30.06.2016

Niedersachsen: Freilassung eines Wolfswelpen

Weibliches Jungtier abgemagert gefunden – jetzt zum Rudel zurück geführt

Ein am 20. Juni in der Lüneburger Heide von einer Familie gefundener hilfloser Wolfswelpe wurde am 28. Juni wieder zu seinem Rudel zurückgeführt. Dies teilte das Wolfsbüro des NLWKN (Niedersächsischer Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz) mit. Das weibliche Tier war beim Auffinden in einem gesundheitlich schlechten Zustand und stark abgemagert. Es hat jetzt wenige Tage in der Wildtierauffangstation der Wildtierhilfe in Soltau verbracht und wurde dort gesund gepflegt. Der NLWKN hatte das Labor für Wildtiergenetik desSenckenberg-Instituts in Gelnhausen sofort um die Untersuchung einer Genetikprobe gebeten. Schnell stand fest, dass es sich tatsächlich um einen Wolfswelpen handelt; auch die Elterntiere sind bekannt. „Dies war natürlich die Voraussetzung für die Freilassung", heißt es aus dem Wolfsbüro.

Die Freilassung wurde unter Leitung des Wolfsbüros in Abstimmung mit der Unteren Naturschutzbehörde, dem Umweltministerium und der Dokumentations- und Beratungsstelle des Bundes zum Thema Wolf (DBBW) durchgeführt; die örtlichen Wolfsberater haben die Aktion tatkräftig unterstützt. „Für Deutschland ist dies der erste Fall, in dem ein junger Wolfswelpe wieder freigelassen wurde, in anderen Ländern wurde dies bereits erfolgreich praktiziert", so der NLWKN in einer Presseinformation. (Quelle)

Anm. d. Red.: Glückwunsch! Sehr gut gemacht! Zum Schutz der Tiere werden weitere Details zur Freilassung des Welpen nicht veröffentlicht!

Foto © NLWKN

26.06.2016

NRW: Jäger machen Front gegen Ökologisches Jagdgesetz

Seit April 2015 verbietet das neue Ökologische Jagdgesetz (ÖJG) in Nordrein-Westfalen besonders tierquälerische Jagdpraktiken wie die grausamen Totschlagsfallen, die Baujagd, die Ausbildung von Jagdhunden an lebenden Enten und der Abschuss von Hauskatzen. Zudem wurde die Liste mit den zur Jagd freigegebenen Tieren von 100 auf 29 reduziert. Für diese weitreichenden Verbesserungenhatte der Bundesverband zusammen mit diversen Tier- und Naturschutzverbänden gekämpft. Den Jägern missfallen diese Reformen und sie versuchen mit allen juristischen Mitteln gegen das Gesetz vorzugehen.

Derzeit laufen drei Klagen vor dem Bundesverfassungsgericht. Die Jäger wehren sich beispielsweise gegen die sinnvolle Regelung eines Schießnachweises. Dieser soll massives Leid bei angeschossenen Tieren durch schießunfähige Jäger verhindern. Gleichzeitig versuchen die Jäger mit einer Volksinitiative zu erreichen, dass der Landtag sich erneut mit dem Gesetz beschäftigen muss. Experten stufen die Erfolgsaussichten der Jäger insgesamt jedoch als gering ein. Es kann sein, dass sie Änderungen in Details erreichen, wie sie es beim Schießnachweis versuchen. Es ist jedoch unwahrscheinlich, dass das ÖJG in seiner Substanz gefährdet ist. (Quelle)

Eine Einschätzung zu den Erfolgsaussichten der Jäger können Sie bei WDR5 nachhören.

Foto © Gunther Kopp

25.06.2016

Newsletter Wolf & Co Juli 2016

In diesem Newsletter finden Sie ausschließlich bestätigte Wolfsmeldungen – keine Spekulationen und Vermutungen, dass es „eventuell oder vielleicht ein Wolf gewesen sein könnte“. Wolfsmeldungen finden Sie daher hier erst, wenn eine offizielle Bestätigung vorliegt.
Aktuelle Meldungen stelle ich stets auch täglich auf meine Google+ Seite. Folgen Sie den Wölfen dort und nehmen Sie mich in Ihre Kreise auf. Gerne können Sie auch die Beiträge dort kommentieren und mit mir diskutieren.


Wolf/Wild/Allgemein
Wisent, Wildschwein, Schwan - was tun, wenn Tiere angreifen?
Die Natur ist kein Streichelzoo, warnen Forst- und Wildexperten. Selbst Kühe werden unter bestimmten Bedingungen aggressiv und zum Risiko für Wanderer. Mehr …
 
Wolf/Sachsen:
Traumjob auf dem Deich

Maik Hahn ist einer der letzten Schäfer in Sachsen. Reich wird man in diesem Job nicht. Sorgen macht aber vor allem der Wolf. Artikel hier …

Wolf/Brandenburg
Ermittlungen eingestellt. Geköpfter Wolf gibt weiter Rätsel auf

Nach knapp zwei Jahren sind die Ermittlungen zu einem geköpften Wolf in Brandenburg eingestellt worden. Mehr …

Wolf/Baden-Württemberg
Tauziehen um Zuständigkeit für Tierarten und Schutzgebiete

Für den Naturschutz ist in der neuen Regierung das Umweltministerium zuständig. Doch was heißt das für Bär und Biosphärengebiet? Mehr …

Wolf/Niedersachsen:
Verhaltenskodex – ja bitte, aber für wen?

Man hat mir vorgeworfen, dass ich mich regelrecht einschieße auf das Wolfsmanagement in Niedersachsen. Da ist was dran.
Kommentar von Ulrich Wotschikowsky hier …

Wolf/Mecklenburg-Vorpommern
MV zum Wolfsland erklärt: Wenn der Jäger zum Gejagten wird

Die wilden Wölfe sind zurück: Aufgrund ihrer zahlenmäßigen Zunahme hat Umweltminister Till Backhaus jetzt das ganze Land zum Wolfsgebiet erklärt. Mehr …

Goldschakal/Mecklenburg-Vorpommern
Seltenheit bei Greifswald Vermeintlicher Wolf entpuppt sich als Goldschakal

Ein vermeintlicher Wolf bei Greifswald hat sich als ein viel seltener Goldschakal entpuppt. Verschiedene Spezialisten hätten Bilder von dem Tier ausgewertet und seien sich sicher, sagte Kristin Zscheile vom Landesamt für Umwelt, Natur und Geologie (LUNG) am Montag. Sie bestätigte einen Bericht der „Ostsee-Zeitung“ vom Wochenende. Das Tier war vor acht Wochen im Greifswalder Stadtwald in eine Fotofalle getappt, die ein Stadtförster installiert hatte.
Mehr …

Wolf/Hessen
Wolf von Dierdorf kam aus Cuxhafen

Der Wolf, der am 24. und 26. April in einem Damwildgehege bei Dierdorf im Westerwald (Landkreis Neuwied) insgesamt neun Tiere gerissen hat, stammt aus einem Rudel im Landkreis Cuxhaven (Niedersachsen). Mehr …

Luchs/Baden-Württemberg
Plötzlich sitzt Luchs auf Terrasse

Villingen-Schwenningen - Die Begegnung war einzigartig: Da saß doch eine Groß-Katze mit Pinselohren auf der Terrasse... "Kann schon sein", meint der städtische Forstamtsdirektor Tobias Kühn. Doch nicht nur Luchse stehen auf der Liste der Wildtiere, die die Forstleute beschäftigen und für Polemik sorgen.  Mehr …

Luchs/Wolf/Bayern
Wilderer töten geschützte Tiere

Schlimme Zeiten für seltene Tiere in Bayern! 5 Luchse und 3 Fischotter sind seit 2010 im Land getötet worden. Weitere streng geschützte 14 Luchse sind in dem Zeitraum spurlos verschwunden.
Umweltministerin Ulrike Scharf (CSU) schließt nicht aus, dass auch die gewildert wurden. Auch 85 Greifvögel – darunter Habichte, Falken, Bussarde und Rotmilane fielen Wilderern zum Opfer.  Mehr …

Wolf/Schweiz
Städter helfen im Wolfsrevier

Alpen vor Wölfen zu schützen, ist aufwendig. Wo es an Personal fehlt, vermittelt Herdenschutz-Experte Bruno Zähner freiwillige Arbeitskräfte - im Projekt «Hirtenhilfe Schweiz». Vor allem Leute aus urbanen Regionen leisten solche Einsätze. Mehr ...
Anm. d. Red. Auch in Deutschland haben Wolfsfreunde nun die Möglichkeit Wölfen indirekt durch den Bau von Zäunen zu helfen. Siehe unseren Beitrag über WikiWolves hier.

Wolf/Schweiz
Abschusserlaubnis für Wölfe widerrechtlich

Die befristete Abschussbewilligung von zwei Jungwölfen des Calanda-Rudels im letzten Winter war laut dem Bündner Verwaltungsgericht nicht verhältnismäßig. Die Richter hießen eine Beschwerde des WWF gegen die Abschussverordnung teilweise gut. Mehr …

Luchs/Österreich:
30 Monate Jagdkartenentzug für Schuss auf Luchs

Nach ihrer rechtskräftigen Verurteilung wegen des illegalen Abschusses eines Luchses im Nationalpark Kalkalpen war einer Linzer Jägerin die Jagdkarte auf unbestimmte Zeit entzogen worden. Das setzte der Verwaltungsgerichtshof nun gnädig auf 30 Monate herab. Mehr …

Luchs/Österreich
Weitere Luchse gewildert: Jäger und Tierpräparator müssen vor Gericht

Die Justiz setzt die Strafverfolgung von Wildschützen, die in den Nachbarrevieren des Nationalparks Kalkalpen die Kuder ausgerottet haben, fort. Am 9. Juni muss sich der Linzer Pensionist und Jäger Harald W. (64) wegen eines illegalen Abschusses eines weiteren Luchses vor dem Landesgericht Steyr verantworten. Mehr …

Wolf/Skandinavien
Statusbericht zur Wolfspopulation - Erfassungszeitraum Winter 2015-2016

Die Wolfsvorkommen in Schweden und Norwegen gehören gemeinsam zur Skandinavischen Population mit länderübergreifender Ausbreitung. Die jährliche Bestandserfassung, auf der der Statusbericht aufbaut, wird in beiden Ländern im Winterhalbjahr durchgeführt. Mehr …

Wolf/Weißrussland-Ukraine
„Eskalation“ an Grenze Weißrussland-Ukraine: Versöhnungs-Wolf befriedet Zank-Rehe

An der weißrussisch-ukrainischen Grenzregion ist es beinahe zu einem ernsthaften Konflikt gekommen - zwischen Nachbar-Rotwild. Eine Überwachungskamera am Grenzposten Swaryn hat den Streit zweier Rehe aufgenommen, der auf dem offiziellen YouTube-Kanal des weißrussischen Grenzdienstes veröffentlicht wurde. Video hier …

******** ENDE ********

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Newsletter Wolf 
Autoren-Newsletter von Elli H. Radinger

24.06.2016

Wolfssicherer Zaun

Ich recherchiere momentan für das neue Buch von Günther Bloch und mir, und treffe mich dazu mit Menschen, die in irgendeiner Form mit Wölfen zu tun haben oder von ihnen betroffen sind.
Gestern war ich bei der Firma horizont group gmbh in Korbach. Horizont war eine der ersten (und ist bis heute der größte) Hersteller von wolfssicheren Weidezäunen. Benno Spielker zeigt mir hier, wie ein Weidenetz wolfssicher wird.
Über die Möglichkeiten, seine Nutztiere zu schützen, und wie wir mit Wölfen leben können, schreiben wir ausführlich im neuen Buch: "Der Wolf kehrt zurück. Mensch und Wolf in Koexistenz"



23.06.2016

Sachsen: Wolf in Lodau

Wie die Sächsische Zeitung bereits am 07.06.2016 berichtete, wurde am 03.06.2016 um die Mittagszeit auf dem Vorhof eines Grundstücks im Rothenburger O.L. Ortsteil Lodenau (Landkreis Görlitz) ein Wolf beobachtet, wie er die Schwarte (Fell) eines dort am selben Tag zerlegten Wildschweins in das angrenzende Waldstück verschleppte.
Das Landratsamt Görlitz und das LUPUS Institut für Wolfsmonitoring und –forschung in Deutschland wurden umgehend über die Sichtung informiert. Da der Wolf in diesem Fall dabei beobachtet wurde, wie er die kurzzeitig frei auf dem Grundstück liegenden Wildreste wegschleppte, ist davon auszugehen, dass er von diesen angelockt wurde. Um zu beobachten, ob es sich um eine einmalige Gegebenheit handelte oder ob der Wolf wiederholt das Grundstück aufsucht, wurde eine automatische Wildkamera (Fotofalle) im Grenzbereich zwischen Grundstück und Wald aufgestellt. Außerdem wurden bei der Inaugenscheinnahme vor Ort Haare an einem Zaun sichergestellt und zur genetischen Untersuchung eingeschickt.
Aufnahmen der Fotofalle aus der darauffolgenden Nacht, sowie die genetische Untersuchung der Haare haben die Erstannahme bestätigt, dass es sich um einen Wolf handelte. Die Untersuchung ergab den Nachweis eines männlichen Tieres, das keinem der bisher genetisch bekannten Rudel zugeordnet werden kann.
Seitdem lieferte die Fotofalle keine weiteren Aufnahmen eines Wolfes. Auch gab es bisher keine weiteren Sichtungsmeldungen von Wölfen aus diesem Bereich mehr.

Das Gebiet um Lodenau liegt im Grenzbereich von drei bekannten Wolfsterritorien: dem Daubitzer, dem Nieskyer und dem polnischen Ruszow Rudel. Neue Erkenntnisse hinsichtlich einer möglichen Neuetablierung in diesem Bereich könnten sich allerdings ergeben, wenn alle im letzten Monitoringjahr* (2015/2016) gesammelten Daten abschließend ausgewertet sind.
Hinweise aus der Bevölkerung sind sehr hilfreich zur Einschätzung des Vorkommens von Wölfen im Bereich Lodenau. Neben Sichtungsmeldungen sind auch zeitnahe Hinweise auf Losungen (Wolfskot), Spuren oder Risse, wenn möglich mit Fotos, interessant. Bitte melden Sie Hinweise zeitnah an das Landratsamt Görlitz (Tel. 03588 / 2233 3401, forstamt@kreis-gr.de), an das LUPUS Institut für Wolfsmonitoring und –forschung in Deutschland (Tel. 035727/ 57762, kontakt@lupus-institut.de) oder an das Kontaktbüro „Wolfsregion Lausitz“ (Tel. 035772/ 46762, kontaktbuero@wolfsregion-lausitz.de).

Wölfe, die in Kulturlandschaften leben, können  - auch wenn dies selten ist - durchaus am Tage in Ortsnähe gesehen werden, ähnlich wie dies von Füchsen, Rehen oder Wildschweinen bekannt ist. Dies gehört ebenso zum Repertoire des normalen Wildverhaltens, wie die Tatsache, dass Jungwölfe durch ihre Neugierde und Naivität bisweilen eine geringere Fluchtdistanz zu Menschen aufweisen als erwachsene Wölfe.
Dieses Verhalten macht die in der Kulturlandschaft lebenden Wölfe nicht gefährlicher als ihre Artgenossen, die in menschenleeren Gebieten leben oder die bejagt werden, wie auch Erfahrungen aus anderen Ländern belegen. Wichtig ist, dass die Wölfe keine direkten positiven Erfahrungen mit der Nähe von Menschen verknüpfen.
Was aus menschlicher Sicht als Abfall bewertet wird kann aus Sicht des Wolfes Futter sein und diesen anlocken. Grundsätzlich ist in Gebieten mit Wolfsvorkommen darauf zu achten, tierische Abfälle sowie größere Mengen von Speiseresten nicht im Freien liegenzulassen beziehungsweise zu lagern. Dies gilt besonders dann, wenn das Grundstück z.B. sehr nah am Wald liegt und keine geschlossene Abgrenzung zum Wald durch einen Zaun gegeben ist.

Aktuelle Verbreitung in Sachsen

Die Daten für das Monitoringjahr* 2015/2016 werden aktuell noch zusammenfassend ausgewertet. Der abschließende Stand zur Verbreitung von Wölfen in Sachsen für das Monitoringjahr 2015/16 wird deshalb erst im Sommer bzw. Frühherbst bekannt sein.
Im letzten Monitoringjahr 2014/2015* wurden in Sachsen zehn Wolfsrudel und ein territorialer Wolf (Hohwald) nachgewiesen. Im Laufe der letzten Monate konnten zwei neue Rudel bestätigt werden. Es handelt sich dabei um das Gohrischheide- und das Königshainer Berge Rudel. Damit gibt es nach aktuellem Kenntnisstand in Sachsen zwölf Wolfsrudel. Ob die territoriale Fähe im Hohwald-Territorium inzwischen einen Partner gefunden hat, ist noch nicht abschließend geklärt.
Zehn der derzeit bestätigten Wolfsterritorien liegen ganz im Freistaat Sachsen. Drei Territorien sind grenzübergreifend: zwei zu Brandenburg und ein weiteres zur Tschechischen Republik. Darüber hinaus haben drei Wolfsterritorien (Annaburger Heide, Ruszow und Zschorno) einen kleinen Teil ihres Gebiets auf sächsischer Seite. Da der größere Teil der Territorien in anderen Ländern liegt werden sie in den jeweiligen Nachbarländern mitgezählt.
In den Landkreisen Görlitz und Bautzen südlich der A4 gibt es weitere einzelne Nachweise und bestätigte Hinweise auf Wölfe. Dies betrifft die Bereiche Cunewalde, Löbau, Kottmar, Bernsdorf a.d. Eigen und Zittau. Im Rahmen des Monitorings wird hier weiterhin versucht den Status zu klären. (Quelle)

*Im Rahmen des Wolfsmonitorings werden die erhobenen Daten jährlich basierend auf dem Monitoringjahr, nicht anlehnend an das Kalenderjahr, zusammenfassend ausgewertet. Das Monitoringjahr läuft jeweils vom 01. Mai eines Jahres bis zum 30. April des darauffolgenden Jahres. Der Zeitabschnitt umfasst ein biologisches „Wolfsjahr“, von der Geburt der Welpen bis zum Ende ihres ersten Lebensjahres.




Foto © Lupus

17.06.2016

WikiWolves Baden-Württemberg: Schulung zum Stellen von E-Netzen

An alle, die Wölfen helfen möchten

In Kürze findet in Baden-Württemberg von WikiWolves eine Schulung zum Bau von Elektrozäunen statt. Eine tolle Gelegenheit, zu sehen, wie es geht, und sich im vorbeugenden Wolfsschutz zu üben.

Schulung zum Stellen von E-Netzen
Sonntag 24.07.2016
Beginn: 10.00 Uhr
Ort: 74867 Neunkirchen
Unkostenbeitrag: 15 €


Bei der Schulung werden Grundlagen über die Rückkehr der Wölfe, über Nutztierhaltung und den Herdenschutz vermittelt.
Nach einem theoretischen Teil in dem es um Wolf, Schafhaltung und Herdenschutz geht, werden wir uns dem praktischen Zaunbau widmen und 25 Schafe umweiden. Hierbei wird alles Wichtige zum Elektronetz und Zaunbau erklärt.
Den Beteiligten soll vermittelt werden, welcher Aufwand das ist und wie viele kleine Probleme (z. B. zu harter Boden) einen manchmal fast verzweifeln lassen.
Nach getaner Arbeit geht es zum gemeinsamen Pizza essen in einen schönen Biergarten in der örtlichen Pizzeria.

Anmeldung erforderlich, da die Teilnehmerzahl begrenzt ist!

Interessenten melden sich bitte bei Christine Günther: bw@wikiwolves.org
Der genaue Treffpunkt wird nach der Anmeldung bekannt
gegeben. Diese Aktion findet bei jedem Wetter statt!
Bitte entsprechende Kleidung mitbringen.

Eine tolle Gelegenheit für einen aktiven Einsatz. Bitte macht mit und leitet die Mail weiter.


16.06.2016

Brandenburg fördert Herdenschutzhunde

14.06.2016 - Eine lang gehegter Wunsch Brandenburger Weidetierhalter kann ab Montag (13. Juni) in Erfüllung gehen: Brandenburgs Agrar- und Umweltminister Jörg Vogelsänger unterzeichnet in Altlandsberg mit Knut Kucznik – hier in seiner Funktion als Vorsitzender der AG Herdenschutzhunde e.V. - einen Vertrag über die Zuständigkeit zur Zertifizierung und Prüfung von Herdenschutzhunden. Mit der neu gefassten Richtlinie des Ministeriums „Natürliches Erbe“ wird in Brandenburg erstmals der Erwerb von Herdenschutzhunden gefördert.

Mit der Rückkehr der Wölfe haben auch die Übergriffe auf Nutztiere zugenommen. Insbesondere Schäfer, aber auch landwirtschaftliche Wildtierhalter und Weiderinderhalter sind betroffen. Der Einsatz von Herdenschutzhunden hat sich in anderen Ländern bewährt. Zucht und Ausbildung von Herdenschutzhunden sind nicht nur aufwändig, sondern erfordert viel Wissen bei der Ausbildung der vierbeinigen Hüter. Hierbei hat der Internationale Tierschutzfonds IFAW die Brandenburger unterstützt. Die Vereinbarung regelt die Zucht von Herdenschutzhunden, die Ausbildung und Prüfung dieser Tiere durch die AG Herdenschutzhunde e.V.

Weitere Informationen:
Förderung des natürlichen Erbes und des Umweltbewusstseins

Quelle: Pressemitteilung Ministerium für Ländliche Entwicklung, Umwelt und Landwirtschaft des Landes Brandenburg

Video zum richtigen Verhalten gegenüber Herdenschutzhunden auf der Alm.



15.06.2016

Rezension: Brain Games

BrainGames
Intelligenz- und Aktionsspiele für den Hund

Claire Arrowsmith
Kynos, 2016
160 Seiten
ISBN 978-3954640881
19,95 €

Hier können Sie das Buch bestellen

Inhalt
Hunde brauchen mehr als nur Auslauf und Bewegung: Auch ihr Kopf will beschäftigt sein, damit Langeweile und daraus resultierende Verhaltensprobleme gar nicht erst entstehen.
Hier findet der Leser viele neue Ideen für Spiele im Haus, im Garten, auf dem Spaziergang, Spiele für Welpen, für weniger aktive Hunde, für den Fernsehabend, für bestimmte Rassen oder für die Geburtstagsparty – dem Einfallsreichtum sind keine Grenzen gesetzt!
Alle Tricks und Spiele fördern Auslastung, Intelligenz und Zufriedenheit des Hundes und stärken die Bindung zum Besitzer. Anschauliche Schritt-für-Schritt-Anleitungen mit vielen Fotos machen die Umsetzung leicht, Sternchen zum jeweiligen Schwierigkeitsgrad sorgen für zusätzliche Übersicht.

Rezension
Inzwischen ist ja längst bekannt, dass man Hunde nicht mit stundenlangem Spaziergehen allein oder neben dem Fahrrad herlaufen lassen auslasten kann. Hunde sind sehr intelligent und sozialkompetent, was bedeutet, dass ihr Köpfchen ebenfalls gefördert werden will. Problemlösungen entwickeln, Denkaufgaben lösen, Lohnenswerte Interaktionen erarbeiten und alle Sinne ansprechen und Trainieren. Was ist der Hund? Ein Beutegreifer, ein Fährtensucher, ein Jäger, ein soziales, kommunikatives Lebewesen.
Nicht nur an Schlechtwettertagen, sondern generell immer, lohnt es sich, den Hund zu fordern und zu fördern. Ihm Aufgaben zu stellen, aber auch Aufgaben zu geben. Dabei muss der Hund auch einen Sinn erkennen können, warum er dies nun tun soll. Je cleverer der Hund, umso mehr. Dafür ist keinesfalls immer teures, kompliziertes Equipment erforderlich. Vieles lässt sich auch ganz günstig und einfach aus Alltagsdingen kreieren und zusammenbasteln.
Impulskontrolle, Bewegungsmuster (die auch gleichzeitig den Körper und die Koordination stärken, Nasenarbeit, Geschicklichkeit und komplexe Aufgaben mit mehreren Steps, bieten ein abwechslungsreiches Programm, bei dem sowohl mit Futter als auch mit Zuspruch und streicheleinheiten belohnt werden kann. Der Hund wird schnell Freude daran entwickeln und sich eine Selbstbelohnung allein durch die erfolgreichere Meisterung, der an ihn gestellten Aufgaben einstellen. Das fördert die Mensch-Hunde-Bindung, macht Spaß, baut Stress ab und stärkt die Persönlichkeit und das Selbstwertgefühl des Hundes. Brain Games bietet viele Möglichkeiten und Vorschläge, deren Durchführung klar und nachvollziehbar erläutert wird. Insgesamt ein tolles Buch, um Alltag und Freizeit mit dem Hund interessant zu gestalten.
Aber diese Spiele können noch mehr. Sie bereiten den Hund auch auf anspruchsvolle Alltagssituationen vor. Menschen mit Behinderung, Lärm, enge Passagen, u.ä. Und sie helfen gerade Hunden, die keinen optimalen Start ins Leben hatten, Ängste abzubauen und Sicherheit zu gewinnen. Diese Spiele sind also nicht nur Zeitvertreib, sondern haben auch eine wichtigen soziale und psychologische Komponente.
Fazit, wenn man sich und seinem Vierbeiner hin und wieder Einheiten aus diesem Buch gönnt: Hund zufrieden – Mensch zufrieden. (Tanya Carpenter)



14.06.2016

Rezension: Die Körpersprache der Hunde

Die Körpersprache der Hunde
Wie Hunde uns ihre Welt erklären

Barbara Wardeck-Mohr
Kynos, 2016
232 Seiten
ISBN 978-3954640874
24,95 €

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Inhalt
Wer Hunde verstehen will, muss ihre Körpersprache lesen und deuten können: Dieses Buch bietet dazu einen umfassenden Überblick.
Dabei ist es nicht nur notwendig, die äußere Mimik und Körperhaltung zu erkennen, sondern auch, das zugrunde liegende Verhalten und seine Entstehung zu verstehen. So stehen Neuropsychologie, Verhaltensbiologie und die Individualentwicklung eines Hundes in wechselseitigem Zusammenhang.
Fachlich fundiert und von zahlreichen Fotos unterstützt veranschaulicht dieses Buch Hundeverhalten in seiner Komplexität und stellt damit einen wichtigen, übersichtlichen Leitfaden für Hundehalter, Hundeausbilder und alle Interessierten dar.

Rezension
Hunde kommunizieren – und zwar immer! Meist auch dann, wenn für uns Menschen gar keine Kommunikation zu erkennen ist. Denn jede Stellung der Ohren, jede Bewegung der Lefzen, jeder Blick, jede Veränderung der Körperhaltung und auch Dinge wie Markieren, sich wälzen oder scheinbar unbeteiligt irgendwo herumliegen sind de facto Kommunikation. Lautäußerungen jeder Art sowieso. Auch das Aufnehmen von Eindrücken ist Kommunikation, denn zu selbiger gehört ja nicht nur das Senden von Informationen, sondern auch das Empfangen – und Hunde beobachten und analysieren (vor allem uns Menschen) stets sehr genau.
Was ist also Kommunikation und wie kann ich als Mensch den Kommunikations-Code meines Hundes entschlüsseln? Das Buch bietet hier sowohl leicht verständliche Infos und Anschauungsmaterial für den Laien, als tiefergreifende Verhaltensbiologische Erklärungen für Hundetrainer und alle anderen, die einfach mehr wissen wollen. Die Analysen vergleichen auch die Kommunikation von Wölfen mit der von Hunden, zeigen Parallelen aber auch die Unterschiede beider Spezies. Wer kommuniziert wann weshalb wieviel mit wem? Wie wichtig ist Kommunikation – zur Konfliktlösung, zum Überleben, zur gemeinsamen Interaktion, zur Schaffung von Distanz. Was umfasst sie und wann sollte man als Mensch Kommunikation unbedingt positiv verstärken? Thema: Aggression und was wir darunter verstehen. Ein auf den ersten Blick aggressiv kommunizierender Hund vermeidet durch klare Kommunikation zunächst einen eskalierenden Konflikt. Hier wäre Strafe kontraproduktiv.
Um die Kommunikation der Hunde zu verstehen, muss man als Mensch ein Stückweit auch erst einmal aufhören, den Hund zu sehr zu vermenschlichen und ihm „Worte in den Mund zu legen“. Denkweisen prägen die Art unserer Kommunikation. Sich dessen bewusst zu sein, kann auch helfen, unklare oder falsche Signalaussendungen zu vermeiden, die Hunde verunsichern oder zu unerwünschtem Verhalten verleiten könnten.
Kommunikation unterscheidet sich auch je nach Alter und Beziehung der Hunde untereinander. Welpen müssen Kommunikation erst noch lernen und tun die von den Eltern und Geschwistern. Hunde mit viel Sozialkontakt entwickeln ein anderes Kommunikationsvolumen als solche, die überwiegend als Einzelgänger gehalten werden. Die persönliche Charaktergrundlage formt ebenfalls die Kommunikation – dominante Persönlichkeit oder unterwürfige Persönlichkeit. Eine weitere Besonderheit ist unleugbar die durch den Menschen hervorgerufene starke optische Variabilität der Hunde. Stehohren kommunizieren anders als Schlappohren. Braune Augen wirken auf das Gegenüber anders als stechend blaue. Eine kurze Schnauze (womöglich noch mit Unter- oder Überbiss) sendet andere Signale aus als eine lange. Eine lange Rute sendet andere Signale aus eine kupierte, insbesondere wenn sie rassebedingt dauerhaft über dem Rücken getragen wird (wie z.B. beim Spitz). Über all diese Dinge muss sich der Mensch bewusst sein, muss erkennen, warum schon die Frühprägung des Welpen in einer Hundeschule mit möglichst unterschiedlichen Hundetypen (optisch wie charakterlich) sinnvoll und hilfreich für den weiteren Lebensweg sein kann.
Es ist überraschend, wie viele Aspekte man im Bereich Kommunikation beachten muss, um sie zu verstehen.
Dieses Buch geht in die Tiefe, ohne zu sehr in unverständlichen Fachjargon zu verfallen. Dennoch ist es stellenweise trocken, da sehr sachlich und analytisch. Kein Buch für jedermann, aber für jeden, der sich mit Hundesprache umfangreich auseinandersetzen will. Und das sollte letztlich jeder tun, der täglich mit Hunden kommuniziert – also jeder der einen Hund besitzt. (Tanya  Carpenter)

Schweiz: Abschuss eines Wolfes angeordnet

Staatsrat Jacques Melly ordnet den Abschuss eines Wolfes in der Augstbortregion an, wo auf den Frühjahrsweiden zwischen dem 6. April und dem 3. Juni 2016 insgesamt 50 Schafe und Ziegen gerissen wurde. Diese Abschussbewilligung stützt sich auf die Bestimmungen der eidgenössischen Jagdgesetzgebung und deren Verordnung.

Aufgrund des Monitorings der Wolfsschäden der letzten zwei Jahre in diesem Gebiet
erstreckt sich das Streifgebiet des Wolfes von Agarn bis nach Törbel.

Artikel 9bis der seit dem 15. Juli 2015 in Kraft stehenden eidgenössischen
Jagdverordnung (JSV), sieht vor, dass ein einzelner Wolf zum Abschuss frei gegeben
werden kann, wenn dieser mindestens 15 Nutztiere tötet und nachdem bereits im
Vorjahr Schäden durch Wölfe zu verzeichnen waren. Absatz 3 dieser Bestimmung legt fest, dass nur diejenigen gerissenen Nutztiere für die Erteilung einer
Abschussbewilligung berücksichtigt werden können, wenn die zumutbaren
Herdenschutzmassnahmen in diesen Gebieten ergriffen wurden.

Anfangs Juni haben die kantonalen, für den Herdenschutz zuständigen Organe
anlässlich einer Begehung in der Augstbordregion mit einem Vertreter von AGRIDEA
(Schweizerische Vereinigung für die Entwicklung der Landwirtschaft und des
ländlichen Raums) die verschiedenen Zaunsysteme in der Region begutachtet und
deren Wirksamkeit diskutiert. Aus dem Bericht der Dienststelle für Landwirtschaft
(DLW) vom 7. Juni 2016 zu den Herdenschutzmassnahmen ist ersichtlich, dass
mindestens 15 Schafe oder Ziegen in geschützten Situationen in der Augstbordregion
gerissen wurden. Ein Fall mit vier getöteten Schafen wird zurzeit noch detaillierter
abgeklärt.

Der Vorsteher des Departements für Verkehr, Bau und Umwelt erachtet deshalb die in den vorgenannten Bestimmungen enthaltenen Bedingungen für den Abschuss eines
Wolfes als erfüllt. Er ordnet deshalb diesen Abschuss an. Die Abschussbewilligung ist
während 60 Tagen gültig und sofern ein Schadenspotential auf den geschützten
Frühjahrsweiden im vorgenannten Streifgebiet vorhanden ist. Bedingungen, die die
Chancen eines erfolgreichen Abschusses erheblich erschweren.

Die rasche und umfassende Umsetzung der zumutbaren Herdenschutzmassnahmen
auf regionaler Ebene würde die Anzahl Wolfsangriffe reduzieren und den Abschussperimeter erheblich erweitern. Die DLW hat hierfür der Herdenschutz GmbH
ein Beratungs- und Unterstützungsmandat erteilt.

Medienmitteilung Kanton Wallis, 14.06.2016

13.06.2016

Rezension: Herrchentrubel

Herrchentrubel: Graue Schnauze, großes Glück
Michael Frey Dodillet
Heyne, 2016
240 Seiten
ISBN 978-3453200876
14,99 €

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Inhalt
Zehn Jahre lang hat sich Herrchen von zwei verrückten Hunden auf der Nase herumtanzen lassen. Doch ab zehn werden Hunde bekanntlich ruhiger. – Ruhiger? Herrchen weiß nicht mehr, wer ihm diesen Unsinn erzählt hat. Tatsache ist, dass Luna auch im hohen Alter noch alles zusammenfaltet, was nicht bei drei auf dem Baum ist, und Wiki Selbsterbrochenes bewacht, als handle es sich um die Goldreserven von Fort Knox. Während Trainer Krause von Handauflegen bis zu mantraartigen Lalala-Gesängen alles empfiehlt, was die Fachwelt an Absurditäten zu bieten hat, wird Herrchen klar: Es gibt nichts Schöneres als vierbeinige Dickschädel, die sich nicht verbiegen lassen. Dann jedoch entpuppt sich eines Tages eine harmlos aussehende Beule bei Luna als bösartiger Tumor, und auf einmal wird Herrchen schmerzlich klar, dass auch das wildeste Hundeleben einmal zu Ende geht … Unterhaltsam, witzig und emotional berührend wie nie!

Rezension
Michael Frey Dodillet hat uns schon viele Jahre – und zwei Buchbände lang – am Leben seiner Hunde Luna und Wiki teilnehmen und die vielen meist fruchtlosen Erziehungsversuche verschiedener "Krauses" mit erleben lassen. Im letzten Band seiner "Herrchen-Trilogie" kommen nun auch die Krawallmäuse in die Jahre. Ob sie das ruhiger werden lässt, verrate ich hier nicht.
Dieser letzte Band ist m.E. der beste von allen, denn hier beschäftigt sich der Autor auch intensiv mit der Hundeszene. (Auf diese Kapitel konzentriert sich auch der Schwerpunkt meiner Rezension.) Und wir erkennen sie alle wieder. Dodillet braucht keine Namen zu nennen, wenn er von "Waternapfgate" spricht bzw. von der "Klangschalentherapie", wenn er die kettenrauchende Erfinderin der "Rudler" beschreibt oder sich über § 11 auslässt. Wir alle wissen, wer oder was hier durch den Kakao gezogen wird.
Einige Beispiele machen auch die Lächerlichkeit mancher Einfälle irgendwelcher Schlaumeier und ewigen Nörgler klar. Oder wussten Sie, dass Caesar Millan den Test zu § 11 beim Veterinäramt Hannover nicht bestanden hat? Dodillet hält uns mit sehr viel Insiderwissen die ganze Absurditäten der Hundeszene vor Augen, wenn er beispielsweise berichtet, dass Maike Maja Nowaks Erziehungskorrektur "Ksst" unmittelbar nach ihrer TV-Sendung eine Online-Petition nach sich zog, in der die Initiatoren und 15.000 Unterschreiber das ZDF zur sofortigen Absetzung der Sendung aufgefordert haben. Die so gemaßregelten Hunde würden ständig gehemmt und unterdrückt und wären entsprechend traumatisiert. Der Autor bringt es mit seiner grandiosen Ironie stets auf den Punkt.
Offensichtlich gibt es auch einige "betroffene Hunde", die mächtig bellen, weil sie sich selbst im Buch wiedergefunden haben. Sie sind leicht zu erkennen an den 1-Sterne-Rezensionen bei Amazon (und den entsprechenden Kommentaren zur Rezension), in denen sie statt den Text zu rezensieren, lieber den Autor persönlich angreifen.
Als jemand, der seit über 20 Jahren die Hundeszene in all ihren Irrungen und Wirrungen beobachtet, kann ich nur sagen: Bravo, Herr Dodillet, gut erkannt.
Der Spaßfaktor der Bücher von Michael Frey Dodillet ist garantiert, wenngleich mir manchmal die humorvolle Beschreibungen in ihrer Geschwindigkeit und Häufung ein wenig „too much" werden. Die Gefahr besteht dann, dass sich der Leser zu schnell vom Text löst, was sehr schade wäre. Ich hätte mir gelegentlich ein etwas langsameres Thempo gewünscht.
Ich empfehle dieses Buch auf jeden Fall sowohl allen Hundehaltern und als auch "Krauses" und werde es gerne weiter verschenken.  (ehr)

12.06.2016

Rezension: Eins, zwei, drei … ganz viele

Eins, zwei, drei … ganz viele
Mehrhundehaltung mit positiver Bestärkung

Anne Rosengrün
Kynos 2016
216 Seiten
ISBN 978-3954640867
24,95 €

Hier können Sie das Buch bestellen

Inhalt
Damit zwei oder noch mehr Hunde tatsächlich mehr Spaß machen als einer, sind Organisation, Regeln und Erziehung gefragt.
Dass es dabei viel weniger um Rangordnung und Rudelführer als vielmehr um durchdachtes Management und Training geht, zeigt dieses Buch ausführlich und in nachvollziehbaren Schritten. Mit dem strukturierten Vorgehen richtig verstandenen Trainings über positive Bestärkung werden schnell gewünschte Verhaltensweisen etabliert und unerwünschte gar nicht erst gefördert.
Endlich und lang erwartet ein modernes Buch über Mehrhundehaltung, das konkrete Trainingsanleitungen anstatt unklarer Rangordnungs-Philosophien bietet.

Rezension
Mehrhundehaltung liegt im Trend! Keine Frage. Und es gibt eine Vielzahl unterschiedlicher Bücher zu diesem Thema, von denen ich schon einige gelesen habe und doch nie das gefunden habe, was ich mir davon erhofft habe. Das meiste, was man in diesen Mehrhundehalterbüchern findet, ist jedem, der Hunde hat und sie auch mit Artgenossen zusammenlässt längst bekannt. Die wenigsten haben noch die rosarote Brille auf und erwarten von vornherin die perfekte Harmonie. Wenn es denn mal Zwist gibt, empfehlen immer noch viele Bücher die Dominanz des Hundehalters, um derlei im Keim zu ersticken, was aus verhaltensbiologischer Sicht inzwischen längst ebenso überholt und widerlegt ist, wie die unsägliche „Die regeln das unter sich“-Masche.
Soweit also zu den üblichen Mehrhunde-Büchern. Aber dieses hier von Anne Rosengrün ist überraschend anders. Es geht von Grund auf sachlich und mit leicht verständlichen – aber auch leicht umzusetzenden – Hilfestellungen vor. Gleich vorweg mit der Frage: Warum will ich mehr als einen Hund? Was kann ich dafür tun? Was erwarte ich? Und welcher Zweithund passt zu mir, aber vor allem auch zu meinem schon vorhandenen Hund (oder Hunderudel). Die Autorin geht auf unterschiedliche Charaktere ein. Was passt wie weshalb zusammen und wie erreicht man das. Wie verhilft man sich und den Hunden zu Harmonie und klarer, fairer Kommunikation, wenn es doch nicht so traumhaft kompatibel war, wie anfangs gedacht? Wie baue ich das Training mit mehreren Hunden auf? Denn schließlich gilt: Je mehr Hunde ich gleichzeitig führe, umso sicherer muss ich sie unter Kontrolle haben – ergo, umso besser müssen sie gehorchen. Dies wird nicht durch Druck und Dominanz erreicht, sondern durch viele Übungen und Trainingseinheiten, die den Bindungsaufbau und die Bindungsfestigung unterstützen – zwischen Mensch und Hund, aber auch zwischen den Hunden untereinander. Klare Regeln und Strukturen, Förderung von deeskalierender Kommunikation (zu der eben auch Knurren und Zähnezeigen gehören). Körpersprache lesen können, um zu erkennen, wo ein Konflikt kommunikativ gelöst wird und wo eine Eskalation droht, bei der ich als Hundehalter natürlich (und angemessen) einschreiten muss. Jede Übung – sowohl für den Aufbau einer guten, funktionierenden Rudelstruktur, als auch zur Lösung von Problemen und zur Meisterung von Alltagssituationen – ist super erklärt und in allen kleinen Steps dargelegt, so dass sie leicht nachvollzogen und durchgeführt werden können. Dabei wird auch darauf eingegangen, dass das Mehrhundemanagement nicht immer nur mit dem eigenen Hund erfolgen muss. Thema Hundeschulen, Hundesitting, Hunde-KiTa und dergleichen.
Kurz: Es ist das erste Mehrhundehalter-Buch, das mich rundum überzeugt hat und dass ich uneingeschränkt für jeden Empfehlen kann, der mehr als einen Sofawolf zu händeln hat.
(Tanya  Carpenter)

11.06.2016

Rezension: Hundeherz und Wolfsgesang

Hundeherz und Wolfsgesang
Mythen, Ahnenwissen und Heilkräfte

Maria Auerswald
Kynos, 2015
104 Seiten
ISBN 978-3954640485
12,95 €

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Inhalt
Wölfe spielen schon so lange eine bedeutende Rolle in der Existenz des Menschen, dass auch die Mythen, Legenden und das Wissen um sie herum seit Tausenden von Jahren in den verschiedensten Kulturen weitererzählt, aufgeschrieben und im Bild festgehalten wurden.
Maria Auerswald hat einen spannenden Querschnitt daraus zusammengetragen und schlägt die Brücke von der Wolfsfaszination unserer Ahnen zu unserer heutigen Hundeliebe, die immer auch Ausdruck unserer Sehnsucht nach dem Finden unseres Selbst, nach Erd-und Naturverbundenheit ist.
Mit einem Extrakapitel über die nach Wolf und Hund benannten Heilpflanzen.

Rezension
Gleich vorweg: Auf dieses Buch muss man sich einlassen. Es ist kein Buch mit Zahlen, Daten, Fakten, sondern eine Reise durch die Mythologie von Hund und Wolf. Welche Bedeutung hatte der Wolf für unsere Vorfahren, welche Hilfestellung für das alltägliche Leben konnten die Mythologische Gestalten ihnen geben, welche Lehren ihnen zeigen und was davon lässt sich auch noch auf unsere heutige Zeit übertragen?
Der Wolf hat im Laufe der Geschichte stets starken Einfluss auf den Menschen genommen, mal war er positiv gesehen als weiser Lehrer, mutiger Kämpfer oder fürsorgliches Sozialwesen, mal hat man ihn gefürchtet, gehasst und verfolgt als Räuber, Dämon und unberechenbare Gefahr. Mal war er unser Vertrauter und Begleiter, mal war er Rivale und Konkurrent. Er hatte seine Vorbildfunktion, diente aber auch als warnendes Mahnmal, war geliebt und gefürchtet und verkörperte mit der wilden, unzähmbaren und freiheitsliebenden Natur stets das, was wir gleichermaßen begehrten, was uns aber auch Angst machte.
Kaum ein Tier ist häufiger missverstanden worden, aber kaum ein anderes hat uns und unser Handeln und Denken stärker geprägt.
Hundeherz und Wolfsgesang gibt einen Querschnitt durch verschiedene Epochen und Kulturen und deren Mythologien. Es beschäftigt sich mit der Metapher Wolf in Märchen, die – was mit der Zeit leider oft verkannt wurde – ein sinnbildliches Symbol für sexuelle Verführung und Gefahr darstellte und nicht den Wolf als wirklichen Killer, vor dem man sich in Acht nehmen muss.
Das Buch bewertet nicht, sondern zeigt nur die Vielfalt auf, aus der sich jeder seine eigene Meinung bilden kann. Wie gesagt, man muss sich darauf einlassen, es auf sich wirken lassen. Ich habe jedenfalls etwas ganz anderes gefunden, als ich erwartet hätte. Und von ein paar kleinen Recherchefehlern und Missverständnissen einmal abgesehen, ist dieses kleine Werk durchaus in der Lage, unsern Blick auf den Wolf – in uns und um uns herum – positiv zu beeinflussen. (Tanya Carpenter)

10.06.2016

Rezension: Rohfütterung für Hunde

Rohfütterung für Hunde
Frisch füttern leicht gemacht
Silke Böhm
Cadmos, 2016
112 Seiten
ISBN 978-3840425196
14,95 €

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Inhalt
Gesunde Ernährung liegt stark im Trend und ist für viele Menschen mittlerweile eine Selbstverständlichkeit. Hundehalter möchten auch ihren Vierbeinern gern eine gesunde und abwechslungsreiche Kost anbieten und gehen dazu über, ihre Hunde frisch zu füttern. Rohes Fleisch und frisches Gemüse in Kombination mit Ölen und Kräutern ist eine gesunde und vor allem auch preiswerte Alternative zu Trocken- und Dosenfutter. Die Autorin erklärt verständlich und praxisnah, wie die Frischfleischfütterung einfach und wenig zeitintensiv in den Alltag integriert werden kann auch in den von beruflich stark eingespannten Hundehaltern. Sie beschreibt die nötigen Futterbestandteile und zeigt auf, dass mit guter Vorbereitung auch die Frischfütterung kaum aufwändiger ist, als eine Dose zu öffnen oder dem Hund ein paar Trockenbrocken in den Napf zu werfen. Silke Böhm macht außerdem Schluss mit Vorurteilen wie Rohes Fleisch macht Hunde aggressiv oder Wenn ich meinem Hund rohes Fleisch gebe, wird er diese Tiere jagen , stellt Einkaufslisten auf, beschreibt, welches Fleisch besonders wertvoll für Hunde ist und hält Negativlisten mit Substanzen parat, die ihnen schaden.

Rezension
Barfen ist in Mode, und die Zahl derer, die anbieten, individuell auf jeden Hund zugeschnittene Futterpläne zu erstellen (und sich dies oft teuer bezahlen zu lassen) steigt kontinuierlich. Dabei kann es im Grunde sehr einfach sein. Wäre wirklich solch ein mathematischer Aufwand erforderlich, um einen Hund gesund und ausgewogen zu ernähren, hätten die Hunde der letzten Jahrhunderte kaum eine Überlebenschance gehabt, doch erstaunlicherweise wurden diese teilweise sogar älter als ihre heutigen Artgenossen. Diese Tatsache wird gerne von Hardcore-Barfern herangezogen, um auf die Fertigfutterindustrie zu schimpfen und die Tatsache, dass diese ja zu wenig Fleisch im Futter verwendet. Genau hier liegt aber der erste Knackpunkt, auf den dieses Buch erfreulich sachlich eingeht. Hunde früherer Zeiten wurde nämlich nicht, wie immer behauptet wird „artgerecht mit Fleisch“ ernährt, sondern mit Abfällen und selbst erbeuteten Kleintieren (Mäuse, Ratten u.ä.). Fleisch war viel zu teuer, selbst der Mensch aß es nur selten. Also ist es schlicht unmöglich, dass der Hund im 18. Oder 19. Jahrhundert (oder noch früher) überwiegend mit Fleisch ernährt wurde. Auf dem Speiseplan stand durchaus viel Gemüse und Stärkelieferanten wie Getreide und Kartoffeln. Warum aber hatten diese Hunde nicht die Probleme der heutigen Fertigfutterhunde? Es hat nichts mit der Zutat an sich zu tun, sondern mit deren Qualität und vor allem mit deren Zubereitung. Kurzum: Das Problem ist die industrielle Bearbeitung, die alles tot kocht und dann künstlich wieder die verlorenen Vitamine und Mineralstoffe zufügt. Künstliche Pendants sind aber nicht identisch mit den natürlichen Stoffen, sie wirken anderes – teils gar nicht, teils sogar schädlich, weil ihnen die Begleitstoffe fehlen, die in den echten natürlichen Lebensmitteln enthalten sind. Faserstoffe, sekundäre Pflanzenstoffe, die zueinander passende Kombination von Nährstoffen und nicht zuletzt eine meist problemlose Ausscheidung von Überschuss, was bei künstlichen Präparaten häufig nicht möglich ist.
Die Autorin kommt unterm Strich als zum gleichen Fazit wie alle Barfer: Frischfütterung ist besser als Fertigfutter und Fertigfutter kann schädlich sein. Nur die Begründung ist eine andere und das ist für mich das erfreulichste an diesem Buch. Dass hier mit echten Tatsachen argumentiert wird und nicht mit den so leicht widerlegbaren Halbwahrheiten, die man sonst oft hört.
Der Hund ist kein Wolf mehr! Die biologischen Unterschiede (auch wenn sie gering sind) sind nicht von der Hand zu weisen. Hinzu kommt noch die Tatsache, dass auch ein Wolf kein reiner Karnivor ist, sondern den Speiseplan um Pflanzliches bereichert.
Ansonsten ist das Buch sehr umfangreich und detailliert, bleibt dabei aber stets leicht verständlich, sodass jeder Laie seinen Hund problemlos frisch ernähren kann. Verbotene (weil für den Hund schädliche) Lebensmittel werden aufgeführt, ebenso wie die Komponenten, die im Futter enthalten sein müssen, enthalten sein sollten oder ggf. enthalten sein dürfen. Desweiteren gibt es die Empfehlung, saisonal frisch zu füttern, denn es hat durchaus Gründe, warum nicht alles zu jeder Jahreszeit verfügbar ist. Es werden eine Vielzahl von Alltagstips gegeben, auch die benötigte (Küchen-) Ausstattung wird aufgeführt. Womit kann ich das Futter aufpeppen und abwechslungsreich machen (auch dann, wenn ich doch mal zum Fertigfutter greife), welche Krankheiten lassen sich beeinflussen, was sollte ich bei welchem Krankheitsbild beachten? Eine kleine Kräuter- und Ölkunde rundet das Bild ab. Vermisst habe ich hier nur den Hinweis, dass manche Öle riskant sind, wie z.B. Epi-Gefahr bei Rapsöl, Krebsrisiko bei Maiskeim-, Distel- oder Sonnenblumenöl.
Am Ende wird es noch ein wenig unterhaltsam mit dem Futterprotokoll des eigenen Hundes der Autorin und eine übersichtliche Nährwerttabelle gibt es auch noch.
Mein Fazit: Derzeit eines der besten Barf-Bücher auf dem Mark. (Tanya Carpenter)

09.06.2016

Niedersachsen: Welche Konsequenzen zieht die Landesregierung aus dem bisherigen Wolfsmanagement?

Rede von Umweltminister Stefan Wenzel am 09.06.2016 im Niedersächsischen Landtag zur Großen Anfrage der Fraktion der FDP (LT-Drs. 17/5112 und. 17/5801)

Wir behandeln heute die große Anfrage der FDP-Fraktion zum Thema Wolfsmanagement, alle Antworten zu den 83 Einzelfragen liegen schriftlich vor. Auf einige wichtige inhaltliche Punkte möchte ich hier eingehen.
Erlauben Sie mir zunächst einige grundsätzlichere Bemerkungen. Die Erörterung der in den vergangenen Monaten so vehement und zum Teil auch emotional geführten Debatte über die Chancen und Risiken der Rückkehr des unter strengem Artenschutz stehenden Wolfes kann nur dann seriös geführt werden, wenn wir uns auch die Zeit nehmen, die vielfältigen wissenschaftlichen Aspekte der Wildtierentwicklung anzusprechen.


Ist der Jäger der bessere Wolf?
  •  Für den modernen Menschen ist die Jagd nicht mehr in erster Linie Nahrungserwerb, sondern ein, wenn auch vielfach mit großem Ernst und großem Engagement betriebener, Zeitvertreib.
  • Der Jäger geht heutzutage im täglichen Leben einem Beruf nach und hat nur begrenzt Freizeit.
  • Die weit verbreitete Trophäenjagd bringt mit sich, dass Eingriffe in die Jugendklasse und beim weiblichen Wild nur in geringerem Umfang stattfinden.
  • Wildfütterung ermöglicht höhere Wildstände, als die Ökosysteme von Natur aus tragen können.
  • Hinzu kommt, dass die moderne Landwirtschaft mit zum Teil riesigen und unübersichtlichen – und damit kaum bejagbaren Schlägen und riesigen Futtermengen – dem Schalenwild während der Vegetationsperiode hervorragende Ausgangsbedingungen verschafft.
  • All das hat zur Folge, dass die Schalenwild-Populationen stetig anwachsen.
Daraus folgen erhebliche Schäden, die vor allem Hirsche und Rehe an den Waldbeständen verursachen. Deshalb wurden in Niedersachsen viele Millionen Euro zum Schutz des Waldes gegen Wildschäden ausgegeben.

Der Jäger ist nicht der bessere Wolf, es ist aber auch nicht der Wolf der bessere Jäger – die Erwartungen an Revier und Beutetiere sind schlicht grundverschieden.

Dabei steht für mich völlig außer Zweifel – und die Jagdstatistiken aus den mittlerweile ältesten Wolfsgebieten in Deutschland, in der Lausitz, zeigen das – dass der Wolf nicht in der Lage ist, unsere Schalenwildbestände maßgeblich zu reduzieren. Das kann nur der Mensch selber.
  • Es gibt aber einen anderen maßgeblichen Effekt: Dazu ist zunächst einmal festzuhalten, dass im Räuber-Beute-Verhältnis grundsätzlich nicht der Räuber die Beute, sondern vielmehr die Beute den Räuber reguliert. 
  • Gerade für den Wolf gibt es sehr anschauliche und überzeugende Untersuchungen, zum Beispiel von der Isle Royal in Kanada.
  • Mit anderen Worten: Je höher die Schalenwilddichte umso größer ist am Ende auch die Wolfspopulation.

Bedeutung des Wolfes für das Ökosystem
 
In natürlichen Ökosystemen haben die Beutegreifer eine unersetzliche Rolle: 
  • Aus Opportunitätsgründen sortieren sie immer zuerst die schwächsten Tiere einer Beutetierpopulation aus. 
  • Auch aus anderen Ursachen verstorbene Tiere verschmähen sie nicht. 
  • Damit kommt den Beutegreifern eine ganz wichtige Rolle als „Gesundheitspolizei“ zu. 
  • Durch diesen Jagddruck, der ganz anders geartet ist als der Jagddruck den der Mensch ausübt, halten sie die mittleren und großen Pflanzenfresser – bei uns sind das vor allem die Hirschartigen – mehr oder weniger immer in Bewegung. 
  • Das hat vor allem positive Wirkungen auf Bäume und Büsche, die dadurch weniger intensiv verbissen werden und höhere Chancen erhalten, dem Äser des Wildes zu entwachsen. Ein altes Sprichwort sagt nicht umsonst: „Wo der Wolf geht, kann der Wald wachsen“.
  • Dieser positive Einfluss auf die Vegetationsentwicklung wirkt sich in der Folge direkt auf den Wasserabfluss und damit auch auf Erosions- und Überschwemmungsgeschehen aus.

Resilienz von Ökosystemen

Ökosysteme können umso besser auf Störungen reagieren und sich selbst bei vielfältigen negativen Einflüssen erhalten, je vielfältiger ihre Ausstattung mit Tier- und Pflanzenarten ist. Auf einen kurzen Nenner gebracht: je größer die Artenvielfalt, desto höher die Resilienz eines Ökosystems. Das ist gerade dann von Bedeutung, wenn Ökosysteme vielfältigem Stress durch menschliche und klimatische Einflüsse ausgesetzt sind.

Was heißt das im Zusammenhang mit dem Wolf?
  • Der prägende Einfluss einzelner Pflanzenfresserarten nimmt ab.
  • Dadurch werden zahlreiche ökologische Nischen geschaffen, die auch von anderen pflanzenfressenden Tierarten genutzt werden können.
  • Von diesen profitieren andere, kleine und mittelgroße Beutegreifer, die ihrerseits für die Fitness ihrer jeweiligen Beutetierpopulationen eine ähnliche oder dieselbe Rolle spielen, wie der Wolf für die Schalenwildarten.
  • Das wiederum schafft Lebensmöglichkeiten für weitere Arten.
Wölfe und andere große Beutegreifer tragen damit maßgeblich zur Erhöhung der Widerstandsfähigkeit des jeweiligen Ökosystems bei.


Risiken in der Industriegesellschaft

Deutschland ist ein hochentwickeltes Land mit einer sehr hohen Bevölkerungsdichte und vielfältigen Ansprüchen an die Landschaft. 
Da wird ein Großprädator wie der Wolf von Teilen der Bevölkerung als außer-gewöhnliche, neue Bedrohung empfunden. 
Die Bedrohung ist aber eher umgekehrt zu sehen, es ist der Wolf, der in unserer modernen Industriegesellschaft bedroht ist, vor allem durch den Verkehr.

So provozierend es klingt, so zutreffend ist es doch: Jedes Überqueren einer Straße ist allerdings gefährlicher als ein Spaziergang in einem Wolfsterritorium. 


Verhalten im Wald und auf der Heide

In diesem Zusammenhang lassen Sie mich auch erwähnen, wie der Mensch sich „im Wald und auf der Heide“ verhalten sollte, damit das so bleibt.

Kürzlich musste in Niedersachsen erstmalig ein Wolf der Natur entnommen werden, weil eine Gefährdung von Menschen durch dieses Tier (MT6) nicht mehr auszuschließen war. 

Was wirklich zu der Fehlentwicklung bei diesem speziellen Tier geführt hat, lässt sich im Nachhinein nicht mehr abschließend klären. 

Es ist aber sehr wahrscheinlich, dass dieser Wolf – und darauf lassen Verhaltensweisen, die eine Erwartungshaltung erkennen ließen, schließen – „positive“ Erfahrungen mit Menschen gemacht hat. 
Diese „positiven“ Erfahrungen können dadurch initiiert worden sein, dass er als Welpe von Menschen Futter direkt erhalten hat, zumindest aber Futter gefunden hat, das menschlichen Ursprungs war (z.B. Reste von Marschverpflegung auf dem Truppenübungsplatz). 

Das führt mich zu einer wichtigen Information für die Bevölkerung, aber auch für die Verantwortlichen in den Kreisen und Gemeinden: Alle sollten sich darum bemühen, den wild lebenden Wölfen den Zugang zu anderen Nahrungsquellen als die Wildtierpopulationen, so schwer wie möglich zu machen, d.h.: 
  • Müll am Haus, in der Siedlung, an Parkplätzen, Grillplätzen usw. nur in gut verschlossenen Behältern lagern.
  • Bei gemeinschaftlichen Jagden auf zentrale Aufbruchplätze entweder zu verzichten, oder von diesen alle Aufbruchreste gründlich zu entfernen und ordnungsgemäß zu entsorgen.
  • Luderplätze als jagdliche Einrichtungen so zu gestalten (zum Beispiel durch ein senkrecht eingegrabenes Betonrohr), dass Wölfe keine Möglichkeit haben, an das Luder zu kommen.
Einzelaufbrüche in der Landschaft dagegen sind, auch wenn sie mit menschlichen Gerüchen verbunden sind, als weniger kritisch anzusehen, weil dadurch keinerlei räumliche oder zeitliche Prägung zu befürchten ist. 

Zusammengefasst: Wer ein Wildtier füttert, bringt sich und das Tier in Gefahr!

Aber: Die Gewöhnung an den Menschen entsteht nicht nur über das Futter: 
  • Das Internet ist voll von kurzen Filmsequenzen und Fotos, auf denen zu erkennen ist, dass Menschen sich längere Zeit in der Nähe von frei lebenden Wölfen aufgehalten, vielfach sich diesen auch aktiv genähert haben.
  • Dadurch hatten diese Tiere mannigfaltige Gelegenheit zu lernen, dass in der Regel der Mensch ungefährlich zu sein scheint.
  • In der Folge bedeutet das, dass Wölfe mit diesen Erfahrungen sich von Menschen und deren Lebensäußerungen, auch wenn das mit Geräuschen verbunden ist, kaum beeindrucken lassen.
  • Kommt dann noch ein Hund dazu, gibt es für den Wolf einen Grund mehr, sich zu nähern, denn Hunde werden als Artgenossen wahrgenommen, die entweder als Revier-/Nahrungskonkurrent zu bekämpfen sind oder als potenzielle Geschlechtspartner zu umwerben. 
  • Der am anderen Ende der Hundeleine befindliche Mensch wird dabei (weil aus Wolfssicht ungefährlich) weitgehend ignoriert.
Das muss heißen: 
  • Keine aktive oder passive Fütterung!
  • Keine aktive Annäherung an Wölfe, z.B. um ein noch besseres Foto zu bekommen!
  • Ein Fahrzeug bei Antreffen eines Wolfes nicht verlassen!
  • Kein Dulden der Wölfe in der näheren Umgebung von Spaziergängern durch diese selbst!
  • Hunde in Wolfsgebieten an der Leine halten, der Mensch ist für den Hund der beste Schutz.
  • Wölfe die sich zu stark annähern (unter 30 m) aktiv vertreiben! Auch unter Einsatz körperlicher Abwehrmittel (Anschreien,  Pfeifen, Bewerfen und Schlagen mit Gegenständen, Treten, und im Extremfall: Einsatz von Pfeffergel oder Pfefferspray).

Von gesunden Wölfen geht keine Gefahr für Menschen aus. 
Damit das so bleibt, ist es wichtig, dass die eben genannten Punkte von allen Bürgern beachtet werden. 

Ein von Menschen gefütterter Wolf kann nicht nur für denjenigen gefährlich werden, der ihn füttert, sondern auch für völlig unbeteiligte Mitmenschen. 


Entwicklung Wolfsmanagement

Die sehr zügig verlaufene Entwicklung der Rückkehr von Wölfen nach Niedersachsen hat schnell die Grenzen für ein ehrenamtliches Management erkennen lassen. 
Das hat diese Regierung zum Anlass genommen, das Wolfsmanagement zunehmend zu professionalisieren. 

Das Niedersächsische Wolfsbüro wurde gegründet, dort arbeiten drei Biologen an:
  • der Dokumentation von „Wolfsereignissen“,
  • der Schadensprävention, 
  • der amtlichen Feststellung von Nutztierschäden durch Wölfe, 
  • des Schadensausgleichs durch Billigkeitsleistungen, 
  • der Beratung von Nutztierhaltern,
  • der Aufklärung der Öffentlichkeit
und in diesem Jahr auch
  • der Vergrämung
  • und Entnahme von MT6.
Das Wolfsbüro wird um zwei Tierärzte verstärkt – eine Tierärztin hat bereits am 1. Juni ihren Dienst angetreten – die Aufgaben der beiden Veterinäre werden vor allem sein:
  • schnellere Abwicklung der amtlichen Feststellung (Wolf als Verursacher eines Nutztierrisses)
  • Verstärkte Beratung der Nutztierhalter zu Präventionsmaßnahmen
  • Einsatz bei gegebenenfalls nötigen Besenderungen oder Vergrämungen (auch Entnahmen)
  • Einsatz beim Umgang mit verletzten Wölfen
  • Öffentlichkeitsarbeit.
Eine Verwaltungsfachkraft zur Abwicklung von Präventions- und Billigkeits-Förderanträgen soll künftig das Team des Wolfsbüros ergänzen.

In dem Zusammenhang ist auch die öffentlich diskutierte „Leitlinie für Wolfsberater“ zu sehen, ein Entwurf des Umweltministeriums wurde den ehrenamtlichen Wolfsberatern vorgestellt. Die Wolfsberater hatten Gelegenheit, diesen Entwurf zu kommentieren. Die Rückmeldungen werden derzeit im Umweltministerium ausgewertet und danach die Endversion des Leitfadens erstellt. 

In der Planung war auch, dass ein weiterer Wolf in der Region Diepholz besendert werden soll, um eventuelle Verhaltensauffälligkeiten nachweisen zu können. 
Zur Vorbereitung dieser Besenderung hat die Landesjägerschaft Niedersachsen in unserem Auftrag ein intensives Monitoring im Raum Diepholz/Vechta/Oldenburg durchgeführt. 
Aus heutiger Sicht erscheint eine umgehende Besenderung aktuell nicht mehr angezeigt. Die von dieser Wölfin verursachten Nutztierrisse trafen zu rund 98 % Tierbestände, die keinen ausreichenden Grundschutz zur Wolfsabwehr aufwiesen. 
In den vergangenen Monaten sind Rissvorfälle in dem genannten Raum stark zurückgegangen, vor allem aber waren keine weiteren Risse in geschützten Tierbeständen mehr zu verzeichnen. Deshalb werden wir – und damit haben wir schon begonnen - die Beratung der Nutztierhalter der Region und die Hilfestellung beim Aufbau von Zäunen intensivieren.


Entwicklung andere Länder

Das Thema Wolf beschäftigt nicht nur Niedersachsen, es ist bundes- und europaweit zunehmend in der Diskussion, und hat in jüngster Vergangenheit folgende Entwicklungen mit sich gebracht:
  • Deutliche Verbesserung der Abläufe bei der Bearbeitung von DNA-Proben beim Senckenberg-Institut Gelnhausen
  • Ausdehnung der Wolfspopulation auch in Richtung Thüringen, Hessen, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, Baden-Württemberg und Bayern
  • (In all diesen neu mit dem Wolf in Berührung kommenden Bundesländern schaut man mit großem Interesse auf die niedersächsischen Erfahrungen und Managementansätze)
  • Gründung der Dokumentations- und Beratungsstelle des Bundes zum Thema Wolf (DBBW), auch auf Initiative dieser Landesregierung
  • Wiederbelebung des Unterarbeitskreises Wolf bei der LANA.

Weitere Schritte 

Ein Ausblick auf unsere weiteren Planungen in Sachen Wolfsmanagement:

Ausbau der Zusammenarbeit auf nationaler Ebene: 
  • vor allem mit der DBBW und in Bund-Länder-Arbeitsgruppen => hier setzen sich die Vertreter Niedersachsens vor allem auch für eine Vereinheitlichung der Standards bei der Wolfsprävention ein, 
  • für eine einheitliche Behandlung beim Ausgleich von Nutztierrissen wurde von Niedersachsen zwar angestrebt, fand aber keine Mehrheit, hier sperrten sich vor allem Länder, die noch keine Wölfe haben
  • Ausbau auch der internationalen Zusammenarbeit, vor allem hinsichtlich des Austauschs von Erfahrungen und Wissen
  • Durchführung einer Studie zu Habitatansprüchen und Populationsentwicklung 
  • Realisierung der „Esel Studie“ – die Verträge mit den am Versuchsvorhaben beteiligten 3 Nutztierhaltern sollen in der kommenden Woche vor Ort unterschrieben werden
  • Verstärkte Nutztierhalterberatung, zunächst mit Schwerpunkt in den Landkreisen Diepholz/Vechta/Oldenburg – dem Aktionsraum der Barnstorfer Wölfin – (Beratungen finden zum Beispiel in der kommenden Woche statt).
  • Fortsetzung der Gespräche mit den Nutztierhaltern.

Ausblick
  • Es ist davon auszugehen, dass die Besiedlung Deutschlands durch Wölfe weiter fortschreitet.
  • Wie schnell das geht, vermag ich nicht zu beurteilen. 
  • Die Tendenzen deuten darauf hin, dass künftig alle geeigneten Territorien wieder von Wölfen besiedelt sein werden. Die hohen Schalenwildbestände leisten dabei ihren Beitrag.
  • Dieser Gesamtanstieg der Population bringt aber keine Erhöhung der Wolfsdichte in den jeweiligen Wolfsterritorien mit sich, denn die sind besetzt. 
  • In den deshalb sicher zu erwartenden neuen Wolfs-Siedlungsgebieten werden die Nutztierrisse vermutlich zunächst zunehmen, die Erfahrung hat gezeigt, dass Nutztierhalter in der Regel erst reagieren, wenn die Gefährdung konkreter wird.
  • Langfristig aber erwarte ich, dass die Nutztierrisse in den etablierten Wolfsregionen abnehmen werden, weil dort die Prävention nach und nach immer besser greift, die Nutztierhalter wieder lernen mit der Gefahr „Wolf“ umzugehen.
  • Dass Nutztierrisse ganz vermieden werden können, ist allerdings nicht zu erwarten, denn nicht jede Weide kann komplett geschützt werden.
Die Erfahrungen in den Ländern, in denen der Wolf schon früher zurückgekehrt ist zeigen, dass ein Zusammenleben von Wolf und Mensch funktioniert.

Das gibt mir die Sicherheit, dass dieses auch in Niedersachsen möglich ist. 

Diese Landesregierung jedenfalls ist entschlossen, das ihre dazu zu tun. 

So wurden auf u. A. Initiative Niedersachsens im vergangenen Jahr Dauerweiden z.B. auf Deichen und Heideflächen in die Agrarförderung der ersten Säule integriert. Damit können Schafhalter, die mit ihren Tieren diese Flächen pflegen, bis zu 3 Mio. Euro zusätzliche Agrarfördermittel erhalten.

Eine Bitte, einen Wunsch, eine Aufforderung möchte ich an dieser Stelle noch vor allem an den rechten Teil unseres Parlaments richten:
Helfen Sie mit, dass die Debatte über den Wolf nicht länger – wie zumindest in Teilen geschehen – im Stile einer Debatte über eine Art Schädlingsbekämpfung geführt wird. Das gebietet nicht nur die gesetzliche Vorgabe hinsichtlich des Artenschutzes für das Tier.  Das gebietet vielmehr der Respekt vor der Kreatur. Gerade für die Vertreter einer C-Partei ist dies auch Ausdruck der Achtung vor der Schöpfung. Und das gebietet der Respekt vor der Natur.  Bei allen Maßnahmen die wir ergreifen, steht die Sicherheit der Menschen an oberster Stelle.  Aber das darf nicht bedeuten, dass der Mensch sich über die Natur erhebt.
Die Debatte über die Umwelt, die Natur und den Artenschutz darf nicht zu einer Buchhaltung über die Nützlichkeit oder Schädlichkeit einzelner Tiere werden.
Das Muster einer solchen Debatte über die Nützlichkeit der Natur hat auch hier unser Land schon vor Jahrzehnten erlebt. Das Betonieren, Asphaltieren und Kanalisieren der Natur hat uns Menschen keinen wirklichen Segen gebracht.
Von dem französischen Schriftsteller Victor Hugo stammt der Satz “Es ist traurig zu denken, dass die Natur spricht und die Menschen nicht zuhören!“

Ich wünsche mir, dass wir alle – jenseits aller kontroversen Einschätzungen der Chancen und Risiken der Rückkehr des Wolfes – nicht diesen Fehler machen und nicht zuhören.   

Ich danke für die große Anfrage und Ihre Aufmerksamkeit!

 (Hervorhebungen von der Redaktion)

01.06.2016

Der gesetzliche Schutz des Wolfes in Deutschland

Derzeit bemühen sich verschiedene Interessengruppen, dem Wolf den gesetzlichen Schutz zu entziehen. Dies funktioniert nicht, denn der Wolf ist in Deutschland als eine vom Aussterben bedrohte Tierart streng geschützt und unterliegt folgenden Rechtsvorschriften:

nach internationalem Recht
   - Washingtoner Artenschutzabkommen (Anhang II)
   - Berner Konvention (Anhang II)

nach europäischem Recht
   - EG-Verordnung 338/97 (Anhang A)
   - FFH Richtlinie 92/43/EWG (Anhang II, prioritäre Art, und Anhang IV, Art. 12 und 16)

nach Bundesrecht
   - Bundesnaturschutzgesetz (streng geschützte Art nach § 10 Abs. 2 Nr. 11 i. V. mit § 42)
   - Tierschutzgesetz (§ 1)

Wer einen Wolf ohne Genehmigung tötet, verstößt gegen internationales-, europäisches-, Bundes- und auch Landesrecht.
Darüber hinaus ist nach §45 Abs. 7 BNatSchG die Bejagung des Wolfes im begründeten Einzelfall bereits zulässig. Darauf wird auch in den Managementplänen der einzelnen Bundesländer hingewiesen. Für den Abschuss eines Wolfes bedarf es der Einzelerlaubnis der zuständigen Naturschutzbehörde zur Befreiung vom Tötungsverbot und der Abschussanordnung der zuständigen Ordnungsbehörde.
Sollte der Wolf dennoch – wie von manchen Interessengruppen gefordert – ins Jagdrecht übernommen werden, ändert sich nichts am Schutzstatus. Allerdings ändern sich Zuständigkeiten (neben Naturschutzbehörde die Jagdbehörde) und der Wolf unterstünde der Hege und Pflege der Jägerschaft. Wegen der Schutzerfordernisses dieser »Wildart« würde der Wolf unausweichlich eine ganzjährige Schonzeit erhalten.