26.12.2016

Erfreulicher Wolfsstatus Dezember 2016: 63 Rudel

Zum Jahresende eine erfreuliche Nachricht von Ulrich Wotschikowsky, dessen Recherchen zur Entwicklung der Wolfspopulation zum Jahresende 63 Rudel ergeben haben. Das ist ein deutlicher Anstieg zum letzten Jahr und macht nach allen Katastrophenmeldungen über gewilderte Wölfe und Abschussquoten Mut. Mehr hier.

Ich danke allen, die sich in diesem Jahr für den Wolf eingesetzt haben, für eure Arbeit, euren Mut und euer Durchhaltevermögen. Lasst uns nicht aufgeben und weiterhin für das Tier kämpfen, das uns Menschen am ähnlichsten ist.

Ich wünsche euch allen ein friedliches, gesegnetes und wölfisches 2017.

Eure
Elli

P.S. Ein längerer Neujahrsbrief ist an die Newsletter-Abonnenten unterwegs .



20.12.2016

UPDATE Wolf Mecklenburg-Vorpommern: Offizielle Bestätigung: Wolf „Arno“ wurde erschossen

Zu dem am vergangenen Wochenende im Umfeld der Lübtheener Heide tot aufgefundenen Wolf liegen weitere Erkenntnisse vor. Die Untersuchungen im Leibnitz-Institut für Zoo- und Wildtierkunde Berlin (IZW) haben bestätigt, dass es sich bei dem nahe Woosmer gefundenen Wolf um „Arno“ handelt. Das Tier wurde durch einen gezielten Blattschuss getötet, der Halsbandsender wurde entfernt und vermutlich zerstört, denn er liefert keine Peildaten mehr.

„Der Täter ist offenbar mit großer krimineller Energie vorgegangen: Wölfe sind bekanntermaßen streng geschützt und nicht jagdbar. Alle Fakten und Befunde werden jetzt den Ermittlungsbehörden übergeben. Wir werden alles daransetzen, diese Straftat aufzuklären“, sagte Umweltminister Dr. Till Backhaus.

„Arno“ war im Oktober 2015 als Welpe besendert worden, um Daten zur Raumnutzung des Lübtheener Wolfsrudels und zum Einfluss der Wölfe auf das Schalenwild zu sammeln. Mit Hilfe der Peildaten konnten zum Beispiel gezielt Informationen zu den gejagten Beutetieren gesammelt werden, diese sind eine wichtige Quelle für die angepasste Abschussplanung in Wolfslebensräumen. In die aufwendigen Arbeiten sind Jäger, Förster und Naturschützer aus der Region sehr eng eingebunden.

„Diese wichtige wildbiologische Forschung hat nunmehr einen herben Rückschlag erlitten“, so der Minister. „Auch ist die Wolfsbesenderung ein wichtiger Bestandteil unserer Strategie, auf Basis wissenschaftlicher Erkenntnisse, ein möglichst konfliktarmes Miteinander von Mensch und Wildtieren in unserer Kulturlandschaft zu gestalten. Dieses Ziel wurde durch scheinbar mutwilliges illegales Vorgehen konterkariert – dafür habe ich keinerlei Verständnis.“ (PM Nr. 391/16, Ministerium für Landwirtschaft und Umwelt)

Aktuelle Meldungen WOLF

Passend zur aktuellen Stimmung hier noch ein paar Meldungen.

Wolf/Brandenburg:
Abschuss des Rathenower Wolfs genehmigt

Nachrichten über Wolfssichtungen oder Angriffe auf Vieh gibt es regelmäßig. Gefahr für Menschen bestehe aber nicht, hieß es. Bis jetzt. Nun soll sich ein Wolf in Rathenow im Garten einer Kita rumgetrieben und sogar einem Kind genähert haben. Das geht zu weit, sagt das Ministerium. Wenn sich das Tier nicht bald nach Sachsen-Anhalt absetzt, sieht es schlecht aus für den „Problemwolf“.
Der Wolf streift derzeit durch die Straßen und Vorgärten in der Rathenower Innenstadt – er ist zum Abschuss freigegeben.
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Wolf/Mecklenburg-Vorpommern:
Dömitz: Wurde gechipter Wolf erschossen?
Nach dem Fund des toten Wolfs bei Dömitz (Landkreis Ludwigslust-Parchim) will Landwirtschaftsminister Till Backhaus (SPD) heute Untersuchungsergebnisse bekanntgegeben. Ein Mann hatte den Kadaver am Sonnabend in der Nähe der Gemeinde Woosmer am Straßenrand entdeckt. Nach Angaben eines Gutachters hat das Tier eine Wunde, die auf eine Schussverletzungen deuten könnte.
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Luchs/Bayern:
Bayern: Wilderer identifiziert, der Luchse erschossen haben soll

Im Bayerischen Wald wurden in letzter Zeit viele Luchse erschossen und die Staatsanwaltschaft Regensburg hat nun wohl den Mann identifziert, der dafür verantwortlich sein soll.
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Die Redaktion des Wolf Magazins muss sich danach erst einmal von der Wolfshetze erholen und ist erst wieder ab 6. Januar 2017 erreichbar. Ich wünsche allen, dass das neue Jahr besser anfängt, als es aufgehört hat.

14.12.2016

Niedersachsen: Antwort auf Dringliche Anfrage Herdenschutzmaßnahmen

Rede Umweltminister Stefan Wenzel - Antwort auf die Dringliche Anfrage (LT-Drs. 17/7085): 

„Was passiert, wenn Herdenschutzmaßnahmen den Wolf nicht mehr abhalten?               

Anrede,
ich danke herzlich für ihre Anfrage!
Wolf und Hund haben seit Jahrtausenden mit Menschen zusammen gelebt. Allerdings ist der Wolf in den letzten 100-150 Jahren in Mitteleuropa ausgerottet worden. Hier ist viel Erfahrungswissen verloren gegangen. Das betrifft die Nutztierhalter ebenso wie Menschen, die sich in Natur und Landschaft bewegen. In sehr vielen Ländern Europas ist der Wolf immer heimisch geblieben, in einigen Bundesländern ist er bereits vor ca. 15 Jahren aus dem Osten kommend wieder zugewandert. Der Wolf ist wie die Giraffe, der Elefant und der Löwe durch das Washingtoner Artenschutzabkommen und durch nationales Recht geschützt. Zu Recht erwarten andere Länder, dass wir genauso sorgfältig mit unserer Tier- und Pflanzenwelt – unserem gemeinsamen Weltnaturerbe - umgehen, wie andere Länder auch. Dennoch ist die Entnahme einzelner Tiere unter Anlegung strenger Kriterien und im Ausnahmefall möglich. Diese Kriterien besagen unter anderem, dass vor einer Entnahme alle milderen Alternativen tatsächlich erfolglos geblieben sind.

Der Fragesteller zitiert eine Zwischenauswertung der dokumentierten Nutztierrisse. In der Tat gibt es nach dieser Auswertung eine leichte Entspannung bei den Risszahlen, die zeigt, dass Herdenschutzmaßnahmen greifen. Diese Beobachtung wurde auch in Regionen gemacht, wo der Wolf schon länger zurückgekehrt ist. Die Risszahlen gehen zurück, wenn die Nutztierhalter ihren Herdenschutz verbessert haben.

Grundsätzlich hat sich gezeigt, dass ein wirksamer Herdenschutz gegen den Wolf möglich ist. Am wirksamsten sind dabei Herdenschutzmaßnahmen, die den Wolf von vornherein davon abhalten, mit der Erbeutung von Nutztieren positive Erfahrungen zu machen. Jede Verzögerung in der Umsetzung von Herdenschutzmaßnahmen durch die Nutztierhalter führt dazu, dass die verschiedensten Wolfsindividuen Nutztiere als Beute schätzen lernen können. Die Analyse von mehr als 4.000 Losungsproben hat jedoch gezeigt, dass sich Wölfe in Deutschland zu 92,2% von Schalenwild ernähren. Nur 0,8% entfallen auf Nutztiere. Präventionsmaßnahmen können die Wölfe in der überwiegenden Zahl der Fälle davon abhalten, Nutztiere zu reißen. Die Jagd auf Schalenwild wiederum verringert den Wildverbiss und auch die Zahl der Wildunfälle. Diese beiden Aspekte sind volkswirtschaftlich durchaus von Bedeutung, da derzeit allein in Nieder-sachsen etwa 15.000 km Zaun zum Schutz vor Wildverbiss errichtet wurden. Der finanzielle Aufwand übersteigt die Kosten des Wolfsmanagements um ein Vielfaches. Zudem wird die Resilienz der Ökosysteme gestärkt. Dabei ist der Wolf genauso geschützt, wie viele andere heimische Säugetiere, Vögel, Reptilien und Insekten. Im Alltag weniger diskutiert, aber von ungleich höherer Relevanz ist der massive Artenverlust unserer Naturräume. So haben wir beispielsweise bei der Lerche einen Rückgang von fast 70% zu verzeichnen. 47 Indikatorarten der Vögel weisen einen Rückgang von gut einem Drittel auf. Auch unsere eigene menschliche Ernährung basiert auf den Ökosystemdienstleistungen der Natur. Sauberes Wasser, klare Atemluft und fruchtbare Böden lassen sich nicht künstlich herstellen. Allein die Bienen und Wildbienen sind von unschätzbarem Wert für die Bestäubung unserer Nahrungspflanzen. Es gibt also sehr gute Gründe für den bestmöglichen Schutz unserer Natur.

Wölfe sind nicht in der Lage, zwischen Wildtieren und Nutztieren eine grundsätzliche Unterscheidung vorzunehmen, beide sind potenzielle Beutetiere. Die Erbeutung wird bei Wildtieren durch deren Feindvermeidungsverhalten erschwert, bei Nutztieren u. a. durch Präventionsmaßnahmen des Menschen. Zu diesen Präventionsmaßnahmen gehören in erster Linie entsprechende Zäune – als wirksam haben sich vor allem elektrifizierte Zäune erwiesen, die auch in Bodennähe stromführend sind, so dass ein Wolf bei dem Versuch, diesen Zaun zu untergraben, zwangsläufig Stromschläge erhalten muss. Ebenfalls wirksam sind feste Zäune, die tief genug in den Boden eingelassen sind, um ein Untergraben wirksam zu verhindern und bei denen auch ein Darüberklettern unmöglich gemacht wird.

Erheblich erhöht wird die Wirksamkeit von Zaunanlagen durch die Anwesenheit von Herden-schutztieren - hinreichend erprobt sind Herdenschutzhunde, die jedoch nach Möglichkeit mindestens als Zweierteam eingesetzt werden sollen. Für größere Herden auch mehr Hunde. Haben Wölfe gelernt, Elektrozäune zu überspringen, hat es sich als wirksam erwiesen, in ca. 20 cm Abstand direkt über dem Elektrozaun ein Flatterband zu spannen. Einer Meldung des Kontaktbüros Wolfsregion Lausitz zufolge, gab es auch in Sachsen keinen einzigen Fall, bei dem es zu einer Überwindung eines Zauns mit ordnungsgemäß angebrachtem Flatterband kam.

Nutztiere, für die der Mensch keine entsprechenden Präventionsmaßnahmen umgesetzt hat, sind für Wölfe eine leichte Beute. Wölfe sind in der Lage, Schwachstellen der vom Menschen installierten Präventionsmaßnahmen herauszufinden und zu deren Überwindung auszunutzen. Dabei ist es nicht von Bedeutung, ob diese Schwachstellen durch fehlerhaftes Aufstellen oder durch höhere Gewalt entstanden sind. Auch die nächtliche Stallhaltung trägt wirksam zum Schutz bei. Moderne Stallhaltungsysteme wie Boxenlaufställe haben u. a. dazu beigetragen, dass die Weidehaltung insgesamt zurückgegangen ist. Der Erhalt der Weidehaltung und des Grünlandes liegt jedoch zugleich im landwirtschaftlichen, wie auch im naturschutzfachlichen Interesse. Deshalb muss eine wirksame Beratung und Unterstützung der Weidetierhaltung geleistet werden. Gerade Weidetierhalter haben oft geringere Einkommenserwartungen als Ackerbau- oder Veredelungsbetriebe.

Alle Maßnahmen des Wolfsmanagements unterliegen einem kontinuierlichen Verbesserungs-prozess, einem Erfahrungsaustausch mit anderen Bundesländern und im internationalen Kontext. Derzeit wird das Wolfskonzept in Zusammenarbeit mit dem Arbeitskreis Wolf fortgeschrieben, weil viele Ansätze von 2010 nicht mehr zeitgemäß waren. Der Bund leistet zudem wertvolle Unterstützung mit der Dokumentations- und Beratungsstelle DBBW. Ich will auch betonen, dass die Sicherheit des Menschen immer an erster Stelle steht. Deshalb war auch die Entnahme¬entscheidung richtig, die wir getroffen haben. Die letzte Umweltministerkonferenz hat die Maßnah¬men der Länder einmütig begrüßt und den Bund zudem gebeten regelmäßig zum Erhaltungszustand zu berichten.

Dies vorausgeschickt beantworte ich die Fragen wie folgt:

1.       Ab welchem Zeitpunkt sieht die Landesregierung die Notwendigkeit, Wölfe, die Nutztiere gerissen haben, zu vergrämen, und wann betrachtet sie eine Vergrämung als erfolgreich?
Beim Schutz vor Wolfsangriffen dienen die Herdenschutzmaßnahmen wie geeignete Zäune, stromführende Drähte und Herdenschutztiere der Vergrämung. Herdenschutzmaßnahmen sind erfolgreich, wenn sie dazu führen, dass auf der betreffenden Fläche keine Nutztiere mehr gerissen werden.

2.      Wie viele Kilometer Zaun müssten nach Auffassung der Landesregierung mit welchen Kosten pro Weidetierhalter in Niedersachsen verbaut werden, damit alle Berufs- und Hobbyweidetierhalter ihre Tiere wolfssicher einzäunen können?
Siehe auch Antwort auf Frage Nr. 46 der Großen Anfrage zum Wolf, LT-Drucksache 17/5112.
Nach jahrelangem Rückgang, ist seit 2013 die Zahl der Schafe und schafhaltenden Betriebe in Niedersachsen – anders als im Bundestrend – wieder deutlich (+7,8% von 2013 auf 2015) gestiegen. Hauptursache dafür war die Entscheidung der Landesregierung, die Heide- und Deichflächen in Niedersachsen in die Agrarförderung neu aufzunehmen. Das Landwirtschaftsministerium hat 2013 entschieden, dass die von Schafen oder Ziegen beweideten Flächen die vollen Agrarprämien bekommen sollen. Unter der Vorgängerregierung bis 2013 galten diese Flächen nicht als landwirtschaftliche Nutzflächen und bekamen keine EU-Agrarförderungen. Seit 2014 mit Beginn der Förderperiode sind zur Unterstützung der Schafhalter großflächig bewirtschaftete Flächen – sog. Dauerweiden in der Lüneburger Heide und auf Deichen – in die Förderung der EU in Niedersachsen neu aufgenommen worden. Es handelt sich um etwa 10.000 ha. Die Höhe der Subvention ist abhängig von der landwirt¬schaftlichen Fläche, die ein Betriebsleiter bewirtschaftet. Im Durchschnitt erhält ein Empfänger von Direktzahlungen in Niedersachsen 16.000 Euro pro Jahr. Daneben kann er bzw. sie bei Vorliegen der Voraussetzungen an verschiedenen Agrarumweltmaßnahmen teilnehmen, die unterschiedliche Fördersätze aufweisen. 

Gemäß Nutztierhalterverordnung sind Tiere soweit erforderlich und möglich vor widrigen Witterungsverhältnissen und vor Beutegreifern zu schützen. Zur Unterstützung erhalten Tierhalter zudem Zuwendungen nach der Richtlinie Wolf. Diese Zahlungen umfassen im Jahr 2016 ca. 260.000 Euro und fallen bislang noch unter die de-minimis Regel. Bislang konnten alle Anträge bedient werden. Die Länge der Zäune hängt von verschiedensten Faktoren und Entwicklungen ab und ist von Region zu Region sehr verschieden. Statistiken liegen dazu nicht vor.

Das Umweltministerium prüft derzeit, ob die Förderung auch auf Hobbyhalter ausgedehnt werden kann und ob eine erneute Förderung nach Ablauf einer Abschreibungsfrist möglich und sinnvoll ist.

3.      Welche konkreten Maßnahmen ergreift die Landesregierung in dem Fall, in dem vermutlich ein Wolf in Südergellersen innerhalb einer Woche dreimal eine Schafsherde angegriffen hat, obwohl diese durch einen wolfssichereren Zaun, einen Esel sowie beim letzten Angriff durch einen Herdenschutzhund geschützt war?
Zur Abwehr von Wölfen werden in der Regel Zäune eingesetzt, die bestimmte Mindestanforderungen hinsichtlich ihrer Beschaffenheit erfüllen müssen (siehe Definition „wolfsabweisender Grundschutz“ in der Anlage 1 zur Richtlinie Wolf). Zäune, die diesen Anforderungen genügen, sind in der Regel ausreichend zur Vermeidung von Wolfsübergriffen. Einen 100-Prozent wolfsicheren Schutz der Nutztiere vor Wolfsübergriffen bieten aber solche Zäune nicht. Verschiedene Umstände können dazu führen, dass die Zäune Schwachstellen aufweisen, insbesondere wenn sie durch Einwirkung äußerer Kräfte – Wind, Äste oder Ähnliches –  in ihrer Form beeinträchtigt wurden. In seltenen Fällen können Wölfe lernen, auch intakte Schutzmaßnahmen zu überwinden. 

Sowohl der örtliche Wolfsberater, als auch eine Mitarbeiterin des Wolfsbüros des NLWKN waren bei Südergellersen vor Ort, um die Risse und auch die Gesamtsituation zu dokumentieren. Die Auswertung der Spurenlage ist noch nicht abgeschlossen. Zum Beispiel fehlt auch noch das Ergebnis der genetischen Analyse.

Mit dem Tierhalter wurde über Möglichkeiten zur Verstärkung des Herdenschutzes gesprochen und Material wie Lappenzaun und Flatterband inklusive höherer Zaunstäbe zur Verfügung gestellt.

Der beim dritten der inzwischen vier Übergriffe anwesende Herdenschutzhund befand sich ganz frisch in der Herde, um diese an die Anwesenheit von Herdenschutzhunden zu gewöhnen. Eine tatsächliche Schutzfunktion hatte dieser einzelne Hund in der siebenhundertköpfigen Herde noch nicht.

Beim letzten Rissvorfall befanden sich zwei Herdenschutzhunde in der Herde. Diese haben anscheinend auch größere Schäden erfolgreich verhindert, denn nicht einmal das einzige gerissene Tier wurde vom Wolf genutzt. Allerdings war auch hier dem Wolf das Eindringen nicht auf ganzer Zaunlänge effizient erschwert worden, da teilweise das Flatterband mit bis zu 40 cm Abstand außen vor dem Zaun und noch dazu in viel zu großer Höhe angebracht war und nicht, wie empfohlen in 20 cm Abstand direkt über dem Elektrozaun. Einen ähnlichen Fall gab es bereits im Raum Goldenstedt, in dem das zu hoch über dem Zaun angebrachte Flatterband vom Wolf – für Fachleute erwartungsgemäß – ignoriert und beim Überspringen des Elektro-Netzzaunes untersprungen wurde. Ein Flatterband, das vom Wolf schon bei der Annäherung an den Zaun unterquert werden kann, wird von diesem gar nicht mehr als Hindernis wahrgenommen.

In Sachsen, wo das Rosenthaler Rudel gelernt hatte, reguläre Elektrozäune von 90 cm Höhe zu überspringen, ist nach – ordnungsgemäßem – Anbringen von Flatterband kein Fall eingetreten, bei dem diese bereits „spezialisierten“ Wölfe diesen verbesserten Grundschutz überwunden hätten.

Die Erfahrungen mit Südergellersen haben gezeigt, dass die schnelle Bereitstellung eines verbesserten Grundschutzes essentiell ist. Das Meldesystem wird daher verändert. Meldungen der Wolfsberater gehen künftig direkt an das Wolfsbüro und in Kopie an Jägerschaft und untere Naturschutzbehörde. Das Verfahren zur Feststellung der Rissursachen wurde beschleunigt, wird aber noch weiter verbessert.

Künftig soll den Tierhaltern noch schneller Beratung und praktische Unterstützung zukommen. Dabei wird geprüft, wie verstärkt konkrete Soforthilfe vor Ort geleistet werden kann. Dass kann die Bereitstellung von Zaunmaterial sein, dass kann tatkräftige Unter-stützung sein, dass kann gegebenenfalls auch die temporäre Unterstützung mit Herden-schutzhunden und erfahrenen Hirten sein.

Fakt ist aber auch, dass eine rechtzeitige Vorsorge der Weidehalter unabdingbar ist. Das ist von entscheidender Bedeutung.
(Umweltministerium Niedersachsen, 15.12.16, Hervorhebungen von der Redaktion Wolf Magazin)

 

13.12.2016

Niedersachsen: Umweltminister Stefan Wenzel zum Wolfsmanagement

Weitere Maßnahmen für effektiveren Herdenschutz und konkrete Hilfsangebote vor Ort

Das Umweltministerium hat zusätzliche Maßnahmen zur Weiterentwicklung des Wolfsmanagements in Niedersachsen veranlasst, um die Sicherheit der Menschen, den Ausgleich der Interessen von Artenschutz und Nutztierschutz sowie die Beratung und Betreuung der Nutztierhalter weiter zu stärken. Darüber hat Umweltminister Stefan Wenzel am Mittwoch (heute) in Hannover informiert. „Die Unterstützungsangebote des Landes sollen noch schneller und konkreter vor Ort für Information und Hilfe sorgen, wenn mit der Rückkehr des Wolfes in einzelnen Regionen neue Aufgabenstellungen verbunden sind.“

Als konkrete Maßnahmen nannte Wenzel:
  • Das Umweltministerium prüft, ob die Förderung für präventiven Herdenschutz auch auf Hobbytierhalter bzw. Halter von Kleinstherden ausgedehnt werden kann und ob eine erneute Förderung nach Ablauf einer Abschreibungsfrist möglich ist.  Die Erfahrungen haben gezeigt, dass die schnelle Bereitstellung eines verbesserten Grundschutzes essentiell ist. Das Meldesystem wurde daher verändert. Meldungen der Wolfsberater zu Nutztierrissen gehen künftig direkt an das Wolfsbüro und in Kopie an die Jägerschaft. Das Wolfsbüro informiert darüber hinaus die untere Naturschutzbehörde.
  • Das Verfahren zur Feststellung der Rissursachen wird weiter verbessert.
  • Künftig soll den Tierhaltern noch schneller Beratung und praktische Unterstützung zukommen. Dabei wird geprüft, wie verstärkt konkrete Soforthilfe vor Ort geleistet werden kann. Das kann, über die Bereitstellung von Zaunmaterial hinaus, auch die konkrete Unterstützung mit Herdenschutzhunden und erfahrenen Hirten sein.
Weitere denkbare Maßnahmen sollen gemeinsam mit den Wolfsberatern, der Landesjäger-schaft, dem Wolfsbüro und dem Arbeitskreis Wolf erörtert werden.
Von entscheidender Bedeutung bleibe es, dass eine rechtzeitige Vorsorge der Weidetier¬halter unabdingbar sei, sagte der Minister. Maßnahmen zur Unterstützung der Weidetier¬halter auch in der Deich- und Landschaftspflege werden auch mit den Umweltministern und den Agrarministern der Länder erörtert.

Minister Wenzel: „Alle am Wolfsmanagement in Niedersachsen beteiligten Akteure und Institutionen sind mit großem Engagement dabei, die durch die Rückkehr des artenschutz-rechtlich streng geschützten Wildtieres Wolf entstehenden neuen Herausforderungen konstruktiv zu bearbeiten. Diese Arbeit muss aus der gesamten Gesellschaft unterstützt werden. Wir erneuern unseren Appell, dass das Thema Artenschutz und Rückkehr des Wolfs nicht politisch funktionalisiert werden sollte!“
(PI 226: Umweltministerium Niedersachsen)

08.12.2016

Letzte wölfische Geschenktipps!

Langsam beginnt der Endspurt für Weihnachten.
Darum hier noch einmal ein paar wölfische Tipps für allerletzte Geschenke:

Lesung: Wölfische Weihnachten
Wenn Sie im Raum Bielefeld/Osnabrück wohnen, dann schenken Sie sich selbst eine wölfische Weihnachtslesung. In weihnachtlicher Stimmung werde ich am Sonntag (11. Dezember) aus meinen Büchern lesen, von meinem "wilden" Leben erzählen und über die Wölfe berichten. Es wird einen NABU-Stand bei der Veranstaltung geben und eine leckere Suppe und Brot.

Sonntag, 11. Dezember 2016
Beginn: 19 Uhr
Ort: Bielefeld / Osnabrück
Brüngers Landwirtschaft
Westkilverstr. 27
32289 Rödingshausen

Melden Sie sich noch an bei Ulrike Schmitt
Tel: 05226-593349
E-Mail: docndog@web.de

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Signierte Weihnachtsbücher - Aktion endet am 18. Dezember

Unsere große Aktion für signierte Weihnachtsbücher endet am 18. Dezember. Wenn Sie bis dahin bestellen, schaffen wir noch die Zusendung vor Weihnachten.

Sie erhalten diese beiden Bücher mit einer "weihnachtlichen" Signatur von mir und einem besonders schönen Lesezeichen.


Informationen zur Weihnachtsaktion hier

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Das "Wolfsbuch des Jahres 2016" als Weihnachtsgeschenk

In meiner Rezension von "Deutschlands wilde Wölfe" hatte ich Axel Gomilles Buch als "Wolfsbuch des Jahres 2016" empfohlen.














Begeisterte Stimmen zum Buch finden Sie auch hier: 

Spiegel online (Interview und Bildergalerie)

National Geographic (Interview und Bildergalerie)

Frankfurter Rundschau (Artikel und Bildergalerie)

Bookster Frankfurt (Portrait über Axel Gomille und seine Arbeit)

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Und immer wieder Peter Wohlleben ...

Mein Lieblingsförster hat in diesem Jahr Furore gemacht, als seine beiden Sachbücher über lange Zeit auf der Spiegel-Bestsellerliste standen.
Ich kann nicht anders. Ich finde die Bücher so fantastisch, dass ich sie immer wieder empfehlen muss. Das perfekte Weihnachtsgeschenk für Naturmenschen.

Rezension "Das geheime Leben der Bäume"

Rezension "Das Seelenleben der Tiere"

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Ihr Neujahrswunsch für die Wölfe

Was wünschen Sie sich für die Wölfe für 2017? Schicken Sie mir Ihren Neujahrswunsch. Die schönsten Wünsche werde ich in einem im neuen Jahr in einer Videolesung vorstellen.

Alle Informationen hier

Ich wünsche Ihnen wölfische Weihnachten!

Ihre
Elli Radinger

07.12.2016

Niedersachsen: Umweltminister Stefan Wenzel bei Schafhaltern

Herdenschutz weiter verbessern - Aktuell keine gestiegenen Risszahlen trotz wachsender Wolfspopulation

Der Niedersächsische Umweltminister Stefan Wenzel hat heute (Donnerstag) bei einem Besuch in Südergellersen (Landkreis Lüneburg) mit einem Schafhalter die aktuelle Situation der Herdenschutzmaßnahmen gegen Wolfsübergriffe erörtert. "Wir nehmen die Sorgen der Nutztierhalter ernst", sagte der Minister. Das Land berät und unterstützt Nutztierhalter im Rahmen der Richtlinie Wolf mit konkreten Maßnahmen des Herdenschutzes. In der Regel werden achtzig Prozent der Materialkosten übernommen. Zudem werden Tierverluste durch Risse im Rahmen einer freiwilligen Leistung im Jahr 2016 mit bislang ca. 22.000 Euro unterstützt. Die Leistungen werden unabhängig von den Flächenprämien bezahlt, die für Schafhalter zudem erweitert wurden. Auch die Anschaffung von Herdenschutzhunden wird finanziell unterstützt.

Das Wolfsbüro berät die Halter und leistet vor Ort Unterstützung; vor allem auch dann, wenn der Grundschutz durch zusätzliche Maßnahmen erweitert werden muss. Erfahrungen aus Ländern, die immer oder schon länger mit Wölfen leben, zeigen, dass Herdenschutzmaßnahmen unerlässlich sind, um Schäden vorzubeugen und Wölfe nicht an Nutztiere als Nahrungsquelle zu gewöhnen. ‎Deshalb müssen die Tierhalter hier auch ihrer Verantwortung gerecht werden.

Das Land ist mit großem Einsatz dabei, das Wolfsmanagement im Interesse von Artenschutz und Nutztierschutz stetig weiterzuentwickeln. Wir sind überzeugt, dass es gelingt, gemeinsam mit der Landesjägerschaft, den Wolfsberatern und den Umwelt- und den Tierhalterverbänden für einen Interessenausgleich zu sorgen. Wir wollen, dass die Rückkehr des streng artengeschützten Wildtieres Wolf ein Erfolg für alle Beteiligten wird. Bei allen Maßnahmen steht die Sicherheit der Menschen an oberster Stelle."

Ob die jüngsten Fälle von Schafrissen in der Region auf den Wolf als Verursacher zurückzuführen sind, wird derzeit anhand von DNA-Analysen noch untersucht. Schon zu Beginn der Woche hatte das Wolfsbüro beim NLWKN (Niedersächsischer Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz) mit dem Schäfer über Ergänzungen der bestehenden Herdenschutzmaßnahmen beraten. In Niedersachsen wird bei Bedarf auch die Aufstockung des Grundschutzes finanziell gefördert.

Im Anschluss an den Besuch in Südergellersen nahm der Minister an der dritten Veranstaltung im Rahmen einer Reihe von Nutztierhalterstammtischen in Visselhövede (Landkreis Rothenburg) teil. Im Gespräch mit den Vertretern der Nutztierhalterverbände geht es um die Themen Arten- und Nutztierschutz, Maßnahmen des Wolfsmanagements, Zaunbau, weiterer Herdenschutz und Billigkeitsleistungen. (www.umwelt.niedersachsen.de)



Österreich: Naturschutzbund ernennt den Wolf zum Tier des Jahres 2017

Der Wolf ist es: das Tier des Jahres 2017 für Österreich. 
Wolfssichtungen, -risse und sogar eine Wolfsfamilie haben in den letzten Monaten die Diskussion um die mögliche dauerhafte Rückkehr des Wolfes nach Österreich angeheizt. Der Naturschutzbund will nun mit der Kür des Wolfs zum Tier des Jahres sachliche Diskussionen ermöglichen und so gemeinsam mit allen Betroffenen zu einer für alle akzeptablen Lösung kommen.

Der Wolf polarisiert. Schon in frühester Jugend wird uns vom „bösen Wolf“ erzählt, der nicht nur Geißlein, sondern auch ganze Menschen verschlingt. Die dabei erzeugte Angst ist in vielen Personen bis ins hohe Alter tief verankert. Doch gleichzeitig strahlt der Wolf für viele eine große Faszination aus – auch das mag oft auf die frühkindlichen Erfahrungen zurückzuführen sein.

Faktum ist, dass Wölfe eine große Scheu vor Menschen haben und sie daher möglichst meiden. Auf ihrer Speisekarte stehen vorzugsweise Wildtiere, allen voran Hirsche, Rehe oder Wildschweine. Haustiere wie Schafe oder Ziegen machen einen vergleichsweise geringen Anteil an der Nahrung aus.

Die Lebensbedingungen für Wölfe im Alpenraum haben sich seit Jahrzehnten spürbar verbessert. Die Waldfläche ist in den meisten Ländern gewachsen und die heutigen Bestände der primären Beutetiere sind so hoch wie in den letzten Jahrhunderten noch nie. Große Beutegreifer spielen eine ökologische Schlüsselrolle an der Spitze der Nahrungspyramide, da sie als „Gesundheitspolizei“ für die Fitness der Wildbestände sorgen. Die Rückkehr des Wolfs nach Mitteleuropa schließt demnach die Lücke, die in natürlichen Ökosystemen den Großraubtieren zukommt.

Schutzstatus
Der Wolf ist in der FFH-Richtlinie in den Anhängen II und IV aufgeführt. Erklärtes Ziel der Richtlinie ist die Erhaltung bzw. die Erreichung eines günstigen Erhaltungszustandes für die betreffenden Arten und Lebensräume. Davon sind wir in Österreich, was den Wolf betrifft, noch weit entfernt. Er gilt lt. der österreichischen Roten Liste gefährdeter Tierarten als ausgestorben, ausgerottet oder verschollen. Für den Wolf besteht die Gefahr, dass die Art ein zweites Mal verloren geht. Daher setzt sich der Naturschutzbund dafür ein, dass bei Erhaltung der aktuellen land- und forstwirtschaftlichen Nutzung auch die Bildung einer lokalen Wolfspopulation möglich ist. In der Berner Konvention ist der Wolf in Anhang II (streng geschützte Tierarten) angeführt. Diese Tierarten dürfen weder gestört, noch gefangen, getötet oder gehandelt werden.

„Der Wolf gehört zum natürlichen Arteninventar Österreichs, dementsprechend positiv sehen wir vom Naturschutzbund seine selbstständige Rückkehr. Es ist uns aber auch bewusst, dass damit Herausforderungen verbunden sind. Mit der Kür zum Tier des Jahres 2017 wollen wir dazu aufrufen, an einer akzeptablen Lösung für alle zu arbeiten“, appelliert Naturschutzbund-Präsident Roman Türk.
(Quelle)

Hier gehts zur Position des Naturschutzbundes zum Wolf

Anm. der Wolf Magazin Redaktion: Glückwunsch, Österreich! Nicht nur zu dieser Wahl sondern auch zum neuen Präsidenten!