21.07.2016

Sommerpause

Ich gehe in die Sommer-Schreib-Pause und bin in dieser Zeit nur sehr eingeschränkt erreichbar.

Aktuelle Wolfsmeldungen gibt es dann nur auf meiner Google+ Seite.

Alles Weitere hier ...

Ich wünsche allen frohe Sommerferien!


18.07.2016

Niedersachsen: Umweltministerium weist Vorwürfe zum Munsteraner Rudel zurück

Das Niedersächsische Umweltministerium hat die von der Opposition erhobenen und von einzelnen Medien berichteten Vorwürfe bezüglich des Umgangs mit den Wölfen aus dem Munsteraner Rudel und zum Wolfsmanagement in Niedersachsen schärfstens zurück­gewiesen:

Alle vorliegenden Erkenntnisse über das Verhalten der Wölfe sind kontinuierlich ausgewertet worden; auf Grundlage der Auswertungen sind kontinuierlich Maßnahmen ergriffen worden.
Bereits im Frühjahr 2015 wurde das Monitoring im Bereich Munster verstärkt. Es wurde vor Ort zusätzliches Personal eingesetzt. Die Zusammenarbeit mit der Standort­komman­dantur des Truppenübungsplatzes wurde intensiviert. In der weiteren Folge wurde die Besenderung zweier Wölfe veranlasst und durchgeführt. Im Sommer 2015 wurde das Wolfsbüro eingerichtet, um das Monitoring, die Öffentlichkeitsarbeit und die Beratung der Weidetierhalter zu verstärken. Anfang des Jahres 2016 wurden Vergrämungs­maß­nahmen durchgeführt; im Mai erfolgte dann letztlich die Entnahme des Wolfs MT 6.

Alle Abläufe wurden in Beratungen vor Ort, in Unterrichtungen, Presseinformationen, Pressekonferenzen, öffentlichen Veranstaltungen und zusammenfassend immer aktuell im Internet dokumentiert.

Fotos und einzelne Kurzvideos wurden auf einer Zusammenkunft mit Wolfsberatern im Februar 2015 auf einer Veranstaltung im Heidekreis NICHT vom Umweltministerium, sondern von einem als Wolfsberater tätigen Bediensteten der Bundesforsten gezeigt, und von diesem anschließend der vom Land Niedersachsen vertraglich mit dem Wolfs­monitoring beauftragten Landesjägerschaft zugänglich gemacht. Bilder ohne Angabe von Ort und Zeit der Aufnahme gehen nicht in das Monitoring ein. Der Wolfsberater wies darauf hin, dass der Bildautor einer Veröffentlichung nicht zustimmt. Diese Anforderung ist aktuell noch einmal bekräftigt worden.
Hinweis: Um ein Foto richtig einordnen zu können, muss eine persönliche Dokumentation des Fotografen vorliegen, die verdeutlicht, an welchem Ort, in welcher Situation, aus welcher Entfernung Aufnahmen gemacht wurden, ob sie beispielsweise als Fußgänger, Reiter oder aus einem Fahrzeug erfolgt sind. Ohne Dokumentation können Fotos und Videos zwar Hinweise für weitere Nachforschungen, aber keine so genannten C1-Nachweise liefern.

Das Ministerium spricht in allen Veröffentlichungen (Reden, Unterrichtungen, Presse­informationen, Pressekonferenzen etc.) seit Jahren davon, dass sich Tiere aus dem Munsteraner Rudel „wenig scheu“ verhalten. Ein „wenig scheues“ Verhalten von Wölfen entspricht der Beschreibung eines Verhaltens, das auf eine Habituierung (Gewöhnung der Tiere an den Menschen) zurückzuführen ist. Das Ministerium hat in allen seinen Verlautbarungen darauf hingewiesen, dass davon auszugehen ist, dass es Ereignisse mit einer habituierenden Wirkung gegeben haben könnte. „Beweise“ dafür, dass Wölfe von Menschen angelockt oder gefüttert wurden, liegen dem Ministerium bis heute nicht vor; auch von anderen Institutionen sind nach Kenntnis des Umweltministeriums solche Dokumentationen nicht bekannt.

Das Ministerium informiert kontinuierlich über alle Maßnahmen des Wolfsmonitorings.

Das Ministerium hat auch auf Anfragen, die sich auf die aktuelle Berichterstattung beziehen, in den vergangenen Wochen mehrfach und in ausführlicher Form geantwortet. Anderslautende Darstellungen sind nicht korrekt. (PM 154/2016)


Wolfsportal des Landes Niedersachsen

Eine sehr gute Information zum Thema "Echte und falsche Wolfsnachweise" findet ihr hier.

Gesellschaft zum Schutz der Wölfe verurteilt erneute illegale Tötung eines Wolfes in der Lausitz

Belohnung in Höhe von 2.000 € für sachdienliche Hinweise zur Ergreifung des Täters ausgesetzt 

Erneut hat ein Wolfsgegner seine Auffassung über gelebten Naturschutz in Deutschland durch den illegalen Abschuss eines Wolfes zum Ausdruck gebracht und damit gegen geltendes Recht verstoßen.
Die Gesellschaft zum Schutz der Wölfe verurteilt aufs Schärfste diese Tat. Für sachdienliche Hinweise an die zuständigen Ermittlungsbehörden, die zur Ermittlung des oder der Täter führen, setzt die Gesellschaft zum Schutz der Wölfe eine Belohnung in Höhe vom 2.000 € aus.
Seit der Rückkehr der Wölfe nach Deutschland wurden nachweislich 18 Wölfe illegal getötet. In keinem Fall wurde der Täter ermittelt oder erfolgte eine Bestrafung auf Grundlage der geltenden Gesetze, obwohl der Zugang zu Schusswaffen in Deutschland aus gutem Grund streng limitiert ist.
Die Erfolglosigkeit der Ermittlungsbehörden, in diesem eng begrenzten Personenkreis den oder die Täter zu ermitteln, ermutigt diese offensichtlich, vermehrt eigene Regeln aufzustellen und diese mit Hilfe von Schusswaffen durchzusetzen. Wo soll diese Entwicklung hinführen?
Es ist Zeit, dieser Tendenz Einhalt zu gebieten! Diejenigen, die bereit sind, mit Waffengewalt Gesetze zu brechen, dürfen nie wieder Zugang zu Schusswaffen haben.
Deshalb fordern wir alle Jäger und Sportschützen auf, einen aktiven Beitrag zur Aufklärung dieser Straftaten zu leisten.
Die Gesellschaft zum Schutz der Wölfe setzt sich für die Rückkehr der Wölfe nach Deutschland ein, verkennt aber auch nicht, dass für einige Bevölkerungsgruppen, wie zum Beispiel die Nutztierhalter, sich die Arbeits- und Lebensbedingungen mit dieser Rückkehr verändert haben.
Deshalb konzentriert sich die Gesellschaft zum Schutz der Wölfe in ihrer Arbeit neben der Unterstützung eines flächendeckenden Wolfsmonitorings in den Wolfs- und Wolfserwartungsgebieten und der Aufklärungsarbeit zum Thema Wolf auf die Unterstützung dieser Nutztierhalter bei der Entwicklung und Umsetzung effizienter, bezahlbarer Schutzmaßnahmen für ihre Tiere.
(Pressemeldung GzSdW vom 18.7.2016)

17.07.2016

Rezension: Tiere laufen durch meine Träume

Tiere laufen durch meine Träume
Lyriktexte
Karin Hutter
Mariposa Verlag, 2015
104 Seiten
ISBN 978-3927708983
12,00 €

Hier können Sie das Buch bestellen

Inhalt
Insgesamt 64 Lyriktexte hat Karin Hutter in ihrem Buch zusammengestellt. Es geht um Tiere, die in der Freiheit besser leben als eingesperrt in Zoos oder Zirkuswagen. Sie wollen nicht zur Schau gestellt werden, sondern wild sein, wie es ihnen zusteht.
Wer Tiere mag und Lyrik, wird sich an diesem Buch erfreuen und es wahrscheinlich immer wieder zur Hand nehmen, denn es bietet ein unerschöpfliches Gedankengut rund um die Tiere dieser Welt.
Die poetische Stimme einer Tierschützerin – manchmal laut, oft leise, aber immer unüberhörbar.


Rezension
Ich bin verliebt – in dieses kleine Herzensbüchlein. Ich gebe zu, ich bin kein allzu großer Fan von Lyrik. Aber ich kenne die Autorin, die früher einige sehr schöne Texte für unser Wolf Magazin geschrieben hat, und ich weiß, dass der Mariposa-Verlag auch ungewöhnliche, besondere Bücher im Verlag hat. Und in der Tat, dies ist ein solches Buch.
Die wunderschönen, klaren und einfühlsamen Gedichte von Karin Hutter berühren uns tief in unserem Herzen. Besonders gut gefallen haben mir die Texte zu den Kapiteln „Born to be wild“ und „Hunderunde“. Die Gedichte über alten Hunde oder ihren Tod haben mir die Tränen in die Augen treten lassen. Tiefe Gefühle. So wahr und so schön.
Und natürlich, wie sollte es anders sein, ist mein Favorit das Kapitel „Spur der Wölfe“, dessen Gedichte einen realen Bezug haben.
„Tiere laufen durch meine Träume“ liegt nun griffbereit neben meinem Bett, dem Computer, auf der Gartenliege am Teich, überall, wo ich auch bin. Ich lese das eine oder andere Gedicht, wenn ich traurig bin oder mal wieder an der Schlechtigkeit der Welt verzweifeln möchte, aber auch, wenn ich glücklich und dankbar für dieses Leben bin. Es ist ein Buch zum Träumen, zum Wohlfühlen und zum Entspannen.
Das Einzige, was mich an dem Buch irritiert, ist die Coverillustration. Ist das Tier ohne Fell auf dem Cover ein Wolf oder ein Hund? Sollte es tatsächlich ein Wolf sein, dann ist die Zeichnung wahrhaft eine Beleidigung für den Wolf.
Karin Hutter spendet das Honorar zu diesem Buch dem Tierrechtsverein „animal public e.V.“, dessen Gründungsmitglied sie ist. www.animal-public.de. Auch das ist ein Grund, sich das schöne Buch zu kaufen – auch zum Verschenken. Aber noch viel mehr empfehle ich es allen Tierfreunden, weil es wirklich ein Herzensbuch ist. (ehr)

10.07.2016

Rezension: Das Seelenleben der Tiere

Das Seelenleben der Tiere
Liebe, Trauer, Mitgefühl - erstaunliche Einblicke in eine verborgene Welt
Peter Wohlleben
Ludwig Buchverlag, 2016
240 Seiten
ISBN 978-3453280823
19,99 €

Bestellen können Sie das Buch hier

Inhalt
Fürsorgliche Eichhörnchen, treu liebende Kolkraben, mitfühlende Waldmäuse und trauernde Hirschkühe – sind das nicht Gefühle, die allein dem Menschen vorbehalten sind? Der passionierte Förster und Bestsellerautor Peter Wohlleben lehrt uns das Staunen über die ungeahnte Gefühlswelt der Tiere. Anhand neuester wissenschaftlicher Erkenntnisse und anschaulicher Geschichten nimmt er uns mit in eine kaum ergründete Welt: die komplexen Verhaltensweisen der Tiere im Wald und auf dem Hof, ihr emotionales und bewusstes Leben. Und wir begreifen: Tiere sind uns näher, als wir je gedacht hätten. Faszinierend, erhellend, bisweilen unglaublich!


Rezension
Als Peter Wohlleben in der NDR-Talkshow am 24. Juni 2016 sein Buch „Das Seelenleben der Tiere“ vorstellte und dabei erzählte, dass Fruchtfliegen im Schlaf mit den Beinchen strampeln, sie also träumen, stöhnte die Moderatorin Barbara Schöneberger entzückt auf „Oh nein, wie süß“, um kurz darauf entsetzt auszurufen: „Oh Gott! Und ich habe heute Morgen wieder welche …, weil die wieder auf den Kirschen waren.“ Den „mörderischen“ Teil verschluckte sie. Schämen Sie sich, liebe Frau Schöneberger ;-)
Scham, Bedauern, Schuldgefühle, das sind nur einige der Emotionen, die der neue Wohlleben-Bestseller hervorruft. Was haben wir den armen, unschuldigen Fruchtfliegen, Zecken, Spinnen alles angetan, aus Unkenntnis, Ekel oder Ignoranz. Aber zum Glück hat der Autor dieses Buch geschrieben und zeigt uns, dass er nicht nur die Sprache der Bäume spricht, sondern auch die Gefühle der Tiere versteht.
Wir sehen Tiere, mit denen wir täglich zu tun haben, aus einem neuen Blickwinkel, als Wesen mit Gefühlen, Sehnsüchten und ja, auich mit Träumen – quasi als unseresgleichen.
Niemand versteht es so gut wie Wohlleben, wissenschaftliche, biologische und ökologische Zusammenhänge einfach, verständlich und interessant zu erklären. Der Marder, der den Motorraum unseres Autos zerschreddert, tut dies nur, weil er wütend auf einen vermeintlichen Rivalen ist. Nein, wir müssen nicht die ganze Kavallerie auffahren, um dies abzustellen. Der Tipp des Autors: nachts immer an derselben Stelle parken.
Als Wolfsforscherin bin ich besonders dankbar für das Kapitel „Wild bleibt wild“, in dem der Autor davor warnt, Wildtiere als Haustiere aufzuziehen – hier insbesondere den Wolf.
Und eine wichtige Frage, die wir uns alle stellen sollten: Inwiefern habe ich als Mensch das Recht, in die Natur einzugreifen, selbst wenn ich nur „helfen“ will. Wer die Antwort hierzu wissen möchte, sollte sich das Buch kaufen!
„Das Seelenleben der Tiere“ sollte Pflichtlektüre werden für jeden Tier- und Naturfreund. Dank dieses Buches werden meine Fruchtfliegen wieder ruhig schlafen und träumen können. (ehr)

Weitere vom Wolf Magazin besonders empfohlene Bücher von Peter Wohlleben:

Das geheime Leben der Bäume

Wohllebens Waldführer


08.07.2016

Rückblick Wetzlarer Wolfstag, 5. Mai 2015

Hier zwei Fotos zur Erinnerung an unseren  Wetzlarer Wolfstag. (Fotos: Hans-Jürgen Mülln).
Ich danke allen Teilnehmern.

Der nächste - und letzte - Event in Deutschland mit Günther Bloch ist das große Canidensymposium in Berlin vom 19. bis 21. Mai 2017.
Ein weiterer Wolfstag mit Elli Radinger findet in der Schweiz statt am 12. März 2017.



05.07.2016

Rezension: Viktor und der Wolf

Viktor und der Wolf
Hannes Klug
Rowohlt Taschenbuch, 2016
192 Seiten
ISBN 978-3499217463
Alter: 10 - 12 Jahre
9,99 €

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Inhalt
Viktor wünscht sich oft, er wäre ein starkes, wildes Tier, das sich gegen alles wehren kann. Gegen Tom und Ronnie in der Schule, zum Beispiel. Oder gegen die Trauer nach dem Tod seines Vaters. Vielleicht ist es darum kein Zufall, dass Viktor eines Tages am Bahndamm einem verletzten Wolf begegnet. Viktor spürt sofort eine tiefe Verbundenheit mit dem wilden Tier. Aber dann wird der Wolf gefangen und in einen Wildpark gebracht. Viktor weiß eines ganz genau: Er muss dem Wolf helfen!

Rezension
In diesem Buch finden sich ein Wolf, der aus einem Gehege ausbricht, und verängstigt versucht, zu überleben, und ein Junge, der den Verlust seines Vaters verschmerzen muss. Beide haben Angst, zu vertrauen und sich zu öffnen und finden über Artengrenzen hinweg einen Weg zueinander – und zu sich selbst.

Es gibt nur wenige Wolfsbücher für Kinder, die meisten sind im Genre Fantasie zu finden. Um so erfrischender, wenn ein Kinderroman eine realistische Basis hat und die (Gehege-)Wölfe echt und authentisch porträtiert werden. Als Wolfsforscherin freue ich mich sehr darüber – wenngleich ich als solche mit dem Schluss nicht ganz glücklich bin. Aber das schmälert nicht den Zauber des Buches. Es ist ein Roman, eine Fiktion.
Besonders fasziniert haben mich die Schilderungen des Autors, wie sich Viktor dem Wolf nähert. Er drängt sich nicht auf, sondern beobachtet nur aus der Distanz und respektiert das Tier. So soll es sein. Am Ende entscheidet der Wolf, ob und wie er sich dem Menschen nähert.
Ähnlich empfinde ich auch den Erzählstil. Obwohl im Buch sehr viele Informationen zu finden sind über Wölfe, Wilderei, Tierhandel, Mobbing – fast schon ein wenig zu viel – drängt sich der Text nicht auf und lässt den Leser seinen eigenen Weg finden. Ich empfinde den Ton angenehm zurückhalten und ruhig.

Gefallen hat mir auch die Erzählung aus der Perspektive des Wolfes. Wie ist es, aus seinem Gefängnis auszubrechen? Wie sieht das Leben „draußen“ aus? Wie groß ist die Angst vor den Menschen? Sehr gut schildert der Autor auch den Unterschied zwischen wilden und gefangenen Wölfen und betont, dass Wölfe sich nicht als Haustiere eignen. Das ist wichtig.

Kurzum – hervorragend recherchiert, wunderbar erzählt und mit absolut bezaubernden Illustrationen von Barbara Korthues. Man muss sich einfach in diesen Wolf verlieben! (ehr)


04.07.2016

Neues Wolfsrudel in Niedersachsen / Herkunft des Welpen

Aktuelles aus dem Wolfsmonitoring: Neues Wolfsrudel in Niedersachsen nachgewiesen/ Reproduktionsnachweis in Munster

In der Lüneburger Heide, im Raum Schneverdingen, konnte ein neues Wolfsrudel in Niedersachsen nachgewiesen werden. Der Nachweis wurde über die genetische Analyse eines Wolfswelpen geführt.

Der Welpe, ein weibliches Tier,  war am 20. Juni von einer Familie aufgefunden worden und wurde auf Veranlassung des Niedersächsischen Landesamtes für Wasserwirtschaft, Küsten-und Naturschutz (NLWKN) für einige Tage in der Wildtierauffangstation der Wildtierhilfe Lüneburger Heide untergebracht. Am 28. Juni veranlasste das NLWKN die Freilassung. Während dieser Zeit wurde an das Labor für Wildtiergenetik des Senckenberg-Instituts eine Genetikprobe übersendet. Das Ergebnis dieser Probe liegt vor und hat ergeben, dass es sich um einen Reproduktionsnachweis eines neu etablierten Rudels handelt. Durch die Analyse der Genetik des Wolfwelpens, konnten auch die Elterntiere genetisch bestimmt werden: Bei der Wolfsfähe handelt es sich um einen Nachkommen aus dem Gartower Rudel, der Rüde wurde im Jahr 2014 bei Sternberg in Mecklenburg-Vorpommern nachgewiesen und entstammt der Zentraleuropäischen Flachlandpopulation. 
Bei dem Wolfsrudel auf dem Truppenübungsplatz Munster gibt es einen aktuellen C1-Nachweis für eine diesjährige Reproduktion: Mittels einer Fotofalle konnte mindestens ein Welpe nachgewiesen werden.
Aktuell sind damit acht Wolfsrudel, zwei Wolfpaare sowie drei territoriale Fähen in Niedersachsen nachgewiesen. Zudem gibt es mehrere Einzelnachweise. Aktuelle Informationen zum Wolfsmonitoring in Niedersachsen finden Sie auf unserer Internetseite .

Die Ausbreitung der Wölfe in Niedersachsen wird wissenschaftlich dokumentiert. Das Umweltministerium hat mit dem Wolfsmonitoring die Landesjägerschaft Niedersachsen e.V. beauftragt, die diese Aufgabe in enger Zusammenarbeit mit dem NLWKN (Niedersächsischer Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz) und den rund 100 Wolfsberatern wahrnimmt. Wer Spuren, Losungen oder Risse findet, die auf einen Wolf hinweisen, oder einen Wolf sieht, sollte seinen Fund dem örtlichen Wolfsberater oder der Landesjägerschaft Niedersachsen (wolf@ljn.de) melden.


Neue Wolfsvorkommen in Sachsen

Westlich der Königsbrücker Heide hat sich im Landkreis Meißen ein neues Wolfsrudel etabliert. In diesem Bereich gibt es seit Ende 2015 einzelne Nachweise, zuletzt berichtete das Kontaktbüro Anfang März 2016 von einer Wolfssichtung bei Großenhain.
Am 27.06.2016 wurde dem Wolfsmanagement nun der Nachweis von drei Wolfswelpen gemeldet. Somit steht fest, dass sich dort eine neue Wolfsfamilie gegründet hat. Noch liegen keine genetischen Proben aus dem Gebiet vor. Auch muss im Rahmen des Monitorings geklärt werden, in wie weit sich das Territorium des neuen Rudels möglicherweise nach Norden in das Land Brandenburg erstreckt.
Dort war im Bereich von Schraden bzw. der Ruhlander Heide im letzten Monitoringjahr* ein Rudel bestätigt worden. Die am nächsten gelegenen, bekannten sächsischen Wolfsvorkommen sind das Königsbrücker Heide- und das Laußnitzer Heide-Rudel östlich der BAB 13, sowie das Gohrischheide Rudel. 

Zudem hat sich ein neues Wolfsrudel im Bereich des Westteils des Truppenübungsplatzes Oberlausitz (LK Bautzen) zwischen dem Milkeler und dem Spremberger Rudel etabliert. Dieses Gebiet war von 2004 bis 2008 das Kerngebiet des Neustädter Rudels. Anschließend wurde es vom Milkeler Rudel übernommen und gehörte seitdem zum Milkeler Territorium. Seit dem Winter wurde dort wiederholt ein junges Wolfspaar beim Reviermarkieren fotografiert (Abb.1). Die aktuell vorliegenden Fotofallenaufnahmen einer Fähe mit Gesäuge lassen darauf schließen, dass dieses neue Paar Nachwuchs bekommen hat. Inwieweit das Milkeler Rudel sein Territorium in eine andere Richtung verlagert hat, ist noch nicht bekannt.
Auch in drei weiteren sächsischen Wolfsterritorien gibt es aktuell Fotos von Fähen mit Gesäuge. In den nächsten Wochen werden vermehrt auch die Anfang Mai geborenen Welpen auf Fotofallenaufnahmen erwartet. Die diesbezüglichen Monitoringarbeiten dauern noch den ganzen Sommer an.

Aktuelle Verbreitung in Sachsen
Nach aktuellem Stand sind im Freistaat Sachsen 14 Wolfsrudel bestätigt. Außerdem gibt es im Hohwald eine territoriale Fähe. Ob diese inzwischen einen Partner gefunden hat, ist noch nicht abschließend geklärt.
Darüber hinaus haben drei Wolfsterritorien (Annaburger Heide, Ruszow und Zschorno) einen kleinen Teil ihres Gebiets auf sächsischer Seite. Da der größere Teil der Territorien in anderen Ländern liegt, werden sie in den jeweiligen Nachbarländern mitgezählt. 
In den Landkreisen Görlitz und Bautzen südlich der A4 gibt es weitere einzelne Nachweise und bestätigte Hinweise auf Wölfe. Dies betrifft die Bereiche Cunewalde, Löbau, Kottmar, Bernsdorf a.d. Eigen und Zittau. Im Rahmen des Monitorings wird hier weiterhin versucht, den Status zu klären.
Die Daten für das Monitoringjahr* 2015/2016 werden aktuell noch zusammenfassend ausgewertet. Der abschließende Stand zur Verbreitung von Wölfen in Sachsen für das Monitoringjahr 2015/16 wird deshalb erst im Spätsommer bzw. Frühherbst bekannt sein.

Herdenschutz
Tierhalter in der Region zwischen der Königsbrücker Heide und Großenhain sollten die Etablierung von Wölfen in diesem Gebiet zum Anlass nehmen, die Schutzvorkehrungen für ihre Schafe und Ziegen bzw. Gatterwild zu überprüfen und ggf. zu verbessern. Die Umzäunung darf keine Durchschlupfmöglichkeiten am Boden bieten und muss an allen Seiten geschlossen sein – über offene Gräben oder angrenzende Gewässer können Wölfe leicht in die Umzäunung eindringen. 
Stromführende Zäune haben sich als effektiver Schutz gegen Wölfe bewährt. Als Mindestschutz gelten bei Schaf- und Ziegenkoppeln 90 cm hohe, handelsübliche Elektrozäune (z.B. Flexinetze oder Litzenzäune). Empfohlen werden höhere Elektronetze oder Elektrozäune mit mindestens 5 Litzen. Der Abstand zwischen der untersten Litze und dem Boden sollte dabei 20 cm nicht überschreiten. Nicht-stromführende Festzäune müssen mindestens 120 cm hoch sein. Hier ist ein Untergrabungsschutz empfehlenswert. Alternativ bietet die Unterbringung der Tiere in einem geschlossenen Stall über Nacht einen guten Schutz.
Schaf- und Ziegenhalter sowie Betreiber von Wildgattern im gesamten Freistaat Sachsen haben die Möglichkeit, sich Herdenschutzmaßnahmen zu 80% der Nettokosten fördern zu lassen.

Bei Fragen zum Herdenschutz oder zur Förderung von präventiven Schutzmaßnahmen kann man sich an einen der folgenden Sachbearbeiter wenden:

Zuständig für die Landkreise Nordsachsen, Leipzig, Mittelsachsen, Zwickau, Erzgebirge und Vogtland, sowie die Städte Leipzig und Chemnitz ist Herr Klausnitzer (Tel. 0151 / 5055 1465, E-Mail). 

Zuständig für die Landkreise Görlitz, Bautzen, Meißen und Sächsische Schweiz – Osterzgebirge, sowie die Stadt Dresden ist Herr Klingenberger von der Biosphärenreservatsverwaltung in Malschwitz OT Wartha (Tel. 0172 / 3757 602, E-Mail).

*Im Rahmen des Wolfsmonitorings werden die erhobenen Daten jährlich basierend auf dem Monitoringjahr, nicht anlehnend an das Kalenderjahr, zusammenfassend ausgewertet. Das Monitoringjahr läuft jeweils vom 01. Mai eines Jahres bis zum 30. April des darauffolgenden Jahres. Der Zeitabschnitt umfasst ein biologisches „Wolfsjahr“, von der Geburt der Welpen bis zum Ende ihres ersten Lebensjahres. (Quelle)

Das neue Wolfspaar auf dem Westteil des Truppenübungsplatzes bei Neustadt © LUPUS 

03.07.2016

Rezension: How Dogs Work

How Dogs Work
Raymond Coppinger und Mark Feinstein
The University of Chicago Press, 2015
224 Seiten
Sprache: Englisch
ISBN 978-0226128139
$ 26 / € 25,05

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Inhalt
How well do we really know dogs? People may enjoy thinking about them as man s best friend, but what actually drives the things they do? What is going on in their fur-covered heads as they look at us with their big, expressive eyes? Raymond Coppinger and Mark Feinstein know something about these questions, and with "How Dogs Work," they’re ready to share; this is their guide to understanding your dog and its behavior …

Rezension

Raymond Coppinger ist zweifellos derjenige unter den zeitgenössischen Hundeforschern, der die Denkansätze und Konzepte der, bisweilen etwas abfällig als klassische Ethologie bezeichneten, Verhaltensbiologie kontinentaleuropäischer Herkunft am deutlichsten in seinen Arbeiten vertritt. Seine Untersuchungen drehen sich dementsprechend meistens um die Entwicklung von Verhaltensweisen, die er nicht mehr als angeboren, sondern als intrinsisch bezeichnet, und er betont sehr stark in allen Überlegungen die Verknüpfungen von Erbe und Umwelt, die ja letzten Endes heutzutage auch durch die Erkenntnis von epigenetischen Prozessen noch verkompliziert werden. Insofern ist Raymond Coppingers Buch keineswegs ein altbackenes oder gar überholtes Werk. Stattdessen zeigt er in seinem Buch sehr deutlich, wie moderne verhaltensbiologische Ansätze, verknüpft mit (auch hier die Nähe zu Lorenz) den Forschungsansätzen und Erklärungsmustern der vergleichenden Anatomie und Embryologie, zu einem besseren Verständnis hundlichen Verhaltens führen können. Der Titel ist bewusst zweideutig gehalten. Einerseits geht es auch in diesem Buch natürlich wieder um die Studien und Erkenntnisse, die Coppingers Arbeitsgruppe mit Herdenschutzhunden, Hütehunden und Schlittenhunden, also echten Arbeitshunden gewonnen hat. Andrerseits aber möchte er durchaus auch zeigen, wie der Hund als Lebewesen tickt. An einigen Stellen benutzt er durchaus eine Metapher, die eine maschinenähnliche Funktion eines Lebewesens hervorspielt. Trotzdem betont er auch, dass dies keine reines, Descartes'sches Modell sei. Höhere komplexere Verhaltensleistungen, die nur mit Hilfe eines Überlegens und einer Verhaltensplastizität ermöglicht werden, sind ihm keineswegs fremd.
Das Buch zeigt auf 243 Seiten, sehr gut recherchiert, welche interessanten Erklärungsmuster die genannte traditionell kontinentalethologische Theorie auch heute noch zu bieten hat. In vielen Fällen betont Coppinger vor allem, wie auch die Form und die Funktion sowohl eines Organs als auch eines Verhaltensablaufs eng und unlösbar miteinander verknüpft sind. Wie bereits Gordon Burkhardt in seinem Vorwort betont, versucht Coppinger in diesem Buch die Extreme sowohl einer kognitiven Übertreibung (Hunde als vierbeinige Genies) als auch des extremem Behaviorismus zu vermeiden und zwischen diesen beiden Klippen möglichst störungsfrei hindurchzunavigieren.
Coppinger und Feinstein betrachten also zunächst die Form, die den Hund zu seiner Funktion befähigt. In einem vorgeschalteten Kapitel jedoch wird auch beleuchtet, wie denn Ethologen so ticken, also die konzeptionelle Grundlage der Verhaltensbiologie wird, mit sehr vielen historischen und auch neueren Anmerkungen, dargestellt. Hier wird bereits eine der Grundideen von Coppinger und Feinstein ausgearbeitet, nämlich die emergenten, also sich selbst entwickelnden Strukturen. Emergence beschreiben die Autoren als die Erscheinung, dass auch einfach Eigenschaften und Prozesse in Wechselwirkung miteinander treten und dann wesentlich komplexere Strukturen und Verhaltensweisen zeigen, als die Summe der Einzelteile dies ermöglichen würde. Diese interessante Betrachtung wird von allem dann in einem späteren Kapitel über Spielverhalten und über die kognitiven Leistungen von Hunden ausgearbeitet.
Durchgängig, bereits in diesem Kapitel über die Wirkungsweise ethologische Betrachtungen zum ersten Mal, finden sich dann meistens Beispiele aus den genannten Arbeitshundprojekten der Coppingerschen Gruppe, um allgemeinbiologische und ethologische Grundprinzipien mit Beispielen zu erläutern.
Nicht nur die körperliche Form, auch die Form von Verhaltensabläufen, den motorischen Verhaltensmustern, wird in einem eigenen Kapitel behandelt, und wie nicht anders zu erwarten wird hier insbesondere die durch Coppingers Arbeiten allgemein bekannte Verhaltenskette des Beutesuchens, des Beutefanges bis hin zum Nahrungsverzehr genutzt, um sowohl allgemeine hundliche Prinzipien als auch Rasseunterschiede zu erläutern. Auch hier werden neben den grundsätzlichen Verhaltensabläufen wiederum die zu ihrem Studium notwendigen verhaltensbiologischen Datenerfassungen und Auswertemethoden besprochen. Dem Nahrungserwerbsverhalten wird dann noch ein eigenes Kapitel gewidmet, in dem auch die ontogenetischen, also entwicklungsgeschichtlichen Abläufe deutlich behandelt werden.
Wie bereits erwähnt, benutzen Coppinger und Feinstein den Begriff des intrinsischen, also innenliegenden Verhaltens, um gerade beim Ablauf von Verhaltensmustern und deren langsamer Perfektionierung über die Ontogenese mit der Diskussion um angeborenes vs. erworbenes Verhalten, und um Innen- vs. Außenmotivation, weitgehend ausweichen zu können. Hier wird einerseits am Beispiel des Verlassenheitsrufs eines Welpen, und hierbei auch am Zeitablauf des Auftretens und Beantwortens dieses Rufes bei Welpe und Mutter im Laufe der Welpenentwicklung, nochmals über das Zusammenspiel von inneren und äußeren Faktoren sowie Schwellwerten diskutiert.
Anpassungsprozesse im ontogenetischen Entwicklungsprozess werden dann wiederum speziell am Beispiel der Sozialisierung von Herdenschutzhunden mit ihren Nutztieren, aber auch an anderen.
Von besonderer Bedeutung, insbesondere auch wegen der derzeit stattfindenden Diskussionen zwischen Coppinger und Marc Bekoff ist das nächste Kapitel, in dem das Konzept des emergent behavior, des sich selbst organisierenden Verhaltens an mehreren Beispielen dargelegt wird. Dass die Jagdstrategien eines Wolfsrudels keineswegs nur mit komplexen kognitiven Prozessen erklärt werden können, zeigt ein von Coppinger mit einigen Computerwissenschaftlern zusammen entwickeltes Modell. Zwei einfache Entscheidungsregeln, nämlich sich einerseits nur aber genau bis zu einer kritischen Distanz sich dem Beutetier zu nähern, und dann, sobald man diese kritische Distanz erreicht hat, einen möglichst großen Abstand zu anderen Wölfen einzuhalten, reichen bereits aus, um das Umzingeln und immer wieder Belästigen eines eingekreisten potentiellen Beutetiers sehr gut modellieren und darstellen zu können. In einschlägigen Veröffentlichungen von Coppinger und Coautoren zeigen demgemäß wirklich, dass mit diesen beiden einfachen Entscheidungsregeln eine Umzingelung und Belagerung der Beute nahezu wirklichkeitsgetreu vorhergesagt und simuliert werden kann. Als zweites Beispiel für die Selbstorganisation emergenten Verhaltens wird dann die Motivationsanalyse des Bellens, in seinen verschiedenen Kombinationen und Situationen besprochen.
Spielverhalten wird, wie könnte es anders sein, einem eigenen Kapitel unterzogen. Hier sind vor allem die Betrachtungen der als Spielverbeugung bezeichneten Vorderkörpertiefstellung von Interesse. Coppinger und Feinstein verneinen keineswegs, dass Spielverhalten adaptive Funktionen haben könnte. Sie benutzen jedoch die von ihnen dargelegten, zur Selbstorganisation des Verhaltens führenden Konzepte, um eine allzu stark auf kognitive Fähigkeiten und höhere geistige Leistungen des Verhaltens ausgerichtete Betrachtung des Spielens zu kritisieren.
Betrachtet man diese Diskussion, so könnte, wie meistens, wahrscheinlich die Wahrheit irgendwo in der Mitte liegen. Auch wenn Verhaltensweisen, wie etwa die Vorderkörpertiefstellung als Konfliktverhalten (beachtenswert ein Foto, in dem sich ein Wolf einer Bisongruppe in dieser, wohl jetzt kaum spielerisch gemeinten Verhaltensweise nähert), dann kann durch aus ein Ritualisierungsprozess aus einem ursprünglich dem ambivalenten Konfliktverhalten zugeschriebenen Bewegungsablauf entstanden sein. Man erinnere sich an die berühmte Arbeit über die Ritualisierung des Balzverhaltens bei verschiedenen Entenarten durch Konrad Lorenz selbst. Auch hier nimmt die noch so komplexe und mit Schmuckfedern ausgestattete Verhaltenskette oftmals ihren Ursprung in einem einfachen Übersprungsputzen oder einem anderen, aus ambivalenter Motivationslage entstehenden Verhaltensmuster.
Wenn man Coppinger und Feinstein bis zu diesem Punkt gelesen hat, wird man auch nicht überrascht sein, dass sich das nächste Kapitel mit den höheren kognitiven Leistungen von Hunden beschäftigt. Hier geht es vor allem um die Frage, inwieweit Hundegehirne als informationsverarbeitende, informationssammelnde und dann auch beantwortende Organe arbeiten können, ohne dass höhere Formen des Bewusstseins dazu nötig sind. An einer Stelle schreibt das Autorenduo, dass ganz sicher kein Bewusstsein im Sinne von „ich hüte jetzt Schafe“ im Gehirn eines Border Collies vorhanden sein muss, wenn er gerade sein intrinsisches Hüteverhalten zeigt. Nichtmenschliche Tiere haben nach Ansicht von Coppinger und Feinstein selbstverständlich informationsverarbeitende Prozesse und ein Gehirn, dass Informationsverarbeitenden Prozesse in einer kritischen angepassten Art und Weise zum Steuern des Verhaltens nutzt. Sie müssen jedoch nach Ansicht der beiden kein explizites Bewusstsein oder einen höheren Sinn für die Erfahrungen ihre mentalen und informationsbezogenen Zustände haben.
Nach diesem, möglicherweise für einige Befürworter einer hohen kognitiven Intelligenz des Hundes ernüchternde Betrachtungen kehren die beiden Autoren im Schlusswort dann nochmals zur Komplexität der Verknüpfung zwischen Verhaltensmustern, Erfahrung, Umwelt und den Informationsprozessen zurück. Und hier betonen sie dann nochmals den Unterschied zwischen einem erfolgreich arbeitenden Border Collie und einem Computer. Letzterer, so wird erwartet, sollte sofort richtig funktionieren, wenn man ihn aus der Schachtel holt. Ein Border Collie oder anderer Arbeitshund dagegen braucht lange Trainings-, Erfahrungs-, und Reifungszeiten bevor er, und das meist nur in einem bestimmten optimalen Alter (beispielsweise zwischen drei und sechs Jahren) seine Arbeit richtig und kompetent erledigen kann. Die Autoren selbst schreiben dann auch, dass sie durchaus mit Widerspruch zu ihren Thesen und Konzepten rechnen und diesen auch ermuntern. Als Wissenschaftler und Collegeprofessoren seien sie (meiner Meinung nach vollkommen zu Recht) eben der Meinung, dass nur aktives und auch kritisches Nachfragen und Nachforschen den Fortschritt wissenschaftlicher Erkenntnis begünstigen könnte.
Das Buch ist mit einer Vielzahl von schwarzweiß Fotos, Grafiken und anderen Materialien sowie acht Farbtafeln von Hunden und anderen Beutegreifern in verschiedenen Verhaltenssituationen ausgestattet. Die wissenschaftliche Seriosität der Autoren spiegelt sich auch in insgesamt 10 Seiten sehr klein gedruckten Literaturverzeichnisses und 15 Seiten zweispaltig gesetzten Schlagwortregisters wieder.
How Dogs Work ist ein stimulierendes und für alle, die sich der ethologischen Betrachtung hundlichen Verhaltens zugeneigt fühlen, unbedingt lesenswertes Buch. Es zeigt, wie die Verhaltensbiologie tickt, wie Hunde möglicherweise ticken könnten, und wie verschiedene Arbeitshundrassen eben aus einer sehr ähnlichen, aber doch unterschiedlichen Grundform heraus zu einem völlig unterschiedlichen Lebensformtyp und Verhaltensprofil kommen können. (Udo Gansloßer)