29.05.2016

Dringend: Wolfshelden aktuell auch in Bayern gesucht

Neue regionale Ansprechpartner gesucht für WikiWolves Bayern

Rechtzeitig bevor Wölfe sich langfristig im Süden Deutschlands niedergelassen haben und
Herdenschutz zu einer akuten Herausforderung für Nutztierhalter wird, haben sich bereits
die ersten WikiWolves-Freiwilligen in Bayern gefunden. Auch von Seiten des
Landesschafzuchtverbandes besteht bereits Interesse an frühzeitigen Freiwilligenaktionen.
Zu unserem Bedauern verschlägt es nun unseren bisherigen WikiWolves-Ansprechpartner
für Bayern in andere Gefilde. Daher suchen wir Leute, die sich vorstellen können das Amt
gemeinsam weiterzuführen. Da Bayern groß ist, wäre es wünschenswert, wenn sich ein
Team zusammenfindet, das über Bayern verteilt gemeinsam die WikiWolves-Aktivitäten
aufbaut und koordiniert. Ideal wäre je ein/e Ansprechpartner/in für Franken, Ostbayern
(Niederbayern, Oberpfalz), Oberbayern und Allgäu/Schwaben
.

Wenn du
  • in Bayern lebst,
  • dich für ein konfliktarmes Nebeneinander mit Wölfen einsetzen möchtest, aber auch
    Verständnis für die Situation von Tierhaltern mitbringst, die über die Rückkehr der
    Wölfe weniger oder überhaupt nicht erfreut sind,
  • dich mit Herdenschutz auskennst und/oder Interesse hast, dich mit der Thematik
    weiter auseinanderzusetzen,
  • Zeit und Motivation mitbringst, auf ehrenamtlicher Basis ein WikiWolves-Netzwerk in
    deiner Region aufzubauen, mit Leben zu füllen und zu koordinieren, und dafür ggf.
    notwendige finanzielle Unterstützung eintreibst, 
  • Lust hast auf den Austausch mit den anderen regionalen Ansprechpartnern und
    zusammen mit ihnen und ihren Mitstreitern die Initiative WikiWolves weiter zu
    gestalten, und 
  • Lust hast auf spannende und inspirierende neue Begegnungen …
… dann melde dich bei:
Nathalie Soethe (allg. Koordinatorin von WikiWolves): nordost@wikiwolves.org, oder
Stefanie Jaeger (Louisoder Umweltstiftung, München): stefanie.jaeger@umweltstiftung.com

Danke für die wölfische Hilfe.




27.05.2016

Echte Wolfshelden – Freiwillige gesucht!

Immer wieder bekomme ich Anfragen von Menschen, die mehr für die Wölfe tun möchten, die sich persönlich einbringen wollen. Jeder, der Wölfe liebt und zu ihrem Schutz beitragen möchte, kann etwas tun. Ihr könnt
  • euch über Wölfe informieren, damit ihr so gut wie möglich aufgeklärt seid, z.B. durch das Lesen von Fachbüchern (Danke!)
  • einer Organisation beitreten, die Wölfe und die Natur schützt (Danke!)
  • ganz bequem vom Sessel aus Abstimmungen und Online-Petitionen unterschreiben (Danke!)
  • rausgehen, euch die Hände schmutzig machen und arbeiten - s.u. (DANKE!!!).
Anpacken statt reden
Wir wissen alle, dass die Akzeptanz der Wölfe in der Bevölkerung drastisch sinkt, sobald sie anfangen, Nutztiere zu töten. „Dann müssen die Schäfer eben aufrüsten“, ist die saloppe Aussage mancher Wolfs- (nicht: Menschen-)freunde. „Dafür kriegen sie ja Unterstützung vom Staat.“
Nun, so einfach ist das nicht. Aufrüsten kostet viel Geld und Zeit und zudem starke Nerven beim Ausfüllen der Anträge für die Zuschüsse zum Zaunbau und zum Herdenschutz. Außerdem muss meist sehr schnell etwas passieren, wenn ein Wolf auftaucht. Was dann?
Hier enden oft die Pro-Wolf-Lippenbekenntnisse. „Sollen die doch sehen, wie sie klar kommen. Ist nicht unser Problem.“
Ist es doch! Denn wenn wir wollen, dass der Wolf auch bei den Bevölkerungsgruppen akzeptiert wird, die unter ihm zu leiden haben, dann müssen wir aufhören, ihn nur schön zu reden, sondern wir müssen mit anpacken und unseren Worten Taten folgen lassen.

Wie geht das?
WikiWolves macht es uns vor. WikiWolves ist eine bisher noch viel zu wenig bekannte Organisation von Freiwilligen, die Halter von Schafen, Ziegen, Gatterwild, Rindern, Pferden, Alpakas und alle sonstigen Tierhaltern, die durch die Rückkehr der Wölfe einen Mehraufwand haben, ganz praktisch beim Herdenschutz zu unterstützen. Die Initiative wurde vor etwas einem Jahr von einem Mitglied des Freundeskreises freilebender Wölfe e.V. ins Leben gerufen. Die Helfer bauen in Wochenendeinsätzen in Rücksprache mit den Nutztierhaltern Zäune oder unterstützen bei Fragen zum Herdenschutz.
Das WikiWolves-Netzwerk vermittelt auch Praktikumsplätze oder längerfristige individuelle Aufenthalte in Schäfereien oder landwirtschaftlichen Betrieben.

Wichtig auch: Es ist NICHT das Ziel von WikiWolves, aus allen Nutztierhaltern Wolfsfreunde zu machen oder die Belastung von Tierhaltern durch Wölfe kleinzureden!

Echte Wolfshelden
Für mich persönlich sind diese Freiwilligen echte Wolfshelden und ich wünsche mir, dass sie viel Unterstützung erhalten. Also – an euch alle da draußen, die ihr wollt, dass der Wolf wieder akzeptiert wird: Das ist eure Gelegenheit, etwas zu tun. Ihr könnt:
  • Wölfen helfen
  • Nutztiere schützen
  • Nutztierhalter glücklich machen
  • ganz praktisch selbst etwas Gutes tun (persönliche Befriedigung).
Aktuell werden Freiwillige gesucht für folgende Regionen:
- Niedersachsen: Nordöstlicher Teil (Raum Nordheide, Lüneburg, Wendland, Ülzen, Celle...)
- Berlin Brandenburg
- Mecklenburg Vorpommern
- Schleswig Holstein
- Sachsen: Vogtland und Erzgebirge
- Bayern: Raum Berchtesgaden

Mehr ...

NDR-Bericht über WikiWolves hier

Stellungnahme des Landschaft- und Ziegenschutzverbandes Mecklenburg-Vorpommern

Alle Informationen zu WikiWolves findet ihr hier:
www.wikiwolves.org 


Die Wolfshelden im Einsatz

 Foto © Rutger Matthes

Foto © Nathalie Soethe

Foto © Rutger Matthes

23.05.2016

Bayern: Genetische Analyse bestätigt Wolfsriss im Landkreis Nürnberger Land

Ende April wurde im nordöstlichen Landkreis Nürnberger Land ein Schaf tot aufgefunden, ein weiteres Tier wurde verletzt und musste tierärztlich behandelt werden. Fundumstände und Fraßmuster ließen zunächst auf einen Fuchs als Verursacher schließen. Zur weiteren Abklärung beauftragte das Landesamt für Umwelt die genetische Analyse gesicherter Speichelspuren. Nach den nun vorliegenden Ergebnissen können diese eindeutig einem Wolf zugeordnet werden. Weitere Untersuchungen zu Geschlecht und Herkunft des Wolfes wurden veranlasst. Das Landesamt für Umwelt steht im engen Kontakt mit den betroffenen Nutztierhaltern und berät diese insbesondere hinsichtlich Maßnahmen zum Herdenschutz. Der den Nutztierhaltern entstandene Schaden wird über den „Ausgleichsfonds Große Beutegreifer“ ausgeglichen.
Anfang April 2016 wurde im nordöstlichen Landkreis ein Wolf von einer automatischen Kamera zur Wildtierbeobachtung fotografiert. Seit Ende April liegen dem LfU keine weiteren Hinweise auf eine mögliche Wolfsanwesenheit im Landkreis vor.

Die Behörden, Interessenverbände und Nutztierhalter vor Ort wurden informiert.

„Häufig gestellte Fragen (FAQs)“ fasst das LfU in seinem Internetangebot zusammen.

20.05.2016

Rezension: Der WALDEN Field Guide

Der WALDEN Field Guide: Das ganze Jahr unterwegs in Deutschland
Barbara Lich
Ullstein Taschenbuch, 2016
240 Seiten
ISBN 978-3548376608
12,00 €

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Inhalt
Vier Jahreszeiten, zwölf Monate, mehr als 100 Naturtipps: Der WALDEN Field Guide ist das Programmbuch für Deutschlands Flora und Fauna. Wer balzt? Wer laicht? Wer fliegt gen Süden? Wer kehrt heim? Was wächst? Was blüht? Wer paart sich unterm Blätterkronendach, in den Nordseefluten, in den Bergen? Und welches Naturschauspiel sollte man sich in welchem Monat unbedingt ansehen?

Rezension
Das Buch „Der WALDEN Field Guide“ basiert auf dem Magazin WALDEN. Meine erste Online-Recherche führte mich daher zur Redaktion des Magazins.
WALDEN – „Das Outdoor Magazin der anderen Art“ steht auf der Webseite des Magazins.
Fein. Gefällt mir. Ich bin ein Outdoor Fan und lebe seit einem Vierteljahrhundert in der Wildnis. Passt.
Dann lese ich beim Verlag Gruner & Jahr das „redaktionelle Profil“ des Heftes:
„WALDEN ist das neue Magazin vorwiegend für Männer, das authentisch vom Draußen-Sein und -Erleben erzählt.“
Nee, oder? Was soll denn dieses sexistische Profil? Gibt es etwa keine Frauen, die gerne Draußen sind? Eigentlich möchte ich das Buch ohne einen weiteren Blick hinein in die Ecke feuern. Solche Vorurteile und solches Machogehabe ist mega-out.
Was mich jedoch am Wegwerfen hindert ist zum Einen die Tatsache, dass die Autorin des „WALDEN Field Guide“ eine Frau ist (Barbara Lich) und zum Anderen natürlich der Titel.
Als großer Fan von Henry David Thoreau habe ich unzählige Male zu unterschiedlichen Lebenszeiten „Walden oder Leben in den Wäldern“ verschlungen und sogar mehrmals seine Blockhütte am Walden Pond in Concord (Massachusetts) besucht. Also sollte das Buch seine Chance bekommen.
Mein Fazit: Es hat sich gelohnt! Dies ist ein sehr ungewöhnlicher „Field Guide“. Ein passendes deutsches Wort fällt mir nicht ein, denn es handelt sich nicht um ein Bestimmungsbuch, sondern will ein „Programmheft für Flora und Fauna in Deutschland“ sein. Es führt uns ein ganzes Jahr lang Monat für Monat durch Deutschland, beginnend mit allgemeinen Infos in der „Monatsstatistik“, gefolgt von dem „Tier des Monats“ und weiteren Kreaturen, Ereignissen, Fragen und Tipps. Originell, lustig, lehrreich und ungeheuer unterhaltend, ergänzt durch großartige Illustrationen von John Coe ist es kein einfacher Naturführer, sondern eine sehr lesenswerte, liebenswerte Lektüre. Ich werde es ganz sicher für meine nächste Wildnistour einpacken …

Ein Rat an meine weiblichen Geschlechtsgenossinnen: Lasst euch nicht von den „Machern des erfolgreichen Männermagazin“ verwirren. Trotz des Macho-Profils der Redaktion des „WALDEN Magazins“ ist der „WALDEN Field Guide“ grandios und absolut lesenswert – besonders für uns Wildnisfrauen. (ehr)

19.05.2016

Rezension: Wohllebens Waldführer

Wohllebens Waldführer: Tiere und Pflanzen bestimmen - das Ökosystem entdecken
Peter Wohlleben
Ulmer 2016
256 Seiten
ISBN 978-3800103218
17,90 €

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Inhalt
Der bekannte Förster Peter Wohlleben stellt Ihnen in seiner erfrischend unkonventionellen Art über 250 Tiere und Pflanzen des Waldes vor. Er beleuchtet die Zusammenhänge zwischen den einzelnen Waldbewohnern und den Funktionen des Waldes sowie die Einflüsse von Förstern und Jägern. Begegnen Sie bekannten, aber auch unbekannten Arten mit neuem Blick: Warum hilft der Wolf den Bäumen? Was richtet der Feldhase im Wald an? Was bedeutet es, wenn der Dachs da ist? Was stimmt nicht, wenn sich kein Weidenröschen einfindet? Was erzählt uns die Bartflechte über den Wald? Peter Wohlleben beantwortet Fragen zum Ökosystem Wald, betrachtet dabei kritisch die gängige Waldnutzung und zeigt Alternativen auf.

Rezension
Wer einmal einen Waldspaziergang mit Peter Wohlleben live miterlebt hat, dem ist klar, dass kein Buch-Waldführer der Welt dem gleich kommt. Aber nicht jeder kann in die Eifel fahren, um dies zu erleben – auch wenn ich es sehr empfehle.
Somit bietet das Buch eine gute Alternative. In seiner einzigartigen für jeden verständlichen Art beschreibt der Autor die Bewohner des Waldes und bringt uns so die Natur näher.
Das Buch ist kein trockenes, wissenschaftliches Bestimmungsbuch; das entspräche auch nicht der Art des Autors, der die Natur liebt statt sie wissenschaftlich „abzuhaken“, und der die besondere Begabung hat, dies an seiner Leser und Fans weiterzugeben. Wohlleben hat mit seinen Büchern die Natur wahrlich erlebbar und erfühlbar gemacht.
Der Aufbau des Buches ist schlicht und klar mit wunderschönen Farbfotos und einer kurzen, einfachen Erklärung. Mehr lässt der Platz auch nicht zu, schließlich soll es ja vom Gewicht her noch in den Rucksack passen.
Besonders fasziniert hat mich auch das Kapitel „Hinter den Kulissen“ (ab S. 224), in dem ich einige Informationen aus „Menschenspuren im Wald“ kürzer erklärt wiedergefunden habe. Und natürlich finden wir auch hier all die wunderbaren  Bäume wieder, die die Faszination des Bestsellers "Das geheime Leben der Bäume" ausmachen.
Mit „Wohllebens Waldführer“ gehen wir auf ökologische Entdeckungsreise. Und niemand kann uns dabei so schön führen wie der Autor selbst – auch wenn eine Live-Führung die optimale Alternative wäre …(ehr)

18.05.2016

Mecklenburg-Vorpommern: Projekt von Jagd und Naturschutz passt Wildtiermanagement an Wolfsverhalten an

Mit der Rückkehr der Wölfe nach Deutschland ergeben sich für die Jäger eine Reihe von zusätzlichen Aufgaben und Herausforderungen. Die Jagd wird teilweise schwieriger und der Anteil der Wolfsbeute muss bei einigen Wildarten im Jagdbetrieb und Wildtiermanagement berücksichtigt werden. In einem Gemeinschaftsprojekt von Jagd und Naturschutz in Mecklenburg-Vorpommern werden nun die Wechselwirkungen von Wolf und Damwild untersucht, um die Entwicklung der Damwildbestände und deren effiziente Bejagung langfristig einschätzen zu können.
„Ich freue mich sehr, dass Jäger, Forstleute und Naturschützer in unserem Land die Rückkehr des Wolfes und die damit verbundenen Auswirkungen auf Mensch und Tier intensiv erforschen“, sagte Dr. Till Backhaus, Minister für Landwirtschaft, Umwelt und Verbraucherschutz. Bereits seit 2011 wird eine aus Mitteln der obersten Jagdbehörde des Landes finanzierte Pilotstudie zur Telemetrie von Wölfen mittels GPS-GSM-Halsbandsendern durchgeführt. Das Projekt soll wichtige Daten zu Aktionsraumgrößen, Habitatnutzung, Schlafplätzen und Nahrungsspektrum von freilebenden Wölfen liefern.
Im Rahmen des aktuellen Projekts sollen auf Grundlage erhobener Daten Rückschlüsse auf den Jagdbetrieb und das Wildtiermanagement gezogen werden. Die Telemetrie stellt dabei insbesondere in der Ueckermünder Heide und im Forstamt Jasnitz (Landkreis Ludwigslust-Parchim) ein wichtiges Untersuchungsinstrument dar. Nach der Halsbandbesenderung von Wölfen und ausgewachsenem Damwild sollen künftig auch frisch gesetzte Damkälber mit Miniaturohrmarkensendern markiert werden. In den letzten Wochen wurden 3 Damhirsche und 1 Damtier erfolgreich mittels GPS-Halsbandsender markiert. Auch Wolfskot und gerissene Beutetiere aus dem gesamten Bundesland werden in die Untersuchungen einbezogen.
Das Vorhaben wird in enger Abstimmung zwischen dem Landesjagdverband Mecklenburg-Vorpommern, dem Bundesforstbetrieb Vorpommern-Strelitz der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben, dem Forstamt Jasnitz der Landesforstanstalt und dem Land Mecklenburg-Vorpommern durch die TU Dresden durchgeführt. Finanziell unterstützt wird das Projekt bisher aus Mitteln der Jagdabgabe des Landes Mecklenburg-Vorpommern sowie durch den Deutschen Jagdverband und den Freundeskreis freilebender Wölfe. Die Projektbeteiligten rufen ausdrücklich dazu auf, markiertes Damwild (Halsband und/oder Ohrmarken) nicht zu erlegen und Sichtbeobachtungen unter Angabe der Markierungsnummer zu melden.
(Quelle)

17.05.2016

Wolf im Westerwald durch DNA-Spuren nachgewiesen

Die Überprüfung von DNA-Spuren an gerissenen Tieren in einem Damwildgehege bei Dierdorf im Landkreis Neuwied hat ergeben, dass die DNA von einem Wolf stammt. „Damit steht fest, dass der Wolf erneut nach Rheinland-Pfalz zurück gekehrt ist“, teilte Umweltministerin Ulrike Höfken am Mittwoch mit.

Derzeit werde in Zusammenarbeit mit den hessischen Behörden geprüft, ob es sich bei dem Wolf um das „wolfsähnliche Tier“ handele, das am vergangenen Freitag ca. 90 Kilometer entfernt bei Marburg (Hessen) tot aufgefunden wurde.  „Wölfe sind vorsichtige Tiere, die Menschen aus dem Weg gehen“, erklärte Höfken. Sie  wies darauf hin,  dass Experten von der Stiftung Natur und Umwelt Rheinland-Pfalz und der Forschungsanstalt für Waldökologie und Forstwirtschaft in Trippstadt als Ansprechpartner bereit stehen und über den Umgang mit Wölfen informieren. Insbesondere auch für Landwirte und andere Tierhalter wurde dazu eine Telefon-Hotline eingerichtet.

In dem Wildgehege bei Dierdorf  waren am 24. April acht Damwild-Tiere tot aufgefunden worden. In der Nacht zum 26. April wurde dort ein weiteres Tier tot aufgefunden. Die Tiere waren durch gezielte Kehlbisse getötet worden, was auf einen Wolf hindeutete.  Zur näheren Klärung wurden Spuren gesichert. Ein Kadaver wurde in das Landesuntersuchungsamt (LUA) in Koblenz transportiert. Zudem wurden DNA-und Haarproben genommen. Mit dem Befund des LUA verdichteten sich die Hinweise auf die Tötung durch einen Wolf.  Gestern Abend teilte das Senckenberg Institut für Wildtiergenetik mit, dass bei der Untersuchung der Proben die DNA eines Wolfs nachgewiesen wurde. Nach derzeitigem Stand sei davon auszugehen, dass das Tier aus der nordosteuropäischen genetischen Linie stammt. Zur weiteren Identifizierung und Zuordnung des Wolfes werde das Senckenberg Institut genauere Analysen durchführen. Der Schaden, den der Wolf durch die Risse verursacht hat, wird derzeit ermittelt und dem Besitzer des Wildgeheges zeitnah beglichen.

2012 war im Westerwald in Rheinland-Pfalz der erste Wolf nach über 100 Jahren nachgewiesen und später illegal erschossen worden. Im September 2015 wurde ein Reh im Pfälzerwald von einem Wolf gerissen. „Wir haben uns in Rheinland-Pfalz auf die Rückkehr des Wolfes vorbereitet“, erklärte Ministerin Höfken. Gemeinsam mit Schäfern, Tierhaltern, Jägern und Naturschützern sei ein Wolfsmanagementplan erarbeitet worden. Das Land stelle Ansprechpartner und unterstütze Landwirtschaft und Schafshalter. So würden Vorsorgemaßnahmen gefördert und im Schadensfall entschädigt.

Das Umweltministerium werde den Wolfsnachweis im Westerwald aufmerksam verfolgen und weitere mögliche Hinweise aufnehmen, so Höfken. Dabei werden die Experten von der Stiftung Natur und Umwelt Rheinland-Pfalz und der Forschungsanstalt für Waldökologie und Forstwirtschaft in Trippstadt in Abstimmung mit den Jagd- und Bauernverbänden zusammen arbeiten. Sollten sich Wölfe dauerhaft in einem Gebiet ansiedeln,  könne das Land Präventionsgebiete ausweisen. Dort können Tierhalter finanzielle Unterstützung zum Beispiel für wolfsabweisende Zäune erhalten.
(Quelle)

12.05.2016

Rezension: Abenteuer Vertrauen

Abenteuer Vertrauen
Vollkommen, aber nicht perfekt - Was Menschen von Hunden lernen können


Maike Maja Nowak
Mosaik, 2016
368 Seiten
ISBN 978-3442392650
19,99 €

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Inhalt
Ein Hund ist von Natur aus vollkommen – wenn er auch oft nicht perfekt zu unseren Erwartungen passt. Das gilt auch für Menschen: Auch wir erfüllen oft nicht die Anforderungen unseres modernen Lebens und sind dennoch vollkommene Wesen, solange wir im Einklang mit unserer Natur stehen. Maja Nowaks Erlebnisse mit dem Leithund Raida stehen im Zentrum dieses Buches und machen deutlich, wie Hunde uns lehren können, unsere Wahrnehmung zu schulen und zu dem zurückzugehen, was in jedem von uns vollkommen ist.

Rezension
Da „Wanja und die wilden Hunde“ noch immer zu meinen Lieblingsbüchern gehört, habe ich lange auf ein ähnliches Buch der Autorin gewartet und in all ihren anderen Büchern nach einer Hundepersönlichkeit wie Wanja gesucht. Und da ist sie endlich: Raida – störrisch, dickköpfig, unwillig, sich anzupassen oder Leithund sein zu wollen, vermeintlich unerziehbar – so gänzlich anders als Wanja und doch so ähnlich in seiner Einzigartigkeit.
Wir alle kennen das: Wir lieben jeden einzelnen unserer Hunde, und dennoch gibt es immer wieder einmal den besonderen Hund, den wir ein klitzekleines bisschen mehr lieben, weil er uns im tiefsten Inneren berührt und uns hilft, in unserem Leben Grenzen zu überschreiten und/oder uns selbst besser kennenzulernen. Raida ist so ein Hund. Auf seine ganz besondere Art hilft er der Autorin, die Schmerzen und Enttäuschungen ihrer Kindheit aufzuarbeiten, zu verstehen und ihre verletzte Seele zu heilen.
„Abenteuer Vertrauen“ bietet neben zahlreichen Erziehungstipps auch einen Einblick in den Menschen Maja Nowak. Und das macht es für mich zu einem besonderen Lesegenuss.
Die Autorin ist nicht „nur“ Hundeversteherin, Hundeflüsterin oder wie auch immer man sonst das neudeutsch und szenegerecht auch nennen mag. Ihr Geheimnis: Sie liebt Hunde. Schlicht und einfach. Sie möchte ihnen ein gutes, artgerechtes Leben ermöglichen. Das spürt man in jeder Zeile.
Manche Hunde, so wie Raida, sind eine Herausforderung. Statt nach „Schema F“ vorzugehen, zeigt uns die Autorin, dass es sich lohnt, sich mit der Seele eines Hundes zu beschäftigen (und mit der eigenen). Warmherzig, liebevoll und außerordentlich empathisch versucht sie, ihr Gegenüber zu verstehen. Und ganz nebenbei erfährt der interessierte Hundehalter auch noch eine Menge praktischer Tipps für den Umgang mit seinem Vierbeiner.
Es gibt Bücher, die hinterlassen beim Leser ein warmes, glückliches Gefühl wie eine heiße Schokolade und ein Kuschelnachmittag mit dem Hund auf der Couch.
„Abenteuer Vertrauen“ ist so ein Buch! (ehr)

11.05.2016

Rezension: Was blüht denn da?

Was blüht denn da?
Kosmos Naturführer
Marianne Golte-Bechtle, Roland Spohn, Margot Spohn
Franckh Kosmos Verlag, 2015
496 Seiten
ISBN 978-3440139653
19,99 €

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Inhalt
Pflanzenbestimmung mit dem Standardwerk – seit 80 Jahren. Bestimmen Sie ganz einfach über 870 Pflanzen – mit der bewährten Einteilung nach Blütenfarbe und den mehr als 2.000 naturgetreuen Farbzeichnungen. Hinweispfeile markieren wichtige Bestimmungsmerkmale. Aktualisierte Verwechslungsarten und alle Informationen zur Unterscheidung helfen bei der präzisen Bestimmung. Mit mehr als 900 zusätzlichen Detailzeichnungen von Blüten, Blättern, Früchten und Wurzeln. Extra: die häufigsten Bäume, Sträucher und Gräser. Mit „Was blüht denn da?“ bestimmen Sie Pflanzen schnell und sicher!

Rezension
Ein typisches Komos-Bestimmungsbuch in der gewohnten Spitzenqualität, das bei jedem Naturfreund im Bücherschrank stehen sollte.
Mit 880 Gramm ist das Buch ganz sicher kein Leichtgewicht, das man mal eben beim Waldspaziergang in den Rucksack stecken möchte. Für den interessierten Naturbeobachter aber absolut unverzichtbar.
Nach einer allgemeinen Einführung wie Vorkommen der Pflanzen, giftige oder giftige Arten etc. folgt der allgemeine Bestimmungsteil, einfach sortiert nach der Farbe der Blüten und Anzahl der Blütenblätter, sodass auch ein Laie die Pflanzen identifizieren kann.
Das Buch wird angeboten inklusive einem E-Book Download, was ich nicht ausprobiert habe.
Zu schwer für den Rucksack, aber ein sehr hilfreiches Schmuckstück. (ehr)

07.05.2016

Rezension: Besser leben ohne Plastik

Besser leben ohne Plastik
Anneliese Bunk, Nadine Schubert
oekom verlag, 2016
112 Seiten
ISBN 978-3865817846
12,95 €

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Inhalt
Der Honig, den wir uns allmorgendlich aufs Brötchen schmieren, ist mit Mikroplastik belastet. Das Wasser, mit dem der Kaffee gebrüht wird, enthält kleinste Plastikpartikel. Plastik ist zum Sinnbild der Moderne geworden und ist mittlerweile überall – mit gravierenden Folgen für Umwelt und Gesundheit.
Aber geht es wirklich nicht ohne? Anneliese Bunk und Nadine Schubert haben sich diese Frage vor zwei Jahren auch gestellt – und leben heute annähernd plastikfrei. In ihrem Buch zeigen sie, wie und wo man im täglichen Leben Plastik einsparen und ersetzen kann.

Rezension
Plastiktaschen sind der Trend, Jutebeutel und Einkaufskörbe sind „in“. Täglich bekommen wir von den Medien eingeimpft, was wir in Sachen Plastik noch tun dürfen (wenig) oder eher lassen sollen (fast alles). Somit kommt der Ratgeber von Anneliese Bunk & Nadine Schubert zur rechten Zeit.
Das Buch beginnt mit Gefährlichkeit von Plastik und schockiert uns mit den Informationen, in welchen Produkten alles Weichmacher enthalten sind. Wir finden versteckte Plastik in Kaugummi, Kassenzetteln, Kinderbüchern(!), Konservendosen.
Aber Sie müssen nicht gleich ihren gesamten Haushalt ausmisten. Die Autorinnen empfehlen, die vorhandenen Artikel anders zu verwenden und auch länger zu benutzen. Dann wird es konkret.
Einer der wichtigsten Punkte ist „plastikfreies Einkaufen“. Hier erhält der Leser zahlreiche Alltagstipps. Einiges konnte ich nicht umsetzen. Mein Rewe-Markt hat sich strikt geweigert, den Käse in die mitgebrachte Glasdose zu packen – obwohl ich wie vorgeschrieben, den Behälter nur auf den Tresen gestellt habe. Und die Kassiererin konnte ich nur mit Mühe davon abhalten, die vier Pilze, die ich offen auf das Band gelegt hatte, in eine Plastiktüte zu packen. Da nützt also der beste Wille nichts, wenn der Handel nicht mitspielt. Hier muss noch sehr viel Aufklärung geschehen.
Begleitet wird jeder Artikel mit praktischen Tipps und Links zu Webseiten, wo man mehr erfahren kann.
Am Ende des Buches schließt sich ein umfangreicher Teil für plastikfreie Rezeptideen an, von denen ich nicht jede sinnvoll finde. Beispiel: Erdbeersirup für Fruchtjoghurt. Klar, dass im fertigen Fruchtjoghurt 1) kaum Erdbeeren sind und es 2) im Plastikbecher angeboten wird. Aber als Alternative einen Sirup zu machen – mit jeder Menge Zucker – halte ich für keine gesunde Alternative. Stattdessen sollte man einfach zur entsprechenden Jahreszeit Erdbeeren satt essen – plastikfreier geht es nicht.
Ein Serviceteil und Einkauftipps mit Webseiten runden das Buch am Ende ab.
„Besser leben ohne Plastik“ ist ein praktischer Ratgeber für alle, die nicht nur die Meere und die Umwelt retten, sondern auch den Geldbeutel schonen wollen. Man mag vielleicht nicht jeden Tipp umsetzen wollen oder können, aber das Buch schärft auf jeden Fall das Bewusstsein für unser Konsumverhalten und ist darum uneingeschränkt empfehlenswert. (ehr)

06.05.2016

Rezension: Trickkiste Natur

Trickkiste Natur
40 Naturwunder vor deiner Haustür: entdecken - staunen - ausprobieren
Bund Naturschutz Bayern
oekom verlag, 2016
90 Seiten
ISBN 978-3865817853
9,95 €

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Inhalt
Wer weiß, wie man Käfer zum Quietschen verführt, Regenwürmer aus dem Boden lockt oder Kräuter zum Explodieren bringt? Die Natur steckt voller Wunder und kleiner Geheimnisse. Die Umweltpädagogen des BUND Naturschutz stellen in ihrem neuen Taschenführer 40 Naturphänomene vor, für überall, jede Jahreszeit und die ganze Familie. Also nichts wie raus in die Natur!

Rezension
Das kleine Naturheftchen ist ein praktischer Begleiter auf Wanderungen und Naturspaziergängen. Er richtet sich sowohl an Kinder als auch an Erwachsene. Auf jedem Blatt findet man auf der Vorderseite Zeichnungen und Erklärungen und auf der Rückseite „Mehr zum Thema“, für alle, die sich weiter informieren möchten. Am Ende Platz für persönliche Notizen und Links zu ähnlichen Themen. So kann es durch weitere eigene Recherche zum umfassenden Ratgeber erweitert werden.
Die farbliche Sortierung unterteilt in Kräuter, Bäume & Sträucher, Moose, Pilze, Würmer & Weichtiere, Urinsekten & Insekten, Amphibien, Vögel, Säugetiere, mit einem entsprechenden Jahreskalender, in welchen Monaten diese vorzufinden sind.
Besonders interessant finde ich die vielen beschriebenen Naturphänomene, die uns vertraut sind, von denen wir jedoch nur wenig wissen. Wir alle haben als Kinder Pusteblumen, Propellersamen, Springkraut kennengelernt. Aber nur wenige wissen, woher sie kommen und warum sie so sind, wie sie sind. Oder wer hat sich nicht schon einmal über die weiße „Spucke“ im Gras geekelt. Falsch gedacht. Die Schaumtropfen, die am Wiesenschaumkraut hängen, sind Schutzhüllen für kleine Insektenlarven.
„Trickkiste Natur“ entlarvt die Geheimnisse und regt zum Experimentieren an.
Das Format des kleinen Büchleins ist handlich; es passt in die Jackentasche und Ringheftung, zum Umblättern. Ich würde mir wünschen, dass dieser spannende und interessante Naturführer auch an Schulen im Biologieunterricht eingesetzt wird. (ehr)

02.05.2016

Stellungnahme zur Tötung von Wolf MT6

Wurde Kurti "zu Tode geliebt"?

Ich bin um eine persönliche Stellungnahme zur Tötung von MT6 (alias „Kurti“) gebeten worden. Bisher habe ich mich mit einer Beurteilung bewusst zurückgehalten, denn es ist zum einen sehr schwer, etwas zu sagen, wenn man die Berichte nur aus den Medien kennt. Und wir alle wissen, dass viele Medien, wenn es um den Wolf geht, gezielt einseitig und manipulativ berichten. Zum anderen ist die Situation emotional extrem hochgeschaukelt. Ich habe darum im Folgenden nur ein paar Gedanken zusammengefasst.

Als ich vom Abschuss hörte, war mein erster trauriger und resignierter Gedanke: „Du dummer, dummer Wolf. Warum hast du dich in diese Schwierigkeiten gebracht?“
Dann dachte ich: „Gott sei Dank musste er in kein Gehege!“ Ich denke, alle Beteiligten sind sich darüber einig, dass es massive Tierquälerei bedeutet hätte, einen wilden Wolf in einem Gehege unterzubringen.

Ich gehe davon aus, dass die Verantwortlichen sich die Entscheidung nicht leicht gemacht haben. Nicht die Männer, die den Wolf erschießen mussten; sie haben eine „Anordnung zur Gefahrenabwehr“ ausgeführt, und es ist gut, dass ihre Namen nicht veröffentlicht werden. Nicht die Politiker, die ein Jahr lang versucht haben, den Abschuss zu verhindern. Wurde genug getan? Der Wolf hatte ein Halsband erhalten, um zu verfolgen, wo er sich aufhält. Ein Experte aus Schweden war einflogen worden und musste unverrichteter Dinge wieder zurückkehren. Weitere intensive Vergrämungsmaßnahmen gab es anscheinend nicht, was sehr bedauerlich ist.
Wir alle haben gehofft, dass sich das Verhalten des Wolfes ändert. Aber das ist nicht geschehen. Fast ein ganzes Jahr lang hat das Tier gelernt, dass es sich ungestraft Menschen nähern kann. Ich persönlich bin der Auffassung, dass der Wolf gefüttert worden ist und/oder in irgendeiner Form erfahren haben muss, dass eine Annäherung an die Zweibeiner nicht nur keine Konsequenzen für es hat, sondern sogar belohnt wird.

Ob sein Tod gerechtfertig ist oder nicht, lasse ich dahingestellt.
Wurde Kurti „geopfert“, um die Gemüter zu beruhigen? Vielleicht.
War er gefährlich? Vermutlich nicht.
Ist die Regierung Niedersachsens mit dem Wolfsmanagement überfordert? Vieles spricht dafür.
Sind die Polizisten, die ihn getötet und die Politiker, die die Anordnung dazu gegeben haben „brutale Mörder“, als die sie im Internet beschuldigt werden? Natürlich nicht.

Den Wolf zu töten war mit Sicherheit auch eine politische Entscheidung, die wir nicht leichtfertig verurteilen können. Politiker haben eine Verantwortung und zwar allen Menschen gegenüber. Das heißt nicht nur den Jägern, Nutztierhaltern oder Wolfsschützern gegenüber, sondern auch denen gegenüber, die schlicht und einfach Angst vor dem Wolf haben. Das ist nun einmal so. Beim nächsten Hund, den Kurti dann vielleicht von der Leine einer Oma gerissen hätte, wäre das Geschrei groß gewesen.

Jeder weitere Zwischenfall hätte dem Image der Wölfe allgemein geschadet und nur diejenigen bestätigt, die gegen sie sind und „böser Wolf“ schreien. Jetzt werden die über 300 Wölfe in Deutschland, die sich irgendwo in unserer Nähe aufhalten und sich nicht blicken lassen, hoffentlich in Ruhe ihr Leben leben können. Bei den Zweibeinern scheint das dagegen nicht so einfach zu sein.

Als jemand, der schon unzählige Nah-Begegnungen mit wilden Wölfen hatte, stoße ich bei den Menschen an meine Grenzen. Wölfe bringen das Beste und das Schlimmste in uns heraus. So ist das wohl auch hier. Die Hasstiraden, die man im Netz lesen kann, sind erschreckend. Selbst auf den Seiten vermeintlicher Tierschützer. Ich war immer der Meinung, dass Tierschützer auch Menschenschützer sein müssten. Der Hass, die Mord- und Lynchandrohungen gegen die Polizisten zeigen, dass wir jedes Maß für Realität verloren haben, ganz zu schweigen von unserer Empathie für alle Lebewesen.

Wie geht es weiter?
Der Wolf ist tot. Wir können uns darüber aufregen, Mörder schreien, Kriege beginnen, uns anfeinden. Das ändert nichts. Wir müssen es akzeptieren und daraus lernen. Statt uns alle gegenseitig zu bekämpfen – Tierschützer gegen Jäger gegen Behörden – sollten wir noch mehr Energie darauf verwenden, Menschen aufzuklären. Es ist unsere Aufgabe, ihnen begreiflich zu machen, dass ein Wolf, der ihnen plötzlich gegenübersteht, keine Gefahr ist. Dass kein Grund besteht, Angst zu haben, dass sie aber auf keinen Fall verleitet werden dürfen, Wölfe zu füttern. Wir müssen noch mehr informieren, wie sich Wölfe Menschen gegenüber verhalten, denn aufgeklärte Menschen hätten vielleicht von Anfang an, Kurti gegenüber anders reagiert und ihn nicht auf irgendeine Art und Weise ermutigt, sich Menschen zu nähern.

Das gilt ganz besonders auch für die Wolfsfreunde, die das Glück haben, einen wilden Wolf zu sehen und die (verständlicherweise) diesen Augenblick irgendwie "festhalten" und wiederholen möchten. Waren sie ursächlich dafür, dass der Wolf so „zutraulich“ wurde? Ich weiß es nicht. Das muss jeder für sich selbst verantworten. Aber ich lege jedem dringend ans Herz, bei einer Wolfsbegegnung das zu tun, was für uns Wolfsfreunde am schwersten ist: Macht dem Wolf das Leben zur Hölle! Schreit ihn an und jagt ihn fort. Macht euch unbeliebt! Damit rettet ihr ihm vielleicht das Leben.

Hört auf, andere zu beschuldigen, sondern schaut nach vorn. Akzeptiert, was geschehen ist und lernt daraus. Das ist übrigens etwas, das Wölfe genauso machen würden. Wölfe sind wilde, intelligente und hoch soziale Tiere. Genießen wir es, wenn wir sie sehen, aber machen wir sie nicht zu „zahmen“ Gesellen, indem wir sie füttern oder sie ermuntern, sich uns zu nähern. Nur dann war Kurtis Tod nicht umsonst.

Und noch etwas zur Goldenstedter Wölfin. Ich glaube nicht, dass das Geschehen mit Kurti zum Anlass genommen werden kann, sie nun ebenfalls zu töten. Nutztierrisse sind nicht vergleichbar und lassen sich durch Schutzmaßnahmen vermeiden. Allerdings kann man nie wissen, was der Regierung von Niedersachsen sonst noch so alles einfällt ...

Jan Olsson hat eine Online-Petition zum Schutz dieser Wölfin eingestellt. „Mit dem Menschen! Für den Wolf.“ Mehr als 110.000 Unterstützer haben schon unterschrieben. Machen Sie bitte mit und unterschreiben Sie hier die Petition.

Foto © Gunther Kopp

01.05.2016

Mecklenburg-Vorpommern: Hilfe beim Herdenschutz

Um Nutztierhalter beim Herdenschutz gegen Wölfe noch besser unterstützen zu können, setzt das Land zunehmend auch auf freiwillige Helfer und begrüßt selbstorganisierte Initiativen wie WikiWolves, ein Zusammenschluss von Studenten und Berufstätigen aus dem norddeutschen Raum mit unterschiedlichen fachlichen Hintergründen. Auf dem Landschaftspflegehof Müritzhof inmitten des Müritz-Nationalparks schulten Mitglieder der Initiative kürzlich ehrenamtliche Einsatzbetreuer im Umgang mit Nutztieren und beim Bau von Schutzzäunen.

„Mit Freude nehme ich zur Kenntnis, dass sich bei uns im Land Gruppen formieren, die jenseits von Partikularinteressen den Austausch zwischen denen fördern, die sich über die Rückkehr der Wölfe freuen, die sich dafür interessieren, oder aber denen, die konkret davon betroffen sind und den Tieren deshalb weniger wohl gesonnen sind. In der Mitte der Gesellschaft verankert, bergen diese Initiativen großes Potenzial, um fruchtbare Diskussionen anzuregen: über die Bedeutung von Wölfen, aber auch von Landwirtschaft, für uns Menschen und den Naturschutz. Ich selbst habe eine Schäferei besucht, in der ein Mitglied von WikiWolves beratend tätig war – die Arbeit vor Ort hat mich sehr beeindruckt“, betonte Dr. Till Backhaus, Minister für Landwirtschaft, Umwelt und Verbraucherschutz.

„Die Rückkehr der Wölfe nach Mecklenburg-Vorpommern kann nur erfolgreich sein, wenn Schäfer beim Herdenschutz unterstützt werden“, erklärt WikiWolves-Koordinatorin Nathalie Soethe. „Die wirtschaftliche Lage ist für viele Schäfer angespannt. Daran ist der Wolf nicht Schuld, aber ein Wolfsriss kann das Fass für den Tierhalter zum Überlaufen bringen“, so Soethe weiter. Die ehrenamtlichen Einsatzbetreuer sollen den Kontakt zu Schäfern aufbauen und Hilfseinsätze begleiten.

„Die Schulung ehrenamtlicher Einsatzbetreuer, aber auch die 100%-Zuwendungen des Landes bei durch Wölfen verursachten Schäden an Nutztieren, zeigen einmal mehr, dass die Arbeit der Schaf- oder Ziegenhalter und ihr Beitrag zum Landschafts- und Biodiversitätsschutz hochgeschätzt wird“, ergänzte Minister Dr. Backhaus.

Volker Spicher, Mitarbeiter des Nationalparkamts Müritz und Wolfsbeauftragter, referierte im Rahmen der Schulung über das Wolfsmanagement und mögliche Maßnahmen zum Herdenschutz. Die Initiative bezeichnete er als „wirklich tolle Idee“: „Die Freiwilligen unterstützen die Schäfer bei praktischen Präventionsmaßnahmen und der Austausch fördert das gegenseitige Verständnis.“

Igor Heinzel und Andre Neitzel vom Landschaftspflegehof am Ostufer der Müritz übten mit den Teilnehmern verschiedene Zaunbautechniken und den Umgang mit Schafen. Detlef Kracht von der Arbeitsgemeinschaft Herdenschutzhunde e.V. stellte die Arbeit seiner Hunde vor. Eine Exkursion zu den Hütehunden eines Schäfers im Müritz-Nationalpark ergänzte die praktische Ausbildung.

Unterstützt wurde die Initiative von der BUND Ortsgruppe Waren, die einen erfolgreichen Förderantrag bei der Norddeutschen Stiftung für Umwelt und Entwicklung gestellt hatte.

Tierhalter, die praktische Unterstützung bei Herdenschutzmaßnahmen brauchen, können sich unter www.wikiwolves.org informieren.

Weitere Informationen zum Wolf in Mecklenburg-Vorpommern sowie zu den durch das Land M-V angebotenen Fördermöglichkeiten auf Basis der Förderrichtlinie Wolf können auf der Homepage des LUNG M-V www.lung.mv-regierung.de unter „Natur und Landschaft>Artenschutz>Wölfe in Mecklenburg-Vorpommern“ abgerufen werden.