30.09.2016

"Wölfische" Weihnachtsaktion erweitert

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> Der Wolf am Fenster




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28.09.2016

Aktuelle Informationen zu Wölfen in Sachsen (Stand: September 2016)

Aktuell gibt es in Sachsen 19 bestätigte Wolfsterritorien (Abb.1, Tab.1). Davon liegen 17 Territorien ganz im Freistaat Sachsen und zwei Territorien sind grenzübergreifend: eines zu Brandenburg (SP) und ein weiteres zur Tschechischen Republik (HW). Drei Wolfsterritorien (AH, RZ und Z) haben nur zu einem kleinen Teil ihr Gebiet auf sächsischer Seite und werden daher in den Nachbarländern mitgezählt.

Abb. 1:  Wolfsvorkommen in Sachsen (Stand September 2016). Die Darstellung der Territorien ist schematisch. Tatsächlich grenzen die einzelnen Territorien überall aneinander oder überlappen sich teilweise. Schraffiert gekennzeichnet ist das Gebiet Löbau/Zittau, in dem der Status unklar ist. Angrenzend an das sächsische Wolfsgebiet gibt es auch in Brandenburg und Polen flächendeckend Wolfspräsenz. Aktuell wurde darüber hinaus auch direkt südlich der sächsischen Vorkommen in Tschechien, im Schluckenauer Zipfel, ein Wolfsrudel nachgewiesen (Rumburk, in der Karte nicht dargestellt).

Entwicklung in Sachsen:
Im letzten Monitoringjahr* 2015/2016 wurden in im Freistaat Sachsen 15 Rudel, 3 Paare und ein territoriales Einzeltier nachgewiesen. Somit haben sich im Vergleich zu 2014 in Sachsen fünf neue Rudel (Königshainer Berge, Gohrischheide, Biehain, Cunewalde, Knappenrode) und drei neue Paare (Neustadt, Raschütz, Bernsdorf) etabliert.
Über die Nachweise der neuen Territorien in den Königshainer Bergen, der Gohrischheide, Neustadt und Raschütz (Raum Großenhain) berichtete das Kontaktbüro bereits. Die Auswertung von genetischen Untersuchungen ergab nun auch Klarheit in anderen Bereichen. Dies betrifft das Biehainer Rudel, im Bereich nördlich und südlich des Biehainer Forstes, und das Knappenrode Rudel südlich von Hoyerswerda. Auch aus dem Bereich Cunewalde konnten die genetischen Untersuchungen nun den Nachweis erbringen dass dort im letzten Jahr Welpen geboren wurden. Bereits im Herbst 2015 lieferten Fotofallenaufnahmen erste  Hinweise darauf, endgültig geklärt wurde der Status des Vorkommens aber erst jetzt.
Zudem hat ein Wolfspaar südwestlich des Seenlandrudels im Bereich Bernsdorf ein neues Territorium etabliert, wie die Auswertung der genetischen Ergebnisse ergab.
Im Laufe des Frühsommers 2016 konnten zwei weitere neue Rudel (Raschütz und Neustadt) bestätigt werden (KB berichtete). In beiden Bereichen müssen sich also bereits im Monitoringjahr 2015/2016 Wolfspaare etabliert haben.

Das Gebiet um Neustadt (Spreetal) war von 2004 bis 2008 Kerngebiet des Neustädter Rudels. 2009 wurde es vom Milkeler Rudel übernommen. Nun hat eine Tochter des Milkeler Rudels hier ihr eigenes Territorium etabliert. Auch das Knappenroder Rudel, dessen Territorium am westlichen Rand des Milkeler Territoriums liegt, wurde von einer Tochter aus dem Milkeler Rudel gegründet.

Im aktuellen Monitoringjahr 2016/2017 konnte bisher in 8 Rudeln der Nachweis von Reproduktion durch Aufnahmen von Welpen oder der Fähe mit Gesäuge erbracht werden (Welpenaufnahmen: Daubitz, Nochten, Biehain, Milkel, Knappenrode, Raschütz; Fähe mit Gesäuge: Neustadt, Dauban). Aus den Territorien Gohrischheide, Königsbrücker Heide, Königshainer Berge, Niesky, Seenland und Spremberg liegen noch keine Nachweise von Welpen vor.
Bei der territorialen Wölfin im Hohwald gibt es bislang keine Belege für die Anwesenheit eines möglichen Partners. Aus dem Laußnitzer Heide, Rosenthaler und Cunewalde Rudel, die im letzten Monitoringsjahr 2015/2016 Welpen aufgezogen haben, liegen aus diesem Jahr kaum Wolfshinweise vor, sodass deren aktueller Status noch unklar ist.

Im südlichen Teil des Landkreises Görlitz, im Bereich um Löbau bis ins Zittauer Gebirge, liegen einzelne Nachweise von Wölfen vor, jedoch ist noch unsicher ob es sich bereits um ein etabliertes Territorium handelt. Im Rahmen des Monitorings wird hier weiterhin versucht, den Status zu klären. Darüber hinaus wurde aktuell auch direkt südlich der sächsischen Vorkommen in Tschechien, im Schluckenauer Zipfel, ein Wolfsrudel nachgewiesen (Rumburk, nicht in der Karte dargestellt).

Hinweise aus der Bevölkerung werden immer gerne angenommen. Vor allem Sichtungen von Wölfen und auch Welpen liefern wichtige Informationen für das Monitoring. So sind dies häufig die ersten Anhaltspunkte für Neuetablierungen aber auch im bestehenden Wolfsgebiet sind sie hilfreich um einzelne Rudel abgrenzen zu können. Bitte melden Sie Wolfshinweise an das Landratsamt Ihres Landkreises, an das Kontaktbüro „Wolfsregion Lausitz“ (Tel. 035772 / 46762, kontaktbuero@wolfsregion-lausitz.de) oder an das LUPUS Institut für Wolfsmonitoring und –forschung in Deutschland (Tel. 035727 / 57762, kontakt@ lupus-institut.de).

Tab.1 Übersicht der Wolfsterritorien in Sachsen mit Angabe des aktuellen Status, des ersten Reproduktionsnachweises, und des Stands der Reproduktionsnachweise für 2016.
(*) grenzübergreifendes Territorium
(**) Im Gebiet um Neustadt (Spreetal) gab es bereits von 2004 bis 2008 ein Wolfsrudel.



Wolfsterritorien
Status
erster Reproduktions-nachweis
Hinweise auf Welpen 2016
Nochten (NO)
Rudel
2005
mind. 4 Welpen
Daubitz (DZ)
Rudel
2006
mind. 5 Welpen
Dauban (DN)
Rudel
2008
Fähe
mit Gesäuge
Milkel (MI)
Rudel
2008
mind. 4 Welpen
Seenland (SL)
Rudel
2009
noch offen
Niesky (NY)
Rudel
2011
noch offen
Königsbrücker Heide (KH)
Rudel
2011
noch offen
Spremberg (SP)*
Rudel
2011
noch offen
Rosenthal (RT)
in Bearbeitung
2014
noch offen
Laußnitzer Heide (LH)
in Bearbeitung
2014
noch offen
Biehain (BI)
Rudel
2015
mind. 3 Welpen
Köngishainer Berge (KHB)
Rudel
2015
noch offen
Knappenrode (KN)
Rudel
2015
mind. 2 Welpen
Gohrischheide (GH)
Rudel
2015
noch offen
Cunewalde (CUN)
in Bearbeitung
2015
noch offen
Raschütz (RA)
Rudel
2016
mind. 3 Welpen
Neustadt (N)**
Rudel
2016
Fähe
mit Gesäuge
Bernsdorf (BED)
in Bearbeitung

noch offen
Hohwald (HW)*
in Bearbeitung
2012-2013
noch offen

In Deutschland wurden im Monitoringjahr 2015/2016 insgesamt 46 Wolfsrudel, 15 Paare und 4 territoriale Einzeltiere in sechs Bundesländern bestätigt.

Herdenschutz:
Im Jahr 2016 (Stand: 26.09.2016) wurden dem Wolfsmanagement im Freistaat Sachsen bisher 42 Übergriffen auf Nutztiere bzw. Gatterwild gemeldet. In 23 Fällen war der Wolf als Verursacher wahrscheinlich bzw. nicht auszuschließen. Dabei wurden insgesamt 135 Tiere getötet, 10 sind vermisst und 4 verletzt.
Es ist wichtig, dass Tierhalter ihre Zäune regelmäßig überprüfen bzw. Schwachstellen beseitigen, um Verluste von Nutztieren durch Wölfe möglichst zu verhindern oder gering zu halten. Damit ein guter Schutz gegen Wolfsübergriffe gewährleistet werden kann, haben Schaf- und Ziegenhalter, sowie Betreiber von Wildgattern im Freistaat Sachsen die Möglichkeit sich Herdenschutzmaßnahmen, wie z.B. die Anschaffung von Elektrozäunen, über die Richtlinie „Natürliches Erbe“ fördern zu lassen.

Bei Fragen zu Herdenschutzmaßnahmen oder zur Förderung solcher kann man sich an die Landratsämter der Landkreise, die Außenstellen des Sächsischen Landesamtes für Umwelt Landwirtschaft und Geologie (LfULG) in Kamenz, Mockrehna und Zwickau oder an einen der folgenden Mitarbeiter wenden:

Zuständig für die Landkreise Nordsachsen, Leipzig, Mittelsachsen, Zwickau, Erzgebirge und Vogtland, sowie die Städte Leipzig und Chemnitz ist Herr Klausnitzer vom Fachbüro für Naturschutz und Landschaftsökologie in 04741 Roßwein, OT Haßlau, Nr. 29a (Tel.: 0151 / 5055 1465, E-Mail: herdenschutz@klausnitzer.org).

Zuständig für die Landkreise Görlitz, Bautzen, Meißen und Sächsische Schweiz – Osterzgebirge, sowie die Stadt Dresden ist Herr Klingenberger von der Biosphärenreservatsverwaltung in 02694 Malschwitz OT Wartha, Warthaer Dorfstraße 29 (Tel.: 0172 / 3757 602, E-Mail: andre.klingenberger@smul.sachsen.de).

Tote Wölfe:
In Sachsen wurden 2016 bisher 4 Totfunde gemeldet. Mitte Februar wurde bei Burghammer (LK Bautzen) eine erwachsene Tochter des Milkeler Rudel tot gefunden, die eines natürlichen Todes gestorben war. Das Tier wies starke Räudesyptome auf, es war extrem abgemagert und hatte eine Verletzung am Hinterfuß. Diese führte dazu, dass die Wölfin den betroffenen Fuß nicht mehr aufsetzen konnte, wie Fotofallenbilder belegten. Ende Februar  wurde bei Biehla (LK Bautzen) ein männlicher Welpe des Rosenthaler Rudels überfahren. In zwei Fällen blieb die Todesursache unklar: Bei einem im Mai bei Cunewalde (LK Bautzen) gefundenen Wolf, dessen Kadaver schon recht verwest war und bei einem im Juli festgestellten Totfund bei Horka (LK Görlitz) für den zunächst der Verdacht auf eine illegale Tötung bestand. (PM Kontaktbüro Wolfsregion Lausitz, 28.9.16)


Wolfspaar Neustadt © LUPUS

Welpen Biehain © LUPUS

 

26.09.2016

Wolf fasst in Deutschland weiter Fuß: Nachweis von 46 Rudeln

Wolfsverbreitung in Deutschland:
BfN-Präsidentin: „eine Erfolgsgeschichte des Naturschutzes“
 

Auswertung des Wolfsjahres 2015/2016 von BfN und DBBW vorgestellt
 

Datenbank vereinfacht Informationsaustausch zwischen Bund und Ländern

Bonn, 23. September 2016: Der Wolf erobert sich seine alte Heimat zurück. Das zeigen die aktuellen Monitoring-Daten, die das Bundesamt für Naturschutz (BfN) heute vorgestellt hat. Mittlerweile sind in Deutschland 46 Rudel, 15 Paare und vier sesshafte Einzeltiere nachgewiesen.

Im Vergleich des aktuellen Monitoringjahres 2015/2016 zum vorherigen ist die Zahl der bestätigten Rudel in Deutschland von 31 auf 46 gestiegen, die Zahl der Wolfspaare ist von 19 auf 15 und die Zahl der sesshaften Einzelwölfe ist von sechs auf vier gesunken. Als Wolfsländer haben sich mittlerweile sechs Bundesländer etabliert: Sachsen, Brandenburg, Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern, Thüringen und Niedersachsen. Die meisten Tiere leben in Sachsen und Brandenburg. Nach Sachsen war auch im Jahr 2000 erstmals nach der Ausrottung der Art in Deutschland vor 150 Jahren ein Wolfspaar aus Polen zugewandert.

"Die positive Entwicklung der Wolfspopulation in Deutschland ist eine Erfolgsgeschichte des Naturschutzes seitdem der Wolf unter strengem Artenschutz in der Europäischen Union steht", sagt BfN-Präsidentin Prof. Beate Jessel. "Trotz der erfreulichen Zahlen weist die Art insgesamt allerdings immer noch eine ungünstige Erhaltungssituation auf. Und wir dürfen auch die Augen nicht davor verschließen, dass der Mensch nach wie vor der größte Feind des Wolfes ist." Vor allem der Straßenverkehr und illegale Abschüsse gefährden den Wolf. Das belegen folgende Zahlen: Nur 14 der 147 insgesamt seit 2000 in Deutschland tot aufgefundenen Wölfe sind nachweislich eines natürlichen Todes gestorben.

"Wölfe leben heute in der Kulturlandschaft in direkter Nähe zum Menschen und es gehört zu ihrem normalen Verhalten, dass sie gelegentlich auch tagsüber in Sichtweite zu bewohntem Gebiet entlanglaufen", erklärt die BfN-Präsidentin. "Wir müssen die Koexistenz von Mensch, Haus- und Nutztier und Wolf wieder erlernen. Deshalb ist die Arbeit des Wolfsberatungszentrums von so großem Wert."

Die Dokumentations- und Beratungsstelle des Bundes zum Wolf (DBBW) war zu Beginn des Jahres 2016 auf  Bitten der Länder hin nach fachlicher Unterstützung eingerichtet worden. "Unsere Arbeit ist auf zwei Schwerpunkte ausgerichtet. Wir führen alle relevanten Monitoringdaten zu Wölfen aus der gesamten Bundesrepublik Deutschland in einer komplexen Datenbank zusammen und werten diese aus. Die Ergebnisse stellen wir wiederum allen Beteiligten zur Verfügung. Darüber hinaus beraten wir insbesondere Naturschutzbehörden von Bund und Ländern bei der Beurteilung und Bewertung von Nachweisen und Hinweisen von Wölfen, aber auch bei der Schadensprävention oder beim Umgang mit auffälligen Wölfen", erklärt Prof. Hermann Ansorge, der die Projektleitung der DBBW inne hat.

"Deutschland war lange Zeit wolfsfrei und wir müssen erst wieder den Umgang mit diesem Wildtier lernen. Viele Menschen sind unsicher, was sie von der Rückkehr der Wölfe zu erwarten haben und ob von den Tieren eine Gefahr für den Menschen ausgeht. Aus diesem Grund haben wir zusammengefasst, was zum normalen und für uns Menschen unproblematischen Wolfsverhalten gehört und wann Aufmerksamkeit geboten ist. Die von uns entwickelten Empfehlungen sollen die Naturschutzbehörden der Länder in die Lage versetzen, eine Ersteinschätzung von Wolfsverhalten in Bezug auf die Sicherheit von Menschen vorzunehmen und mögliche Handlungsabläufe vorbereiten zu können. Zum Glück kommt es sehr selten vor, dass Wölfe ein für uns Menschen sicherheitsrelevantes Verhalten entwickeln", führt Ilka Reinhardt aus.

Hintergrund: Die DBBW
Die DBBW wird von einem Konsortium aus mehreren wissenschaftlichen Institutionen getragen: Unter der Führung der Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung (SGN) arbeiten darin das Senckenberg Museum für Naturkunde Görlitz (SMNG), das LUPUS Institut für Wolfsmonitoring und -forschung in Deutschland, das Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung Berlin (IZW) und das Senckenberg Forschungsinstitut, Standort Gelnhausen. Das Bundesamt für Naturschutz betreut die DBBW fachlich und finanziert deren Arbeit mit Mitteln des Bundesumweltministeriums.
(Bundesumweltministerium)

23.09.2016

NABU: Wolfsschutz weiter verbessern - illegale Tötungen sind kein Kavaliersdelikt

Berlin (ots) - Der NABU begrüßt die weiterhin positive Entwicklung der Wölfe in Deutschland. Wie das bundesweite Wolfs-Beratungszentrum und das Bundesamt für Naturschutz am heutigen Freitag in Berlin mitteilten, lebten bis Ende April 2016 insgesamt 46 Rudel und 15 Paare in Deutschland. Das sind rund 22 Prozent mehr als im Vorjahr. Gleichzeitig mahnte der NABU an, Ressourcen zu schaffen, um die steigende Zahl illegaler Tötungen von Wölfen aufzuklären und den Wolf weiterhin konsequent zu schützen.

"Deutschland schreibt mit der eigenständigen Rückkehr des Wolfes seit dem Jahr 2000 eine echte Erfolgsgeschichte des Naturschutzes. Die Populationen entwickeln sich gut und perspektivisch rechnen wir damit, dass Wölfe in allen Flächenbundesländern vorkommen werden", sagte NABU-Bundesgeschäftsführer Leif Miller.

Gleichzeitig betonte Miller, dass es wichtig sei, potenzielle Konflikte im Zusammenleben von Mensch und Wolf frühzeitig zu erkennen und Lösungen für Betroffene anzubieten. "Mehr als 15 Jahre mit dem Wolf in Deutschland zeigen uns, dass der Wolf keine finstere Bedrohung in dunklen Wäldern ist, wie es uns in den Märchen überliefert wird. Aber er bleibt ein Wildtier, an dessen Rückkehr wir uns erst gewöhnen müssen", so der NABU-Bundesgeschäftsführer. "Insbesondere für die Nutztierhalter ergeben sich grundlegende Veränderungen, die gemeinsam angegangen werden sollten."

Der NABU begrüßte, dass das Wolfsberatungszentrum erstmals auch einheitliche Empfehlungen und Hilfestellungen für die Länder zum Umgang mit auffälligen Wölfen erarbeitet. Nach Ansicht des NABU muss es künftig vor allem darum gehen, kritische Fälle von Vornherein zu vermeiden. Mit entscheidend sei dabei der Umgang des Menschen mit dem Wolf. "Wölfe sind von Natur aus weder scheu noch auffällig. Das sollten wir immer im Kopf behalten. Durch Fehlverhalten von Menschen, wie etwa Fütterungen, kann es aber dazu kommen, dass einzelne Tiere auffällig werden. Die effektivste Methode, kritische Situationen von Beginn an zu vermeiden, ist, Wölfe als echte Wildtiere zu behandeln und respektvollen Abstand zu wahren", sagte Miller.

In der Bevölkerung stößt die Rückkehr des Wolfes grundsätzlich auf breite Unterstützung, wie eine repräsentative forsa-Umfrage im Auftrag des NABU zeigte. Demnach finden es 80 Prozent der Befragten erfreulich, dass der Wolf unsere Landschaft wieder bereichert. 78 Prozent stimmten zu, dass Wölfe auch dann hier leben sollten, wenn es teilweise zu Problemen kommt.

"Die neuen Bestandszahlen sind ein positives Signal, dass wir mit unseren Schutzbemühungen auf einem guten Weg sind und zu einem gesicherten Überleben des Wolfes in Deutschland kommen können. Dazu müssen wir seinen hohen Schutzstatus aber weiterhin aufrecht erhalten und neuen Wolfsbeständen, auch in weiteren Bundesländern, den Weg ebnen", so Miller. Der NABU-Bundesgeschäftsführer appellierte an alle Bundesländer, sich auf die Rückkehr des Wolfes vorzubereiten. So hat sich zum Beispiel der Ausgleich von Schäden für getötete Nutztiere als ein wichtiges Mittel für die Akzeptanz des Wolfes erwiesen. Als ein Vorbild für gutes Wolfsmanagement nannte der NABU-Bundesgeschäftsführer Sachsen, das sich als erstes Bundesland auf den Rückkehrer einstellen musste.

Die Zahl illegaler Wolfs-Tötungen liegt mit mindestens 19 toten Tiere seit dem Jahr 2000 weiter hoch. Hinzu kommt eine hohe Zahl unentdeckter Übergriffe. "Diese Straftäter haben in Deutschland leider zu leichtes Spiel. Es gibt zu wenige auf Umweltkriminalität spezialisierte Beamte bei Polizei und Justiz. Bis heute wurde kein einziger Schütze durch polizeiliche Ermittlungen identifiziert. Wir fordern eine Stärkung der Behörden, bessere Ermittlungsarbeit und eine konsequente Verurteilung der Täter. In Afrika und Asien kämpfen wir gegen Wilderei, aber gleichzeitig tun wir so, als wäre das illegale Töten eines Wolfes in Deutschland ein Bagatelldelikt", so Miller. Auch der Straßenverkehr bleibt weiterhin ein hohes Risiko für den Wolf: Bis August 2016 wurden mehr als 100 Tiere tot auf Deutschlands Straßen gefunden.

Der NABU begrüßte die Arbeit des neu eingerichteten Wolfs-Beratungszentrums des Bundes, das Daten zum Wolf bundesweit sammelt und die Länder gezielt mit Informationen und bei Bedarf mit Experten unterstützt. Die Einrichtung einer solchen bundesweit tätigen Stelle hatte der NABU lange Zeit gefordert. "Dem Wolf sind Landesgrenzen einerlei. Daher sind bundeseinheitliche Maßstäbe der Schlüssel zum Erfolg für das Zusammenleben von Mensch, Wolf und Nutztieren in Deutschland", sagte NABU-Wolfsexperte Markus Bathen. Auch auf EU-Ebene müsse die Kooperation der Mitgliedsstaaten zum Wolf perspektivisch verbessert werden.

Seit dem Jahr 2000 setzt sich der NABU für die Rückkehr des Wolfes nach Deutschland ein. Mit mehreren Hundert ehrenamtlichen Wolfsbotschaftern klärt er in Deutschland über das Wildtier auf. In diesem Jahr hat der NABU erstmals auch einen Journalisten-Wettbewerb ins Leben gerufen, mit dem er besonders ausgewogene und fundierte Beiträge zum Wolf auszeichnet. Die Preisverleihung findet am 13. Oktober in Berlin statt.

Rüde des Daubnitzer Rudels. Foto Jan Noack
Mehr zum Wolf: www.NABU.de/wolf

15.09.2016

Rezension: wir wölfe

wir wölfe – gedichte
Eine poetische Hommage an unsere Tierwelt

Franziska Röchter (Herausgeberin)
chiliverlag, 2016
148 Seiten
ISBN 978-3943292459
9,90 €

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Inhalt
Eine poetische Hommage an unsere Tierwelt.
Annähernd 60 Autorinnen und Autoren, unter ihnen Michael Starcke, Peter Ettl, Esther Ackermann, Thomas Rackwitz, Sören Heim, dichten über die Vielfalt
und den Artenreichtum unserer Tierwelt. Aus den Gedichten und den Fotos von Heike Großmann und Christine Zeides spricht eine große Wertschätzung gegenüber Tieren und ein Erkennen ihrer unglaublichen Einzigartigkeit sowie Bewunderung ihrer Schönheit.
Die Subjekte der vorliegenden Gedichte sind neben Katzen, Hunden, Vögeln, wildlebenden sowie vom Aussterben bedrohten Tieren auch Kleinstlebewesen wie z. B. Insekten, des Weiteren Exoten aus anderen Ländern. Mal humorvoll, zunehmend aber auch ernsthaft werden Besonderheiten einiger Tierarten und Wissenswertes poetisch beleuchtet und ihr Dasein in Relation zum Menschen bespiegelt.

Rezension
Bei einem Buch, das den Titel „wir wölfe“ trägt und zwei Wölfe auf dem Titelblatt hat erwarte ich normalerweise auch Wölfe im Inhalt. In dieser Hinsicht wurden meine Erwartungen leider enttäuscht. In einem Buch mit 101 Gedichten, handelten lediglich 2(!) von Wölfen und 8 von Hunden. Das ist mir persönlich zu wenig für diesen Titel. Was mich ebenfalls gestört und auch zu einem Punktabzug geführt hat, ist das schlecht lesbare Layout bzw. der Satz. Die Autorennamen im Buch sowie der Klappentext sind in einer sehr dünnen Schrift in Großbuchstaben gesetzt, die nicht nur irritiert, sondern sich auch noch schwer lesen lässt. Hier wäre es schöner gewesen, wenn der Verlag beim traditionellen Schriftbild geblieb
Nun aber genug der negativen Kritik. Ich rechne es der Herausgeberin hoch an, dass sie über 100 Gedichte von fast 60 Autoren zusammengetragen hat; wahrlich eine reife Leistung! Wenn auch wenig Wölfe, so kommen doch sehr viele andere Tierarten zu Wort – vom Skarabäus bis zum Krokodil. Die Gedichte sind mal lustig, mal nachdenklich, oft sehr emotional. Es ist wunderschöne Lyrik, die anklagt, Mut macht oder zu Tränen rührt. Hinzu kommen prächtige Farbfotos, die – wohltuend anders – mal nicht auf Hochglanzseiten gedruckt sind. Jeder Leser wird hier etwas für sich finden. „wir wölfe“ ist kein Buch, das man in einem Rutsch liest, sondern das man – je nach Stimmung – immer wieder gerne zur Hand nimmt, um darin zu Schmökern. Dazu wünsche ich dem Leser viel Freude. (ehr)


13.09.2016

Rezension: Vom Mann, der auszog, um den Frühling zu suchen

Vom Mann, der auszog, um den Frühling zu suchen
Eine Reise zur Leichtigkeit
Clara Maria Bagus
Allegria, 2016
208 Seiten
ISBN 978-3793423072
14,00 €

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Inhalt
Traurig und einsam blickt der Mann auf die trübe Landschaft des nicht enden wollenden Winters. Doch plötzlich setzt sich ein kleiner Vogel unverhofft auf den Ast eines kargen Baumes, der wie von Zauberhand unmittelbar anfängt zu blühen. Kaum fliegt der Vogel davon, kehrt der Winter jedoch zurück. Der Mann erkennt, wie sehr er sich nach der Wärme und Schönheit des Frühlings sehnt, und macht sich auf, den geheimnisvollen Vogel zu finden. Auf seiner Reise erwarten ihn Abenteuer, und er begegnet Menschen, die ihn daran erinnern, was im Leben wirklich wichtig ist.



Rezension
Dieses Buch beginnt einfach und düster. Nacht, Dunkelheit, Frost. Ein alter Mann, der auf den Frühling wartet, der nicht kommen will. Aber bevor der Leser sich der Melancholie hingibt und das Buch schon weglegen will, taucht ein bunter Vogel auf, der alles verändert. Was er berührt wird in ein Blütenmeer verwandelt. Und schon ist der Leser gefangen und kommt nicht mehr los.
Mir kam beim Lesen der vielen kurzen Kapitel manchmal der Gedanke, dass sich der Vogel vielleicht zwischen den Seiten versteckt und den Leser mit der Poesie der Autorin verzaubert. So soll Literatur sein. Sie soll uns vergessen machen und an das Gute, Schöne glauben lassen. Soll uns die Augen öffnen.
Fasziniert hat mich auch die Sprache und die Handlung des Buches. Als Leser taucht man ein in eine Welt, von der man eigentlich nichts erfährt. Keine Namen, keinen Ort, keine ausführliche "Beschreibung", wie man sie sonst gewohnt ist. Wir konzentrieren uns ganz auf den Mann und folgen ihm auf der Suche nach dem Vogel, der den Frühling bringt. Die Handlung hat etwas eigenartig altertümliches. Es erinnert mich an die Küche meiner Urgroßmutter, die nur von dem Feuer erhellt wurde, der durch das Türchen des Holzofens schien. Neben ihm stand ein Sessel und ich saß bei meiner Urgroßmutter auf dem Schoß, während sie mir Märchen erzählte. Ein wunderbares, warmes Gefühl von Geborgenheit. So habe ich mich gefühlt, als ich dieses Buch gelesen habe.
Die Fragen, die sich der Mann – und jeder von uns –stellt, sind so banal wie universell: Wer bin ich? Wo gehöre ich hin? Die allgegenwärtige Suche nach dem Sinn des Lebens. Und sogar die Antworten kennen wir eigentlich alle schon, sie werden uns in unzähligen Ratgebern vermittelt. Dennoch ist dieses Buch „anders“. Niemand, der sich darauf einlässt, bleibt unberührt.
Lesen Sie das Buch, machen Sie sich auf die Suche nach dem bunten Vogel – und finden Sie am Ende heraus, dass der Frühling schon längst in Ihnen ist. (ehr)

06.09.2016

Rezension: Heart of a Dog


Heart of a Dog
Was siehst du, wenn du die Augen schließt
(DVD)
Laurie Anderson
Indigo, 2016
Englisch mit deutschen Untertiteln
Spieldauer: 75 Minuten
16,99 €

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Inhalt
Laurie Anderson verwebt in dem Film Kindheitserinnerungen, Videotagebücher, philosophische Gedanken zum Datensammeln, zur Überwachungskultur und zum Leben nach dem Tod, und Ehrerbietungen an die Künstler, Schriftsteller, Musiker und Denker, die sie inspirieren, zu einem Tribut an ihren geliebten Terrier Lolabelle, der 2011 während eines Zeitraumes starb, in dem unter anderem auch Laurie Andersons Mutter und ihr Ehemann Lou Reed starben.
Während er ihr eigenes gewitztes Erzählen mit ihrer Musik, handgezeichneten Animationen, 8mm-Home-Movies und Kunst vermischt, fließt der Film durch so verschiedene Themen wie Familienerinnerungen, Überwachung und buddhistische Techniken …

Rezension
Dies ist kein einfacher Film, sicher nicht für jedermann und er ist ganz sicher nicht das, was man auf den ersten Blick vielleicht erwartet: Er ist kein Hundefilm. In den ganzen 75 Minuten Spielzeit, kommt der Hund der Künstlerin, der Terrier Lolabelle, nur etwas eine Viertelstunde vor (meist als Klavier spielender Hund). Gleichwohl war der Tod von Lolabelle wohl der Auslöser für die Gestaltung des Films. Wir alle wissen, wie traumatisierend und lebensverändert der Tod eines Hundes sein kann.
Laurie Anderson verbindet mehrere einschneidende Erlebnisse ihres Lebens miteinander: Den Tod ihres Hundes, den Tod ihrer Mutter und den Tod ihres Ehemannes Lou Reed. Sie webt daraus eine Collage von Bildern, Klängen und Lyrik zu, wie sie es nennt "einer Verbindung zwischen Liebe und Tod".
"Heart of a Dog" ist kein "Film" im üblichen Sinn, sondern ein avangardistisches Experiment, das man nur schwer verstehen, geschweige denn beurteilen kann. Der Untertitel "Was siehst du, wenn du die Augen schließt" beschreibt ihn wohl am besten. Es handelt sich um eine Meditation über das Leben, die Liebe und das Loslassen, gesprochen von der Künstlerin mit einer sehr wohltuenden ruhigen und beruhigenden Stimme, der ein Hauch von Traurigkeit innewohnt.
Trauer ist das große Thema des Films, wenn auch nie so direkt erwähnt. Die Kunst, die Laurie Anderson als "sich traurig fühlen, ohne traurig zu sein" beschreibt, kann man beim Anschauen dieses Werkes sehr gut üben. Es ist empathisch, ehrlich, emotional, ruhig und manchmal auch irritierend. Für mich ist es ein Film, den ich mich auf jeden Fall mehrmals ansehen muss, um ihn in seiner ganzen Fülle zu verstehen. (ehr)

02.09.2016

Wolf und Wildschäden

Pressemitteilung des Ökologischen Jagdvereins Brandenburg e.V. (ÖJV Brandenburg)

Landesjagdverband Brandenburg verwechselt Ursache und Wirkung. Nicht der Wolf ist Verursacher von Wildschäden sondern überhöhte Schalenwildbestände. Wolfsexperte attestiert: „Große Rotwildrudel im Wald sind immer ein Zeichen übermäßig hoher Wilddichte“ - zumeist auf Grund unzureichender Bejagung.

In einer vor einigen Tagen vom Landesjagdverband Brandenburg (LJVB) herausgegeben Pressemitteilung wird behauptet, dass in der Züllsdorfer Feldflur besorgniserregende Wildschäden trotz hoher jagdlicher Aktivitäten zu beklagen seien. Verursacht würden diese durch bis zu 120-köpfige Rotwildrudel, die wegen eines Wolfsrudels ihr Verhalten stark änderten und schon tagsüber schwere Schäden auf landwirtschaftlichen Flächen verursachten. Die Jäger seien machtlos, die Landesregierung lasse sie im Regen stehen.

Seit Jahren ist wildbiologisch belegt, dass der Wolf für die Bildung solcher Großrudel nicht verantwortlich ist. Stellvertretend für zahlreiche Wissenschaftler, die diese Position teilen, sei hier der Jäger, Wildbiologe und Wolfsexperte Ulrich Wotschikowsky zitiert:

„Die Größe von Rotwildrudeln wird in erster Linie durch zwei Faktoren bestimmt: Die Lebensraumstruktur und die Populationsdichte. Voraussetzung ist ein hohes Nahrungsangebot, in unserer Kulturlandschaft beispielsweise ertragreiches Grünland oder große Raps-oder Luzerneschläge. Rudel in der Größenordnung von 50 und mehr Tieren kennen wir nur bei einer sehr hohen Populationsdichte, jedenfalls bei einem Mehrfachen der amtlich zulässigen Dichte von etwa drei Stück pro 100 ha. Solche Rudelgrößen sind in vielen Gebieten bekannt, wo Wölfe fehlen, z.B. auf Truppenübungsplätzen oder in der Letzlinger Heide vor Ankunft der Wölfe.”
„Der Wolf ist ein einheimisches Wildtier, das unsere Landschaft enorm bereichert. Er ist ein großartiger Helfer auf dem Weg zu höherer Biodiversität und Naturnähe. Die Wiederbesiedlung Brandenburgs durch den Wolf fordert viel Mühe, Engagement und Wissen. Dieser Aufgabe stellen sich alle Betroffenen. Den Wolf jedoch verantwortlich zu machen für eigenes jagdliches Versagen ist unsachlich und abwegig.“ betont Simon Karrer, stellvertretender Vorsitzender des ÖJV Brandenburg und ehrenamtlicher Wolfsbeauftragter des Landes.

Der LJVB propagiert eine Jagd, die auf hohe Wildbestände und Trophäenkult ausgerichtet ist und die damit der gesetzlichen Hegepflicht widerspricht. Diese Jagd ist verantwortlich für die erheblichen Wildschäden, die es in Brandenburg in vielen Gegenden gibt, unabhängig davon, ob der Wolf dort bereits wieder heimisch ist oder nicht.

Wer über zu hohe Wildschäden klagt, sollte wissen, dass zuallererst der Jäger die Wildbestände reguliert. Wer dann den Wolf als Ausrede ins Spiel bringt, hat weder von der Jagd noch von der Lebensweise des Wolfes etwas verstanden. (www.oejv-brandenburg.de)


01.09.2016

Rezension: Wildnis Yellowstone (DVD & Blue-ray)

Wildnis Yellowstone
Im Wechsel der Extreme
DVD & Blue-ray
Polyband/WVG, 2016
Regisseur(e): Joe Kennedy, Tom Stephens
Spieldauer: 100 Minuten
7,99 €

Hier können Sie die DVD bestellen

Inhalt
Ein Ort - ein Mythos - eine Naturlandschaft im Wechsel der Extreme. Das ist der Yellowstone-Nationalpark mit seinen heißen Quellen, seinen vulkanischen Geysiren und tierischen Bewohnern wie Bison, Bär und Wolf. Die großartige Wildnis dieser aufregenden Naturlandschaft im Herzen Nordamerikas fordert von seinen Bewohnern ein Leben am Limit: Im Winter herrscht klirrende Kälte mit Temperaturen bis zu minus 40 Grad Celsius, während eine gut 10 Meter dicke Schneedecke über dem Land liegt. Inmitten der winterlichen "Märchenlandschaft" zeigt der Park mit seinen heißen Quellen und mehr als 300 Geysiren eine raue, bedrohliche Seite, die von vulkanischer Aktivität im Untergrund gespeist wird. Im Sommer ändert sich das Bild: Sanfte Hügel, hohe Berge, wasserreiche Flüsse und fruchtbare Grasweiden prägen die Landschaft. In atemberaubenden Bildern zeigt die zweiteilige Serie die beeindruckende Schönheit einer wilden Naturlandschaft.
Als Bonus gibt es ein umfangreiches Begleitbooklet mit spannenden Hintergrundinfos und großer Bildstrecke.

Rezension
Die DVD besteht aus zwei Teilen: Winterwildnis und Sommerreigen.

Ich fahre seit 40 Jahren in den Yellowstone-Park und leite und organisiere seit mehr als 20 Jahren Wolfsreisen dorthin. Das bedeutet, dass ich fast alle Szenen in diesem Film schon live erlebt habe. Die Aufnahmen in extremer Zeitlupe jedoch sind ein ganz besonderer Genuss, den man in der Wildnis selbstverständlich so nicht erleben kann. Das gilt auch für die Luftaufnahmen.

Wenn man weiß, dass die Tierfilmer im Schnitt etwa fünf Jahre für die Dreharbeiten eines solchen Films brauchen und dabei täglich und bei jedem Wetter – auch bei Minus 40 Grad draußen stehen und filmen, dann kann man nicht anders als ihnen höchsten Respekt für diese Aufnahmen zollen.

Sehr gut und informativ auch die Erklärungen zu den Tieren, der Natur und der Geologie des Parks. Wunderbar erklärt der Film die ökologischen Zusammenhänge. Die Farbaufnahmen sind einfach grandios ebenso wie der passende Sound, wenngleich manche Geräusche überflüssigerweise und unkorrekt hinzugeschnitten wurden: Beispiel Wölfe. Wölfe leben und jagen relativ still. Weder knurren oder bellen sie, wenn sie ein Tier jagen, noch jaulen sie, wenn sie flüchten. Ebenso wenig passt das tiefe Grollen der Bisons, die durch den Schnee laufen zur Realität. Solche Töne hört man nur in der Paarungszeit im August, wenn die Tiere gegenseitig ihre Stärke messen und um die Bisonkühe kämpfen, was im Sommer-Teil des Films auch sehr schön zu sehen und zu hören ist. Ich gehe davon aus, dass die Töne hinzugeschnitten wurden, um den Film dramatischer wirken zu lassen – was er überhaupt nicht nötig hat.

Viele der Aufnahmen sind schon "Klassiker". Die Winterszene, in der ein Weißkopfadler dem Kojoten einen Brocken Fleisch aus dem Maul schnappt, wurde schon unzählige Male gefilmt, was vermutlich auch an den zahlreichen Fotografen und Tierfilmern liegt, die in Yellowstone die Straßen säumen. Nur wenige und nur die besten von ihnen bleiben lange genug, um einen solch grandiosen Film in ganzer Länge zu drehen.

Dieser Film zeigt die Härte des Winters und die Schönheit des Sommers. Und bei aller Faszination der großen Beutegreifer Wolf, Bär oder Kojote vergessen die Filmer nicht die "Kleinen". So gibt es u. a. spektakuläre Aufnahmen von Kolibris. 60 Flügelschläge pro Sekunde in Superzeitlupe – einfach nur "Wow".

"Wildnis Yellowstone" ist ein Film voller Schönheit, Dramatik und Faszination. Das zweitbeste Erlebnis nach einem Live-Besuch des Nationalparks. Was bleibt nach dem Ansehen des Films, ist eine große, große Sehnsucht, so schnell wie möglich wieder nach Yellowstone zurückzukehren. (ehr)