaft ist Arbeit. Nicht mehr und nicht weniger.“
Im Epilog gibt die Autorin allen Lesern einen wunderbaren Tipp: „Pflanzen Sie einen Baum“ und empfiehlt den entsprechenden Baum dazu. Ich schließe mich an: Pflanzen Sie einen Baum und lesen Sie dieses Buch. (ehr)

Der Wolf in Niedersachsen - Vielleicht wäre Rotkäppchen heute eine gute Wolfsberaterin?

(Video: Niedersächsische Landesregierung)

24.10.2016

Mecklenburg-Vorpommern: 7 Wolfswelpen in Fotofalle getappt

Die in Mecklenburg-Vorpommern bekannten Wolfsrudel haben erfolgreich Nachwuchs großgezogen. Auf der Naturerbe-Bundesfläche Lübtheener Heide bestätigen Fotofallenbilder 4 Welpen, in der Ueckermünder Heide wurden 3 Welpen nachgewiesen. Beide Wolfsrudel ziehen seit 2014 jährlich Nachkommen auf. Das Wolfsmonitoring mit Fotofallen wird in diesen beiden Gebieten von den Bundesforstbetrieben Trave und Vorpommern-Strelitz der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA) durchgeführt.

„Die Welpennachweise bestätigen unsere Erkenntnis, dass sich die Wolfsvorkommen weiter entwickeln werden. Wir haben entsprechend Vorsorge getroffen und mittlerweile das ganze Gebiet Mecklenburg-Vorpommerns mit Ausnahme der Ostseeinseln zum Wolfsgebiet erklärt“, betont Dr. Till Backhaus, Minister für Landwirtschaft, Umwelt und Verbraucherschutz M-V.

Dennoch seien Tierhalter angehalten, die Schutzmaßnahmen für Schaf- und Ziegenherden gemäß den Anforderungen aus dem Wolfsmanagementplan anzuwenden. Nur dann werden Schäden der Tierhalter, die durch Wölfe verursacht wurden, gemäß der 2013 in Kraft getretenen Förderrichtlinie Wolf – FöRiWolf M-V zu 100 % ausgeglichen. Auch unterstützt das Land Tierhalter bei Präventionsmaßnahmen, die über einen Grundschutz hinausgehen mit bis zu 75 %

Weiterhin gilt inzwischen als gesichert, dass der Wolfsrüde aus der brandenburgischen Kyritz-Ruppiner Heide 2016 ein eigenes Rudel begründet hat. Im Rahmen seiner Streifzüge nutzt er auch die Region südlich der Müritz in Mecklenburg-Vorpommern.

Weitere Informationen zur FöRiWolf M-V und zum Wolfsmonitoring finden Sie auf der Homepage des Landesamts für Landwirtschaft, Umwelt und Geologie oder auch auf www.wolf-mv.de

 Hintergrund
Seit dem Jahre 2000 gibt es wieder dauerhafte Vorkommen wildlebender Wölfe in Deutschland. In Mecklenburg-Vorpommern wurde der erste sesshafte Einzelwolf im Jahre 2006 bestätigt. Bis zum Jahr 2013 war insgesamt von 3 Einzeltieren auszugehen (im Bereich der Naturerbe-Bundesfläche Lübtheener Heide, der Ueckermünder Heide und in der südlichen Müritz-Region im Grenzbereich zwischen den Ländern Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern).

Im Juli 2014 konnte durch Fotobelege nachgewiesen werden, dass die Wolfspaare auf der Naturerbe-Bundesfläche Lübtheener Heide und der Ueckermünder Heide Welpen aufziehen.

Auch im Jahr 2015 wurden in der Naturerbe-Bundesfläche Lübtheener Heide mindestens 6 und in der Ueckermünder Heide mindestens 7 Welpen per Fotofalle nachgewiesen. (PM Nr.338/2016  | 24.10.2016  | LU  | regierung-mv.de)
 

20.10.2016

Zwei tote Wölfe im Landkreis Bautzen

Am 15.10.2016 wurde bei Rehnsdorf (Gemeinde Elstra, LK Bautzen) ein toter erwachsener, männlicher Wolf von Spaziergängern gefunden und gemeldet. Die genetische Untersuchung soll Informationen zu seiner Identität liefern.
Die Untersuchung des Kadavers am Leibniz Institut für Zoo- und Wildtierforschung (IZW) in Berlin zeigte, dass der Wolf an Auszehrung, also eines natürlichen Todes gestorben ist. Das Tier hatte eine Verletzung (Riss oder Schnitt) an der Innenseite der Lippen, welche sich stark entzündet hatte. Dies sorgte offenbar dafür, dass der Wolf seit längerer Zeit keine Nahrung und ggf. kein Wasser mehr zu sich nehmen konnte und deshalb verhungert bzw. verdurstet ist.

Am frühen Morgen des 19. Oktobers 2016 wurde auf der Straße zwischen Bernsdorf und Leippe (LK Bautzen) ein Wolfswelpe von einem Auto angefahren. Der männliche ca. 5 Monate alte Welpe überlebte den Unfall, schleppte sich noch einige Meter von der Fahrbahn und blieb dann liegen.
Die Polizei informierte daraufhin das LUPUS Institut, welches seinerseits einen Tierarzt hinzu zog. Dieser betäubte den Wolf und brachte ihn zur Untersuchung in seine Praxis. Dabei wurden mehrere Knochenbrüche und innere Verletzungen festgestellt, wodurch eine Heilung und Wiederfreilassung des Tieres ausgeschlossen wurde. Aufgrund dessen wurde der Wolf nach Erteilung der  Ausnahmegenehmigung des Landratsamtes Bautzen von dem  Tierarzt eingeschläfert.

Der Kadaver des Welpen wurde anschließend zu weiteren Untersuchungen und Forschungszwecken an das IZW in Berlin gebracht. Die Untersuchung dort bestätigte, dass der Welpe vor längerer Zeit, bereits in sehr jungem Alter, beschossen wurde. Die bei der tierärztlichen Untersuchung gemachten Röntgenaufnahmen hatten bereits Hinweise darauf gegeben. Das Landratsamt Bautzen wird Anzeige gegen Unbekannt erstatten.

Das Gebiet, in dem der junge Wolf angefahren wurde, gehört vermutlich zum Territorium des im letzten Jahr neu etablierten Berndorfer Wolfspaares. Falls die genetischen Untersuchungen dies bestätigen wäre damit für 2016 eine erste Reproduktion dieses Paares nachgewiesen. (Foto: Berndorf-Welpe bei der Untersuchung © LUPUS)