30.03.2017

UMZUG - NEUER BLOG FÜR WOLF MAGAZIN UND ELLI RADINGER

 

Ich bin auf meine neue Webseite umgezogen. Dieser Blog ist nicht mehr aktiv.


Ab sofort findet ihr alle Informationen und Blogbeiträge hier:


www.elli-radinger.de/blog


Aktuelle Meldungen gibt es auch weiterhin auf meiner Google+ Seite.

 

 




25.03.2017

Wissen Wolf: Verstoßen Herdenschutzhunde im Einsatz gegen den Tierschutz?

Wenn Tierschutz absurd wird

Inzwischen sollte landesweit bekannt sein, dass die Verbindung von Elektrozaun und Herdenschutzhund der beste Schutz der Schafe vor Wölfen ist. Das könnte jetzt alles aus Tierschutzgründen verboten werden.

In einem TV-Beitrag berichtete am 20. März der SWR in seiner Sendung „Aktuell“, dass die Tierschutzbeauftragte von Baden-Württemberg der Meinung sei, Elektrozäune und Herdenschutzhunde zusammen würden gegen das Tierschutzrecht verstoßen und die HSH eigentlich eine Rückzugsmöglichkeit bei schlechtem Wetter bräuchten. (Quelle: Dr. Oliver Faass)

Hier die TV-Sendung
Der HSH-Beitrag beginnt bei ca 15 Min und ist 3 Minuten lang.

Die entsprechende Antwort der Tierschutzbeauftragten finden Sie hier.

HSH in der Schweiz (Foto: David Gerke)
In der Tat kann in Deutschland die Haltung von HSH teilweise zu Kollisionen mit den Vorschriften des Tierschutzes führen.
§ 4 Abs. 1 Tierschutz-Hundeverordnung (TierSchHundeV) besagt, dass beim Halten im Freien dem Hund eine Schutzhütte zur Verfügung stehen muss, die ihn auch vor Kälte und Regen schützt. Diese Regelung ist zwar normalerweise notwendig und vernünftig, für den Einsatz von HSHs jedoch wirklichkeitsfremd. Dann müssten beispielsweise Wanderschäfer ständig eine Schutzhütte pro Hund mitführen (HSH + Hütehunde).
Um für einen effizienten Herdenschutz die Arbeit von Herdenschutzhunden nicht zu behindern oder gänzlich unmöglich zu machen, muss in die Regelung des § 4 Abs. 1 TierSchHundeV unbedingt eine Ausnahmeregel aufgenommen werden.



23.03.2017

Schweiz: Verfügung zum Abschuss eines Wolfes

Zwischen dem 21. Januar und dem 8. Februar 2017 hat ein Wolf im Bergell, in der Leventina (Kanton Tessin) und im Misox mehr als 40 Schafe gerissen. In drei Fällen, nämlich in Stampa, in Faido und in Cama konnte aufgrund von genetischen Analysen ein und derselbe Wolfsrüde M75 als Verursacher identifiziert werden.

Wolf in der Fotofalle des AJF, 12.12.2016
Gestützt auf Art. 9bis der eidgenössischen Jagdverordnung kann eine Abschussbewil-ligung für einzelne Wölfe erteilt werden, die erheblichen Schaden an Nutztieren an-richten. Ein erheblicher Schaden an Nutztieren durch einen einzelnen Wolf liegt unter anderem dann vor, wenn in seinem Streifgebiet innerhalb eines Monats mindestens 25 Nutztiere, trotz Herdenschutzmassnahmen, getötet werden. Schäden, die auf dem Gebiet von zwei oder mehreren Kantonen entstanden sind, haben die betroffe-nen Kantone koordiniert zu beurteilen. Die Abschussbewilligung muss der Verhütung weiteren Schadens an Nutztieren dienen.

Die beiden Kantone Tessin und Graubünden haben in gegenseitiger Absprache eine Abschussverfügung für den Wolf M75 erlassen. Diese ist auf 60 Tage befristet.

Die Schwierigkeit eines gezielten Abschusses des Wolfes M75 besteht im typischen Verhalten eines nicht stationären Wolfes, d.h. in der häufigen und schnellen Ver-schiebung über grössere Distanzen. Es ist deshalb durchaus möglich, dass der Wolf M75 auch für die sieben Schafrisse am 18. Februar in Trun verantwortlich ist. Das gezielte Vorgehen in Trun ist nämlich identisch mit jenem in Cama und Faido. Im Kanton Graubünden wird deshalb die Surselva neben den beiden Südtälern Misox und Bergell in den Abschussperimeter einbezogen. (Medienmitteilung, Amt für Jagd und Fischerei Graubünden, 22.03.2017)

20.03.2017

Niedersachsen: Umweltminister Stefan Wenzel im Umweltausschuss: Wolfsmanagement wird weiter verbessert


Mehr Unterstützung für Weidehaltung, Wolfsmanagement wird weiter verbessert

Umweltminister Stefan Wenzel hat heute (Montag) die Mitglieder des Umweltausschusses im Niedersächsischen Landtag über die Weiterentwicklung des Wolfsmanagements informiert. Mit der Einrichtung des Wolfsbüros, dem Aufbau einer Dokumentations- und Beratungsstelle des Bundes zum Wolf (DBBW), dem finanziellen Ausgleich von Nutztierrissen und der Förderung von Präventionsmaßnahmen im Rahmen der Richtlinie Wolf seien wichtige Voraussetzungen geschaffen, sagte der Minister. „Auf der Grundlage der gesetzlichen Vorgaben und rechtlichen Rahmenbedingungen wird das Wildtiermanagement in Niedersachsen kontinuierlich weiterentwickelt“.

Erfreulich sei, dass die Weidehaltung von Schafen in Niedersachsen entgegen dem Trend in anderen Bundesländern sogar zugenommen habe.

Bei allen Maßnahmen stehe die Sicherheit der Menschen an oberster Stelle, sagte der Minister. Bei Wölfen mit auffälligem Verhalten bleibe es weiterhin zulässig und geboten, die Tiere gezielt zu vergrämen, wenn dies fachlich sinnvoll ist. Auch könne im Rahmen der rechtlichen Möglichkeiten erneut veranlasst werden, einen Wolf im Einzelfall zu töten, wenn eine konkrete Gefahr für Menschen von diesem Tier ausgeht.

Die Unterstützung für die Nutztierhalter werde intensiviert, sagte Wenzel.

Der Minister kritisierte den von der Opposition für die heutige Unterrichtung vorgelegten Forderungskatalog. Darin seien Maßnahmen enthalten, die in vielen Punkten gegen geltendes Recht verstoßen.

Details zu den Maßnahmen der Landesregierung finden Sie in der Zusammenfassung der Ausführungen des Ministers hier...


17.03.2017

Rezension: Die Intelligenz der Tiere

Die Intelligenz der Tiere
Wie Tiere fühlen und denken

Carl Safina
C.H.Beck, 2017
526 Seiten
ISBN 978-3406707902
26,95 €

Hier können Sie das Buch bestellen

Inhalt
Was geht im Inneren von Tieren vor? Können wir wissen, wie sie fühlen und denken? Carl Safina nimmt uns mit auf abenteuerliche Entdeckungsreisen in die unbekannte Welt der Elefanten, Wölfe und Orcas. Sein spannend zu lesendes Buch erzählt außergewöhnliche Geschichten von Freude, Trauer, Eifersucht, Angst und Liebe und ist voll von erstaunlichen Einsichten in die Persönlichkeiten der Tiere.

Rezension
Carl Safina nimmt uns mit auf eine Reise in die Gefühlswelt und Intelligenz von drei großen, charismatischen Tierarten, die sich durch ihr besonders Sozialverhalten und ihre Lebensgemeinschaften auszeichnen.
  1. Das Trompeten der Elefanten (Elefanten)
  2. Das Heulen der Wölfe (Wölfe und Kaniden)
  3. Jaulen und Ärgernisse (Philosophie, Forschung, Verhalten)
  4. Der Gesang der Wale (Orcas und Delfine)
Der Biologe und Naturforscher Carl Safina hat zahlreiche Preise und Auszeichnungen erhalten. Der Wissenschaftler mit dem Herzen eines Dichters betrachtet Tiere als seinesgleichen. Er beschreibt die komplexen emotionalen und intellektuellen Leben von Tieren. Wir sind als Leser gefordert, die Tiere als Individuen zu sehen mit ihren ganz individuellen Persönlichkeiten.

Eigentlich wollte ich mich bei dieser Rezension überwiegend auf Kapitel II (Wölfe) konzentrieren, dann hat mich jedoch das dritte Kapitel so gefesselt, dass ich damit meine Rezension beginne. In „Jaulen und Ärgernisse“ beschäftigt sich Safina mit der Forschung zum Verhalten von Tieren. Dabei erzählt er weniger dazu, was wir sind, sondern wie wenig wir doch wissen. Beispiel: „Ein Elefant ist ein Elefant und hat die Intelligenz eines Elefanten, nicht menschliche Intelligenz.“ Denn die meisten wissenschaftlichen Tests zur Intelligenz der Tiere basieren auf menschlicher Intelligenz, was zu einem voreingenommenen Ergebnis führen muss, wie der Spiegeltest, mit dem bei Menschen das Selbstbewusstsein geprüft wird. Ein Mensch mit Selbstbewusstsein sollte demnach in der Lage sein, einen Punkt, der ihm im Schlaf auf sein Gesicht gemalt worden ist, im Spiegelbild zu erkennen und ihn mit dem Finger im Gesicht zu lokalisieren. Bei Hunden funktioniert das nicht, weil für Hunde der Geruchssinn wichtiger ist als die Sicht, und weil es einem Hund ziemlich egal ist, wie er in einem Spiegel erscheint.

Safina bemerkt zu solchen Versuchen ironisch: „Manches ist nicht wissenschaftlich genug. Man muss aufwändige Versuchsreihen initiieren, um zu einem einfachen Ergebnis zu kommen.“

Auf sehr amüsante und zutreffende Art kritisiert er den Hype, der um wissenschaftliche Forschung gemacht wird (oder den die Wissenschaftler um ihre Forschung machen) und zeigt die Absurdität mancher Versuche mit Tieren auf.

Immer wieder ertappe ich mich beim Lesen, dass ich bekräftigend nicke: recht hat er. Beispielsweise hier (S. 328): „Wir sind zu umfangreichem Mitgefühl fähig, aber wir leben unser Potenzial nicht aus. Warum wirkt der Gedanke, dass andere Tiere denken und fühlen könne, so bedrohlich für das menschliche Ego? Weil es schwieriger ist, andere zu misshandeln, wenn man ihnen ein Bewusstsein zugesteht? Wir sind unvollständig und fühlen uns schnell angegriffen. Vielleicht gehört Unvollständigkeit zum ‚Menschsein‘.“

Es ist unbestritten, dass Tiere Gefühle haben. Wir Hundehalter sehen es unseren Lieblingen an, wenn sie traurig oder glücklich sind. Safinas Beispiele von emotionalem und intelligentem Verhalten von Tieren gehen weit darüber hinaus.

Kommen wir zum wölfischen Teil, zu Kapitel Nr. II. Ein großer Teil handelt von den Yellowstone-Wölfen. Als langjährige Mitarbeiterin im Yellowstone-Wolfsprojekt war ich bei vielen der geschilderten Szenen live dabei. Das altruistische Verhalten eines verletzten Jungwolfes, den Druid-Leitwolf, der mit seinen Welpen spielt, die charismatische Leitwölfin 06, sie alle habe ich gesehen – oft gemeinsam mit Safina und anderen Langzeitwolfsbeobachtern im Lamar Valley. Der Autor ist ein ausgezeichneter Beobachter nicht nur der Tiere, sondern er charakterisiert auch die Menschen, die mit den Wölfen arbeiten ganz vortrefflich. Als ich das Buch las, verglich ich es mit meinen Tagebuchaufzeichnungen und fühlte mich wieder zurückversetzt nach Yellowstone.
Für alle Wolfsfans ist darum Teil II ein absolutes MUSS.

Aber auch die anderen Kapitel sind grandios und unbedingt lesenswert. Wir erleben zahlreiche Aha-Momente. Mit seinen detaillierten Beobachtungen drängt sich der Autor niemals auf, weder den Tieren, die er respektiert, noch dem Leser, den er überzeugen will. Seine Empathie für alle Lebewesen macht nicht Halt vor dem Mensch – wenngleich das manchmal berechtigt wäre – vielmehr versucht er zu verstehen, warum manche Menschen Tiere töten wollen.

Ich gebe zu, dies ist kein Buch, das man mal eben so nebenbei liest. Der intellektuelle Stil und viele der wissenschaftlichen Beschreibungen erfordern, dass man sich der Lektüre ganz hingibt. Aber es lohnt sich! Bleiben Sie dran. Tauchen Sie ein in die geheime Welt der Tiere. Lassen sie sich berühren von ihrem Familienleben, ihrer Intelligenz und ihren Emotionen.

„Die Intelligenz der Tiere“ sollte Pflichtlektüre für jedes menschliche Wesen sein. Wenn wir lesen, wie liebevoll hoch soziale Tiere miteinander umgehen, dann bleibt uns nur die Frage, ob sie nicht die besseren Menschen sind. (ehr)


16.03.2017

Mecklenburg-Vorpommern: Saaler Bodden, Bützow, Löcknitz, Pampow – Wolfsübergriffe bestätigt


In Mecklenburg-Vorpommern gab es in diesem Jahr bisher vier Vorfälle, bei denen Wölfe verschiedene Nutztiere gerissen haben. Dies wurde aktuell durch genetische Analysen des Senckenberg-Instituts in Gelnhausen bestätigt.

In drei Fällen waren Schafhaltungen betroffen: Anfang Februar südlich des Saaler Boddens, Mitte Februar in der Nähe von Bützow und bei Löcknitz, nahe der polnischen Grenze. Ende Februar drang ein Wolf in ein gut gesichertes Damwildgatter in Pampow (nordöstlich Löcknitz) ein und riss mehrere weibliche und junge Damhirsche.

„Insgesamt gab es bei den Übergriffen 20 tote und 8 verletzte Tiere. Im Bereich des Saaler Boddens und bei Bützow sind derzeit keine territorialen Wolfsvorkommen bekannt, daher ist dort jeweils ein durchwandernder Wolf als Verursacher zu vermuten. Die beiden anderen Orte liegen innerhalb des Territoriums des Wolfsrudels aus der Ueckermünder Heide. Die betroffenen Tierhalter können auf Basis der Förderrichtlinie Wolf Kompensations­zahlungen für die gerissenen Tiere erhalten“, sagte Dr. Till Backhaus, Minister für Landwirtschaft und Umwelt Mecklenburg-Vorpommern.

Insbesondere Schaf- und Gatterwildhalter sollten die Vorfälle zum Anlass nehmen, ihre Vorkehrungen zum Herdenschutz zu überprüfen. Die Zäune müssen allseitig geschlossen sein. Empfohlen werden entweder mind. 90 cm hohe stromführende Zäune mit einem Bodenabstand <20 cm bzw. Maschendrahtzäune mit mind. 120 cm Höhe und Bodenabschluss. Über diesen Grundschutz hinausgehende Schutzvorkehrungen sind auch über die Förderrichtlinie Wolf förderfähig.

Unabhängig von den aktuellen Schadensfällen ruft Minister Backhaus die Bevölkerung dazu auf, dass Wolfsmonitoring des Landes zu unterstützen: „In der Vergangenheit sind immer wieder Fotos oder Videos von vermeintlichen Wolfssichtungen in unserem Land aufgetaucht. Um ihren Echtheitswert überprüfen zu können, sind wir darauf angewiesen, dass uns Belege für konkrete Beobachtungen, zur Verfügung gestellt werden“, betonte der Minister. Adressaten sind das Landesamt für Umwelt, Naturschutz und Geologie (LUNG) oder der Fachbereich Forstzoologie der TU Dresden. Die genauen Kontaktdaten können auf der Internetseite www.wolf-mv.de unter dem Stichwort „Monitoring“ abgerufen werden. Dort besteht auch die Möglichkeit Wolfsbeobachtungen, Spuren, Losungen oder Risse online mitzuteilen. Kontaktformular hier.

Verglichen mit dem vergangenen Jahr ist bis jetzt kein Anstieg der Wolfsübergriffe in 2017 zu verzeichnen.

 HintergrundIn Mecklenburg-Vorpommern wurde der erste sesshafte Einzelwolf im Jahre 2006 bestätigt. Bis zum Jahr 2013 war insgesamt von 3 Einzeltieren auszugehen (im Bereich der Lübtheener Heide, der Ueckermünder Heide und in der südlichen Müritz-Region im Grenzbereich zwischen den Ländern Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern). Seit Ende März 2013 gab es Hinweise zu Verpaarungen in der Lübtheener Heide und der Ueckermünder Heide und seit 2014 konnten in diesen Bereichen jeweils Reproduktionen nachgewiesen werden (Lübtheen: 5, 6 und 4 Welpen; Ueckermünde: 4, 7 und 6 Welpen).

Auf Grundlage von Wildkamerabelegen mit 5 abgelichteten Wölfen vom Januar 2017 (davon 4 Welpen aus dem zurückliegenden Jahr) konnte ein drittes Rudel für den Bereich der Kalißer Heide (Landkreis LUP) bestätigt werden.

In der brandenburgischen Grenzregion der Kyritz-Ruppiner Heide hat das dort bislang bekannte Einzeltier im Jahre 2016 ein Rudel begründet, dessen Aktionsradius sich auch auf Mecklenburg-Vorpommern (südliche Müritz-Region) erstreckt.

Monitoringergebnisse aus den Bereichen der Nossentiner/Schwinzer Heide und der Brohmer Berge ergeben Hinweise hinsichtlich sich dort etablierender territorialer Vorkommen eines Einzeltieres sowie eines Wolfspaares.

Unabhängig von den etablierten Tieren kommt es in loser Abfolge zu weiteren Einzelsichtungen oder sonstigen Hinweisen auf Wölfe in Mecklenburg-Vorpommern. Es ist nach bisherigen Erkenntnissen davon auszugehen, dass es sich dabei i.d.R. um wandernde Wölfe handelt. (Quelle)

14.03.2017

Rezension: Wölfe (DVD)

Rezension: Wölfe (DVD) - Verlosung im nächsten Newsletter!

Wölfe
DVD, Blue-ray
Tiberius Film
Regie: Julia Huffmann
Laufzeit: 71 Min.
14,99 / 16,99 €

Hier können Sie die DVD bestellen

Inhalt
Viele Völker, die seit jeher von der Jagd lebten, sahen im Wolf einen ihnen überlegenen Konkurrenten. Der Wolf wurde auch als Beschützer und übernatürliches Wesen verehrt. Doch der Wolf war schon immer auch der Feind des Menschen, was bis heute in vielen Legenden und Märchen seit jeher erzählt wird. In dieser faszinierenden Dokumentation macht Filmemacherin Julia Huffmann mit dem renommierten Naturfotografen und Filmemacher Jim Brandenburg eine Reise nach Minnesota, in das sogenannte Wolfs-Land, wo eines der größten Wolfsrudel der USA lebt. Auf ihrer Reise porträtieren die Filmemacher sowohl Menschen, die die Wölfe schützen wollen, als auch diejenigen, die sie hassen und ergründen so die Faszination dieser wunderbaren Tiere.
Faszinierende Dokumentation über die Suche nach dem wahren Wesen des Wolfes.

Rezension
Dieser Film ist etwas ganz Besonderes. Er enthält Dokumentationen, Interviews, Philosophie, Weisheit aber vor allem ganz große Magie.

„Wölfe“ ist ein stiller Film, der tief in uns etwas berührt und den Zuschauer lange nicht mehr loslässt. Es geht um Wölfe und um Menschen, die sie lieben oder hassen. In der englischen Originalversion heißt der Film „Medicine oft the Wolf“ (Wolfsmedizin), was den Inhalt meines Erachtens besser beschreibt als ein schlichtes „Wölfe“. Denn Medizin und Magie sind sie, die großen Beutegreifer. Das begreift jeder, der diesen Film anschaut.

Der Naturfotograf und Filmemacher Jim Brandenburg erzählt von den Wölfen, die in der Nähe seiner Blockhütte Ravenwood in Ely, Minnesota, leben und welche Beziehung er zu ihnen aufgebaut hat. Diese Gespräche haben mich tief berührt. Ich kenne Jim Brandenburg persönlich. Ich habe ihn Anfang der 1990er Jahre kennengelernt, als ich ein Jahr in einer Blockhütte in der Wildnis ganz in der Nähe von Brandenburgs Cabin gelebt habe. Auch ich hatte Wölfe auf dem Grundstück. Ich traf Jim in seiner Galerie in Ely und wir kamen ins Gespräch. Er erzählte mir von Ravenwood und „seinen“ Wölfen, und ich berichtete über die deutschen Wölfe, die zu diesem Zeitpunkt offiziell noch nicht angekommen waren, von denen aber immer wieder vereinzelte Tiere illegal erschossen wurden. „Du musst etwas für die Wölfe tun“, sagte mir Brandenburg sehr eindringlich. „Wir müssen diese Tiere schützen.“ Manchmal glaube ich, dass das Gespräch mit ihm den Ausschlag gegeben hat für meine jahrzehntelange Arbeit für den Wolf.

Brandenburg ist eine beeindruckende Persönlichkeit wie wohl jeder Mensch, der lange Zeit in der Wildnis verbringt: ein ruhiger, zurückgezogener und sehr gütiger Mann, der absolut authentisch ist, was er auch in seinen grandiosen Fotografien ausdrückt.

Leise und traurig erzählt er im Film, wie seine Lieblingswölfe getötet wurden, nachdem der Wolf von der Artenschutzliste genommen wurde. Man spürt seine Verletzlichkeit und seine Verzweiflung fast körperlich, als er sagt: „Ich bin nicht mehr der alte. Es hat mich zum Weinen gebracht“, und dabei mit den Tränen kämpft.

Es sind schlimme Szenen im Film, die deprimieren, wie der Abschuss eines Wolfes durch einen Jäger zu Fuß und seine Freude darüber, ihn erwischt zu haben. Wütend macht die Anhörung zum Gesetzentwurf zur Streichung der Wölfe von der Artenschutzliste, wo im Regierungssaal über Zahlen und Abschussquoten verhandelt wird wie über einen Börsenindex statt über das Schicksal von  lebendigen, intelligenten und fühlenden Lebewesen. Das Bewusstsein, dass dies überall auf der Welt gleich ist – und auch in Deutschland so geschachert wird – macht mich hilflos.

Aber wir sehen in der Dokumentation auch traumhaft schöne Szenen aus dem Familienleben der Wölfe. Viele davon zeigen die Wölfen von Yellowstone (zum Beispiel bei der Jagd von Wapitis), die mir natürlich vertraut sind.

Sehr berührend fand ich auch die Begegnungen von New Yorker Problemkids mit Gehegewölfen. Unter Wölfen zu sitzen, sie zu streicheln und sich von ihnen küssen zu lassen, verändert vielleicht das weitere Leben des einen oder anderen Jugendlichen für immer. Das ist Wolfsmedizin!

Aussagen von Menschen, die Wölfe lieben, wie Jane Goodall, Marc Bekoff, einem Ojibwa-Chief und vielen anderen geben einen tiefen Einblick in die Gefühle und Philosophie der Menschen, die von Wölfen tief berührt worden sind. Sie lassen uns wissen, dass wir nicht allein sind mit unseren Emotionen.

Mich hat dieser Film sehr aufgewühlt. Und so sehr mich die stille Verzweiflung von Jim Brandenburg berührt hat, so dankbar bin, dass der Film damit nicht endet, sondern mit einer Note der Hoffnung, als Jim eine frische Wolfshöhle findet. Vielleicht ist doch noch nicht alles verloren.

Mein Fazit und meine Empfehlung: unbedingt sehenswert – and the Oscar goes to „Wölfe“.

Der Filmstart von „Wölfe“ ist am 6. April. Der Film erscheint auf Blue-ray und DVD sowie DIGITAL. Das Wolf Magazin verlost im Newsletter April FÜNF Exemplare unter allen Abonnenten des Newsletters Wolf & Co. Ich danke Tiberius Film dafür!!


13.03.2017

Bundestagspetition gegen grausamste Tierversuche in Deutschland gestartet

Mindestens 50.000 Mitzeichner bis 11. April benötigt

Elektroschocks, schwimmen müssen bis zur Erschöpfung, tödliche Vergiftungen, mehrfaches Organversagen, tödliche Bestrahlungsschäden - diese und andere schwerste Leiden und Schäden dürfen Tieren in deutschen Versuchslaboren immer noch zugefügt werden, obwohl die EU solche erheblich belastende Tierversuche verbietet. Diese Missstände sowie 17 weitere in einem Rechtsgutachten dokumentierten Verstöße Deutschlands gegen die EU-Tierversuchsrichtlinie prangern die bundesweiten Vereine Ärzte gegen Tierversuche, Bund gegen Missbrauch der Tiere und TASSO an und haben aktuell eine Petition beim Deutschen Bundestag eingereicht. Bis zum 11. April werden jetzt mindestens 50.000 Mitzeichner benötigt, damit die Petition Gehör findet.

Tierversuche, die „starke Schmerzen, schwere Leiden oder schwere Ängste verursachen, die voraussichtlich lang anhalten und nicht gelindert werden können“ könnten in Deutschland längst der Vergangenheit angehören, wenn die 2010 novellierte EU-Tierversuchsrichtlinie korrekt in nationales Recht umgesetzt worden wäre. Denn die EU-Richtlinie verbietet besonders leidvolle Tierversuche, die im Schweregrad „schwer“ angesiedelt sind.

Deutschland nutzte jedoch bei der Umsetzung der EU-Richtlinie ein Schlupfloch, um dieses Verbot schwerstbelastender Tierversuche nicht in das nationale Recht übernehmen zu müssen.

Darüber hinaus belegt ein Rechtsgutachten* 18 tierschutzrechtliche Verstöße bei der Umsetzung der EU-Richtlinie in deutsches Recht. So sind zum Beispiel in Deutschland Tierversuche zu Aus-, Fort-, Weiterbildungszwecken nicht wie von der EU verlangt genehmigungspflichtig, sondern müssen der Behörde nur angezeigt werden. Auch die Prüfkompetenz der Behörden beim Genehmigungsverfahren von Tierversuchen ist stark eingeschränkt, das heißt in Deutschland müssen die Behörden ein Versuchsvorhaben genehmigen, wenn alle formalen Vorgaben erfüllt sind, wenn etwa der Antrag korrekt ausgefüllt wurde. Die EU fordert aber eine unabhängige Abwägung zwischen dem Leid der Tiere und dem postulierten Nutzen des Versuchs. Nicht einmal eine solche Abwägung ist den deutschen Behörden erlaubt.

„Mit der mangelhaften Umsetzung der EU-Richtlinie zum Nachteil der Tiere hat die Bundesregierung nicht nur die Absicht des Unionsgesetzgebers, sondern auch die eigene Staatszielbestimmung Tierschutz völlig außer Acht gelassen“, betonen die Vereine. Der seit 2002 gültige Verfassungsrang des Tierschutzes gebiete nämlich die Nutzung jedweden Spielraumes nach oben bei der Verwirklichung von mehr Tierschutz.

Damit sich der Bundestag mit dieser rechtlichen Schieflage bei Tierversuchen beschäftigen muss, haben die Verbände dort eine Petition eingereicht.

Foto: Ärzte gegen Tierversuche e.V.
Wenn innerhalb der nächsten vier Wochen, also bis zum 11. April 2017, mindestens 50.000 Menschen auf der Internetplattform des Petitionsausschusses für das Anliegen ihre Stimme abgeben, haben die Vereine die Möglichkeit, bei einer öffentlichen Anhörung ihre Forderung nach einem Verbot schwerstbelastender Tierversuche sowie der Beseitigung der tierschutzrechtlichen Verstöße persönlich vorzutragen.

*Gutachten Dr. Maisack v. 18.1.16 zur Frage, ob und ggf. welche Bestimmungen der Richtlinie 2010/63/EU durch das Dritte Gesetz zur Änderung des Tierschutzgesetzes und die Tierschutz-Versuchstierverordnung nicht oder nicht ausreichend in deutsches Recht umgesetzt worden sind.

Weitere Informationen

https://epetitionen.bundestag.de/petitionen/_2017/_01/_09/Petition_69364/forum/Beitrag_447883.%24%24%24.batchsize.10.tab.1.html

http://www.schwimmen-bis-zur-verzweiflung.de/

10.03.2017

Schleswig-Holstein: Überfahrener Wolf stammt aus Mecklenburg-Vorpommern


Der Wolf, der am Morgen des 6. März 2017 im Kreis Herzogtum Lauenburg bei einem Verkehrsunfall auf der B 207 nordwestlich von Ratzeburg getötet wurde, stammt aus Mecklenburg-Vorpommern. Das ist das Ergebnis der Untersuchungen, das heute (10. März 2017) durch das Senckenberg-Institut – dem nationalen Referenzzentrum für genetische Untersuchungen bei Luchs und Wolf – mitgeteilt wurde. Zur Klärung der Herkunft des Tieres waren Blutproben entnommen und an das Senckenberg-Institut nach Gelnhausen bei Frankfurt gegeben worden.

Wie die Untersuchungen zeigen, handelt es sich bei dem verunglückten Tier um einen Welpen, der 2016 in der Lübtheener Heide in Mecklenburg Vorpommern geboren wurde. Das dortige Rudel hatte im Jahr 2016 vier Welpen; der verunglückte junge Rüde hatte die Kennung GW 674m getragen. 2014 waren in der Lübtheener Heide erstmals Welpen durch das dortige Wolfspaar groß gezogen worden. (PM melur.landsh.de)

08.03.2017

Wissen Wolf: Der Geruchssinn des Wolfes

In unserer Reihe "Wissen Wolf" stellen wir in loser Folge Interessantes und Wissenswertes über den Wolf vor

Die Sinne des Wolfes: Geruchssinn

Foto: Gunther Kopp
Professor Bernhard Grzimek sagte einmal, dass die Sinne des Wolfes sehr viel stärker ausgebildet sind als die des Hundes. Bei einem Experiment mit geschlossenen Futterbehältern bewies er, dass Wölfe nur fünf Minuten brauchten, um zu entdecken, wo sich das Futter befand, während Hunde dazu bis zu einer Stunde brauchten.

Mit entscheidend für den Jagderfolg eines Wolfes ist sein ausgezeichneter Geruchssinn. Im Vergleich zum Menschen hat der Wolf eine stark vergrößerte Oberfläche des Riechepithels mit 130 cm² in dem ca. 250 Millionen Riechsinneszellen eingebettet sind, diejenige des Menschen ist lediglich 5 cm² groß mit 10-30 Millionen Riechsinneszellen. Wölfe können somit 100-1000 Mal besser riechen als Menschen. Die Witterung von Artgenossen oder Beutetieren kann ein Wolf über Entfernungen von 2-3 km wahrnehmen, bei günstigen Windverhältnissen wahrscheinlich sogar noch erheblich weiter.

Es gibt viele Berichte über den ausgezeichneten Geruchssinn des Wolfes:
  • Roger Peters beschreibt in „Der mit dem Wolf tanzt“ die Fähigkeit eines Wolfes, ein längst gestorbenes Backenhörnchen „zehn Meter entfernt und unter einem Meter Schnee“ zu riechen.
  • David E. Brown schreibt in „The Wolf in the Southwest: The Making of an Endangered Species“ über die vergeblichen Bemühungen des Trappers Roy T. McBride, einen Wolf in der Nähe von Sonora, Mexico, zu fangen, indem er Urin und Kot von einem gefangenen Wolf als Köder benutze. Es dauerte ganze fünf Monate, nachdem die Köder-Fallen entfernt worden waren, bis der Wolf das Gebiet wieder betrat. „Dieser Wolf hatte drei der alten Stellen besucht, wo die Fallen gestanden hatten und offensichtlich den Köder gerochen, obwohl Wind, Regen und Sonne Zeit genug hatten, den Geruch zu verwischen.“
  • R. D. Lawrence schreibt in „Wolves“, dass „ein fünf Monate alter Wolfswelpe den Geruch eines Stachelschweines aufnehmen konnte, das 1,6 Kilometer von dem Welpen entfernt Gras fraß.“
  • Dave Mech berichtet, dass Wölfe aus über 6,5 km Entfernung eine Elchkuh mit Zwillingskälbern rochen.
Der Geruchsinn spielt vor allem auch in der Kommunikation mit Artgenossen eine wichtige Rolle. (Hierzu mehr in einem anderen Posting.)

03.03.2017

Niedersachsen: Sichtung eines Wolfs im Landkreis Uelzen: Informationen aus dem Wolfsbüro


Das Wolfsbüro des NLWKN (Niedersächsischer Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz) hat darüber informiert, dass nach dem Bekanntwerden der aktuellen Sichtung eines Wolfs im Landkreis Uelzen unmittelbar Kontakt mit dem Melder aufgenommen und die Situation vor Ort erörtert wurde. Vorliegende Informationen wurden zudem der Dokumentations- und Beratungsstelle des Bundes zum Thema Wolf (DBBW) zur Bewertung vorgelegt. Demnach ist das Verhalten des wahrscheinlich jungen Wolfes als nicht problematisch zu bewerten. Eine gezielte Annäherung des Wolfs an den Menschen ist nicht erkennbar.

Das Wolfsbüro weist darauf hin, dass abwandernde Jungtiere auch in anderen Regionen Niedersachsens auftreten können. „Wie andere Wildtiere auch meiden sie eher den Kontakt zu Menschen. Wölfe akzeptieren Siedlungsbereiche als Bestandteile ihres natürlichen Lebensraums, sie sind nicht auf Wildnis-Gebiete angewiesen. Sie laufen daher nicht nur durch den Wald, sondern queren auch offene Felder oder Straßen oder nutzen menschliche Strukturen wie Feld- oder Waldwege, auf denen es sich kraftsparend laufen lässt", erläutert die Wolfs-Expertin Nicola Georgy aus dem Wolfsbüro. Der Wolfsbestand im Landkreis Uelzen wird über das vom Land eingerichtete Wolfsmonitoring beobachtet. (PM NLWKN, 2.3.17)

02.03.2017

Rezension: Monty und ich

Monty und ich
Louisa Bennet
Heyne Verlag, 2016
448 Seiten
ISBN 978-3453418936
9,99 €

Hier können Sie das Buch bestellen

Inhalt
Monty ist ein Golden Retriever und, von seiner Schwäche für Käse einmal abgesehen, ein ziemlich vernunftbegabtes Wesen. Als sein geliebtes Herrchen ermordet wird, ist er am Boden zerstört. Zum Glück findet er ein neues Zuhause bei Rose Sidebottom, der Polizistin, die den Fall aufklären soll. Doch die Ermittlungen erweisen sich als kompliziert. Monty kombiniert blitzgescheit: Die Zweibeiner brauchen sofort Hilfe! Zusammen mit seinen tierischen Freunden macht er sich auf die Suche nach dem Täter.

Rezension
Die Vorlage der britische Krimiautorin für das Buch ist ihr Golden Retriever Pickles, der – laut Bennet – die Idee für das Buch hatte und es von ihr tippen ließ. Montys meint, sie sei schneller auf der Tastatur und ließe sich weniger von Futter oder von vorbei flitzenden Eichhörnchen ablenken.

Die Autorin schildert den vierbeinigen Protagonisten aus seiner Sicht, und ich habe mich beim Lesen oft gefragt: Denkt meine Hündin vielleicht auch so über mich und die Welt? Wie sieht ihr geheimes Leben aus? Mit welchem Tier tratscht sie gerade über mich, und was erzählt sie ihm? Bei jedem Gassigang frage ich mich nun, welche Nachrichten meine Hündin in ihren Urimails gecheckt hat.

„Monty und ich“ ist ein wunderbarer, leicht zu lesender Krimi, der mich immer wieder dazu brachte, lauthals zu lachen, aber auch mehr als ein paar Tränen zu vergießen. Die Autorin gibt Monty viele Fähigkeiten, die man normalerweise nicht mit einem Hund in Verbindung bringt wie beispielsweise, die Tatsache, dass er lesen und einen Computer nutzen kann.

Die Geschichte wechselt zwischen zwei Perspektiven (Hund-Mensch), was der Handlung geschuldet wird, aber auch teilweise verwirrend ist, besonders wenn noch weitere unterschiedliche Tiere hinzukommen, die vom Plot ablenken.

Man spürt, dass das Buch von einer erfahrenen Hundebesitzerin geschrieben ist, die eine tiefe Liebe nicht nur zu ihrem Hund Pickels (äh … Monty) sondern zu allen Tieren empfindet. Jeder Hundehalter wird sich im Buch wiederfinden, besonders aber die Besitzer von Retrieverrassen (so wie ich).

Das Buch ist als Serie angelegt. Freuen wir uns also auf weitere Folgen mit Monty, dem Hundedetektiv.

Danke für ein wunderschönes, unterhaltendes und spannendes Buch für alle Hundefreunde.

Schauen Sie sich auf jeden Fall auch die Videos auf Montys Blog an.

01.03.2017

Rezension: Wir fliegen, wenn wir fallen

Wir fliegen, wenn wir fallen
Ava Reed
Ueberreuter Verlag, 2017
304 Seiten
ISBN 978-3764170721
Für Alter: 12 - 15 Jahre
16,95 €

Hier können Sie das Buch bestellen

Inhalt
Eine Nacht unter den Sternen schlafen. Einen Spaziergang im Regenwald machen. Die Nordlichter beobachten ... So beginnt eine Liste mit zehn Wünschen, die Phil nach seinem Tod hinterlässt, gewidmet seinem Enkel Noel und der siebzehnjährigen Yara. Phils letztem Willen zufolge sollen sich die beiden an seiner statt die Wünsche erfüllen. Gemeinsam. Yara und Noel, die sich vom ersten Moment an nicht ausstehen können, willigen nur Phil zuliebe ein. Doch ohne es zu wissen, begeben sich die beiden auf eine Reise, die nicht nur ihr Leben grundlegend verändern wird, sondern an deren Ende beiden klar ist: Das Glück, das Leben und die Liebe fangen gerade erst an.

Rezension
Ein wunderbares Buch für nicht nur für Kinder und Jugendliche, sondern für alle jung Gebliebenen. Zwei junge Menschen, jeder mit seinem eigenen Schicksal traumatisiert und distanziert, wachsen durch die Wunschliste eines Sterbenden zusammen, überwinden ihre Abneigung und lernen sich lieben. Eine sehr berührende Geschichte voller Zauber, Zartheit und Liebe, gepaart mit Reisen in ferne Länder, Abenteuern und einer ganz besonders magischen Begegnung mit einem Wolf. Absolut empfehlenswert.

27.02.2017

Newsletter Wolf & Co


Melden Sie sich hier an für unseren kosten Newsletter Wolf & Co


Newsletter-Anmeldung


Nach der Anmeldung erhalten Sie eine Email, in der Sie bitte durch Klicken eines Links Ihr Abonnement bestätigen.

26.02.2017

Fastenzeit: 7 Wochen ohne ... Empörung


Millionen Menschen lassen sich jährlich mit „7 Wochen Ohne“, der Fastenaktion der evangelischen Kirche, aus dem Trott bringen. Sie verzichten nicht nur auf Schokolade oder Nikotin, sondern folgen der Einladung zum Fasten im Kopf: sieben Wochen lang die Routine des Alltags hinterfragen, eine neue Perspektive einnehmen, entdecken, worauf es ankommt im Leben. Dieses Jahr gibt es bei der Aktion eine "Kur der Entschleunigung" unter dem Motto: "Augenblick mal! - Sieben Wochen ohne Sofort".  Ich finde dieses Motto großartig, besonders für alle iPhone- und E-Mail Geplagten.

Ich persönlich habe mich für ein anderes Fasten entschlossen: Empörungsfasten.
Der Autor und Blogger Johannes Korten hat mich auf die Idee gebracht. Korten hat sich leider im Sommer 2016 das Leben genommen.

Wozu soll Empörungsfasten gut sein? 
Mir gehen die schlechten Nachrichten zu geforderten Wolfsabschüssen, die schlauen Aussagen vermeintlicher "Experten", der Trumpismus, die AfD, die Rassismus-Hetze und alle anderen menschliche Verwirrungen so auf die Nerven, dass ich bei jeder neuen Meldung im TV oder den Zeitungen wie ein HB-Männchen in die Luft gehe. Das tut mir definitiv nicht gut, zumal ich ja mit meiner Entrüstung die Welt keinen Deut besser mache. Darüber hinaus kostet mich das zu viel wertvolle Energie.

Foto: Markus Bathen

Foto: pixabay
Mein Empörungsfasten bedeutet nicht, dass ich für die nächsten sieben Wochen keinen Fernseher mehr anmache oder keine Zeitung mehr lese. Selbst den Wolfs-Newsletter wird es weiterhin geben. Für mich bedeutet es aber, dass ich den allgemeinen Medienzirkus nicht mehr mitmache und Nachrichten lediglich zur Kenntnis nehme, aber mich nicht mehr darüber aufrege. Im weitesten Sinn also mehr Gelassenheit. Soweit mein Plan! Ob es mir gelingt, ohne Empörung durchs Leben zu gehen, darüber werde ich nach dem Ende der Fastenzeit (Ostern) berichten.

Noch ein paar Tipps für andere Fastenwillige. Außer dem üblichen Verzicht auf Schokolade, Zigaretten oder Alkohol könnt ihr noch hierauf verzichten:
  • Internet/Facebook,
  • Fernsehen
  • Auto,
  • Meckern,
  • Unmögliche Personen,
oder macht mit bei der aktuellen Aktion: „7 Wochen ohne – Sofort!“
Viel Erfolg!

Foto: Sergey Nivens_Fotolia



25.02.2017

Wissen Wolf: Räude beim Wolf

In Sachsen-Anhalt wurde im Februar 2017 ein toter Wolf aufgefunden, der von Räude befallen war. Die Deutsche Jagdzeitung druckte ein Foto des jungen Wolfes, das seinen extrem schlechten Zustand zeigt.

Wie gefährlich ist Räude beim Wolf?
Sarcoptes Räude ist bei wilden Kaniden eine der gefährlichsten Krankheiten. In Amerika wurde sie 1909 von staatlichen Tierärzten in die Rocky Mountains eingeführt, um die örtliche Kojoten- und Wolfspopulation zu vernichten. Noch lange nach der Ausrottung der Beutegreifer existierte die Milbe weiter. Im Winter 2008 konnte ich in Yellowstone zum ersten Mal Wölfe beobachten, denen großflächig Fell fehlte. Auch Füchse können unter der Krankheit leiden.
 Im Winter kann sie daher ein wichtiger Regulierungsfaktor für Wolfspopulationen sein. Es gibt mehr Fälle von Räude, wenn die Populationszahlen steigen. Eine Ansteckung von Haustieren, seltener auch Menschen, ist zwar möglich, lässt sich jedoch gut behandeln.

Krätzmilbe. Foto: Kalumet/Wikipedia

Sarcoptes Räude entsteht durch die Krätzmilbe (Sarcoptes scabiei), die schwere Hauterkrankungen verursacht. Die Milbe gräbt sich in die Haut und legt dort ihre Eier ab. Die sich daraus entwickelnden Larven und Nymphen wandern auf die Hautoberfläche, wo sie sich weiter vermehren. Bei den Abwehrreaktionen des Körpers kommt es zu Entzündungen und Juckreiz und daraus resultierend zu Haarausfall, Kratzwunden und Krustenbildung. Das betroffene Tier verliert teilweise oder ganz sein Haarkleid, was für einen Wolf lebensbedrohlich sein kann.

Yellowstone-Wolf mit Räude. Foto: Dan Stahler, YNP

Die Übertragung erfolgt schon durch flüchtigen Kontakt von Tier zu Tier; eine Übertragung von Wildtieren auf Haustiere scheint dagegen ausgeschlossen. 1980 versuchten Wissenschaftler, Sarcoptes-Räude von einem Rotfuchs, vier Kojoten und einem Wolf auf Hunde zu übertragen, was fehlschlug.
Räude ist ein wichtiger Regulierungsfaktor für Wolfspopulationen. Es gibt mehr Fälle von Räude, wenn die Populationszahlen steigen. Die Zahl der überlebenden Welpen sinkt mit sinkender (erkrankter) Population. Viele Tiere erfrieren durch den Fellverlust.

Zur Frage, welche Auswirkungen Räude auf die soziale Dynamik, den Zusammenhalt und den Status der Tiere innerhalb eines Rudels hat, wie manche Wölfe die Infektion überleben und wie viele zusätzliche Kalorien notwendig sind, um den Wärmeverlust auszugleichen, gibt es eine Studie vom USGS Northern Rocky Mountain Science Center und dem Yellowstone Nationalpark Service. Für die Untersuchung der Krankheit bedient man sich eines Verfahrens, das ursprünglich zu Militärzwecken im Koreakrieg entwickelt und eingesetzt wurde: der Thermografie. Dabei handelt es sich um ein Wärmebild, das die für das menschliche Auge unsichtbare Wärmestrahlung des Wolfskörpers sichtbar machen kann. So lassen sich Temperaturmessungen flächenförmig erfassen und darstellen.
Die Wärmebilder helfen den Wissenschaftlern nicht nur das Ausmaß des Haarverlustes durch die Räude festzustellen, sondern vor allem, den dadurch verursachten Wärmeverlust in den verschiedenen Stadien der Infektion.
Wärmebild. Foto: USGS

Das obige Bild  zeigt einen Wolf vom Grizzly and Wolf Discovery Center in West Yellowstone. Die Wissenschaftler haben an seinem hinteren Bein an einer kleinen Stelle das Fell wegrasiert. So können die Forscher den Unterschied des Wärmeverlustes mit und ohne Fell dokumentieren. Auf dem Bild hier sieht man deutlich den roten Fleck am Bein des Wolfes. In der Wildnis würde das bedeuten, dass der Wolf bei einem solchen „Hot Spot“ viel Wärme verliert, die er wieder durch die Zufuhr von mehr Energie (= Futter) ausgleichen muss.
Zum Vergleich noch zwei Wärmebild Fotos von gesunden Wölfen.

Nur beim Heulen entweicht Wärme. Foto: USGS

An einem kalten Tag sieht man, wie gut ihr Fell die Wölfe isoliert. Foto: USGS


22.02.2017

"Der Wolf kehrt zurück. Mensch und Wolf in Koexistenz?" Statement der Autoren zum Buch

Statement von Günther Bloch und Elli H. Radinger
Unser neues Buch „Der Wolf kehrt zurück. Mensch und Wolf in Koexistenz?“ erscheint im April im Kosmos-Verlag.
Uns haben so viele Fragen und Bitten um ein Statement dazu erreicht, dass wir sie nicht alle einzeln beantworten können. Darum haben wir hier zusammengefasst, worum es geht.
Dieser Text und das Cover stehen zur freien Verfügung. Sie können beide gerne auf Ihrer Webseite verwenden oder auch einfach nur auf diesen Eintrag verlinken.

Wer mehr zu „Der Wolf kehrt zurück“ wissen will, der findet weitere Informationen sowie Leseproben und Bestellmöglichkeiten von signierten Exemplaren auf der Webseite zum Buch: Der Wolf kehrt zurück



Warum wir dieses Buch geschrieben haben
Der Wolf ist nach Deutschland zurückgekehrt und inzwischen sind schon zahlreiche Bücher über ihn geschrieben worden. Warum also noch ein Buch über die deutschen Wölfe?
Nun, zunächst einmal kann man nie genug Aufklärung über Wölfe betreiben. Vor allem wenn es um das Verhalten von wild lebenden Wölfen geht. Noch immer gibt es katastrophale Aussagen von sogenannten „Experten“ darüber, wie sich der Wolf angeblich verhält. „Der Wolf ist …“ setzen Sie jedes x-beliebige Adjektiv ein, es wird passen. Erstaunlich nur, dass viele der Aussagen darüber, wie der Wolf nun wirklich sei, von Menschen getroffen werden, die noch nie in ihrem Leben einem wilden Wolf begegnet sind.
Im Gegensatz zu uns. Wir haben beide mehr als ein Vierteljahrhundert Erfahrung in der Beobachtung von wild lebenden Wölfen, haben über zwanzigtausend Begegnungen mit wilden Wölfen gehabt, viele davon aus der Nähe. Weil die Unsicherheit, die Unkenntnis und die Ignoranz immer noch groß sind, war es uns ein Bedürfnis, dem Leser reale und authentische Informationen zu vermitteln. Wir berichten in diesem Buch aus eigener Erfahrung.

Worum geht es?
Es geht bei „Der Wolf kehrt zurück“ vor allem darum, wie wir Menschen in Koexistenz mit dem Wolf leben können. Wir haben darum einen Schwerpunkt des Buches auf den Herdenschutz gelegt und auf das Verhalten von Wölfen als Kulturfolger in unserem Lebensraum. Dazu geben wir Hilfestellung, wie Sie sich im Fall einer Wolfsbegegnung verhalten sollten – auch als Hundehalter. Weitere Themen sind die Rolle der Medien, die Bedeutung von Sprache, die Wolfspolitik und der Umgang mit vermeintlichen „Problemwölfen“, aber auch die Vorteile, die das Leben mit Wölfen mit sich bringt.
Wir beantworten damit einen Großteil der Fragen, die im Laufe der letzten Jahre an uns gestellt wurden.

Was ist uns wichtig?
Wir wollen Wissen gegen Angst setzen.
Was wissen wir überhaupt über Wölfe? Viele von uns kennen sie nur aus Naturfilmen oder aus dem Zoo. Aber die Realität ist kein Film, und Zoowölfe verhalten sich in vielen Belangen nicht wie wilde Wölfe.
Um die Angst vor dem Wolf zu verlieren, müssen Menschen wissen, wo wer was wann und warum tut. Wölfe zu verstehen, bedeutet nicht nur, ihr natürliches Verhalten in der Freiheit zu kennen, sondern sie auch in ihrem Umfeld zu erleben, inmitten eines Ökosystems mit ständiger Menschenpräsenz, von dem sie ein wichtiger Teil sind.
Wir wollen erreichen, dass Sie als Leser, die Wölfe sehen, wie sie wirklich sind. Weder Heilige, noch Teufel, sondern als ein hoch soziales und territoriales Lebewesen, das nur das will, was wir auch wollen: ungestört seine Familie aufziehen und in Ruhe gelassen werden.



16.02.2017

Wünsche für den Wolf


„Was wünscht ihr euch im neuen Jahr für den Wolf?“, hatte ich im Dezember-Newsletter gefragt. Einige der Zuschriften habe ich nachstehend abgedruckt. Ich denke, sie sprechen für uns alle.

Gabriela S. aus der Schweiz
Ich wünsche mir, dass mehr Menschen die Kraft der Wölfe entdecken und dass diese wunderbaren Tiere ihren Platz auf unserer Erde beibehalten können.

Isa R.
Ich wünsche mir, dass wir Menschen wieder lernen mit dem Wolf zu leben.
Dass wir den Wolf einfach Wolf sein und ihn in Ruhe lassen.
Die Wölfe zeigen uns so vieles, was wir uns genauer anschauen sollen ... wo wir mal genauer hinsehen sollen...
Statt anzuschauen, sehen wir weiterhin lieber weg.
Wir sollten wieder genauer sehen lernen, so wie es der Wolf uns lehrt ...

Elke S.
Ich wünsche mir für den Wolf, dass er den Menschen dazu bewegen kann, zum Ursprung allen Geschehens zurückzukehren.

Samantha S.
Ich wünsche mir für den Wolf, dass er besser verstanden wird und ihm mehr positive Eigenschaften zugeschrieben werden. Ich erhoffe mir so vieles, dass ich es nicht in Worte fassen kann, aber eins kann ich noch sagen. Ich wünsche mir von Herzen, dass wir Menschen unseren Mantel des Egoismus und der Inakzeptanz ablegen und versuchen zu verstehen. Ich sage nicht, dass alle diese Tiere lieben sollen, aber eine gemeinsame Koexistenz anstreben.

Egbert W.
Wolf und Mensch sind ein ursprünglicher Bestandteil der Natur. Wenn es uns gelingt, die Entfremdung von der Natur in Grenzen zu halten, indem wir die Natur als unser gutes Wohnzimmer betrachten und sie auch so behandeln, dann bleibt die Gemeinschaft von Mensch und Wolf eine reale Vision

Michael S.
Ich wünsche, das die Wölfe endlich die Anerkennung bekommen die ihnen zusteht, und dass sie in Ruhe leben können. Außerdem wünsche ich mir, dass sich die Spezies Mensch nicht immer so wichtig nimmt.

Susanne D.
Ich wünsche mir besonders für unsere deutschen Wölfe, dass ein Miteinanderleben mit ihnen besser möglich wird. Es wird viel Aufklärungsarbeit betrieben, aber es schwelen immer noch Ängste und auch Hass gegen den Wolf. Gerade hier in Sachsen stößt man noch immer auf eine misstrauische Stimmung gegen Wölfe. In letzter Zeit gab es leider auch Medienberichte, die sehr einseitig berichtet haben. Bei einigen wurden jedoch auch Positivbeispiele gezeigt, z. B. von Schafhaltern, die sehr gut gewappnet und dem Wolf gegenüber nicht negativ eingestellt sind. Vielleicht sollten die Medien auch mal in andere Länder schauen, wo ein Miteinander mit Wölfen gut funktioniert.

Foto: Gunther Kopp
Ich danke allen Teilnehmern und Einsendern und hoffe, dass alle eure Wünsche für den Wolf in Erfüllung gehen.

15.02.2017

Wissen Wolf: Mehrfachtötung von Schafen ist kein Blutrausch


Dringen Wölfe in eine Schafherde ein und töten mehrere Tiere, ist der Schock und die Wut der Besitzer bei diesem Anblick absolut verständlich. Dennoch ist der Wolf kein „blutrünstiger Massenmörder“. Das würde verhaltensökologisch auch keinen Sinn machen – warum sollten Beutegreifer ihre eigenen Nahrungsgrundlagen vernichten?

Beim Phänomen der Mehrfachtötungen lässt sich beobachten, dass die Wölfe manchmal wie der berühmte „Fuchs im Hühnerstall“ so lange beutefangmotiviert zupackten, bis sich nichts mehr bewegt. Wie viele Beutetiere ein Wolf auf einmal tötet und wie viel er von seiner Beute frisst, hängt unter anderem davon ab, wie leicht die Tiere zu töten sind und ob der Beutegreifer durch Menschen beim Fressen gestört wird. Weidetiere sind mitunter zu eng in einem Gatter unausweichlich zusammengepfercht und daher für einen Wolf leichte Beute.

Fest steht: Beim „Surplus Killing“ läuft wie bei jeder Jagd das ganz normale „Beutegreifer-Programm“ ab: Rennende Schafe lösen immer wieder von Neuem den Beutefangreflex aus. Normalerweise fressen Wölfe einen Kadaver so weit wie möglich auf. In diesem speziellen Fall kommt der Wolf aber nicht dazu, zu fressen, weil er durch die anderen rennenden Schafe immer wieder unterbrochen wird. Die getöteten Tiere bleiben liegen.

Wölfe in den Abruzzen haben ein Schaf getötet. (Foto: Gunther Kopp)
Mehrfachtötungen bei Wildtieren finden extrem selten statt. Im März 2016 töteten 9 Wölfe in Wyoming 19 Hirsche (17 Kälber, 2 Erwachsene) in einem Areal, in dem in jedem Winter Tausende Hirsche als Touristenattraktion mit Heu und Pellets gefüttert werden. 2016 war ein harter Winter mit tiefem Schnee. Die Biologen gehen davon aus, dass die Wölfe versucht haben, einen Vorrat anzulegen. Eine Hirschjagd ist extrem gefährlich für die Wölfe. Leicht können sie von den Hufen des Tieres, das fünf bis sechs Mal so groß ist wie sie selbst, getötet werden. In eine solche Situation begeben sie sich also nur, wenn es sich für sie lohnt. In Wyoming kann es so gewesen sein, dass die (größtenteils auch unerfahrenen) Hirsche durch den tiefen Schnee nicht fliehen konnten.

Vermutlich konnten die Wölfe nicht alle getöteten Beutetiere fressen, weil sie von Menschen gestört wurden. Hätte man die toten Hirsche liegen lassen, hätten die Wölfe – und andere Aasfresser – sie auffressen können. Dummerweise entfernte der Fisch- und Wildbehörde die Kadaver. Die Wölfe blieben hungrig zurück und die Hirsche wurden umsonst getötet.

Der erste Fall von Surplus Killing von Wildtieren wurde 1991 im Denali-Nationalpark in Alaska bekannt. Am 7. Februar 1991 töteten 6 Wölfe 17 Karibus und ließen viele von ihnen unberührt liegen. Fünf Tage später, am 12. Februar waren schon 30 bis 95 Prozent eines jeden Kadavers aufgefressen oder versteckt. Bis zum 17. April waren mehrere Futterlager aufgegraben und gefressen worden.

Wer tiefer in das Thema einsteigen möchte, dem empfehle ich die Studie „Surplus killing by carnivores“ des Journal of Zoology.

© Elli H. Radinger

13.02.2017

Brandenburg: Position des Ökologischen Jagdvereins zum Wolfsmanagementplan


ÖJV Brandenburg positioniert sich zum Wolfsmanagementplan des Landes Brandenburg: Kooperation statt Konkurrenz/keine Aufnahme ins Jagdrecht/Artenschutzkriminalität aufklären/keine Hunde mehr töten.

Am 5. April 2017 trifft sich das IV. Plenum zu Managementplan Wolf Land Brandenburg, um über den fortzuschreibenden Wolfsmanagementplan zu beraten. Hierzu baten die Artenschützer des MLUL um Stellungnahmen der Verbände.

Der ÖJV Brandenburg begleitet das Wolfsmanagement seit mehreren Jahren. Als Fürsprecher natürlicherer oder zumindest naturnäherer Landschaften begrüßt er die Wiederbesiedlung Brandenburgs durch den Wolf ohne Einschränkung. Simon Karrer, zuständig im ÖJV für das Thema:

„Der Wolf ist eine einheimische Art, er bereichert das noch vorhandene Artenspektrum, er ist
Fitnesstrainer unserer Wildbestände. Wir betrachten den Wolf nach wie vor nicht als jagdlichen
Konkurrenten. Wenn zwei das gleiche wollen, gibt es auch immer die Möglichkeit zu kooperieren.“ 


Das Streben des ÖJV zielt auch auf die Reduzierung der überhöhten Schalenwildbestände. In diesem Sinne hoffen die ökologischen Jagenden auf eine Unterstützung durch die wachsende Wolfspopulation. Wölfe und Rehe kennen sich seit Jahrtausenden, sie sind aneinander angepasst. Jegliche Spekulation über eine Ausrottung einheimischer Arten durch den Wolf ist abwegig. Dass das Muffelwild in Brandenburg als nichtheimische und damit eben nicht angepasste Art seine letzten Tage erlebt ist logisch, notwendig und zu begrüßen.

Fest steht: wir Menschen müssen uns anpassen. Die Jagenden genauso wie die Weidetierhalter, deren Anliegen dem ÖJV keineswegs fremd sind. Unser Verein versteht vollkommen die Problemlage, warnt aber eindringlich davor, den Wolf als alleinigen Grund für die ökonomischen Schwierigkeiten zu brandmarken. Zu klären wäre, warum es das Herdenschutzzentrum, das 2013 etabliert werden sollte, noch nicht gibt.

Der ÖJV warnt eindringlich davor, irgendeine Art der Bejagung der Wolfspopulation in Betracht zu ziehen. Die Tötung von Problemwölfen ist jetzt bereits möglich, die damit betrauten Behörden gehen damit verantwortungsvoll um. Jede darüber hinaus gehende Möglichkeit, Wölfe legal der Wildbahn zu entnehmen, würde die Wiederbesiedlung stark gefährden und im Falle besetzter Wolfsreviere mehr Probleme verursachen. In diesem Zusammenhang fordert der ÖJV die gründliche Untersuchung und Aufklärung aller illegalen Wolfstötungen sowie eine strenge Bestrafung der Täter. Es kann nicht sein, dass schwere Artenschutzkriminalität in den Bereich des Kavalierdeliktes driftet. Das MLUL ist aufgefordert, sich innerhalb der Landesregierung für ein entsprechendes Ermittlungsreferat der Polizei stark zu machen. Darüber hinaus ist die Abschaffung des Tötungsrechtes gegenüber Hunden im Jagdrecht ein wichtiger Schritt, um illegalen Wolfstötungen keinen Vorschub zu leisten. Hier sollte das Land Brandenburg seine Abweichungskompetenz nutzen und mit gutem Beispiel voran gehen. (PM ÖJV Brandenburg, 13.2.17)

08.02.2017

Beendet: Umfrage zum Wolf in den Medien

Die Umfrage ist beendet. Ich danke allen, die mitgemacht haben.
Ich werde die Ergebnisse auswerten und in Kürze darüber berichten.


Ich weiß nicht, wie es euch geht, aber ich kann so langsam die erfundenen Horrorgeschichten über Wölfe und die Hassbotschaften nicht mehr hören. Ich sehne mich danach, mehr positive Storys zu lesen, die es sicher irgendwo da draußen gibt.
Ich möchte wissen, wie ihr das seht. Darum habe ich in der linken Spalte eine kleine Umfrage gestartet. Würde mich freuen, wenn ihr  mitmacht. Ihr dürft auch gerne mehrfach anklicken.





05.02.2017

Wissen Wolf: Wurden die deutschen Wölfe wiederangesiedelt?


Wiederansiedlung versus Rekolonisierung

In den letzten Tagen konnten wir vermehrt in den Medien über die "wiederangesiedelten" Wölfe lesen.
Beispiel: "Aktuelle Debatte des Landtages / Barth: Die Wiederansiedlung der Wölfe verlangt verstärkte Präventionsmaßnahmen."

Daher möchte ich noch einmal richtigstellen, dass wir in Deutschland KEINE Wiederansiedlung von Wölfen haben, sondern eine natürliche Rückwanderung. Bei einer Wiederansiedlung wird eine bedrohte Tierart, die vorher nicht (mehr) in diesem Gebiet gelebt hat, von Menschen zurückgebracht. So wurden beispielsweise im amerikanischen Yellowstone-Nationalpark in den neunziger Jahren Wölfe angesiedelt, die man aus Kanada holte. In Deutschland jedoch kommen die Wölfe auf eigenen Pfoten ins Land zurück, das bedeutet, dass hier eine Rekolonisierung stattfand. Unsere ersten Wölfe kamen eigenständig aus Polen ins Land.

Sämtliche andere Spekulationen (wie z.B. die der "Kofferraumwölfe") sind absurde Verschwörungstheorien, so wie die von 9/11 oder der nicht stattgefunden Mondlandung, über die zu diskutieren Zeitverschwendung ist. Wissenschaftliche Fakten beweisen das Gegenteil.

Mehr dazu in unserem neuen Buch im Kapitel "Willkommen Wolf" > Umstrittene Rückkehrer.

© Elli H. Radinger

04.02.2017

Rezension: Tödliche Freundschaft

Tödliche Freundschaft
Was wir den Tieren schuldig sind und warum wir ohne sie nicht leben können

Florian Schwinn
Westend Verlag, 2017
320 Seiten
ISBN 978-3864891434
24,00 €

Hier können Sie das Buch bestellen

Inhalt
Ohne die Tiere - keine modernen Menschen! Denn der Homo sapiens hätte sich niemals zur weltbeherrschenden Gattung entwickelt, wenn unsere Vorfahren nicht eine besonders eiweißreiche Nahrung für sich entdeckt hätten: das Fleisch. Wer das begreift, muss die Tiere anders behandeln - achtsam und mit Respekt. Aber wer das begreift, kann die Menschheit auch nicht zu Veganern machen. Denn eine flächendeckende vegane Ernährung wäre weder gesund noch naturnah. Sie wäre auf Kunstdünger und Chemie angewiesen. Florian Schwinn zeichnet die Kulturgeschichte der untrennbaren Beziehung des Menschen und seiner Nutztiere nach, liefert ein leidenschaftliches Plädoyer für die Rechte der Tiere und begründet, warum die globale Umstellung auf vegane Ernährung ein Irrweg wäre. Denn vegan bedeutet Tiertod, Hungersnot und Agrarchemie.

Rezension
Dieses Plädoyer für unsere Haus- und Nutztiere aus Tierschutzsicht ist längst überfällig und interessant dargestellt, wenngleich auch verwirrend umgesetzt.

Im ersten Kapitel „Der große Wuff“ geht es um Kaniden, um die Entstehung und das Verhalten von Wolf und Hund. Allerdings tue ich mich schwer mit den Quellen, aus denen der Autor oft zitiert und recherchiert hat. Immer wieder beruft er sich auf (die von mir sehr geschätzten) Konrad Lorenz und Erik Zimen und deren Wolfsbeobachtungen. Beide Forscher haben jedoch Gehegewölfe beobachtet, und diese verhalten sich – wie hinlänglich bekannt ist – nun einmal anders als wild lebende Wölfe. Leider gibt es fast keine Aussagen aus der aktuellen Freilandforschung der letzten fünf bis zehn Jahre. Nur so kann es geschehen, dass der Autor immer wieder den völlig überholten Begriff des „Alphawolfs“ verwendet, oder davon spricht, dass die Wölfe den Ranghöheren „dienen“, aus dem Rudel ausgestoßen werden, nicht bellen etc. All dies entspricht nicht der Realität und dem Verhalten wild lebender Wölfe. Leider kann ich in den Literaturquellen (die im Übrigen nicht den Vorgaben für Zitate entsprechen) keine einzige aktuelle Quelle entdecken. Das ist sehr schade.
Dabei übt der Autor berechtigte Kritik an vielen Missständen, um mit Qualzuchten und dem gelangweilten Gebrauchshund nur zwei zu nennen. Die Lektüre lohnt sich also durchaus.

Auch im weiteren Verlauf beschäftigt sich der Autor aus Tierschutzsicht sehr kritisch mit der Schweine-, Hühner- und Rinderzucht.

Das Buch ist für alle Tierfreunde definitiv lesenswert, weil es eine Unmenge an Informationen bietet. Für mich persönlich jedoch ist der Text zu unübersichtlich, auch weil der Autor bei vielen Themen hin und her springt. Mehr fehlt ein roter Faden und ich habe Probleme, dran zu bleiben.

Zur weiteren Information empfehle ich die (leider ebenso unübersichtliche) Webseite des Buches/Autors: florianschwinn.de/ mit zahlreichen Links und Informationen.

Außerdem möchte ich noch auf das Titelbild hinweisen, in dem ein Bauer den Kopf seiner Kuh im Arm hält. Für mich drückt dieses Bild mehr liebevolle Zuneigung zum Tier aus, als es ein Standardbild mit Hund im Arm getan hätte. (Elli H. Radinger)

02.02.2017

Wolfwatching im Wendland

Wieder einmal hat es mich in die Göhrde gezogen. Mit vier guten Freunden wollte ich Spuren der deutschen Wölfe suchen. Wir hatten alle Entzugserscheinungen, denn wir waren gemeinsam mehrmals in Yellowstone gewesen und von den täglichen Wolfssichtungen dort sehr verwöhnt.
Wir wussten, dass wir in Deutschland kaum eine Chance haben, einen wilden Wolf zu Gesicht zu bekommen. Uns reichte das Gefühl, dass irgendwo in der Nähe Canis lupus sein könnte.

Auf der Karte ist die Göhrde rot markiert.




















Unser langes Wolfswochenende begann hier:



Wolfsberater Kenny Kenner hat einen unglaublichen Wissenschatz nicht nur über Wölfe im Allgemeinen und die lokalen Wölfe im Besonderen, sondern auch über die ökologischen Zusammenhänge und die Probleme, die zum Leben mit Wölfen dazugehören.


Auf einem Feld hatten die Wölfe einen Tag zuvor ein Reh gerissen.


Außer ein paar Haaren und Knochen war nichts mehr übrig. Die Wölfe, Füchse und andere Nutznießer hatten ganze Arbeit geleistet.




Dann wurde ernst. Es ging ins Wolfsgebiet. Hier leben momentan ein Elternpaar und sechs Jungwölfe.


Hütehund Alva hatte alle Pfoten voll zu tun, um das Team zusammenzuhalten. Oft kann man schon am Verhalten von Hunden erkennen, ob Wölfe in der Nähe sind.


Hurrah, die erste Wolfsspur.


Daaa ist er lang gelaufen.


Nochmal nachmessen! Geschnürte Spur, Schrittlänge passt - ein Wolf!


Und gleich der nächste Beweis!


Auf solchen Forstwegen, die natürlich auch die Wölfe gerne nutzen, findet man immer wieder Markierungen, besonders an Kreuzungen und anderen strategisch wichtigen Punkten.


Insgesamt sammelten wir an diesem Tag 16 Kotproben und sahen zahlreiche frische Wolfsspuren.


Kenny (hier mit Joe) demonstrierte, wie Kotproben entnommen und registriert werden.




Das Wolfwatcher-Team.
Von links: Barbara, Elli, Geli, Sabine, Joe, Kenny, Andrea.


Die nächste Wolfswoche in der Göhrde, an der ich ebenfalls mit einer Lesung/Vortrag  teilnehme, findet in Zusammenarbeit mit dem BUND vom 18. bis 25. Juni 2017 statt.
Weitere Informationen und Anmeldung hier ...


Wer möchte, kann noch einmal meinen Bericht aus dem Sommer in diesem Blog nachlesen:   Wolfstourismus in Deutschland.

Und auch im neuen Buch von Günther Bloch und mir "Der Wolf kehrt zurück" beschäftigen wir uns intensiv mit den Vorteilen (und Gefahren) des Wolfstourimus.

(Alle Fotos: Elli H. Radinger, Karte: Wikipedia)

01.02.2017

Mecklenburg-Vorpommern: Wolf und Biber – Aufnahme ins Jagdrecht hebt Schutzstatus nicht auf


Im Landtag von Mecklenburg-Vorpommern wurde heute (25.1.17) auf Antrag der AfD die Aufnahme des Wolfes und des Bibers in die Liste des jagdbaren Wildes diskutiert. Dazu nahm Landwirtschafts- und Umweltminister Dr. Till Backhaus wie folgt Stellung:

„Eine Aufnahme in das Jagdrecht würde am Schutzstatus einer geschützten Art nichts ändern. Das gilt für den Wolf genauso wie für den Biber. Ändern und verkomplizieren würden sich nur die Zuständigkeiten. Der Wolf unterstünde dann der Hege und Pflege der Jägerschaft und dürfte aufgrund seiner ganzjährigen Schonzeit trotzdem nicht bejagt werden. Vor diesem Hintergrund frage ich mich ernsthaft, worin der Mehrwert einer Aufnahme in das Jagdrecht liegt.“

Für die Jägerschaft bedeute die Aufnahme ins Jagdrecht eine Reihe zusätzlicher Aufgaben: Monitoring der Wolfspopulation, Markieren/Besendern, Aufnahme verletzter Exemplare, Seuchenbekämpfung, Erschließung von Finanzquellen für Forschungsprojekte, Ausgleichszahlungen für Schäden, Information der Öffentlichkeit usw. „Der Landesjagdverband hat mehrfach öffentlich betont, dass er einer Aufnahme eben aus diesen Gründen skeptisch gegenübersteht“, so Dr. Backhaus.

Mit dem Managementplan für den Wolf in Mecklenburg-Vorpommern, der von Landwirten, Jägern und Naturschützern hoch anerkannt ist, hat das Land seit 2010 eine wichtige Grundlage für den Umgang mit dem Wolf geschaffen: „Natürlich ist auch klar, dass unsere Arbeit damit nicht beendet ist. Gerade mit Blick auf die stetig anwachsende Population – beim Wolf und beim Biber – müssen wir unser Handeln immer wieder hinterfragen und an aktuelle Entwicklungen anpassen“, räumte der Minister ein.

Auf der Umweltministerkonferenz im Dezember in Berlin hat er sich deshalb beim Wolf für populationsbezogene Betrachtungen eingesetzt. „Wir haben die Bundesregierung aufgefordert, bis Herbst 2017 entsprechende Daten vorzulegen. Es geht darum, eine Population zu definieren, die der Raum verträgt. Und es geht darum, dem subjektiven und dem praktischen Sicherheitsbedürfnis gerecht zu werden.

Wenn es Konfliktsituationen mit verhaltensauffälligen Wölfen oder Hybriden gibt, können wir schon jetzt Maßnahmen einleiten und einen Wolf auf Grundlage des Bundesnaturschutzgesetzes oder des Sicherheits- und Ordnungsgesetzes töten.“

Auch beim Biber bestehen gemäß Bundesnaturschutzgesetz (§45 Abs. 7) Ausnahmemöglichkeiten, um erhebliche wirtschaftliche Schäden abzuwenden oder die öffentliche Sicherheit zu gewährleisten. So können beispielsweise Biberdämme entfernt oder Tötungen vorgenommen werden, zuletzt geschehen im Falle des Elbehochwassers, als Hochwasserschutzdeiche gefährdet waren und damit Gefahr für Leib und Leben bestand.

Für die Aufnahme in die Liste jagdbaren Wildes ist der Biber aber ebenfalls nicht geeignet. Die Art unterliegt – ebenso wie der Wolf – der FFH-Richtlinie (Richtlinie 92/43/EWG). „Für den Biber ist daher ein flächenhafter Schutz zu gewährleisten“, so Backhaus. Aus einer allgemeinen Ausnahmeverordnung, wie sie in Brandenburg und Bayern besteht, ergibt sich jedoch „kein spürbarer Mehrwert“, da sie die Schutzbestimmungen innerhalb von Naturschutzgebieten, Nationalparks oder NATURA 2000-Gebiete nicht außer Kraft setzt. Auch macht die Verordnung konkrete Einzelfallbefassungen nicht entbehrlich, da diese im Bundesnaturschutzgesetz festgeschrieben sind.
(Quelle, Nr.027/2017  | 25.01.2017)

31.01.2017

Rezension: Der Geschmack von Laub und Erde

Der Geschmack von Laub und Erde
Wie ich versuchte, als Tier zu leben

Charles Foster
Malik, 2017
288 Seiten
ISBN 978-3890292625
20,00 € (endlich mal ein vernünftiger, glatter Preis)

Hier können Sie das Buch bestellen

Inhalt
Was fühlt ein Tier, wie lebt es und wie nimmt es seine Umwelt wahr? Um das herauszufinden, tritt Charles Foster ein faszinierendes Experiment an. Er schlüpft in die Rolle von fünf verschiedenen Tierarten: Dachs, Otter, Fuchs, Rothirsch und Mauersegler. Er haust in einem Bau unter der Erde, schnappt mit den Zähnen nach Fischen in einem Fluss und durchstöbert Mülltonnen auf der Suche nach Nahrung. Er schärft seine Sinne, wird zum nachtaktiven Lebewesen, beschreibt wie ein Weinkenner die unterschiedlichen „Terroirs“ von Würmern und wie sich der Duft der Erde in den verschiedenen Jahreszeiten verändert. In die scharfsinnige und witzige Schilderung seiner skurrilen Erfahrungen lässt er wissenswerte Fakten einfließen und stellt sie in den Kontext philosophischer Themen. Letztendlich geht es dabei auch um die eine Frage: Was es bedeutet, Mensch zu sein.

Rezension
Manchmal liest man ein Buch und fragt sich am Ende, was um alles in der Welt man nun gelesen hat. So ging es mir bei der Lektüre von „Der Geschmack von Laub und Erde“. Noch nie hat mich ein Buch so hin und her gerissen wie dieses.
Ich weiß nicht, was ich von dem Buch halten soll – oder von dem Autor, der versucht, sich in fünf verschiedene Tierarten hineinzuversetzen und dabei unter anderem wie ein Fuchs mit der Nase den Müll durchwühlt oder sich über Monate die Fußnägel wachsen lässt, um die überwachsenen Hufe eins Rothirsches zu spüren.

"Ich wollte wissen, wie es ist, ein Wildtier zu sein", schreibt Foster am Anfang. Dieser Versuch scheitert an seinem Menschsein.
Gleichwohl sind die Experimente so fesselnd – und teilweise auch grausig – dass sie den Leser nicht loslassen, quasi eine Art "Dschungelcamp-Effekt".

Als Naturforscher ist der Autor nicht damit zufrieden, die wilden Tiere, die ihn faszinieren, zu studieren, er will sie werden, um sie zu verstehen. Dabei scheut er auch teilweise nicht davor zurück, seine Kinder mitzunehmen, um beispielsweise mit seinem achtjährigen Sohn eine Dachshöhle zu graben und gemeinsam mit ihm Regenwürmer zu essen.

Um zu spüren, wie es ist, ein Fuchs zu sein, wühlt er in Londen mit der Nase durch den Müll, entleert Blase und Darm, wo er gerade ist, und versucht einem Polizisten zu erklären, warum er sich unter einem Rhododendronbusch zusammengerollt hat. Diese Szene ist mit einem trockenem Humor geschrieben, so wie viele andere Szenen in diesem Buch. Zur selben Zeit schüttelt es den Leser vor Grauen, wenn er sich ein solches Leben vorstellt.

Der Autor war lange Zeit Jäger und will nun selbst die Welt so wahrnehmen, wie es seine Beute tut. Bei dem Versuch, ein Rothirsch zu sein, erinnert sich Foster an seine Jagdzeiten, die er selbstkritisch schildert. Seitenlang von der Pirschjagd und deren brutalen Methoden zu lesen, wird jedem empathischen Leser schwer fallen. Ich empfand dabei Schmerz, Widerwillen und Wut. Nun aber steht der Autor auf der anderen Seite des Gewehrlaufes. Um zu erfahren, wie es ist, ein Hirsch zu sein, lässt er sich von einem Freund jagen, nur um leider zu kneifen und festzustellen, dass er doch eher ein Beutegreifer sei und keine Beute. Dieses Experiment misslingt also, ebenso wie das, ein Mauersegler zu sein. Der Mensch kann nun einmal nicht fliegen. Punktum.

Otter mag er nicht. Sein Versuch endet mit der "Erkenntnis", dass er kein Otter werden kann, weil die im Wasser leben und nachtaktiv sind. Er bricht das Experiment ab und geht stattdessen ins Gasthaus, um ein paar Biere zu kippen.

Als Kanidenmensch hat mich das Kapitel über den Fuchs besonders interessiert. Wer meint, er wisse schon alles über ihn, der sollte dies anhand der Lektüre von Foster noch einmal überprüfen. Zum Beispiel die Sache mit dem Mäusesprung:
"Der Trick [für den Erfolg beim Sprung] ist, das Magnetfeld der Erde für die Berechnung der Entfernung zu nutzen. Deshalb findet der Fuchssprung in einem festen Winkel zum Erdmagnetfeld statt (20% neben dem magnetischen Norden). Der Fuchs erkennt den Winkel, in dem das Geräusch auf sein Ohr trifft. Wo sich die magnetische Linie und die Geräuschlinie kreuzen, da hockt die Beute." (Seite 181/182). Faszinierende Informationen! Der Versuch des Autors – mithilfe des Magnetfelds der Erde und seinem eigenen, unvollkommenen Gehör – es dem Fuchs gleichzutun, endet stets auf gleiche Weise: mit dem Gesicht im Mäusekot.

Überhaupt spielt Kot in jeder Form bei diesem Selbstversuch für den Autor eine große Rolle, ebenso wie Gerüche, die er so vorzüglich beschreibt, dass man fast mitriechen kann. Oder nehmen wir den Beginn des Dachskapitels, wo er einen Wurm isst und detailliert schildert, wie das Tier versucht, durch seine Zähne zu entkommen, bevor er es kaut und herunterschluckt. Grandios geschrieben, aber mit garantiertem Würgereflex.

Ich gebe dem Buch gerne die volle Punktzahl vor allem aus zwei Gründen:
  1. "Der Geschmack von Laub und Erde" ist ein großartiges Naturbuch und informiert detailliert und kundig über Dachs, Otter, Fuchs, Rothirsch und Mauersegler besser, als es manches Fachbuch tut. Vielleicht sollte man darüber nachdenken, es im Biologieunterricht einzusetzen. Der Spaß- (und Ekel-)faktor bei den Schülern wäre garantiert.
  2. Es ist wunderschön geschrieben: poetisch, humorvoll, in einer blumigen Sprache, die ein literarischer Genuss ist. 
In "Der Geschmack von Laub und Erde" erleben wir faszinierende Einblicke in die Welt wilder Tiere, die man aus der "Menschenperspektive" so nicht haben kann. Man kommt beim Lesen schnell ins Philosophieren über Fragen nach dem essenziellen Ich, dem Bewusstsein, der Seele. Was ist ein Tier? Wer bin ich?
Vom ethischen Standpunkt her, habe ich mir bei der Lektüre oft die Frage nach dem Warum gestellt. Welchen Sinn macht es, ein Tier sein zu wollen? Warum reicht es nicht, wenn wir ein Tier einfach nur beobachten? Warum muss alles noch spektakulärer sein? Wir drängen uns immer den Lebewesen auf, die sich nicht wehren können. Welchen Sinn macht es, noch tiefer in ein Tier einzudringen, seine Seele erkennen zu wollen, um es letztendlich doch nur erneut zu instrumentalisieren?
Ich habe höchsten Respekt und große Achtung vor der Natur und ihren Geschöpfen. Ich persönlich denke nicht, dass man sich aus welchem Grund und mit welcher Methode auch immer, in ein Tier hineinversetzen kann oder sollte. Man wird als Mensch niemals ein Wesen einer anderen Spezies wirklich ganz verstehen, geschweige denn ein solches sein. Und das ist auch gut so. Wir sollten den Tieren das Geheimnis und die Würde ihres eigenen Seins lassen. (Elli H. Radinger)