27.02.2017

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26.02.2017

Fastenzeit: 7 Wochen ohne ... Empörung


Millionen Menschen lassen sich jährlich mit „7 Wochen Ohne“, der Fastenaktion der evangelischen Kirche, aus dem Trott bringen. Sie verzichten nicht nur auf Schokolade oder Nikotin, sondern folgen der Einladung zum Fasten im Kopf: sieben Wochen lang die Routine des Alltags hinterfragen, eine neue Perspektive einnehmen, entdecken, worauf es ankommt im Leben. Dieses Jahr gibt es bei der Aktion eine "Kur der Entschleunigung" unter dem Motto: "Augenblick mal! - Sieben Wochen ohne Sofort".  Ich finde dieses Motto großartig, besonders für alle iPhone- und E-Mail Geplagten.

Ich persönlich habe mich für ein anderes Fasten entschlossen: Empörungsfasten.
Der Autor und Blogger Johannes Korten hat mich auf die Idee gebracht. Korten hat sich leider im Sommer 2016 das Leben genommen.

Wozu soll Empörungsfasten gut sein? 
Mir gehen die schlechten Nachrichten zu geforderten Wolfsabschüssen, die schlauen Aussagen vermeintlicher "Experten", der Trumpismus, die AfD, die Rassismus-Hetze und alle anderen menschliche Verwirrungen so auf die Nerven, dass ich bei jeder neuen Meldung im TV oder den Zeitungen wie ein HB-Männchen in die Luft gehe. Das tut mir definitiv nicht gut, zumal ich ja mit meiner Entrüstung die Welt keinen Deut besser mache. Darüber hinaus kostet mich das zu viel wertvolle Energie.

Foto: Markus Bathen

Foto: pixabay
Mein Empörungsfasten bedeutet nicht, dass ich für die nächsten sieben Wochen keinen Fernseher mehr anmache oder keine Zeitung mehr lese. Selbst den Wolfs-Newsletter wird es weiterhin geben. Für mich bedeutet es aber, dass ich den allgemeinen Medienzirkus nicht mehr mitmache und Nachrichten lediglich zur Kenntnis nehme, aber mich nicht mehr darüber aufrege. Im weitesten Sinn also mehr Gelassenheit. Soweit mein Plan! Ob es mir gelingt, ohne Empörung durchs Leben zu gehen, darüber werde ich nach dem Ende der Fastenzeit (Ostern) berichten.

Noch ein paar Tipps für andere Fastenwillige. Außer dem üblichen Verzicht auf Schokolade, Zigaretten oder Alkohol könnt ihr noch hierauf verzichten:
  • Internet/Facebook,
  • Fernsehen
  • Auto,
  • Meckern,
  • Unmögliche Personen,
oder macht mit bei der aktuellen Aktion: „7 Wochen ohne – Sofort!“
Viel Erfolg!

Foto: Sergey Nivens_Fotolia



25.02.2017

Wissen Wolf: Räude beim Wolf

In Sachsen-Anhalt wurde im Februar 2017 ein toter Wolf aufgefunden, der von Räude befallen war. Die Deutsche Jagdzeitung druckte ein Foto des jungen Wolfes, das seinen extrem schlechten Zustand zeigt.

Wie gefährlich ist Räude beim Wolf?
Sarcoptes Räude ist bei wilden Kaniden eine der gefährlichsten Krankheiten. In Amerika wurde sie 1909 von staatlichen Tierärzten in die Rocky Mountains eingeführt, um die örtliche Kojoten- und Wolfspopulation zu vernichten. Noch lange nach der Ausrottung der Beutegreifer existierte die Milbe weiter. Im Winter 2008 konnte ich in Yellowstone zum ersten Mal Wölfe beobachten, denen großflächig Fell fehlte. Auch Füchse können unter der Krankheit leiden.
 Im Winter kann sie daher ein wichtiger Regulierungsfaktor für Wolfspopulationen sein. Es gibt mehr Fälle von Räude, wenn die Populationszahlen steigen. Eine Ansteckung von Haustieren, seltener auch Menschen, ist zwar möglich, lässt sich jedoch gut behandeln.

Krätzmilbe. Foto: Kalumet/Wikipedia

Sarcoptes Räude entsteht durch die Krätzmilbe (Sarcoptes scabiei), die schwere Hauterkrankungen verursacht. Die Milbe gräbt sich in die Haut und legt dort ihre Eier ab. Die sich daraus entwickelnden Larven und Nymphen wandern auf die Hautoberfläche, wo sie sich weiter vermehren. Bei den Abwehrreaktionen des Körpers kommt es zu Entzündungen und Juckreiz und daraus resultierend zu Haarausfall, Kratzwunden und Krustenbildung. Das betroffene Tier verliert teilweise oder ganz sein Haarkleid, was für einen Wolf lebensbedrohlich sein kann.

Yellowstone-Wolf mit Räude. Foto: Dan Stahler, YNP

Die Übertragung erfolgt schon durch flüchtigen Kontakt von Tier zu Tier; eine Übertragung von Wildtieren auf Haustiere scheint dagegen ausgeschlossen. 1980 versuchten Wissenschaftler, Sarcoptes-Räude von einem Rotfuchs, vier Kojoten und einem Wolf auf Hunde zu übertragen, was fehlschlug.
Räude ist ein wichtiger Regulierungsfaktor für Wolfspopulationen. Es gibt mehr Fälle von Räude, wenn die Populationszahlen steigen. Die Zahl der überlebenden Welpen sinkt mit sinkender (erkrankter) Population. Viele Tiere erfrieren durch den Fellverlust.

Zur Frage, welche Auswirkungen Räude auf die soziale Dynamik, den Zusammenhalt und den Status der Tiere innerhalb eines Rudels hat, wie manche Wölfe die Infektion überleben und wie viele zusätzliche Kalorien notwendig sind, um den Wärmeverlust auszugleichen, gibt es eine Studie vom USGS Northern Rocky Mountain Science Center und dem Yellowstone Nationalpark Service. Für die Untersuchung der Krankheit bedient man sich eines Verfahrens, das ursprünglich zu Militärzwecken im Koreakrieg entwickelt und eingesetzt wurde: der Thermografie. Dabei handelt es sich um ein Wärmebild, das die für das menschliche Auge unsichtbare Wärmestrahlung des Wolfskörpers sichtbar machen kann. So lassen sich Temperaturmessungen flächenförmig erfassen und darstellen.
Die Wärmebilder helfen den Wissenschaftlern nicht nur das Ausmaß des Haarverlustes durch die Räude festzustellen, sondern vor allem, den dadurch verursachten Wärmeverlust in den verschiedenen Stadien der Infektion.
Wärmebild. Foto: USGS

Das obige Bild  zeigt einen Wolf vom Grizzly and Wolf Discovery Center in West Yellowstone. Die Wissenschaftler haben an seinem hinteren Bein an einer kleinen Stelle das Fell wegrasiert. So können die Forscher den Unterschied des Wärmeverlustes mit und ohne Fell dokumentieren. Auf dem Bild hier sieht man deutlich den roten Fleck am Bein des Wolfes. In der Wildnis würde das bedeuten, dass der Wolf bei einem solchen „Hot Spot“ viel Wärme verliert, die er wieder durch die Zufuhr von mehr Energie (= Futter) ausgleichen muss.
Zum Vergleich noch zwei Wärmebild Fotos von gesunden Wölfen.

Nur beim Heulen entweicht Wärme. Foto: USGS

An einem kalten Tag sieht man, wie gut ihr Fell die Wölfe isoliert. Foto: USGS


22.02.2017

"Der Wolf kehrt zurück. Mensch und Wolf in Koexistenz?" Statement der Autoren zum Buch

Statement von Günther Bloch und Elli H. Radinger
Unser neues Buch „Der Wolf kehrt zurück. Mensch und Wolf in Koexistenz?“ erscheint im April im Kosmos-Verlag.
Uns haben so viele Fragen und Bitten um ein Statement dazu erreicht, dass wir sie nicht alle einzeln beantworten können. Darum haben wir hier zusammengefasst, worum es geht.
Dieser Text und das Cover stehen zur freien Verfügung. Sie können beide gerne auf Ihrer Webseite verwenden oder auch einfach nur auf diesen Eintrag verlinken.

Wer mehr zu „Der Wolf kehrt zurück“ wissen will, der findet weitere Informationen sowie Leseproben und Bestellmöglichkeiten von signierten Exemplaren auf der Webseite zum Buch: Der Wolf kehrt zurück



Warum wir dieses Buch geschrieben haben
Der Wolf ist nach Deutschland zurückgekehrt und inzwischen sind schon zahlreiche Bücher über ihn geschrieben worden. Warum also noch ein Buch über die deutschen Wölfe?
Nun, zunächst einmal kann man nie genug Aufklärung über Wölfe betreiben. Vor allem wenn es um das Verhalten von wild lebenden Wölfen geht. Noch immer gibt es katastrophale Aussagen von sogenannten „Experten“ darüber, wie sich der Wolf angeblich verhält. „Der Wolf ist …“ setzen Sie jedes x-beliebige Adjektiv ein, es wird passen. Erstaunlich nur, dass viele der Aussagen darüber, wie der Wolf nun wirklich sei, von Menschen getroffen werden, die noch nie in ihrem Leben einem wilden Wolf begegnet sind.
Im Gegensatz zu uns. Wir haben beide mehr als ein Vierteljahrhundert Erfahrung in der Beobachtung von wild lebenden Wölfen, haben über zwanzigtausend Begegnungen mit wilden Wölfen gehabt, viele davon aus der Nähe. Weil die Unsicherheit, die Unkenntnis und die Ignoranz immer noch groß sind, war es uns ein Bedürfnis, dem Leser reale und authentische Informationen zu vermitteln. Wir berichten in diesem Buch aus eigener Erfahrung.

Worum geht es?
Es geht bei „Der Wolf kehrt zurück“ vor allem darum, wie wir Menschen in Koexistenz mit dem Wolf leben können. Wir haben darum einen Schwerpunkt des Buches auf den Herdenschutz gelegt und auf das Verhalten von Wölfen als Kulturfolger in unserem Lebensraum. Dazu geben wir Hilfestellung, wie Sie sich im Fall einer Wolfsbegegnung verhalten sollten – auch als Hundehalter. Weitere Themen sind die Rolle der Medien, die Bedeutung von Sprache, die Wolfspolitik und der Umgang mit vermeintlichen „Problemwölfen“, aber auch die Vorteile, die das Leben mit Wölfen mit sich bringt.
Wir beantworten damit einen Großteil der Fragen, die im Laufe der letzten Jahre an uns gestellt wurden.

Was ist uns wichtig?
Wir wollen Wissen gegen Angst setzen.
Was wissen wir überhaupt über Wölfe? Viele von uns kennen sie nur aus Naturfilmen oder aus dem Zoo. Aber die Realität ist kein Film, und Zoowölfe verhalten sich in vielen Belangen nicht wie wilde Wölfe.
Um die Angst vor dem Wolf zu verlieren, müssen Menschen wissen, wo wer was wann und warum tut. Wölfe zu verstehen, bedeutet nicht nur, ihr natürliches Verhalten in der Freiheit zu kennen, sondern sie auch in ihrem Umfeld zu erleben, inmitten eines Ökosystems mit ständiger Menschenpräsenz, von dem sie ein wichtiger Teil sind.
Wir wollen erreichen, dass Sie als Leser, die Wölfe sehen, wie sie wirklich sind. Weder Heilige, noch Teufel, sondern als ein hoch soziales und territoriales Lebewesen, das nur das will, was wir auch wollen: ungestört seine Familie aufziehen und in Ruhe gelassen werden.



16.02.2017

Wünsche für den Wolf


„Was wünscht ihr euch im neuen Jahr für den Wolf?“, hatte ich im Dezember-Newsletter gefragt. Einige der Zuschriften habe ich nachstehend abgedruckt. Ich denke, sie sprechen für uns alle.

Gabriela S. aus der Schweiz
Ich wünsche mir, dass mehr Menschen die Kraft der Wölfe entdecken und dass diese wunderbaren Tiere ihren Platz auf unserer Erde beibehalten können.

Isa R.
Ich wünsche mir, dass wir Menschen wieder lernen mit dem Wolf zu leben.
Dass wir den Wolf einfach Wolf sein und ihn in Ruhe lassen.
Die Wölfe zeigen uns so vieles, was wir uns genauer anschauen sollen ... wo wir mal genauer hinsehen sollen...
Statt anzuschauen, sehen wir weiterhin lieber weg.
Wir sollten wieder genauer sehen lernen, so wie es der Wolf uns lehrt ...

Elke S.
Ich wünsche mir für den Wolf, dass er den Menschen dazu bewegen kann, zum Ursprung allen Geschehens zurückzukehren.

Samantha S.
Ich wünsche mir für den Wolf, dass er besser verstanden wird und ihm mehr positive Eigenschaften zugeschrieben werden. Ich erhoffe mir so vieles, dass ich es nicht in Worte fassen kann, aber eins kann ich noch sagen. Ich wünsche mir von Herzen, dass wir Menschen unseren Mantel des Egoismus und der Inakzeptanz ablegen und versuchen zu verstehen. Ich sage nicht, dass alle diese Tiere lieben sollen, aber eine gemeinsame Koexistenz anstreben.

Egbert W.
Wolf und Mensch sind ein ursprünglicher Bestandteil der Natur. Wenn es uns gelingt, die Entfremdung von der Natur in Grenzen zu halten, indem wir die Natur als unser gutes Wohnzimmer betrachten und sie auch so behandeln, dann bleibt die Gemeinschaft von Mensch und Wolf eine reale Vision

Michael S.
Ich wünsche, das die Wölfe endlich die Anerkennung bekommen die ihnen zusteht, und dass sie in Ruhe leben können. Außerdem wünsche ich mir, dass sich die Spezies Mensch nicht immer so wichtig nimmt.

Susanne D.
Ich wünsche mir besonders für unsere deutschen Wölfe, dass ein Miteinanderleben mit ihnen besser möglich wird. Es wird viel Aufklärungsarbeit betrieben, aber es schwelen immer noch Ängste und auch Hass gegen den Wolf. Gerade hier in Sachsen stößt man noch immer auf eine misstrauische Stimmung gegen Wölfe. In letzter Zeit gab es leider auch Medienberichte, die sehr einseitig berichtet haben. Bei einigen wurden jedoch auch Positivbeispiele gezeigt, z. B. von Schafhaltern, die sehr gut gewappnet und dem Wolf gegenüber nicht negativ eingestellt sind. Vielleicht sollten die Medien auch mal in andere Länder schauen, wo ein Miteinander mit Wölfen gut funktioniert.

Foto: Gunther Kopp
Ich danke allen Teilnehmern und Einsendern und hoffe, dass alle eure Wünsche für den Wolf in Erfüllung gehen.

15.02.2017

Wissen Wolf: Mehrfachtötung von Schafen ist kein Blutrausch


Dringen Wölfe in eine Schafherde ein und töten mehrere Tiere, ist der Schock und die Wut der Besitzer bei diesem Anblick absolut verständlich. Dennoch ist der Wolf kein „blutrünstiger Massenmörder“. Das würde verhaltensökologisch auch keinen Sinn machen – warum sollten Beutegreifer ihre eigenen Nahrungsgrundlagen vernichten?

Beim Phänomen der Mehrfachtötungen lässt sich beobachten, dass die Wölfe manchmal wie der berühmte „Fuchs im Hühnerstall“ so lange beutefangmotiviert zupackten, bis sich nichts mehr bewegt. Wie viele Beutetiere ein Wolf auf einmal tötet und wie viel er von seiner Beute frisst, hängt unter anderem davon ab, wie leicht die Tiere zu töten sind und ob der Beutegreifer durch Menschen beim Fressen gestört wird. Weidetiere sind mitunter zu eng in einem Gatter unausweichlich zusammengepfercht und daher für einen Wolf leichte Beute.

Fest steht: Beim „Surplus Killing“ läuft wie bei jeder Jagd das ganz normale „Beutegreifer-Programm“ ab: Rennende Schafe lösen immer wieder von Neuem den Beutefangreflex aus. Normalerweise fressen Wölfe einen Kadaver so weit wie möglich auf. In diesem speziellen Fall kommt der Wolf aber nicht dazu, zu fressen, weil er durch die anderen rennenden Schafe immer wieder unterbrochen wird. Die getöteten Tiere bleiben liegen.

Wölfe in den Abruzzen haben ein Schaf getötet. (Foto: Gunther Kopp)
Mehrfachtötungen bei Wildtieren finden extrem selten statt. Im März 2016 töteten 9 Wölfe in Wyoming 19 Hirsche (17 Kälber, 2 Erwachsene) in einem Areal, in dem in jedem Winter Tausende Hirsche als Touristenattraktion mit Heu und Pellets gefüttert werden. 2016 war ein harter Winter mit tiefem Schnee. Die Biologen gehen davon aus, dass die Wölfe versucht haben, einen Vorrat anzulegen. Eine Hirschjagd ist extrem gefährlich für die Wölfe. Leicht können sie von den Hufen des Tieres, das fünf bis sechs Mal so groß ist wie sie selbst, getötet werden. In eine solche Situation begeben sie sich also nur, wenn es sich für sie lohnt. In Wyoming kann es so gewesen sein, dass die (größtenteils auch unerfahrenen) Hirsche durch den tiefen Schnee nicht fliehen konnten.

Vermutlich konnten die Wölfe nicht alle getöteten Beutetiere fressen, weil sie von Menschen gestört wurden. Hätte man die toten Hirsche liegen lassen, hätten die Wölfe – und andere Aasfresser – sie auffressen können. Dummerweise entfernte der Fisch- und Wildbehörde die Kadaver. Die Wölfe blieben hungrig zurück und die Hirsche wurden umsonst getötet.

Der erste Fall von Surplus Killing von Wildtieren wurde 1991 im Denali-Nationalpark in Alaska bekannt. Am 7. Februar 1991 töteten 6 Wölfe 17 Karibus und ließen viele von ihnen unberührt liegen. Fünf Tage später, am 12. Februar waren schon 30 bis 95 Prozent eines jeden Kadavers aufgefressen oder versteckt. Bis zum 17. April waren mehrere Futterlager aufgegraben und gefressen worden.

Wer tiefer in das Thema einsteigen möchte, dem empfehle ich die Studie „Surplus killing by carnivores“ des Journal of Zoology.

© Elli H. Radinger

13.02.2017

Brandenburg: Position des Ökologischen Jagdvereins zum Wolfsmanagementplan


ÖJV Brandenburg positioniert sich zum Wolfsmanagementplan des Landes Brandenburg: Kooperation statt Konkurrenz/keine Aufnahme ins Jagdrecht/Artenschutzkriminalität aufklären/keine Hunde mehr töten.

Am 5. April 2017 trifft sich das IV. Plenum zu Managementplan Wolf Land Brandenburg, um über den fortzuschreibenden Wolfsmanagementplan zu beraten. Hierzu baten die Artenschützer des MLUL um Stellungnahmen der Verbände.

Der ÖJV Brandenburg begleitet das Wolfsmanagement seit mehreren Jahren. Als Fürsprecher natürlicherer oder zumindest naturnäherer Landschaften begrüßt er die Wiederbesiedlung Brandenburgs durch den Wolf ohne Einschränkung. Simon Karrer, zuständig im ÖJV für das Thema:

„Der Wolf ist eine einheimische Art, er bereichert das noch vorhandene Artenspektrum, er ist
Fitnesstrainer unserer Wildbestände. Wir betrachten den Wolf nach wie vor nicht als jagdlichen
Konkurrenten. Wenn zwei das gleiche wollen, gibt es auch immer die Möglichkeit zu kooperieren.“ 


Das Streben des ÖJV zielt auch auf die Reduzierung der überhöhten Schalenwildbestände. In diesem Sinne hoffen die ökologischen Jagenden auf eine Unterstützung durch die wachsende Wolfspopulation. Wölfe und Rehe kennen sich seit Jahrtausenden, sie sind aneinander angepasst. Jegliche Spekulation über eine Ausrottung einheimischer Arten durch den Wolf ist abwegig. Dass das Muffelwild in Brandenburg als nichtheimische und damit eben nicht angepasste Art seine letzten Tage erlebt ist logisch, notwendig und zu begrüßen.

Fest steht: wir Menschen müssen uns anpassen. Die Jagenden genauso wie die Weidetierhalter, deren Anliegen dem ÖJV keineswegs fremd sind. Unser Verein versteht vollkommen die Problemlage, warnt aber eindringlich davor, den Wolf als alleinigen Grund für die ökonomischen Schwierigkeiten zu brandmarken. Zu klären wäre, warum es das Herdenschutzzentrum, das 2013 etabliert werden sollte, noch nicht gibt.

Der ÖJV warnt eindringlich davor, irgendeine Art der Bejagung der Wolfspopulation in Betracht zu ziehen. Die Tötung von Problemwölfen ist jetzt bereits möglich, die damit betrauten Behörden gehen damit verantwortungsvoll um. Jede darüber hinaus gehende Möglichkeit, Wölfe legal der Wildbahn zu entnehmen, würde die Wiederbesiedlung stark gefährden und im Falle besetzter Wolfsreviere mehr Probleme verursachen. In diesem Zusammenhang fordert der ÖJV die gründliche Untersuchung und Aufklärung aller illegalen Wolfstötungen sowie eine strenge Bestrafung der Täter. Es kann nicht sein, dass schwere Artenschutzkriminalität in den Bereich des Kavalierdeliktes driftet. Das MLUL ist aufgefordert, sich innerhalb der Landesregierung für ein entsprechendes Ermittlungsreferat der Polizei stark zu machen. Darüber hinaus ist die Abschaffung des Tötungsrechtes gegenüber Hunden im Jagdrecht ein wichtiger Schritt, um illegalen Wolfstötungen keinen Vorschub zu leisten. Hier sollte das Land Brandenburg seine Abweichungskompetenz nutzen und mit gutem Beispiel voran gehen. (PM ÖJV Brandenburg, 13.2.17)

08.02.2017

Beendet: Umfrage zum Wolf in den Medien

Die Umfrage ist beendet. Ich danke allen, die mitgemacht haben.
Ich werde die Ergebnisse auswerten und in Kürze darüber berichten.


Ich weiß nicht, wie es euch geht, aber ich kann so langsam die erfundenen Horrorgeschichten über Wölfe und die Hassbotschaften nicht mehr hören. Ich sehne mich danach, mehr positive Storys zu lesen, die es sicher irgendwo da draußen gibt.
Ich möchte wissen, wie ihr das seht. Darum habe ich in der linken Spalte eine kleine Umfrage gestartet. Würde mich freuen, wenn ihr  mitmacht. Ihr dürft auch gerne mehrfach anklicken.





05.02.2017

Wissen Wolf: Wurden die deutschen Wölfe wiederangesiedelt?


Wiederansiedlung versus Rekolonisierung

In den letzten Tagen konnten wir vermehrt in den Medien über die "wiederangesiedelten" Wölfe lesen.
Beispiel: "Aktuelle Debatte des Landtages / Barth: Die Wiederansiedlung der Wölfe verlangt verstärkte Präventionsmaßnahmen."

Daher möchte ich noch einmal richtigstellen, dass wir in Deutschland KEINE Wiederansiedlung von Wölfen haben, sondern eine natürliche Rückwanderung. Bei einer Wiederansiedlung wird eine bedrohte Tierart, die vorher nicht (mehr) in diesem Gebiet gelebt hat, von Menschen zurückgebracht. So wurden beispielsweise im amerikanischen Yellowstone-Nationalpark in den neunziger Jahren Wölfe angesiedelt, die man aus Kanada holte. In Deutschland jedoch kommen die Wölfe auf eigenen Pfoten ins Land zurück, das bedeutet, dass hier eine Rekolonisierung stattfand. Unsere ersten Wölfe kamen eigenständig aus Polen ins Land.

Sämtliche andere Spekulationen (wie z.B. die der "Kofferraumwölfe") sind absurde Verschwörungstheorien, so wie die von 9/11 oder der nicht stattgefunden Mondlandung, über die zu diskutieren Zeitverschwendung ist. Wissenschaftliche Fakten beweisen das Gegenteil.

Mehr dazu in unserem neuen Buch im Kapitel "Willkommen Wolf" > Umstrittene Rückkehrer.

© Elli H. Radinger

04.02.2017

Rezension: Tödliche Freundschaft

Tödliche Freundschaft
Was wir den Tieren schuldig sind und warum wir ohne sie nicht leben können

Florian Schwinn
Westend Verlag, 2017
320 Seiten
ISBN 978-3864891434
24,00 €

Hier können Sie das Buch bestellen

Inhalt
Ohne die Tiere - keine modernen Menschen! Denn der Homo sapiens hätte sich niemals zur weltbeherrschenden Gattung entwickelt, wenn unsere Vorfahren nicht eine besonders eiweißreiche Nahrung für sich entdeckt hätten: das Fleisch. Wer das begreift, muss die Tiere anders behandeln - achtsam und mit Respekt. Aber wer das begreift, kann die Menschheit auch nicht zu Veganern machen. Denn eine flächendeckende vegane Ernährung wäre weder gesund noch naturnah. Sie wäre auf Kunstdünger und Chemie angewiesen. Florian Schwinn zeichnet die Kulturgeschichte der untrennbaren Beziehung des Menschen und seiner Nutztiere nach, liefert ein leidenschaftliches Plädoyer für die Rechte der Tiere und begründet, warum die globale Umstellung auf vegane Ernährung ein Irrweg wäre. Denn vegan bedeutet Tiertod, Hungersnot und Agrarchemie.

Rezension
Dieses Plädoyer für unsere Haus- und Nutztiere aus Tierschutzsicht ist längst überfällig und interessant dargestellt, wenngleich auch verwirrend umgesetzt.

Im ersten Kapitel „Der große Wuff“ geht es um Kaniden, um die Entstehung und das Verhalten von Wolf und Hund. Allerdings tue ich mich schwer mit den Quellen, aus denen der Autor oft zitiert und recherchiert hat. Immer wieder beruft er sich auf (die von mir sehr geschätzten) Konrad Lorenz und Erik Zimen und deren Wolfsbeobachtungen. Beide Forscher haben jedoch Gehegewölfe beobachtet, und diese verhalten sich – wie hinlänglich bekannt ist – nun einmal anders als wild lebende Wölfe. Leider gibt es fast keine Aussagen aus der aktuellen Freilandforschung der letzten fünf bis zehn Jahre. Nur so kann es geschehen, dass der Autor immer wieder den völlig überholten Begriff des „Alphawolfs“ verwendet, oder davon spricht, dass die Wölfe den Ranghöheren „dienen“, aus dem Rudel ausgestoßen werden, nicht bellen etc. All dies entspricht nicht der Realität und dem Verhalten wild lebender Wölfe. Leider kann ich in den Literaturquellen (die im Übrigen nicht den Vorgaben für Zitate entsprechen) keine einzige aktuelle Quelle entdecken. Das ist sehr schade.
Dabei übt der Autor berechtigte Kritik an vielen Missständen, um mit Qualzuchten und dem gelangweilten Gebrauchshund nur zwei zu nennen. Die Lektüre lohnt sich also durchaus.

Auch im weiteren Verlauf beschäftigt sich der Autor aus Tierschutzsicht sehr kritisch mit der Schweine-, Hühner- und Rinderzucht.

Das Buch ist für alle Tierfreunde definitiv lesenswert, weil es eine Unmenge an Informationen bietet. Für mich persönlich jedoch ist der Text zu unübersichtlich, auch weil der Autor bei vielen Themen hin und her springt. Mehr fehlt ein roter Faden und ich habe Probleme, dran zu bleiben.

Zur weiteren Information empfehle ich die (leider ebenso unübersichtliche) Webseite des Buches/Autors: florianschwinn.de/ mit zahlreichen Links und Informationen.

Außerdem möchte ich noch auf das Titelbild hinweisen, in dem ein Bauer den Kopf seiner Kuh im Arm hält. Für mich drückt dieses Bild mehr liebevolle Zuneigung zum Tier aus, als es ein Standardbild mit Hund im Arm getan hätte. (Elli H. Radinger)

02.02.2017

Wolfwatching im Wendland

Wieder einmal hat es mich in die Göhrde gezogen. Mit vier guten Freunden wollte ich Spuren der deutschen Wölfe suchen. Wir hatten alle Entzugserscheinungen, denn wir waren gemeinsam mehrmals in Yellowstone gewesen und von den täglichen Wolfssichtungen dort sehr verwöhnt.
Wir wussten, dass wir in Deutschland kaum eine Chance haben, einen wilden Wolf zu Gesicht zu bekommen. Uns reichte das Gefühl, dass irgendwo in der Nähe Canis lupus sein könnte.

Auf der Karte ist die Göhrde rot markiert.




















Unser langes Wolfswochenende begann hier:



Wolfsberater Kenny Kenner hat einen unglaublichen Wissenschatz nicht nur über Wölfe im Allgemeinen und die lokalen Wölfe im Besonderen, sondern auch über die ökologischen Zusammenhänge und die Probleme, die zum Leben mit Wölfen dazugehören.


Auf einem Feld hatten die Wölfe einen Tag zuvor ein Reh gerissen.


Außer ein paar Haaren und Knochen war nichts mehr übrig. Die Wölfe, Füchse und andere Nutznießer hatten ganze Arbeit geleistet.




Dann wurde ernst. Es ging ins Wolfsgebiet. Hier leben momentan ein Elternpaar und sechs Jungwölfe.


Hütehund Alva hatte alle Pfoten voll zu tun, um das Team zusammenzuhalten. Oft kann man schon am Verhalten von Hunden erkennen, ob Wölfe in der Nähe sind.


Hurrah, die erste Wolfsspur.


Daaa ist er lang gelaufen.


Nochmal nachmessen! Geschnürte Spur, Schrittlänge passt - ein Wolf!


Und gleich der nächste Beweis!


Auf solchen Forstwegen, die natürlich auch die Wölfe gerne nutzen, findet man immer wieder Markierungen, besonders an Kreuzungen und anderen strategisch wichtigen Punkten.


Insgesamt sammelten wir an diesem Tag 16 Kotproben und sahen zahlreiche frische Wolfsspuren.


Kenny (hier mit Joe) demonstrierte, wie Kotproben entnommen und registriert werden.




Das Wolfwatcher-Team.
Von links: Barbara, Elli, Geli, Sabine, Joe, Kenny, Andrea.


Die nächste Wolfswoche in der Göhrde, an der ich ebenfalls mit einer Lesung/Vortrag  teilnehme, findet in Zusammenarbeit mit dem BUND vom 18. bis 25. Juni 2017 statt.
Weitere Informationen und Anmeldung hier ...


Wer möchte, kann noch einmal meinen Bericht aus dem Sommer in diesem Blog nachlesen:   Wolfstourismus in Deutschland.

Und auch im neuen Buch von Günther Bloch und mir "Der Wolf kehrt zurück" beschäftigen wir uns intensiv mit den Vorteilen (und Gefahren) des Wolfstourimus.

(Alle Fotos: Elli H. Radinger, Karte: Wikipedia)

01.02.2017

Mecklenburg-Vorpommern: Wolf und Biber – Aufnahme ins Jagdrecht hebt Schutzstatus nicht auf


Im Landtag von Mecklenburg-Vorpommern wurde heute (25.1.17) auf Antrag der AfD die Aufnahme des Wolfes und des Bibers in die Liste des jagdbaren Wildes diskutiert. Dazu nahm Landwirtschafts- und Umweltminister Dr. Till Backhaus wie folgt Stellung:

„Eine Aufnahme in das Jagdrecht würde am Schutzstatus einer geschützten Art nichts ändern. Das gilt für den Wolf genauso wie für den Biber. Ändern und verkomplizieren würden sich nur die Zuständigkeiten. Der Wolf unterstünde dann der Hege und Pflege der Jägerschaft und dürfte aufgrund seiner ganzjährigen Schonzeit trotzdem nicht bejagt werden. Vor diesem Hintergrund frage ich mich ernsthaft, worin der Mehrwert einer Aufnahme in das Jagdrecht liegt.“

Für die Jägerschaft bedeute die Aufnahme ins Jagdrecht eine Reihe zusätzlicher Aufgaben: Monitoring der Wolfspopulation, Markieren/Besendern, Aufnahme verletzter Exemplare, Seuchenbekämpfung, Erschließung von Finanzquellen für Forschungsprojekte, Ausgleichszahlungen für Schäden, Information der Öffentlichkeit usw. „Der Landesjagdverband hat mehrfach öffentlich betont, dass er einer Aufnahme eben aus diesen Gründen skeptisch gegenübersteht“, so Dr. Backhaus.

Mit dem Managementplan für den Wolf in Mecklenburg-Vorpommern, der von Landwirten, Jägern und Naturschützern hoch anerkannt ist, hat das Land seit 2010 eine wichtige Grundlage für den Umgang mit dem Wolf geschaffen: „Natürlich ist auch klar, dass unsere Arbeit damit nicht beendet ist. Gerade mit Blick auf die stetig anwachsende Population – beim Wolf und beim Biber – müssen wir unser Handeln immer wieder hinterfragen und an aktuelle Entwicklungen anpassen“, räumte der Minister ein.

Auf der Umweltministerkonferenz im Dezember in Berlin hat er sich deshalb beim Wolf für populationsbezogene Betrachtungen eingesetzt. „Wir haben die Bundesregierung aufgefordert, bis Herbst 2017 entsprechende Daten vorzulegen. Es geht darum, eine Population zu definieren, die der Raum verträgt. Und es geht darum, dem subjektiven und dem praktischen Sicherheitsbedürfnis gerecht zu werden.

Wenn es Konfliktsituationen mit verhaltensauffälligen Wölfen oder Hybriden gibt, können wir schon jetzt Maßnahmen einleiten und einen Wolf auf Grundlage des Bundesnaturschutzgesetzes oder des Sicherheits- und Ordnungsgesetzes töten.“

Auch beim Biber bestehen gemäß Bundesnaturschutzgesetz (§45 Abs. 7) Ausnahmemöglichkeiten, um erhebliche wirtschaftliche Schäden abzuwenden oder die öffentliche Sicherheit zu gewährleisten. So können beispielsweise Biberdämme entfernt oder Tötungen vorgenommen werden, zuletzt geschehen im Falle des Elbehochwassers, als Hochwasserschutzdeiche gefährdet waren und damit Gefahr für Leib und Leben bestand.

Für die Aufnahme in die Liste jagdbaren Wildes ist der Biber aber ebenfalls nicht geeignet. Die Art unterliegt – ebenso wie der Wolf – der FFH-Richtlinie (Richtlinie 92/43/EWG). „Für den Biber ist daher ein flächenhafter Schutz zu gewährleisten“, so Backhaus. Aus einer allgemeinen Ausnahmeverordnung, wie sie in Brandenburg und Bayern besteht, ergibt sich jedoch „kein spürbarer Mehrwert“, da sie die Schutzbestimmungen innerhalb von Naturschutzgebieten, Nationalparks oder NATURA 2000-Gebiete nicht außer Kraft setzt. Auch macht die Verordnung konkrete Einzelfallbefassungen nicht entbehrlich, da diese im Bundesnaturschutzgesetz festgeschrieben sind.
(Quelle, Nr.027/2017  | 25.01.2017)